Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wenn ich König von Deutschland wär… dann kommt die staatliche Einheitskrankenkasse

with 24 comments

Vorgestern wurde bekannt, dass in Berlin ab sofort ein hoher Beamtenjob vakant ist. Das wär doch was für mich, hab ich mir gedacht, denn Beamter wollte ich immer schon mal werden. Aber dann hab ich mir gedacht, noch viel besser wäre doch, wenn man mir doch bei der Gelegenheit gleich eine Krone aufsetzen und mich zum König machen könnte. Dann hat man halt länger was davon. Irgendwo tief im Westen gibts ja bekanntlich eine Insel, da wo so eine Königin draufsitzt, die jetzt seit fast sechzig Jahren das Zepter in der Hand hält, und das muss man erstmal schaffen.
Ehrlich gesagt, hätte mir ja auch der Job des Gesundheitsministers schon gereicht, aber der ist ja derzeit leider nicht frei, aber wenn ich König bin, dann könnte man das ja rasch ändern. Natürlich würde ich auf diesen Posten einen vertrauenswürdigen Mitstreiter setzen.
Und dann?
Ja, dann geht‘s los.
Erstmal wird das gesamte Gesundheitswesen verstaatlicht.
Alles. Krankenhäuser, Krankenwagen, Krankenkassen, alles gehört dem Staat. Also mir. Oder Euch. Denn ich bin ja ein demokratischer König, aber davon später.
Die Krankenkassen werden vereinigt. Nix mehr mit AOK, DAK, BKK, TKK – nur noch die EKK bleibt übrig, die große Einheitskrankenkasse. Da ist jeder drin, der sich in unserem Lande aufhält, keiner braucht sich anzumelden oder abzumelden und man muss auch keine Beiträge mehr zahlen: Das Geld für die Einheitskrankenkasse kommt direkt vom Staat, also aus dem großen Steuertopf: die Steuern werden ein bißchen erhöht, dafür entfällt eine Menge komplizierter Abrechnerei. Und weil in der Einheitskrankenkasse jeder drin ist, kann auch keiner mehr rausfallen, selbst wenn er kein Geld hat.
Das Ganze bringt natürlich mit sich, dass ziemlich viele Bürokraten überflüssig geworden sind. Aber die werden nicht arbeitslos, die werden nämlich umgeschult, zu Pflegekräften zum Beispiel. Also Leistungserbringer statt Leistungsverwalter.
Und wir alle hätten nur noch einen einzigen Arbeitgeber. Das wäre ein ziemlich großer Arbeitgeber. Der hätte also ein Monopol. Und Monopole sind böse, sagt Ihr, ja?
Eben! Und da kommt jetzt die Sache mit dem Staat ins Spiel.
Denn weil ich ein demokratischer König bin, habt Ihr die Möglichkeit, meine Einheitskrankenkasse zu kontrollieren. Jeder von Euch kann das. Der Chef von der Einheitskrankenkasse wird vom Parlament ernannt und ist diesem rechenschaftspflichtig und wenn er Mist baut, dann fliegt er raus. Alle lokalen Unterorganisationen werden von den örtlichen Parlamenten kontrolliert, und wenn die Mist bauen… siehe oben.
Ihr seht, vor dem Staat braucht man keine Angst zu haben! Zumindest dann nicht, wenn es sich um einen demokratischen Staat handelt und man seine Rechte, und auch seine Pflichten als demokratischer Bürger ernst nimmt.
Tja, und weil ich das nun einmal tu – also das ernstnehmen meiner demokratischen Rechte – da bin ich gleich mal hin zur Regierung und habe so einen Vorschlag eingereicht.
Den kann man unterstützen, wenn man will.
Muss man natürlich nicht.
Kann man auch kommentieren.
Man kann auch einen Gegenvorschlag machen.
So ist das halt mit der Demokratie.

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Written by medizynicus

19. Februar 2012 um 13:44

24 Antworten

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  1. Ach so. Jecke Zeit. Ich hatt‘ mir schon Sorgen gemacht.

    Wolf

    19. Februar 2012 at 14:21

  2. @Wolf: Come on, gib’s mir!

    medizynicus

    19. Februar 2012 at 14:48

  3. […] Titel, ne? Kommt nicht von mir, kommt von dem. Medizynicus ist übrigens ein toller Blog, die Geschichten ausm Krankenhaus sind mal lustig, mal […]

  4. Gar nicht mal so schlecht die Idee. Sowieso bin ich der Ansicht, dass sensible Infrastruktur in die Hände des Staats gehört.

