Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Dezember 2011

Jahreszeitlicher Marathon

with 6 comments

….O Mannomannomann, es gibt Jahreszeiten, da weiß man nicht, wo einem der Kopf steht:

  • Gestern: Gemeinsames Glühweintrinken mit Kollegen auf dem Bad Dingenskirchener Weihnachtsmarkt
  • Heute: Einladung von Chef zum höchstprivaten Weihnachtsdinner… klingt hochedel und ich bin mehr als gespannt.
  • Morgen: Hochoffizielle Stationsweihnachtsfeier….. und ich brauche immer noch ein Wichtelgeschenk…. Hat irgendwer ’nen Tipp?
  • Sonntag: ganz private Weihnachtsfeier – räusper – mit Jenny
  • Montag: Vorweihnachtlicher After-Work-Absacker mit Kalle und Sarah
  • Dienstag: Weihnachtsfeier der Geschäftsführung, irgendwann nachmittags im Klinikfoyer…. klingt… naja….
  • Mittwoch: Mittwoch: schnuckeliger Adventstee
  • Donnerstag: Festliches Trompeten- und Posaunenkonzert
  • Freitag: Last-Minute-After-Work-Weihnachtsumtrung mit anschließendem Last-Minute-Shopping
  • Samstag… äh… war da irgendwas? Hab ich vergessen!

Wird also bis auf Weiteres nix mit Bloggen. Sorry, Leute!

Written by medizynicus

16. Dezember 2011 at 19:02

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Ambulant? Stationär? Zahl’n wir nicht!

with 2 comments

Manch ein geneigter Stammleser mag sich vielleicht noch an Madame Jaqueline erinnern. Madame Jaqueline ist eine geschätzte und geachtete Bürgerin unserer kleinen Stadt und betreibt draußen bei der Autobahn den Club Jaqueline. Das ist so ein Haus, wo man… ähem… ich glaube, Ihr könnt Euch schon denken, was man da kann. Ist ja auch egal…. räusper.
Also, jedenfalls war Schnauzbart letztens da. Was er dort gemacht hat?
Also, natürlich…. ich will jetzt nicht in Details gehen, aber er hat die Dienste dieses Hauses jedenfalls in aller Form in Anspruch genommen, und anschließend hat man ihm, wie in freudigen Häusern so üblich, halt bei einem Gläschen Sekt die Rechnung präsentiert.
Nee, zahl ich nicht, sagt Schnauzbart.
Aber wie so denn, fragt Madame Jaqueline mit honigsüßer Lächelstimme, hat’s Dir etwa nicht gefallen, süßer?
Nee, darum geht’s nicht, sagt Schnauzbart.
Ich zahl doch nicht den Stationären Preis für eine Leistung, die ich ambulant viel billiger kriege.
Sagt’s, trinkt sein Glas aus und knallt es auf den Tich. Die Mädels von Jaqueline ziehen ihre Näschen kraus.
Wie meinst’n Du das, fragt Jaqueline.
Schnauzbart grinst.
Ganz einfach, sagt er, hinterm Bahnhof, da gibt’s so ein paar Junkie-Mädels, die machen’s im Stehen im Hinterhof, ganz billig. Und ich zahl doch nicht bei Euch in einer stationären Einrichtung für die selbe Leistung einen viel höheren Preis, wenn ich dassselbe anderswo billiger kriege.
Aber Momentmal, sagt Jaqueline, Du hast unsere Leistung in Anspruch genommen, und jetzt….
…und jettzt Tschö mit Ö, sagt Schnauzbart und macht sich vom Acker.
Und viele Grüße an die AOK, sagt er im Rausgehen, die machen’s doch genauso!

