Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Medikamente und Müllverbrennung

with 4 comments

Die Schweinegrippe ist vorbei. Millionen ungebrauchte Impfstoffdosen landen in der Müllverbrennung.
Bernd Hontschik, Chirurg, Medizinjournalist und Medizyniker ließ sich hierdurch zu einer genialen Idee inspirieren:
Bekanntlich gibt es viele überflüssige, unwirksame und gefährliche Medikamente. Viele davon werden zwar von fürsorglichen Ärzten verschrieben, von aufmerksamen Patienten aber nach Lektüre des Beipackzettels nicht genommen und gammeln in irgendwelchen Schubladen vor sich hin.
Und wenn sie denn doch genommen werden, richten sie mehr Schaden als Nutzen an.
Und so fragt Hontschik:

Wie wäre es, wenn man diese ab sofort direkt vom Hersteller an geeignete Müllverbrennungsanlagen
liefern lassen würde. Der Pharmaindustrie wäre das Geld direkt zu überweisen,
die Arbeitsplätze blieben erhalten. Das wäre umweltfreundliche Entsorgung anstelle des lästigen
Umweges über den Körper kranker Menschen. Nur – was machen wir dann mit der Apotheken-
Umschau?

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Written by medizynicus

10. Dezember 2011 um 19:15

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

4 Antworten

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  1. andere idee der arzt, der seinem patienten nicht erklaert, warum er das medikament bekommt, und welche
    (zumindest grob) nebenwirkungen es haben kann, wird durch eine muellverbrennungsanlagenabgabe
    an den kosten der entsorgung beteiligt
    sorry medizynicus, aber der musste in (-;
    gruss landkrauter

    landkrauter

    10. Dezember 2011 at 20:10

  2. Hätte die Bundesregierung keine Impfdosen auf Vorrat angeschafft und hätte die Schweinegrippe einen ernsteren Verlauf genommen, hätte sich dieser Herr Hontschik wahrscheinlich über die ganzen Grippetoten beschwert. Wie man es macht, es ist verkehrt. Im Nachhinein zu behaupten, dass man selber alles besser gewusst hätte, ist irgendwie armselig.

    Fakt ist: Es gab einen im Voraus von der WHO entwickelten Plan für den Fall einer Pandemie. Der Pandemiefall war da. Der Wirkstoff musste produziert und auf Vorrat eingekauft werden. Die Produktion des Impfstoffs braucht halt ein paar Monate Vorlaufzeit, das ist halt keine Sache von zwei Tagen.
    Man könnte auch einen Artikel schreiben, dass die forschende Pharmaindustrie logistisch in der Lage war, diese Unmengen an Impfstoff kurzfristig zu produzieren, was ein medizinischer Benefit im Fall einer Pandemie ist. Natürlich wäre der Artikel uninteressant, da man dann ja nicht mal wieder auf die Industrie eindreschen kann.

    Goofy

    11. Dezember 2011 at 03:19

  3. @goofy volle zustimmung!
    und ich arbeite NICHT in dieser branche
    ichhab mich allerdings nicht impfen lassen,
    weil mir der impfstoff damals etwas zu
    wenig „entwickelt“ erschien.
    gruss landkrauter

    landkrauter

    11. Dezember 2011 at 16:06

  4. @landkrauter: Ich habe mich damals auch nicht impfen lassen, da im November/Dezember 2009 grob abschätzbar war, dass die Schweinegrippe keinen ernsten Verlauf nehmen wird. Aber das war halt im April 2009, als die Entscheidung PRO oder KONTRA Produktion getroffen werden musste, nicht abschätzbar. Somit hat die Bundesregierung nach dem Kentnisstand von April 2009 völlig richtig gehandelt, Pandemrix auf Vorrat produzieren zu lassen.
    Was das „zu wenig entwickelt“ angeht: Der Impfstoff baute auf demselben Wirkprinzip auf wie alle anderen Impfstoffe. Man stellt dem Körper ein nicht krank machendes Antigen zur Verfügung, damit er Antikörper gegen die Erkrankung aufbauen kann. Das einzige was bei Pandemrix anders war, war, dass der Impfstoff auf die etwa vierfache Menge gestreckt und damit verdünnt wurde, damit man ausreichende Mengen zur Verfügung hat. Daher hat man einen Hilfsstoff dazugegeben, der grob die Immunabwehr an der Injektionsstelle ankurbelt (das waren diese viel diskutierten Wirkstoffverstärker), so dass auch die schwächere Dosierung ausreicht.
    Nebenbei: Die Berichterstattung in der Presse war natürlich total überzogen, sicherlich auch in der Frankfurter Rundschau. Das war damals Panikmache pur, zuerst wurde die Apokalypse wegen der Schweinegrippe heraufbeschworen, anschließend der Impfstoff verteufelt. Aber das kann man jetzt der Bundesregierung oder Novartis wirklich nicht ankreiden, da sollte die Presse mal selbstkritisch darüber nachdenken.

    Goofy

    13. Dezember 2011 at 13:41


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