    Der Maskierte

    19. Februar 2012 at 15:10

  5. Wenn ich mir die Regelungen im SGB V so ansehe bleibt nur ein Fazit: der politische Apparat ist nicht in der Lage die Komplexität des Gesundheitswesens und seiner Beteiligten auch nur annähernd zu durchschauen. Die Gesetze sind, trotz aller Einser-Juristen in den Ministerien, handwerklich nicht gut genug. Grundgesetzliche Privilegien (Art 12 z.B.) abzuschaffen setzt eine verfassungsändernde Mehrheit voraus, ein Gesundheitswesen ohne Ärzte geht nun mal nicht, also sind deren Interessenvertretungen und deren Kenntnisse nicht zu ignorieren. Die Perspektive des Krankenhausarztes hat nur einen (wichtigen) Teilbereich des Systems im Blick, die Masse der Patientenkontakte findet nicht im stationären Sektor statt.

    Die Trennung von Staat und Gesundheitssektor hat sich im Prinzip bis jetzt bewährt. Ärzte verdienen auskömmlich, müssen hart arbeiten (wie Viele in dieser Gesellschaft!), Patienten werden (es gibt Ausnahmen) auf hohem Niveau ordentlich und wirtschaftlich versorgt. Alles kann verbessert werden. Die aktuellen Entwicklungen (Lobbykratie) erfordern Anpassungen. Einen Systemwechsel auf dem Rücken der Bevölkerung experimentell ausgerechnet den amtierenden Politikern zu überlassen erfordert eine gehörige Portion Mut (ich nenne es Leichtsinn).

    Zu guter letzt: das Prinzip des Staates ist das größtmöglicher Sicherheit / Nachvollziehbarkeit. Vieles wird dokumentiert ohne Rücksicht auf Wirtschaftlichkeit. Die Einhaltung von geschriebenen Regeln steht vielen staatlichen Mitarbeitern an höchster Stelle. Im Arzt-/Patientenkontakt gibt es (mehrheitlich, hoffentlich immer) eine andere Priorität. Die beschreibst Du doch oft selbst in den Geschichten aus dem Krankenhaus. Herrn Eipeldauer hilft doch kein Bürokrat mit seinem Aktenvermerk, oder?

    Wolf

    19. Februar 2012 at 15:27

  6. Hört sich interessant an!
    Vielleicht sollte man in Sachen Verwaltung mehr darüber nachdenken,
    dass in Zeiten des Internets Kontrollfunktionen anders ausgeübt werden können als vor 10 Jahren.
    (Ich wäre z.B. auch dafür die „Arbeitsagentur“ in ein reines Internetportal umzubauen.
    Das freigewordene Kapital könnte man viel sinnvoller verwenden)

    jemseneier

    19. Februar 2012 at 17:10

  7. @Wolf: Okay, jetzt wird die Sache spannend!
    Deine These ist also – kurz zusamengefasst etwa so: ein staatliches System ist anfällig für aufbeblähte Bürokratie und miese Arbeitsmoral sowie außerdem – das hast Du jetzt nicht erwähnt – für Korruption.
    Das ist sicherlich richtig. Aber ist der private Bereich denn dagegen Immun?
    Ich denke, Bürokratie ist ein Phänomen aller großen Institutionen – seien es Staaten oder große Unternehmen oder Konzerne. Wobei ich Dir zustimme – in einem wirklich marktwirtschaftlich, privatwirtschaftlich orientierten Gesundheitswesen gäbe es wahrscheinlich weniger Bürokratie.
    Aber ein rein marktwirtschaftliches System hat ja ganz andere Gefahren – davon will ich an dieser Stelle erst gar nicht anfangen.
    Und das system, welches wir derzeit haben, ist weder marktwirtschaftlich noch staatlich – es ist so etwas wie ein Staat im Staate, der von nichts kontrolliert wird und einen wesentlichen Teil seiner Ressourcen darauf verschwendet, sich selbst zu erhalten.
    Das deutsche Gesundheitssystem mit den zahllosen Strukturen, die kein Mensch mehr durchblickt ist für mich so etwas wie der Inbegriff von Bürokratie – und eben von niemandem und nichts kontrolliert.
    Und in einem staatlichen Gesundheitswesen hätten wir die Möglichkeit, das System zu kontrollieren!
    Zum Thema Hausärzte bzw. ambulanter Sektor: In Schweden sind Hausärzte in MVZ’s (Vardzentralen oder so) angestellt und haben, was man so hört, eine gute Work-Life-Balance, auch wenn sie keine Millionäre sind. In Großbritannien sind Hausärzte weitgehend selbständig im Auftrag des staatlichen Gesundheitsdienstes tätig und haben ebenfalls – was man so hört – eine gute Work-Life-Balance.
    Und die deutschen Hausärzte? Ob die Mehrheit zufrieden ist, weiß ich nicht, aber ich höre, dass viele von ihnen jammern.

