Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Zuviel Dope? No Hope auf Transplantation

with 10 comments

Ein Mann leidet an einem bösartigen Tumor der Leber. Die letzte übrig gebliebene Therapieoption ist die Lebertransplantation.
Aber Spenderorgane sind selten. Der Patient kommt also auf die Warteliste – und fliegt davon wieder runter, weil er Canabis konsumiert hat. Aus medizinischen Gründen, wohlgemerkt, als Schmerzmittel auf Rezept. In Kalifornien, wo diese Geschichte spielt geht das. Ist aber trotzdem böse, sagen die Leber-Experten und vermindert das Risiko einer erfolgreichen Transplantation.
Jetzt geht die Geschichte nicht nur in Amerika durch die Medien.
In der Transplantationsmedizin müssen jeden Tag knallharte Entscheidungen getroffen werden: Die Anzahl der Organe ist begrenzt, die Anzahl der in Frage kommenden Patienten jedoch hoch. Wer behandelt wird, darf leben, wer leer ausgeht… Pech gehabt.
Fair ist das nicht immer… aber Alternativen gibt es nicht…

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Written by medizynicus

4. Dezember 2011 um 18:40

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

10 Antworten

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  1. Die spinnen die Amis…

    jaynesabbath

    4. Dezember 2011 at 19:17

  2. mein bruder hätte eine organtransplantation gebraucht um am leben bleiben zu können. auch wenn das jetzt vielleicht grausam klingt: ich bin froh, dass er die organe nicht bekommen hat. warum? weil er die operation sehr wahrscheinlich nicht überlebt hätte… wem wäre mit der transplantation dann geholfen gewesen? nochmal eine heftige belastung durch die operation, mehr schmerzen, mehr medikamente, mehr leid, und dann doch sterben. und ein anderes kind, das bei der transplantation bessere chancen gehabt hätte, wäre leer ausgegangen, vielelicht nur, weil es ein paar tage später auf die warteliste gesetzt wurde…

    natürlich ist es immer schwer zu entscheiden, wer die spenderorgane bekommen soll. wer darf weiterleben – wer nicht. aber manchmal ist es vielleicht besser, keine organe zu bekommen – und „in ruhe“ sterben zu dürfen.

    silberträumerin

    4. Dezember 2011 at 19:19

  3. Opiate (Morphium, aber ach Heroin…) wären aber erlaubt?
    Die Amis sind bigott.

    Wolfram

    6. Dezember 2011 at 13:00

  4. jaynesabbath und Wolfram, jetzt regt euch mal nicht auf. Ein Blick in den Text erleichtert das Verständnis. Wenn Cannabiskonsum, auch zu medizinischen Zwecken, die Chancen auf eine erfolgreiche Transplantation vermindert (ich kann das nicht beurteilen, aber möglich ist das), dann ist das ein wohl ein gültiges Beurteilungskriterium, neben anderen. Es steht ja nicht da, dass er aus politischen oder juristischen Gründen keine Leber bekommt, sondern aus medizinischen. Wolfram, woher nimmst du das Wissen, dass Opiate erlaubt wären? Ach, das weisst Du gar nicht, das ist eine Vermutung? Ist ja interessant.

    Hauptsache, man kann die Amis bashen. Immer dran denken: Wenn die nicht wären, würden wir heute alle in SS-Uniformen rumlaufen und völkische Kristallaurahokuspokususw. betreiben…

    Christian

    8. Dezember 2011 at 11:21

  5. Wat, wer bis du denn?
    Halten wir mal fest: wenn ein Kriterium „gültig“ ist, dann heißt das nur, daß das Kriterium in irgendeinem Kriterienkatalog steht. Daß in Memphis 1960 Schwarze nicht vorne in den Bus steigen durften, war auch ein „gültiges“ Kriterium. Ob das Kriterium aber legitim ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
    Und da stellt sich absolut die Frage, wieso ein medizinisch gerechtfertigtes Medikament als Ausschlußkriterium behandelt wird. Da hast DU wohl den Text nicht gelesen:
    Sei es da richtig, eine Leber an jemanden zu geben, der Drogen genommen habe, solange andere Patienten von der Warteliste sterben, weil sie kein Organ bekommen? (Hervorhebung von mir).
    Und genau DAS IST BIGOTT.

    Wolfram

    8. Dezember 2011 at 16:47

  6. Lieber Wolfram, dein Zitat aus dem Spiegel ist EIN Aspekt der Geschichte, das Zitat kommt außerdem von einem Mediziner, der mit dem konkreten Fall nichts zu tun hat.