Written by medizynicus

13. Dezember 2011 at 07:00

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Ambulant? Stationär? Fehlbelegung!

with 2 comments

„Schon wieder eine Fehlbelegung!“
Oberarzt Heimbach seufzt.
„Sie meinen Frau Klusenschröter? Sie meinen, weil bei deren Koloskopie nichts rausgekommen ist?“
Heimbach schüttelt den Kopf.
„Es ist egal, was bei der Koloskopie herausgekommen ist. Es geht darum, dass die Untersuchung überhaupt durchgeführt worden ist. Also darum, dass sie hier gemacht worden ist…“
Ich blättere in der Krankenakte.
„Der Hausarzt hat sie engewiesen zur Abklärung einer seit mehreren Monaten bestehenden Anämie…“ berichte ich, „…wir haben die üblichen Laboruntersuchungen gemacht und dann eine Magen- und eine Darmspiegelung und morgen früh geht sie wieder heim…“
„…und das Krankenhaus bekommt keinen einzigen Cent dafür!“ fällt der Oberarzt mir ins Wort. Das ist normalerweise nicht seine Art. Aber gestern war da wohl ein Meeting mit der Geschäftsführung und seither scheint unserem sonst so sachlich-ruhig-kompetentem Oberarzt eine Laus über die Leber gelaufen zu sein.
„Die Krankenkasse wird uns fragen, warum die Untersuchungen nicht ambulant durchgeführt werden konnten…“
„…weil Frau Klusenschröter nun einmal ziemlich wackelig auf den Beinen ist und außerdem ein wenig tüdelig. Diese Koloskopie-Vorbereitung, also literweise diese Darmreinigungs-Lösung zu trinken und alle Nase lang aufs Klo zu rennen, das hätte die zu Hause doch niemals geschafft. Und außerdem ist es doch viel bequemer, das ganze Programm innerhalb von zwei Tagen schnell durchzuziehen als wochenlang auf einen Termin zu warten…“
„Natürlich ist es bequemer. Aber Bequemlichkeit zählt nun einmal nicht bei den Krankenkassen. Das einzige, was zählt ist, dass zwei Tage Krankenhausaufenthalt ein bisschen teurer sind als die ambulante Prozedur. Und deshalb hätten wir die Sache schlicht und einfach nicht machen dürfen und schauen durch die Röhre.“
„Aber das ist doch…“
„Sagen Sie jetzt nichts!“ fährt Oberarzt Heimbach mir über den Mund, klappt die Krankenakte zu und rollt den Visitenwagen zum nächsten Zimmer.

Written by medizynicus

12. Dezember 2011 at 21:35

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with , , , ,

Medikamente und Müllverbrennung

with 4 comments

Die Schweinegrippe ist vorbei. Millionen ungebrauchte Impfstoffdosen landen in der Müllverbrennung.
Bernd Hontschik, Chirurg, Medizinjournalist und Medizyniker ließ sich hierdurch zu einer genialen Idee inspirieren:
Bekanntlich gibt es viele überflüssige, unwirksame und gefährliche Medikamente. Viele davon werden zwar von fürsorglichen Ärzten verschrieben, von aufmerksamen Patienten aber nach Lektüre des Beipackzettels nicht genommen und gammeln in irgendwelchen Schubladen vor sich hin.
Und wenn sie denn doch genommen werden, richten sie mehr Schaden als Nutzen an.
Und so fragt Hontschik:

Wie wäre es, wenn man diese ab sofort direkt vom Hersteller an geeignete Müllverbrennungsanlagen
liefern lassen würde. Der Pharmaindustrie wäre das Geld direkt zu überweisen,
die Arbeitsplätze blieben erhalten. Das wäre umweltfreundliche Entsorgung anstelle des lästigen
Umweges über den Körper kranker Menschen. Nur – was machen wir dann mit der Apotheken-
Umschau?

Written by medizynicus

10. Dezember 2011 at 19:15

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Medizin: Zum Sterben geboren – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft

with 8 comments

Medizin: Zum Sterben geboren – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft.

äh… ähem, äh… f….d by modern technology oder so… tja, eigentlich hätte dieser Artikel noch gar nicht veröffentlicht sein sollen, ihr wisst ja, normalerweise mache ich das nicht, irgendwelche Links einfach so rauszuhauen…. und die Überschrift hätte ich normalerweise auch noch verändert Sorry! Aber jetzt isses passiert, also zum Thema:
Wieder mal ein Artikel, der mich sehr nachdenklich und betroffen gemacht hat und der das ganze Dilemma der modernen Medizin auf den Punkt bringt:
Dürfen wir alles, was wir können?
Müssen sogar alles, was irgendwie möglich ist….?
Egal, wie klein die Chance, egal, wie hoch das Risiko, egal, wie….?
Oder darf und muss man abwägen?
Darf man auch über die Begrenztheit der Ressourcen nachdenken?
Hmmm. Wieder mal eine Angelegenheit, in der es kein Richtig und kein Falsch gibt….

