Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Die gefährlichsten Tiere Deutschlands?

with 9 comments

…was mag mag das wohl sein?
Krokodil? Löwe? Tiger? Haifisch?
Nee, die gibt’S doch gar nicht in Deutschland… höchstens im Zoo. Okay, da könnte mal eins ausbrechen, aber…. lieber weiterraten!
Bären? Wölfe? Richtig, die gab’s mal hier. Ist aber schon eine Weile her, aber… Halt! Die Nachfahren der Wölfe vielleicht? Also Nachbars Lumpi, genau, dieser lefzende „Der-Will-doch-nur-spielen“-Köter von nebenan, wer weiß, wie viele Postboten der schon auf dem Gewissen hat!
Aber blättern wir doch mal durchs Deutsche Ärzteblatt. Jeder Angehörige der Weißkittelzunft bekommt dieses Druckerzeugnis kostenlos frei Haus geliefert, ob er will oder nicht. Also kostenlos ist natürlich so eine Sache, man bezahlt es schließlich mit seinem Ärztekammerbeitrag mit..
und wenn man das Ding jetzt aufschlägt,dann erfährt man, dass in Deutschland weder Giftschlangen noch Riesenvampirfledermäuse die gefährlichsten Tiere sind, sondern die guten alten Zecken.
Die übertragen bekanntlich so fiese Krankheiten wie Borreliose und FSME, jetzt zum großen Halali beim Zeckenkongress in Hohenheim geblasen… äh… geworben wird.
Jagen kann man die viecher nicht. Und die weitaus Häufigere der beiden übertragenen Krankheiten, die Borreliose, kann mit Antibiotika behandeln. Allerdings erst dann, wenn aufgetreten ist. Gegen die andere – sehr, sehr seltene, aber nicht ungefährliche Krankheit gibt’s bekanntlich eine Impfung. Und der Hersteller dieser Impfung sponsort den obengenannten Kongress. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, die Impfung ist nämlich nicht unumstritten – was nicht nur esoterisch angehauchte Impfgegner, sondern auch der seriös-pharmakritische Arzneimittelbrief 2007 behauptet.
Also: die Krankheit ist gefährlich, aber sehr selten und die Impfung kostet Geld und hat – ebenfalls seltene – Nebenwirkungen.
Ob und wann sich Nutzen und Risiken die Waage halten, muss in jedem Einzelfall entschieden werden: Menschen, die sich häufig und viel in Zeckengebieten aufhalten (z.B. Waldarbeiter) profitieren sicher von der Impfung.
Aber die Alljährliche Panikmache….
Nee, das ist jetzt wirklich nicht mehr schön!

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Written by medizynicus

8. Mai 2012 um 00:02

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

9 Antworten

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  1. Ich muss protestieren!
    Wölfe gibt es wieder in Deutschland – das gab ist hier eindeutig falsch verwendet. Und Bären kommen mit M13 (letzter Teddy) und JJ1 (Bruno) auch langsam aber sicher ins falsche Deutschland. 😛
    Und früher gab es auch noch Luchse in Deutschland – selten, aber durch aus auch ein damals größerer Jäger in unseren Wäldern. 😛

    Aber ja:
    Zeckenpanik ist absolut übertrieben – solange man nicht im Zeckengebiet lebt oder Urlaub macht.

    Wolfy

    8. Mai 2012 at 06:21

  2. Ach, nun seid doch nicht so.
    Die armen Pharmakonzerne wollen doch auch nur unser Allerbestes. Kann man ihnen denn verdenken, dass sie bei ihren spärlichen Gewinnen versuchen, jeden Strohhalm zum Absatz ihrer Produkte zu ergreifen?
    Und mal ganz ehrlich: Welcher potentielle Käufer wird denn auf Werbung ohne Panikmache heute noch ansprechen? Wir sind doch alle durch den Wettlauf der todbringenden Superlative (was ist eigentlich todbringender als „tödlich“?) inzwischen viel zu abgestumpft, um auf sachliche Argumente noch zu reagieren…

    Schließe mich Wolfy an, mit der Erweiterung:
    Jede Panik(mache) ist übertrieben. Besonders, wenn handfeste finanzielle Interessen dahinterstehen.
    Wer bedroht ist, kann das erfragen und entsprechend handeln.