    medizynicus

    19. Februar 2012 at 17:20

  8. Die Nummer mit den volkseigenen Betrieben (VEB) kenne ich aus meiner Kindheit. Das System war nur bedingt erfolgreich.

    CharlieBrown

    19. Februar 2012 at 17:32

  9. Die Vorwürfe kann ich so mittragen, auch Korruption. Und ja, das derzeitige System ist dafür anfällig, ein staatliches System ist dafür anfällig, ein rein marktwirtschaftliches System auch. Und wer glaubt, dass es bei einer Firma mit einem Jahresumsatz von 170-250 Mrd. Euro weniger Bürokratie gebe, dem kann ich nicht helfen. Man schaue mal Siemens, IBM, Daimler, Telekom, VW an. Ich kenne jetzt deren Umsätze nicht so genau, aber das Gesundheitssystem macht ca. 170 Mrd. GKV und angeblich (so genau weiß das niemand) nochmal soviel privat und geigelt. Zahnärzte sind da Vorreiter. Die genannten Firmen jedenfalls haben eine ganz beachtliche Bürokratie zur Kontrolle der Leistungen. Dort wird auch jede Leistung qualitätsgesichert, nicht nur 30 Leistungsbereiche (wie im Krankenhaus) oder 28 (vertragsärztlich). Aber in der Medizin gibt es den QS-Zuschlag für jede Leistung. Das ist vielleicht ne Rendite.

    Von „untenheraus“ mag es wie ein bürokratisches Monster aussehen. Von „obenaus“ sieht es aus wie willkürliche Schlamperei. Noch nicht mal einheitliches Kennzeichnen von Leistungen bekommt man wirklich hin, ein Drittel der geprüften Krankenhausrechnungen sind „geschlampert“, ich will nicht wissen, wie das im vertragsärztlichen Sektor wirklich aussieht. Das alles wäre staatlich aber nicht besser. Es sei denn, man unterstellte die Medizin insgesamt den Finanzämtern. Das sind, so grob betrachtet, die effektivsten Behörden in Deutschland. Wer will aber unter denen Medizin machen? Wer will unter denen Patient sein?

    Die work-life-balance und die Jammerei sind doch kein valider Indikator. Ich denke immer noch an die Gynäkologin, die sich über die jämmerlichen 300.000 der GKV aufregte und behauptete, dass sie ohne nochmal soviel von der PKV ja glatt verhungern täte. Ich arbeite so ca. 60-70 Stunden pro Woche an Themen, die mir viel Spaß machen. Nicht alle, nicht immer, aber überwiegend. Was ist daran schlimm? Was als Stimme der Hausärzte rüberkommt ist nicht einmal mehrheitsfähig wenn es um den Ausstieg aus dem System der Gängelung und Bürokratie geht. Es sind wohl eher „Lautsprecher“ als echte Sprecher ihrer Zunft.

    Wolf

    19. Februar 2012 at 18:25

  10. Willkommen in Schweden! Ich halte das schwedische System, das weitgehend Deiner o.g. Phantasie entspricht zwar nicht für perfekt, aber für deutlich gerechter.

    Patrick

    20. Februar 2012 at 01:15

  11. Nun zum Glück hat Medizynikus ja erstmal nur die EinheitsKrankenkasse für alle gefordert, dem kann man ja zustimmen.

    Wenn ich an die alte Bundespost oder Bundesbahn zurückdenke, glaube ich aber nicht, dass die Verstaatlichung des gesamten Gesundheitswesens von Vorteil ist.

