Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Citybike: ein Erfahrungsbericht (off topic)

with 5 comments

Es ist Wochenende, langes Wochenende genau gesagt, Feiertag, Frühling mit sommerlichen Temperaturen und Medizynicus nutzt die Gelegenheit um ein wenig hinauszuziehen in die große Weite Welt… hier also ein Live-Bericht aus einer großen europäischen Metropole
Samstag Abend, kurz vor Mitternacht. Samstagabend um halb Zwölf im Szene- und Ausgehviertel dieser Metropole. Hab genug erlebt für heute und sehne mich nach meinem Bettchen, welches sich drei oder fünf Kilometer entfernt befindet.
Zu weit für meine wunden Füße, die heute schon viel gelaufen sind und ein Taxi…. ist mir zu teuer, schließlich bin ich bekennender Geizkragen. Bleibt also der öffentliche Nahverkehr, und der ist auch gar nicht mal so schlecht, schließlich befinden wir uns ja in einer Metropole und gleich dort vorn ist ja eine Bushaltestelle… eh… wie bitte…? In zwanzig Minuten erst?
Nee, nicht mit mir, Leute, mein Bettchen wartet! Also doch zum Taxistand? Oder… aber holla, was ist das denn?
Gleich neben mir stehen etwa zwanzig funkelniegelnagelneue Fahrräder. Die sind mit elektronischen Dingsdas an ihren Ständern festgeschlossen. Und zwischendrin befindet sich eine Säule mit einem Bildschrim und einem Kreditkartenlesegerät…
…klingt doch gar nicht so schlecht!
Für einen lumpigen Euro kann man sich anmelden, dann darf man eine Stunde lang gratis fahren, und von der zweiten Stunde an kostet es Geld. Erst wenn man das Rad nach vierundzwanzig Stunden nicht zurückbringt, wird es richtig teuer. Okay. Warum nicht einen Versuch starten?
Eine Kreditkarte besitze ich ja, die braucht man nämlich. Der Anmeldeprozess geht erstaunlich glatt. Name und Adresse eingeben – okay, muss sein, dann einen User-Namen und Passwort, dann den einen Euro bezahlen und jetzt kann’s losgehen!
Mit einem Knopfdruck entriegele ich das Rad aus der gewünschten Halterung… und radel los…
Erfahrung Nummer eins: Die breiten Prachtboulevards dieser Stadt haben tatsächlich Fahrradwege.
Erfahrung Nummer zwei: Jene Fahrradwege hören manchmal plötzlich einfach so auf.
Erfahrung Nummer drei: Bald ist es ganz natürlich, sich im Großstadtdschungel zu bewegen wie Django in der Prärie: über rote Ampeln hinweg und gegen Einbahnstraßen, an Stretchlimusinen und anderen Dicken Karossen vorbei, mitten durch Junggesellinnenabschiedsgrüppchen hindurch, meinem Bettchen entgegen… ein Kollege von Fusel-Franze winkt mir zu. Am Stadtpark frage ich einen Typen nach dem Weg. Der dreht sich hastig um, er war nämlich gerade dabei, die nächtlichen Blumenbeete zu wässern.
Unaufhaltsam nähere ich mich meinem Bettchen und….
…fahre dran vorbei. Denn ich muss dieses Rad ja schließlich loswerden. Aber wo? Ein uniformierter Freund und Helfer kratzt sich am Kopf. Ja, solche Stationen gibt’s hier irgendwo… aber wo?
Nach zehnminütigem Herumgekurve werde ich schließlich fündig, Rückgabe geht zügig, nur warten, bis das grüne Lämpchen leuchtet, und fertig ist.
Jetzt noch eine Viertestunde Fußweg, und dann ab ins Bettchen.

Advertisements

Written by medizynicus

28. Mai 2012 um 00:57

Veröffentlicht in Das Leben an sich

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Die Metropole war Wien, oder? 🙂
    Ausschlussverfahren: Der Name „Citybike“, 1 Euro Startgebühr, erste Stunde umsonst, Zahlung via Kreditkarte und ab 24 Stunden wird es teuer…

    Muggel

    28. Mai 2012 at 06:03

  2. am besten an diesen komischen säulen VOR dem losfahrennschauen wo eine rückgabestation ist. da gibts tatsächlich einen menüpunkt dafür 😉

    falls es noch nicht zu spät ist: unbedingt noch zum figlmüller (bestes schnitzl der welt!) und ins museumquartier schauen (sehr cool z.B. ein frühstuck im cafe dschungel – ja, das im kindertheater!)

    weiterhin noch viel spaß in wien!

    christoph

    28. Mai 2012 at 06:40

  3. In München gibt es orangene Leihräder die man soweit ich weis irgendwo an einer Kreuzung stehen lassen kann…

    Ich hab mal gehört dass die recht teuer sein sollen und jetzt mal nachgesehen:

    Die wollen 8ct / min.

    Bei ner halben Stunde wären das schnell mal 2,40€. Find ich ganz schön heftig…

    stachel

    28. Mai 2012 at 10:59

  4. In größeren deutschen Städten kann man auch von der Bahn Räder leihen, oder? Ich meine sowas schonmal gesehen zu haben. Was haben die denn für Konditionen?
    nachgesehen: Ok, von der Bahn heißts call-a-bike und ist ähnlich teuer wie bei stachel…

    Blogolade

    28. Mai 2012 at 16:37

  5. In Nürnberg zahlste das: http://www.norisbike.de/1506.html

    greenleaflegolas

    28. Mai 2012 at 23:00


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: