Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Berliner Ärztefunktionäre genehmigen sich einen grossen Schluck aus der Pulle

with 4 comments

Also gut, wir Ärzte nagen ja nicht unbedingt am Hungertuche. Jedenfalls die meisten von uns nicht (Wieviel wir verdienen, ist übrigens kein Geheimnis – man kann es hier oder hier nachlesen). Und niemand beklagt sich ernsthaft darüber, dass die einen von uns mehr und die anderen weniger verdienen – zumindest solange die Höhe des Einkommens halbwegs proportional zur Arbeitsleistung und zur Berufserfahrung ist.
Tja. So ist das halt.
Und dann gibt es noch ein paar Kollegen, die verdienen besonders gut. Die haben einfach den Dreh raus… nee, nicht die Schönheitschirurgen oder Hokuspokuskünstler meine ich jetzt, die Rede ist von denen, die sich in öffentliche Ämter wählen lassen.
Öffentliche Ämter?
Also gut. Jetzt stellen wir uns mal vor, alle Porschefahrer (oder von mir aus alle Autofahrer) in diesem Lande müssen einem Verein beitreten. Dieser Verein wählt ganz demokratisch einen Vorstand und der Vorstand bestimmt dann, wann und wo überall Geschwindigkeitskontrollen stattfinden.
Klingt logisch, oder?
Genauso ist das aber mit uns Ärzten. Es nennt sich Selbstverwaltung oder Standespolitik. Und da gibt es inzwischen so viele Gremien, dass da kaum noch einer durchblickt. Eines dieser Gremien ist die Kassenärztliche Vereinigung. Die ist – in ganz grober Vereinfachung – dafür zuständig, das Geld der zwohundertfuffzich oder so Krankenkassen auf die zwohundertfuffzichtausend oder so niedergelassenen Ärzte zu verteilen. Und weil das ziemlich viel Arbeit ist braucht es dazu einen hauptamttlichen Vorstand. Das sind in der Regel Ärzte, die irgendwo eine Praxis haben. Und weil sie in der Zeit, in der sie im Vorstand sind nicht in ihrer Praxis arbeiten können, kriegen sie ein Gehalt, welches in der Regel nicht unbedingt dürftig ist. Und wenn sie dann aus ihrem Amt ausscheiden und doch wieder in ihre Praxis zurück müssen, kriegen sie nochmal Geld – damit der Übergang nicht so schwer fällt. Wohlgemerkt: zusätzlich zu den Beträgen, die sie sowieso schon kassiert haben.
…und wenn man dann doch noch einmal gewählt wird und nicht wieder in den harten Praxisalltag zurück muss, dann… ja, dann ist trotzdem das Übergangsgeld fällig, weil… ja, weil… äh… Geld haben ist nun mal besser als Geld nicht haben. Oder so. Dachten sich wenigstens die drei Vorstände der Berliner Kassenärztlichen Vereinigung und schusterten sich mal eben locker sechshunderttausend Euro zu. Macht zweihundert Mille (i.e. zweihunderttausend, nicht Millionen) für jeden.
Cool, oder?
Okay, war dann wohl doch etwas zuviel. Ich glaube, inzwischen haben sie es wieder zurückgegeben.

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Written by medizynicus

9. Januar 2012 um 21:50

4 Antworten

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  1. sechshunderttausend geteilt durch 3 gleich zweihundertmillionen? 😉

    Ich

    10. Januar 2012 at 08:12

  2. Ich würde auch gerne über meine Entschädigungszahlungen selbst bestimmen.

    @Ich

    Mille steht für Tausend wie in Millenium. Ältere Semester *hust* verwenden den Begriff noch korrekt. 😀

    Der Maskierte

    10. Januar 2012 at 09:01

  3. @ich: mille = lateinisch für tausend, nicht für Millionen – hab es aber schon richtig gestellt! – danke!

    medizynicus

    10. Januar 2012 at 09:02

  4. Nee, sie haben es, meine ich, noch nicht zurückgegeben und werden das, so weit ich weiß, auch nicht freiwillig tun. Bin auch sehr gespannt, ob sich da doch noch jemand zu einer Klage entschließt.

    Claudia

    10. Januar 2012 at 10:26


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