Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Bitte keine Sterbenden in meinem Vorgarten!

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Der Tod ist Böse.
Natürlich wissen wir, dass wir ihm nicht entgehen können, irgendwann, irgendwann einmal , aber weil wir alle hoffen, dass es bis dahin noch ziemlich weit hin ist, denken wir besser nicht dran. Und allem, was uns daran erinnert, gehen wir am liebsten aus dem Weg.
Wenn beim Nachbarn der Leichenwagen vorfährt, dann bleibt uns vor Schreck das Frühstücksbrötchen im Hals stecken. Und wenn das mit dem Leichenwagen jeden Tag passiert?
Böse, böse! Besser nicht….
Nun gibt es Menschen, die schwer krank sind. So schwer krank, dass das unvermeidbare Ende keine Frage von Jahren oder Jahrzehnten, sondern eher von Wochen und Tagen ist. Und es ist möglich, dafür zu sorgen, dass auch diese Menschen in ihren letzten Tagen mitten im Leben stehen…. ein bißchen zumindest…. oder dass man ihnen die letzten Tage so angenehm wie möglich gestaltet.
Zwar ist Deutschland in Bezug auf Palliativmedizin fast noch ein Entwicklungsland, aber allmählich passiert hier etwas… zumindest hier und dort.
Im Hamburger Süden soll ein neues Hospiz entstehen. Zwei Anwohner klagen dagegen. Die Argumente erscheinen an den Haaren herbeigezogen: man mache sich Sorgen um den Wert der umliegenden Immobilien, redet von Belästigung durch erhöhten Leichenwagen-Verkehr und wenn schon, dann soll sich das Ding zumindest hinter einer hohen Mauer verstecken….
Die gute Nachricht: fünfundneunzig Prozent der Anwohner teilen die Bedenken offenbar nicht.

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Written by medizynicus

26. Februar 2012 um 18:08

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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10 Antworten

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  1. Es gibt immer welche die etwas zu Meckern haben. Bis diejenigen selbst darauf angewiesen sind und dann, ist das Geschrei groß, warum weshalb und wieso ist da nicht…
    Hier ist es dasselbe, bei Christoph 80 den RTH. Da wird geplant, das es auch demnächst Nachtflüge geben soll. Oton einiger: „Das ist vieeeeeeeeeeel zu laut und da kann man dann nicht mehr schlafen usw…“
    Hoffentlich brauchen grade die dann niemals schnelle Hilfe…

    greenleaflegolas

    26. Februar 2012 at 19:48

  2. Das ist so beknackt, wie die Anzeigen unserer Nachbarn gegen das ständige Martinshorn des NEF, der vor unserm Haus (wir wohnten nahe an Klinik und Leitstelle) das Hörnchen angeblich zu früh einschaltete. Degeneriertes Pack! Wenn einer von denen aus der zerknautschten Blechdose seines Opel gepopelt werden muss ist ihm nichts zu aufwändig. Leichenwagen sind die RTWs des Pfarrers. Diese Ignoranz ist einfach nur deutsch.

    Kreativarzt

    26. Februar 2012 at 22:55

  3. In Aschaffenburg gibts grade einen ähnlich gelagerten Fall, hier soll in einem Mehrfamilienhaus eine Wohnung samt Kellerräumen an ein Bestattungsunternehmen vermietet werden. Die meisten anderen Wohnungsbesitzer/Mieter laufen auch grade dagegen Sturm. Die Argumente sind exakt die gleichen. Da fragt man sich doch, warum die Leute nicht endlich einsehen, dass das Leben nunmal zwangsweise immer mit dem Tod endet. Es kann nunmal nicht jeder mit einem Herzinfarkt vom Stuhl fallen oder schnell und schmerzlos bei einem Unfall sterben.

    Hexagon

    26. Februar 2012 at 23:57

  4. Meine Güte, was eine gequirlter Dünnschiss 😦

    Wie gut das 95% noch ihr Hirn im Kasten haben!!

    Ansonsten schliesse ich mich meinen Vorschreibern zu 100% an.

    Frau Muschel

    27. Februar 2012 at 10:00

  5. die angst vor dem tod treibt manchmal seltsame blueten
    @kreativarzt…. rtw des pfarrers“ …. SCHREI… ist der schoen!
    gruss landkrauter

    landkrauter

    27. Februar 2012 at 20:58

  6. Die hier meckern, meckern auch wenn Kinder auf dem Bolzplatz spielen! Man warum gibt es diese Menschen!
    st

    Stephan

    27. Februar 2012 at 21:42

  7. Ich finde Gedanken an den Tod sehr nützlich, da es mich daran erinnert, wie begrenzt meine Zeit doch ist, und das ich sie besser nicht verschwende.

    Der Tod ist für mich quasi, auch wenn es sehr makaber klingt, eine Motivation.

    Das viele Menschen nicht mit dem Tod konfrontiert werden möchte, ist mir schon klar. Zu viele Menschen sind in Jobs die sie nicht mögen und sich jeden Morgen hinquälen müssen.

    So ein Bestatter in meinem Wohngebäude hätte was. Ich fände das sehr gut!

    Christian ist gesund

    28. Februar 2012 at 11:26

  8. Bloß keine Kita in der Nachbarschaft, da spielen ja Kinder (!); keine Kneipen oder Clubs im Szeneviertel, in das wir gezogen sind, weil da soviel leben tobt; und also auch keine Hospizfälle, da sterben ja Leute und dann kommt bestimmt Tom der Bestatter vorbei und verteilt ganz viel Leichengift.
    Das sind die Leute, die sich, wenn sie als einziger mensch auf dem Mond wohnen würden noch über den Dreck der Mondlandung und die nicht vorhandenen Nachbarn beschweren würden. Da fragt man sich echt.

    die kleine Frau

    28. Februar 2012 at 13:52

  9. eigentlich sollte man endlich gegen das vogelgezwitscher, quakende frösche, bellende hunde, keifende kinder und alles was sonst noch lärm macht vorgehen. kann ja nicht sein, dass der unterbeschäftigte mensch belästigt wird durch diese unsäglichen geräuschkulissen. an erster stelle ist sofort vorzugehen gegen die stadtvögel, wissenschaftlich erwiesen schrauben die nämlich ihre lautstärke hinauf um die vorhandene geräuschkulisse zu übertönen, das geht ja wohl gar nicht … irgendwie gibt es einfach mitmenschen die müssen irgendwas zum stänkern haben. ich empfehle die lektüre „anleitung zum unglücklichsein“ von watzlawik, dieses verdammte glücklichsein gehört sowieso auch verboten …

    steimi

    29. Februar 2012 at 09:14


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