Written by medizynicus

9. Dezember 2011 at 12:44

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Herr Zwackelmann (Teil 2)

with 3 comments

„Also gut, Herr Zwackelmann, sobald wir wissen, dass alles in Ordnung ist mit Ihnen können Sie heim!“
„Wann ist es denn soweit?“
Schauen wir mal. Da haben wir ja noch ein paar Baustellen: Abklärung der häuslichen Versorgung, da muss man den Sozialdienst einschalten. Dann das Übliche: Bei Schwindel und Verdacht auf Synkope brauchen wir natürlich ein Langzeit-EKG, eine Langzeit-Blutdruckmessung, ein Herzecho, Carotisdoppler und die üblichen Labortests. Außerdem war das Kalium niedrig und das Kreatinin mäßig erhöht, vermutlich trinkt er einfach nicht genug, das tun ja die meisten älteren Herrschaften nicht.
Ob man an der Dauermedikation etwas ändern muss?
Zu lange dürfen wir ihn nicht hier behalten, spätestens nach fünf Tagen muss er wieder raus, sonst macht die Verwaltung Probleme wegen der Verweildauer. Mal schauen, was wir DRG-mäßig alles verschlüsseln können: Da wäre die Synkope, die Exsikkose, die Hypokaliämie…
„Und, wann darf ich jetzt heim?“ krächzt der Patient.
„Ende der Woche!“ sage ich, klappe die Akte zu und strecke ihm nochmals meine Hand hin, „aber jetzt schauen wir erstmal, was bei den Untersuchungen herauskommt!“

Written by medizynicus

7. Dezember 2011 at 14:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Was macht Herr Zwackelmann im Krankenhaus?

with 5 comments

Zwackelmann Jakob, einundneunzig Jahre, Einweisungsdiagnose…?
Steht nichts in der Akte. Schon wieder nicht. Also gut, dann werde ich ihn also selbst fragen müssen!
Anklopfen, Eintreten, Hand hinstrecken, Lautstärke meiner Stimme dem Geburtsjahrgang meines Gegenübers anpassen.
„Guten Tag, was führt Sie denn zu uns?“
„Hä?“
Okay, Lautstärke nochmal erhöhen.
„Guten Tag…“
„Moment, Herr Doktor, mein Hörgerät!“
Hektisches Kramen in der Nachtkästchenschublade. Das wohlbekannte Pfeifen eines übersteuerten Hörgerätes.
„So, Herr Doktor, Sie müssen entschuldigen…“
„Was führt Sie denn zu uns?“
Der Patient zuckt mit den Schultern.
„Ich weiß nicht, Herr Doktor…“
Also gut, ich werde die Taktik ändern müssen.
„Erzählen Sie mir doch einfach mal in aller Ruhe, was da gestern Abend passiert ist, bevor Sie hierher gekommen sind!“
Hilfloses Schulterzucken.
Noch eine andere Verhörstrategie?
„Können Sie mir sagen, wo wir hier sind? Und welchen Wochentag wir haben?“
Vermutlich ist er also dement.
„Dienstag, der siebte Dezember Zweitausendelf. Und wir sind natürlich im Krankenhaus Bad Dingenskirchen auf Station Zwei, Zimmer…“
Sieh einmal an!
„Schon gut. Und Sie wissen auch, warum Sie hier sind?“
„Man hat mich hierher geschickt!“
„Wer hat Sie denn geschickt?“
„Ja, eigentlich wollte ich ja gar nicht. Mir war einfach nur ein bisschen schummerig. Da habe ich meinen Hausarzt angerufen, aber da ist keiner ans Telefon gegangen!“
„Wirklich nicht?“
„Also, da lief nur dieses Band… und nachher war ständig besetzt!“
„Und dann?“
„Dann lief wieder nur das Band.“
„Sie haben Ihren Hausarzt also nicht erreicht.“
„Ja, aber da ging es mir schon wieder etwas besser. Aber später, als meine Enkelin kam, war mir wieder etwas schummerig. Die hat dann den Notdienst angerufen, und die haben gleich den Krankenwagen geschickt“
Aha!
„Und jetzt? Wie geht es Ihnen?“
Keine Antwort. Er versucht, von meinen Lippen abzulesen. Also noch einen Tick lauter.
„Ist Ihnen noch schummerig?“
„Herr Doktor? Kann ich heim?“
Schauen wir mal!