    Der Vorschlag, die Bürokraten (und Manager) ans reale Arbeiten zu bringen, gefällt mir sehr gut.

    michael

    20. Februar 2012 at 04:12

  12. Mahlzeit,

    so funktioniert´s in Spanien, abgesehen dass nicht alle Leistungen von der gesetzlichen abdeckt werden (Zahnarzt vor Allem), kann ich es nur weiterempfehlen. Wer dann ´ne Extrawurst will bezahlt zusätlich, z.Zt. 50 bis 100 Euro im Monat dafür dass er ein Einzelzimmer bekommt, oder ähnlichen Luxus.

    Ob das Gesundheitssystem besser oder schlechter als in Deutschland ist kann ich nicht beurteilen, da ich bisher Krankenhäuser von innen wenn überhaupt nur als Besucher kennengelernt habe.

    Einen politisch unkorrekten Aspekt muss ich jedoch hervorheben, wegen der Universalität wurde das spanische System gezielt von (illegalen) Einwanderern missbraucht, die schwarz gearbeitet haben und trotzdem krankenversichert waren, dieser Aspekt soll auch entscheidend für die Wahl Spaniens als Einwanderungsland gewesen sein. Andere Anschuldigungen waren in Spanien ähnlich wie in Deutschland, es wurde von krankenhaustourismus gesprochen, konkrete Zahlen wurden aber meines Wissens nicht genannt. Ähnliches wird auch über Rentner aus der EU berichtet (Ferienwohnungen), die in Spanien umsonst behandelt werden und praktisch nix für Medikamente bezahlen müssen (Rentner) aber in Spanien nicht gemeldet sind und minimal Steuern zahlen.

    Aber: geschätzt wird es von den Spaniern nicht, meiner Meinung nach weil zu wenige andere Systeme kennen. Und: wenn Papa Staat zahlt, bleibt vieles unkontrolliert, da Beamte bedeutend weniger Interesse an Ergebnissen haben als Angestellte einer KK, die u.U. wenn sie genug an Leistungen an Dritte gespart haben eine Prämie bekommen.

    CAS

    20. Februar 2012 at 13:00

  13. Sehr vernünftig. Endlich mal jemand, der solche Bestrebungen öffentlich zugibt. Kann nur noch wenige Jahre dauern … dann haben wir sie … die einzige Krankenkasse in Deutschland: Die Deutsche Gesundheitsversicherung (DGV) oder so ähnlich.

    chefarzt

    20. Februar 2012 at 18:22

  14. @Wolf:
    Na ja, das mit der jammernden 300.000-GKV- Gynäkologin…
    Klischee eben.
    Wer spricht eigentlich über all die die Nicht-Mediziner, die jährlich 300.000 verdienen…?

    docangel

    22. Februar 2012 at 12:49

  15. Dreihunderttausend im Jahr sind 25000 im Monat. Das hab ich – brutto – in zwei Jahren, allerdings zuzüglich einer Dienstwohnung, die ich mir nicht aussuchen kann.
    Keine Neiddebatte – aber: was will ein normaler Mensch mit fünfundzwanzigtausend Euro monatlich anfangen? Alle Quartale ein neues Auto kaufen?

    Nee nee, Docangel, so viele Leute gibts gar nicht, die dreihunderttausend Euro jährlich „verdienen“, die kann man auf einer A4-Seite aufzählen. Davon wird das noch nicht normal – solche Einkommen sind sittenwidrig.

    Und damit das auch nicht vergessen wird: wenn eine Arztpraxis so viel Umsatz hat, dann ist das noch lange nicht das Einkommen des Arztes.
    Meine Hausärztin arbeitet 4,5 Tage die Woche, neun Stunden je vollen Tag, ein Patient jede Viertelstunde (oder es werden Überstunden), und sie berechnet jede Konsultation mit 23 Euro. Trotzdem hat sie garantiert keinen Wochenverdienst von 3600 Euro, und kein Jahreseinkommen von 160000 Euro (bei 44 Arbeitswochen im Jahr).

