Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Gibt es zu viele Krankenhäuser?

with 4 comments

Ein Krankenkassenchef behauptet, es gebe zu viele Krankenhäuser und ein Haufen von denen müssen weg! – diese Meldung machte heute in fast allen großen deutschprachigen Online-Medien die Runde .
Anlass genug also für einen bissigen Kommentar?
Gehört das Kreiskrankenhaus Bad Dingenskirchen also auch demnächst plattgemacht?
Entsprechende Gerüchte kursieren bei uns im Landkreis ja schon seit Jahrzehnten und vor jeder Wahl beteuern Politiker aller Parteien unisono, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Und jetzt kommt da also ein böser Krankenkassenboss daher…. und dabei weiß man ja, dass es die Krankenkassen sind, welche mit ihrer aufgeblähten Bürokratie die Kosten hochtreiben….
Die Wahrheit ist, wie so oft, ein wenig diffiziler… die entsprechende Krankenkasse jedenfalls bemüht sich um Schadensbegrenzung: In einer Presseerklärung von heute wird die ganze Sache relativiert: so habe man das gar nicht gemeint, es gehe gar nicht um Krankenhausschließungen, sondern um Strukturveränderung.
Diese heilige, aber künstliche und eigentlich längst überflüssige Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung gehöre aufgeweicht, man müsse mehr zusammenarbeiten und so…. womit er sicherlich Recht hat.
Aber leider sind es gerade die Krankenkassen, die uns mit ihrem abstrusen, undurchschaubaren Regelwerk dazu zwingen, Dinge zu tun, die medizinisch und menschlich daneben sind…

Written by medizynicus

2. Januar 2012 um 16:23

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

4 Antworten

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  1. Ist ja alles richtig, bei den anderen liegt immer auch eine gewisse Schuld. Nur kann man die Strukturen beim anderen schlechter beeinflussen als die eigenen. Am meisten würden wir sparen, wenn sich jeder an der eigenen Nase nehmen würde und den eigenen Laden entrümpeln. Und so traurig das ist, aus Effizienz- und nicht zuletzt Qualitätsgründen wäre es wohl klug, das eine oder andere Regionalspital zu schliessen.
    So, jetzt dürft ihr mich schlagen 😉

    Anni

    2. Januar 2012 at 17:42

  2. “ Aber leider sind es gerade die Krankenkassen, die uns mit ihrem abstrusen, undurchschaubaren Regelwerk dazu zwingen, Dinge zu tun, die medizinisch und menschlich daneben sind…“

    Sehe ich genauso. Unterschreibe ich voll und ganz.

    Frau Muschel

    3. Januar 2012 at 07:48

  3. Der Eingangssatz stimmt so nicht. Straub hat darauf hingewiesen, dass es im Vergleich mit allen anderen Ländern der Welt Deutschland zuviele Krankenhausbetten gebe, dass an der Notwendigkeit Zweifel erlaubt sind, genauso wie an der Effektivität stationärer Versorgung. Er hat die Krankenhausträger aufgefordert mehr im Bereich ambulanter Versorgung tätig zu werden. Aber es ist natürlich einfacher falsch zu zitieren und dann die falschen Zitate zu widerlegen als sich mit der Realität aus gesellschaftlicher Sicht auseinander zu setzen.
    Was an der dann (von einem Krankenhausarzt natürlich) besser beurteilten Aufweichung der Sektorengrenzen für Patientinnen und Patienten bedrohlich werden könnte wird ausgeblendet: vom Kassenchef aus Profitinteresse (der ist schließlich nicht blöd), vom Krankenhausarzt aus Engstirnigkeit (der weiß es wahrscheinlich nicht besser). Denn die Träger der Krankenhäuser werden mehr und mehr Konzerne, die nicht anders funktionieren als die Pharmaindustrie. Und die dient nicht den Kranken, die dient Aktionären.
    Und die Frage lautet nicht, ob Bad Dingenskirchens Krankenhaus geschlossen wird, sie lautet, ob das Krankenhaus an einen Investor verkauft und dann nach dessen Unternehmenszielen umgebaut wird. Dann gibt es bestimmt höhere Arztgehälter. Aber die Arbeitsbedingungen werden sich ändern.

    Wolf

    3. Januar 2012 at 12:25

  4. […] hat diees Thema in seinem Blog auch aufgegriffen und sieht ebenfalls Anlass zur Aufweichung der Grenzen zwischen ambulanter und stationärer […]


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