Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Warum sind die Hausärzte eigentlich so frustriert?

with 8 comments

Gedichte haben Hochkonjunktur. Wie immer, um diese Jahreszeit: Mit Grauen denke ich da noch an die letzte Weihnachtsfeier und das lange Opus, welches Schwester Paula in ihrer Inkarnation als Knecht Ruprecht vorgetragen hat.
Ja, es ist richtig: ich mag keine Gedichte. Vor allem keine Gedichte, die sich reimen.
Kreativarzt hat gerade eines geschrieben.
(An dieser Stelle übrigens zunächst einmal ein „Herzlich Willkommen zurück“ nach über einjähriger Pause).
Ja… und da frage ich dem lieben Kollegen doch gleich mal die Frage:
Warum seid Ihr Hausärzte eigentlich alle so frustriert?
Okay, ich verstehe: lange, sehr lange Arbeitstage und viel, sehr viel Bürokratie, dazu die üblichen Ängste, wenn man selbständig und für seinen eigenen Laden selbst verantwortlich ist, mit allem was dazu gehört, von Personalführung bis hin zum Einkauf von Klopapier…
…aber… aber… habt Ihr Euch das nicht irgendwann einmal selber ausgesucht?
Habt Ihr denn wirklich nicht gewusst, auf was Ihr Euch da eingelassen habt?
Und falls Euer Job wirklich so mies ist: Warum kommt Ihr nicht zu uns?
Nee, mal wirklich, im Ernst: Nicht nur hier in Bad Dingenskirchen, auch in vielen anderen Krankenhäusern gibt es hinreichend genügend offene Stellen – und zwar durchaus auch in „gehobener“ Position, sprich: Oberarzt-Level.
Da muss man auch arbeiten.
Und was man verdient, kann man mit zwei Google-Klicks nachlesen.
Ist doch eigentlich nicht schlecht, oder?
Oder kriegt man in der Praxis halt doch letztendlich viel, viel mehr Kohle ‚raus?

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Written by medizynicus

15. Dezember 2012 um 21:57

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

8 Antworten

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  1. Berechtigte Fragen. Die Architekur der Antworten ist komplex und viele von uns gehen bald in Rente. Für uns Jüngere gibt es glücklicherweise auch anterweitige Alternativen ausser euren verrotzten Kliniken 🙂 Meine ist exquisit und befindet sich südlich des Rheins.

    Dienstarzt

    16. Dezember 2012 at 23:43

  2. Vielleicht liegt es daran, dass der fragliche Hausarzt sich schon vor längerer Zeit auf dieses wirtschaftliche Risiko eingelassen hat – unter den damals geltenden Voraussetzungen. Und in der Zwischenzeit hat die Politik langsam, still und „klammheimlich“ die Wirtschaftlichkeit so einer Praxis „heruntergefahren“. Dumm nur, dass man bei langfristigen Krediten nicht einfach „aussteigen“ kann – man MUSS quasi weitermachen, um seine Schulden abzubauen, und kann nicht einfach mal den Hausarzt wieder „aufgeben“ um in die Festanstellung „zurückzukehren“. Auch der „Verkauf“ der Praxis bring heutzutage fast gar nichts mehr ein – eine (damals) langfristig angelegte Summe, einkalkuliert als „Rentenersatz“. Neue Hausärzte auf dem Land sollen ja eventuell mit „Praxisstarthilfe“ in Geldform gelockt werden – so unwirtschaftlich kann eine Landarztpraxis sein. *seufz*

    Geht übrigens Apotheke(r)n genau so! Da hat die Politik den Rohertrag (auf der Kassenseite) in den letzen Jahren um ca. 1/2 bis 2/3 heruntergefahren. Früher wurde eine Apotheke kopliziert nach Umsatz, Gewinn und Kundenstamm im „Verkaufspreis“ berechnet – heute ist eine Apotheke wert: „Warenlager + Computertechnik“. Damit ist die Altersvorsorge vieler Apotheker im Eimer – und also müssen sie weiter arbeiten, weil sie sonst sozusagen gar keine Rente haben… (Und die laufenden Kredite wollen ja auch bezahlt werden…)

    gedankenknick

    17. Dezember 2012 at 12:06

  3. Berechtigte Fragen; die Topographie der Antworten ist komplex. Richtig ist, es gibt Alternativen. Eure verrotzten Spitäler gehören nicht dazu. Meine ist recht exquisit und liegt südlich des Rheins. Die zitierte Tariftabelle macht vielleicht ein Glaukom beim lesen, zurück bringt die keinen.