Written by medizynicus

6. Dezember 2011 at 14:15

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with , , ,

Zuviel Dope? No Hope auf Transplantation

with 10 comments

Ein Mann leidet an einem bösartigen Tumor der Leber. Die letzte übrig gebliebene Therapieoption ist die Lebertransplantation.
Aber Spenderorgane sind selten. Der Patient kommt also auf die Warteliste – und fliegt davon wieder runter, weil er Canabis konsumiert hat. Aus medizinischen Gründen, wohlgemerkt, als Schmerzmittel auf Rezept. In Kalifornien, wo diese Geschichte spielt geht das. Ist aber trotzdem böse, sagen die Leber-Experten und vermindert das Risiko einer erfolgreichen Transplantation.
Jetzt geht die Geschichte nicht nur in Amerika durch die Medien.
In der Transplantationsmedizin müssen jeden Tag knallharte Entscheidungen getroffen werden: Die Anzahl der Organe ist begrenzt, die Anzahl der in Frage kommenden Patienten jedoch hoch. Wer behandelt wird, darf leben, wer leer ausgeht… Pech gehabt.
Fair ist das nicht immer… aber Alternativen gibt es nicht…

Written by medizynicus

4. Dezember 2011 at 18:40

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Medizin ohne Mitleid

with 3 comments

Ein Arzt sollte empathisch sein.
Ein Arzt sollte sich seinen Patienten höflich vorstellen und ihm zuhören. Er sollte den Patienten über geplante Diagnostik und Therapie aufklären, und zwar in verständlichen Worten. Und er sollte den Willen und die Wünsche des Patienten respektieren und dann gemeinsam eine Entscheidung treffen…
Äh…
wirklich?
Echt?
Wozu brauchen wir so ’ne Psychokacke, wenn es auch anders geht?
Der Name des Arztes bleibt grundsätzlich anonym. Therapieentscheidungen werden nicht mitgeteilt.
Der Patient weiß noch nicht einmal, wo er eigentlich ist.
Ob ein Patient überhaupt eine Behandlung erhält hängt nicht vom Gesundheitszustand des Patienten ab, sondern…. von strategischen Entscheidungen. Denn Arzt und Patient sind Feinde in einem Kampf mit ungleichen Waffen. So besteht das Zeil der Behandlung auch in erster Linie darin, den Patienten „Haft- und verhöhrfähig zu machen!“
es geht um das Stasi-Krankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen.
Was da passiert ist…?
Einfach nur erschütternd.

Written by medizynicus

2. Dezember 2011 at 22:30

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Wikio heißt jetzt E-Buzzing und das Blog-Ranking gibt’s immer noch

with one comment

…allerdings ist die Liste diesmal ohne Links gekommen:

1.) Gesundheitliche Aufklärung
2.) Monsterdoc
3.) DZVhÄ Homöopathie.Blog
4.) kids and me
5.) PharMama’s Blog
6.) Return of 8er Tubus
7.) Private Krankenkasse – Aktuelle News
8.) Alltagimrettungsdienst Blog
9.) Medizynicus
10.) Kidmed
11.) Nachrichten vom anderen Ende der Medizin
12.) Psychomuell
13.) gesundheits blog
14.) Schweinehundkiller
15.) medinfo
16.) rescue blog
17.) krankenversicherung.net Blog
18.) Neuraltherapie.Blog
19.) Der Krangewarefahrer
20.) Dr.Feil

…und da gibt’s jetzt einige Überraschungen. Erstmal Glückwunsch an Anna, die mich diesmal überholt hat. Und Ebenfalls einen Glückwunsch nach Ostfriesland, wo Landarzt Günther Schütte am anderen Ende der Medizin wieder ziemlich aktiv geworden ist.
Einige vielversprechende Newcomer gibt’s. Und natürlich das eine oder andere Kommerz-Spam-oder Hokuspokusblog, welches es in die Liste geschafft hat, aber das ist ja nichts Neues….

Written by medizynicus

2. Dezember 2011 at 19:28

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs