Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ist Medizin spirituell?

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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Ein Patient, der an einer schweren Krankheit leidet, von der er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr genesen wird, braucht Trost dringender als blinden Aktionismus im Sinne von verzweifelten, aber im Grunde von vorne herein zum Scheitern verurteilten Heilungsversuchen.
Darüber gibt es sogar wissenschaftliche Studien, die das mehr oder weniger gut zu beweisen versuchen.
Sofern man da überhaupt irgendwas beweisen kann.
Lehrbücher, Publikationen und Fortbildungskurse über Palliativmedizin widmen der Spiritualität viel Raum.
Auf Palliativstationen sind die Seelsorger ganz selbstverständlich Teil des Teams – oder sollten es jedenfalls sein.
Nur…
…was für eine Art von Spiritualität brauchen unsere Patienten?
Was für eine Art von Spiriualität wollen sie?
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit war die Anwesenheit von Ordensschwestern in Krankenhäusern ein alltägliches Bild.
Diese Ordensschwestern haben nicht nur in der Pflege mitgearbeitet, sondern auch mit den Patienten gebetet. Das war einfach so.
Auch heute noch sind viele Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft.
Aber mindestens ein Drittel unserer Bevölkerung sind konfessionslos… und dann gibt es mehrere Millionen Moslems… Angehörige anderer Religionen, Esoteriker….
Welche Art von Spiritualität ist heute zeitgemäß?

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Written by medizynicus

20. September 2012 um 08:24

Veröffentlicht in Palliativmedizin

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4 Antworten

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  1. „Zeitgemäß“ oder nicht ist keine bestimmte Art von Spiritualität. Idealerweise erhält jeder die Art von spiritueller Begleitung, die er braucht, und die ist so verschieden wie Menschen.

    Aber ich denke, das Problem ist gar nicht so groß, wenn diejenigen, die diese Begleitung leisten sollen und/oder wollen, ihren Auftrag der SEELSORGE ernst nehmen und in erster Linie mal für die angegriffene Seele der von schwerer Krankheit betroffenen, todgeweihten oder Sterbenden sorgen.

    Wenn er es wirklich ernst nimmt, kann mir auch ein muslimischer Geistlicher erfolgreich beistehen, obwohl ich ganz sicher kein Muslim bin, genauso kann das ein katholischer Geistlicher, auch wenn ich Protestant bin oder einfach nur ein spirituell augeschlossener und erfahrener Mensch, mit welchem religiösen Hintergrund auch immer. Einfach da sein, zur Verfügung stehen, achtsam sein, Signale sehen. Wenn sich ein Gespräch ergibt, wird sich meist sehr schnell herausstellen, was der Betroffene „glaubt“. Darüber kann man auch neutral reden, ohne zu missionieren. Ich weiß, dass das Missionieren bei vielen Vertretern, vor allem der monotheistischen Religionen verbeitet ist, interessanterweise eher bei Laien als bei Seelsorgern.

    Ich kenne aber auch genügend andere Beispiele und habe Hoffnung, dass insbesondere diejenigen, die in Krankenhäusern und Hospizen tätig sind, offen sind oder werden für die Vielfalt der Spiritualität in einer globaler werdenden Welt. Ich werde kaum erwarten können, dass ich in einem Krankenhaus meinem Wunsch nach einem Gespräch mit einem Zen-Meister erfüllt bekommen werde. Aber auch mit einem Menschen, der einfach Ohren und auch Augen offen hält und bereit ist, sich auf mich einzulassen, kann ich ein Gespräch führen, das meiner Seele wohltut, und wenn ich das Bedürfnis nach einem Gebet versprüre, werde ich das sagen. Ich bin überzeugt, dass das die allermeisten tun werden, wenn sie das Bedürfnis danach verspüren, man muss es ihnen gar nicht unbedingt aktiv anbieten, und schon gar nicht aufdrängen.

    Karl

    20. September 2012 at 09:34

  2. welche spiritualitaet es braucht? wie waere es, wenn man einfach mal den, der es zu entscheiden hat, befragt? naemlich den patienten?
    gruss landkrauter

    landkrauter

    22. September 2012 at 17:31

  3. Das Thema ist sehr interessant)wie sagt man oft „Die Hoffnung stirbt als Letztes„. In diesem Fall gilt Spiritualität als letzle Hoffnung.
    Ich finde Ihr Blog sehr interessant und informativ. Ich schreibe selbst Artikel für das Portal mit Tipps rund um Gesundheit. Villeicht können Sie mir auf mein Email schreiben, um dieses Thema zu besprechen.Bei Interesse würde ich mich freuen, von Ihnen zu hören.

    olga

    24. September 2012 at 11:01

  4. Danke @Karl, genau das wollte ich auch schreiben.
    Was ich noch gerne dazu sagen würde ist, dass zwar ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos sein mag. Allerdings sind die Gotteshäuser voll, wenn etwas passiert, das die Menschen bewegt – egal, ob sie einer Religion angehören oder nicht. Deshalb denke ich, dass wesentlich mehr Menschen ’spirituell‘ sind, als es die offiziellen Zugehörigkeitszahlen aussagen.

    Aurifex

    28. September 2012 at 12:26


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