    Wolfram

    22. Februar 2012 at 15:42

  16. Dafür.

    madove

    24. Februar 2012 at 21:13

  17. Ob Wolf es merkt oder nicht, die Wortmenge pro Artikel die er zu dieser Neiddebatte beiträgt ist deutlich. Ich bin gegen den Staatskoloss als Versicherung. Das System krankt an fehlender Selbstregulation. Selbst heisst hier, Regulation durch den Bürger, respective Patienten. Ich rede hier primär vom ambulanten Sektor. Wenn ich keine durch Mangel erzwungene Konsultation habe, dann ist es der Patient, der entscheidet wie oft und sogar wie lang er zu welchem Arzt geht. Und wenn die Gynäkologin 600 000.- verdient, dann hat sie das verdient, wenn der Patient das mit den Füssen bestimmt. Das deutsche Vollkasko-Knallbackensystem lockt mit Verantwortungslosigkeit und bietet RTL-Illusionen über das Getriebe des Gesundheitssystems. Leider ist die Saat dieser Flat-Rate-Erwartung schon aufgegangen. Der deutsche Patient ist ungezügelt in seiner quantitativen Arztnutzung. Würde er eine Beteiligung bezahlen und die Geldströme die jeder einzelne Arztbesuch auslösen würde ( in meinem Gegenentwurf) dabei als finanziell beteiligter genau beobachten, dann wären einzelne Ärzte schlecht bezahlt und andere exzellent. Das wäre dann kein Thema mehr für diese ständigen Unterstellungen einer Wulfmentalität im weissen Kittel.

    Kreativarzt

    25. Februar 2012 at 15:26

  18. Lieber Kreativarzt, würdest du mir mal erklären, zu welchem Tarif man arbeiten muß, um im Monat 50’000 Euro zu verdienen?
    Immer im Bewußtsein, daß die Praxiskosten im Verdienst nicht enthalten sind?

    Aber nehmen wir mal an, die Dame rechnet ab wie meine Hausärztin, nur wegen höherer Aufwendungen für ihre Geräte den doppelten Tarif. Das sind 50 Euro pro Konsultation (15 Minuten). Nehmen wir weiter an, es sei nicht Verdienst gemeint, sondern Umsatz. 1000 Konsultationen pro Monat, das sind 250 Stunden Arbeit – nicht gerechnet die Arbeit in Abwesenheit des Patienten. 1000 Konsultationen im Monat. Bloß daß bei Gynäkologen meiner bescheidenen Erfahrung nach in 15 Minuten noch nicht viel passiert ist.
    Also geh ich davon aus, daß die Dame keine 1000 Konsultationen im Monat hat. Sondern schlicht und ergreifend erheblich höhere Tarife praktiziert.
    Wenn das auf Kosten der Allgemeinheit geht – und das tut es, wenn sie über GKV abrechnet, wie weiter oben behauptet -, dann hat die Allgemeinheit auch ein Recht, diese Tarife berechtigt oder unberechtigt zu finden.

    Ich müßte eigentlich mal den Praxisvertreter meiner Hausärztin fragen, was der so verdient; der hat keine Praxis, sondern vertritt immer mal wieder Kollegen, wenn die Urlaub machen.

    Wolfram

    25. Februar 2012 at 16:17

  19. Der Patient soll es „selbst“ machen, das wäre bequem mit dem ausgelieferten, kranken Menschen Verträge auszuhandeln.

    Wolf

    25. Februar 2012 at 21:23

  20. 50 Riesen im Monat sind nur ein emotionaler Aufputscher für das Publikum. Vollkommen unrealististischer Quark. Der Adel der Allgemeinheit, dass sie ein Recht haben soll das Einkommen des Arztes zu kontrollieren ist auch nur der modifizierte Pranger durch die Kassengiganten AOK usw. Die Leistung der Ärzte abwerten und sie geldgierig heissen ist ganz einfache Missgunst. Auch wenn ich meine Zahlen offenbaren würde, es gäbe immer jemanden, der mein Einkommen zu hoch fände weil er selber weniger hat.
    Weil die Patienten nicht durch ihre Besuchsfrequenz das Einkommen des Arztes steuern ( Mal was vom Pauschalensystem gehört?) kann man ihn jedes Jahr weiter abwürgen. Und weil die Ärzte allesammt kein Risiko eingehen wollen werden sie ihre Freiheit und ihr Einkommen restlos einbüssen. Just you wait. In weniger als 5 Jahren wird in Deutschland das Hausarztsystem zusammenbrechen.