    Ist hier irgendein Mediziner, der die Legitimität des Arguments beurteilen kann – also ob Cannabis eine erfolgreiche Transplantation weniger wahrscheinlich macht? Offenbar, Wolfram, bist Du nicht so einer (ich auch nicht).

    Und natürlich ist es so, dass medizinisch gerechtfertigte Medikamente durchaus einen Ausschluß anderer Medikamente rechtfertigen können, man lese sich nur mal die Beipackzettel diverser Herz- oder Blutdruckmedikationen durch. Das ist nicht böse oder rassistisch, das ist halt so – facts of life.

    Den Vergleich mit Memphis etc. finde ich übrigens erbärmlich.

    Christian

    9. Dezember 2011 at 14:28

  7. Nun, hier ist ein Mediziner – der Blogeigner. Der sagt aber nix.
    Und die aufgeworfene Frage wird dadurch auch nicht beantwortet: das Cannabis ist verordnet worden als Schmerzmittel. Das heißt, man vermeidet dadurch eine Behandlung mit Opiaten, etwa Morphium. Und geht dann nachher hin und verteufelt den Patienten als Junkie.
    Denn das steht auch hinter dem anderen Zitat, das sich medizinisch-objektiv geben will: „wer raucht oder trinkt oder kifft, nimmt seine Medikamente nicht“ (aus dem Gedächtnis wiedergegeben), heißt doch auch wieder, man behandelt einen Mann als Abhängigen, der ein legales Schmerzmittel nach ärztlicher Anordnung angewendet hat. Logischerweise würde man den Mann nicht anders behandeln, hätte er Morphium bekommen, das ist schließlich mit Heroin verwandt.
    Und genau das IST bigott.

    Der Vergleich mit Memphis ist krass, aber notwendig, um dir aufzuzeigen, daß ein „gültiges“ Kriterium noch kein gutes sein muß.

    Wolfram

    9. Dezember 2011 at 18:35

  8. @Wolfram: Ich bin zwar Mediziner, aber leider auch nicht Allwissend. Aus meinem gesunden Menschenverstand heraus kann ich die Frage etwa so beantworten: Canabis wird über die Leber verstoffwechselt, belastet also die Leber – ähnlich wie jedes andere Medikament. Wie sehr es die Leber beansprucht, weiß ich nicht, glaube aber mal gehört zu haben, es sei weniger schädlich als Alkohol (wohl auch eine Frage der Menge der Vergleichbarkeit…)

    medizynicus

    9. Dezember 2011 at 18:50

  9. Medizini: Danke für die Erläuterung, das hatte ich schon vermutet,

    Lieber Wolfram, danke für die auch krasse Erklärung, aber ich bin durchaus in der Lage, zu differenzieren. Ob das für Dich auch gilt, weiss ich nicht. Ich fürchte eben nur, dass Du ausschließlich eine Sichtweise als richtig anerkennst, nämlich die, dass dem Manne vorsätzlich nicht geholfen werden soll aus anderen als medizinischen Gründen. Das mag sein, wir wissen es aber nicht, es kann auch genau andersrum sein. Dass nämlich der eine Leber kriegt, bei dem das Risiko einer Abstoßung eher gering ist, weil sonst wäre ja die Leber „verschwendet“. Immerhin gibt es weniger Angebot als Nachfrage, da ist eine optimale Ressourcenallokation schon geboten. Auch in Deutschland gibt es da ein Scoringmodell, wenn ich mich recht entsinne.
    Fakt ist: Wir wissen nicht, was wirklich die Grundlage des Nichtzulassens-zur-Lebertransplantation ist, und bis dahin sollte man sich hüten, pauschal „die Amis“ als bigott zu bezeichnen.

    Christian

    9. Dezember 2011 at 20:41

  10. Nur daß wir uns da recht verstehen: ich ziehe nicht die medizinischen Argumente in Zweifel.
    Aber allein die Tatsache, aus jemandem, der aus medizinischen Gründen bestimmte Stoffe angewendet hat, per se einen Junkie zu machen und ihm wegen der Anwendung bestimmter medizinisch indizierter Stoffe die moralische Güte abzusprechen, ein Transplantat zu bekommen – das ist und bleibt in meinen Augen bigott.
    Dann steht nämlich womöglich als nächstes Argument das Piercing oder das Tatoo im Raum, und irgendwann dann doch auch die Frage, ob er geschieden ist…

    Medizinische Entscheidungen müssen auch medizinisch begründet werden. Mit medizinisch haltbaren Argumenten, nicht mit Sozialprognosen.

    Wolfram

    9. Dezember 2011 at 21:00


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