    Just my 2 cents.

    Marquel

    8. Mai 2012 at 08:02

  3. Ich hatte mal gelesen, dass die meisten Menschen an Begegnungen mit Rehen sterben. Vor allem die sehr kurzen Begegnungen auf nächtlichen Landstraßen sind oft tödlich.

    sakasiru

    8. Mai 2012 at 11:17

  4. Also, ich bin gegen FSME geimpft. Da ich in einem Risikogebiet wohne, wo zum Teil die Zecken über die Terrassen marschieren, wie anderswo nur die Ameisen nachdem Limo verschüttet wurde, halte ich das auch für sinnvoll. Würd ich jetzt nicht da wohnen, wo ich wohne, wäre das evtl. was Anderes.

    Nadine

    8. Mai 2012 at 16:30

  5. Das gefährlichste Tier in Deutschland ist die Bild-Zeitung, sollte man ausrotten !

    AluBox

    9. Mai 2012 at 08:26

  6. das gefährlichste tier in deutschland wird vor der zecke die biene sein, ist nämlich das giftigste tier der welt mit den meisten direkten todesfällen. wird in der weltweiten gefährlichkeit noch übertroffen von der mücke. zum glück nicht bei uns oder noch nicht oder fast nicht. wohne auch im zeckengebiet, bin fast täglich im wald und hatte bereits borleose, diesem käferchen verdankte ich meine letzte antibiotika kur. auf die impfung gegen fmse verzichte ich. wenn ich mich gegen fmse impfen würde müsste ich dies konsequenterweise auch gegen grippe und weitere viren tun. das hört dann ja fast nicht mehr auf und da schaue ich lieber möglichst gesund zu sein mit viel bewegung in der natur und guter ernährung.

    Daniel S.

    11. Mai 2012 at 09:02

  7. Bald werden sich die Anforderungen auf Borrelien und Flaviviren wieder häufen, dabei ist hier nichtmal ein Risikogebiet. Aber man hört ja allenorts, dass die Biester so langsam hoch wandern. Dreistes Pack.
    Ich halte Impfungen auch nur dann für sinnvoll, wenn man in einem Risikogebiet lebt. Wie es immer so schön heißt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich..

    gotsassaufeinemast

    11. Mai 2012 at 09:17

  8. 9-jährige stirbt an FSME (http://blog.esowatch.com/?p=7592#more-7592)
    Zitat: “ Wirft der Pharmamafia Geld in den Rachen”
    Darauf gibt es nur eine Antwort: “Wieviel kostet ein Menschenleben?” „

    Otto R.

    12. Mai 2012 at 10:43

  9. Wir sind eine vierköpfige Familie, leben in einem Hochrisikogebiet (so man der Zecken-Karte von Deutschland glauben kann). Wir Eltern hatten in unserem gesamten Leben noch keine einzige Zecke, obwohl wir uns öfter in Wald und Flur aufhalten. Kind groß, 9 Jahre alt, hatte bisher auch keine Zecke, auch nicht nach stundenlangen Aufenthalten im Unterholz des Waldes während der sog. Waldtage im Kindergarten (andere Kinder hatten dann sehr wohl mal 1-2 Zecken anhaften). Kind klein hatte in seinem bisher 5jährigen Leben genau 1x eine Zecke – da war er mit seiner Kindergartengruppe im Wald.

    Wir werden deutlich häufiger von Mücken oder – in diesem Falle betriffts wieder nur Kind klein – Herbstgrasmilben angegriffen.

    Aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit, überhaupt jemals von einer Zecke gebissen zu werden, haben wir uns gegen die Impfung und für das „Risiko“ entschieden. Zumal sich die Gefährlichkeit von FSME potenziell zur Nennung im Zusammenhang mit der Impfung steigert *zwinker* Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

    Susanne

    12. Mai 2012 at 18:37


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