    Kreativarzt

    25. Februar 2012 at 21:40

  21. Nee nee, Kreativarzt, mit so inhaltsleerem Geschwafel kannst du nur Hohlköpfe beeindrucken.
    Wenn die Ärzte so abgewürgt wären, wie du behauptest, dann müßtest du dich als erster darüber beschweren, daß eine Kollegin das gleiche System, das dich abwürgt, mit dreihunderttausend Euro ausnimmt, wo du doch so wenig kriegst. Dreihunderttausend Euro. Das ist übrigens anderthalbmal soviel wie der Sold des Bundespräsidenten. Und du findest selbst das Doppelte normal?
    Und wenn du mal genau hingeguckt hast, gehts mir nicht um eine Abwertung eines verdienten Einkommens, schon gar nicht gemessen an meinem, denn sechshunderttausend Euro werd ich im ganzen Leben zwar vielleicht verdienen, aber nicht bekommen. Mir geht es darum, daß solche Summen keiner Leistung mehr entsprechen, und daß sie letztlich auch nicht mehr bezahlbar sind. Wie viele Ärzte gibt es in Deutschland? Hunderttausend? Oh nein, es sind laut Ärztekammer 333.599, nicht gerechnet die, die nicht ärztlich tätig sind. Multipliziert mit dreihunderttausend Euro Verdienst, immer noch, was bedeutet, der Umsatz muß noch viel höher sein – da sind wir bei 100 079 700 000 Euro, die irgendwo herkommen müssen. Hundert Milliarden. Oder über zweieinhalbtausend Euro, die jeder einzelne Haushalt seinem Arzt einfach mal in die Tasche stecken muß, ohne daß der erste Euro für Praxiskosten, Geräte, Mitarbeiter, Krankenhäuser etc. überhaupt losgemacht wäre.

    Das Pauschalsystem ist Betrug am Arzt; das ist so ziemlich der einzige Punkt, in dem ich dir Recht gebe. Aber vielleicht ist dir aufgefallen, daß ich nicht von einem Pauschalsystem ausgegangen bin bei meinen Ausführungen, sondern von einer Gebührenordnung, wenn auch nicht der deutschen GoÄ.

    Übrigens: wenn Medizynicus die Ärzte verstaatlichen will, dann kriegen sie bestimmt auch ein Gehalt wie bisherige Mediziner im Beamtenstatus, nämlich die Militärärzte. Die haben, glaube ich, so um A15 herum. Fänd ich jetzt auch nicht ehrenrührig.

    Wolfram

    25. Februar 2012 at 22:08

  22. Das Pauschalsystem ist nicht „ein Punkt“ sondern „the bull`s eye“. So wie Verstaatlichung nicht nur ein Punkt im Sozialismus war. Wer die Eigeninitiative und Kreativität des Einzelnen haben will, der muss ihm die Selbständigkeit erlauben. Die Grenze des Einkommens ist dann verhandelbar zwischen Arzt und Patient, solange der Patient beteiligt ist an den Kosten, denn er ist ja Nutzniesser des Erfolges. Wer sich immer wieder an irgend welchen Zahlen erregt und dabei die Chancen der Selbstreglung des System durch Patientenbeteiligung ignoriert, wird nichts verändern und den staatlich-bürokratischen Kontrollwahn weiter walten lassen. Man meint den Sack und schlägt den Esel. Man erregt sich über plakative Blödzeitungszahlen einzelner Extrembeispiele und schlägt die Masse der eselartig ausgelutschten Hausärzte. Wobei die auch so devot sind und sich nicht wehren. Freiheit nutzt sich ab, wenn man sie nicht nutzt.
    Mach nur so weiter und schimpf über die Gynäkologin, die in Extremistan logiert, während Dein Hausarzt keinen Nachfolger mehr bekommt, wenn er nicht selbst schon kappiert hat, was er tun muss um die Geringschätzung und Ausbeutung seiner Leistung zu beantworten.

    Kreativarzt

    26. Februar 2012 at 08:29

  23. @Kreativarzt: Die hohlen Phrasen von „Kreativität des Einzelnen“ sind einfach zu entlarven:

    Ich sehe keine „Masse eselartig ausgelutschter Hausärzte“. Die Forderung, dass Ärzte mit kranken Menschen die Honorare frei aushandeln dürfen sollen, ist so perfide wie Unsinn.

    wolf

    13. März 2012 at 23:52

  24. schade, link geht nicht. Es geht um den Artikel „Wir waren gerne Landärzte“ in der Ärzte Zeitung am 12.03.2012, online unter dem Autor zu finden: „Dirk Schnack“

    wolf

    13. März 2012 at 23:53


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