    dienstarzt

    17. Dezember 2012 at 13:00

  4. Ach…das ist ein weites Feld! Genau deshalb bin ich als Allgemeinmedizinerin keine Hausärztin geworden. Keine Lust auf das Hamsterrad…

    docangel

    17. Dezember 2012 at 14:01

  5. Wir sind doch gar nicht alle frustriert, mich würde man nur noch schwer krank zurück in ein Krankenhaus bringen können, aber beileibe nicht mehr um in einem solchen zu arbeiten. Jammern und mal den Frust rauslassen gehört doch bei Menschen jeglichen Berufes zu den Grundprinzipen, nicht wahr? Als junger Hausarzt bin ich zufrieden mit dem Job und würde nicht tauschen wollen, ihr armen Arztbriefdiktierer tut mir echt leid. Hausarzt werden ist sicher kein guter Plan um reich zu werden, aber die Arbeit ist wesentlich befriedigender als der Krankenhausjob.
    Trotzdem: wenn es so attraktiv wäre HA zu werden, würde es wohl nicht so einen Mangel geben, also irgendwas scheint dann doch schief zu laufen.
    Wie viele von den jungen Dingenskrichener Kollelgen haben sich denn in den letzten Jahren als HÄ niedergelassen und wie viele haben ihr Heil im Krankenhaus gesucht?
    Vielleicht ein paar Gründe:
    Es ist nix für jedermann die alleinige Verantwortung für einen Patienten zu tragen ohne das kuschelige hierarchische Arztteam im Krankenhaus und die ganzen Sicherheit suggerierenden Diagnoseapparate. Es ist auch nix für jedermann sich für eine Praxis zu verschulden, dabei nicht zu wissen welche Sau in unserem Gesundheitswesen in 6 Monaten durchs Dorf getrieben wird und zu hoffen, dass der berufstätige Partner auch bis zum Rentenalter an einem Ort bleiben kann. Es ist nix für jedermann/frau mutterseelenalleine Hausbesuche an den abgelegensten Orten zu nachtschlafender Zeit zu fahren. Es ist nix für jedermann die Verantwortung als Arbeitgeber zu tragen und im eigenen längeren Krankheitsfall ein Problem zu haben.
    So, jetzt, erst zum Schluss, kommt das liebe Geld: wenn man dann als junger Mensch die Wahl hat ein gleichmässig hohes (oft sogar höheres) Einkommen als angestellter Arzt, ohne große Verpflichtungen/Festlegungen zu bekommen, dann scheint die Wahl für viele wohl eindeutig auszufallen.
    Eigentlich sind die Gründe beim näheren überlegen nicht so schwer nachzuvollziehen.

    Mich bekommt ihr trotzdem nicht mehr in ein krankes Haus zurück, es gibt nämlich auch folgendes als Hausarzt:
    abwechslungsreiche Arbeit, jeder Tag hat so sein Schmankerl, Gestaltungsmöglichkeit als eigener Chef, viel, viel mehr direkte Dankbarkeit seitens der Patienten, meiner Meinung nach weniger Bürokratie als im Krankenhaus (immer noch genug, keine Frage), Zuständigkeit für den gesamten Mensch, nicht nur für ein Organ, oder ein Spezialgebiet, und noch vieles mehr.

    Moby

    20. Dezember 2012 at 14:57

  6. @Moby: hust …bist Du sicher, dass Du echt bist? Junger Hausarzt in Deutschland, wer macht das denn????

    dienstarzt

    20. Dezember 2012 at 17:24

  7. aus Fleisch und Blut und nein ich verhungere nicht, die Arbeit macht Spass, meine Frau kennt noch meinen Vornamen, es reicht für 2 x Urlaub im Jahr, ich würde weder in die Schweiz wollen, noch wieder im Krankenhaus arbeiten wollen, kurzum mir geht es prächtig. Man kann auch als junger Hausarzt in Deutschland glücklich sein, ist das jetzt exotisch? Ich kenne mindestens zwei weitere junge Kollegen denen geht es wie mir.

    Moby

    20. Dezember 2012 at 18:33

  8. ist sprachlos —————————————————>

    dienstarzt

    20. Dezember 2012 at 22:39


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