Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ein Dr. Frankenstein weilt(e) unter uns…. (wieder einmal)

with 3 comments

…und wieder mal wird eine Sau durchs Dorf getrieben. Wir Ärzte sind doch Verbrecher, also fast alle von uns, also zumindest ein paar, aber der eine da, der ist wirklich einer!
Der Eine:
Ein Neurologe aus den Niederlanden, der dort seine Approbation verloren hat, dann nach Deutschland gegangen ist um dort ungestraft sein Unwesen treiben zu können. Nun, was sich die Personalverantwortlichen einer renomierten Klinik denken oder auch nicht denken mögen, wenn sich ein über sechzig Jahre alter Facharzt als Assistenzarzt bewirbt, ist ein anderes Thema. Dass ebenjene Personaler beim Googlen nicht herausgefunden haben wollen, dass der betreffende Kollege in seinem Heimatland schon eine Reihe negativer Schlagzeilen gemacht hat, mag man ihnen auch nachsehen…
Hmmm.
Lieb und nett sei er gewesen, und bei Kollegen und Patienten durchaus beliebt…. aber „total verrückt“.
Hä?
Was man ihm vorwirft, sind in erster Linie nicht die wirklich kriminellen Unregelmäßigkeiten (er soll Geld unterschlagen und Medikamente zum Eigengebrauch abgezweigt haben) sondern seine mangelnde Fachkompetenz… da habe er Patienten fälschlich schwerwiegende Diagnosen wie M. Alzheimer oder Multiple Sklerose angehängt…
Hmmmm.
Wie war das mit dem ersten Stein? Wer von uns kann sich rühmen noch nie eine Fehldiagnose gestellt zu haben? Und gerade bei neurologischen Krankheitsbildern sind die Diagnosekriterien nicht selten ziemlich schwammig….
Also nochmal Hmmm.
Es mag fähige und weniger fähige Kollegen geben. Und wenn Menschen geschädigt worden sind, dann muss das untersucht worden. Aber mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, wie es die Webseite einer großen Zeitung mit vier Buchstaben macht und ein großformatiges Porträt zu veröffentlichen…
…ich weiß nicht…

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Written by medizynicus

9. Januar 2013 um 13:45

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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3 Antworten

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  1. Einige der verschiedenen Medien mit den großen, leicht zu lesenden Buchstaben, und den großen, leicht zu lesenden Überschriften samt Texten halten sowieso kaum etwas vom „Persönlichkeitsschutz“ – weder bei (potentiellen) Tätern, noch bei Opfern, und schon gar nicht bei völlig unbeteiligten Dritten, die dann gern auch mal zu Tätern oder zu Opfern erklärt werden. Es ist zum weinen. Im http://www.bildblog.de findet man immer wieder Beispiele zu diesem Problem. Und alle Presserügen helfen nichts. Traurig.

    Gedankenknick

    9. Januar 2013 at 18:21

  2. also ich denke, man muss trennen:
    der Mann hatte keine Approbation, und ein googlecheck ist heute auch nicht unsinnvoll
    das war murks. ein personaler schaut heutzutage schon sinnvollerwiese mal im I net nach.
    Der vermeintliche Doktor hat sich den Job offensichtlich erschlichen, denn ohne Approbation hätte
    man ihn trotz Ärztemangel nicht eingestellt.
    Das war böse.
    dass hier von der presse namen und bilder veröffentlicht ist ebenfalls böse.
    Die Story, dass auf sein Betreiben der Neurochirurg mal eben so nen gesundes Stück
    Hirn wegsäbelt, weils halt da ist, erscheint mir (trotz des Rufes der schneidenden Zunft)
    doch ein wenig unschlüssig.
    Gruss Landkrauter

    landkrauter

    9. Januar 2013 at 21:06

  3. Was ich recht interessant finde ist die Agentur, die diesen Arzt vermittelt hat. Die kriegen doch eine Menge Geld dafür, dass die ihre Kandidaten prüfen.
    Gut, nach meiner Erfahrung kassieren die meisten eh nur ab statt einer ordentlichen background check… Oft haben ihre Mitarbeiter auch keine Peile von dem Fachgebiet von einem (wie ein Programmierer aus meiner Familie mehrfach feststellen musste). Dann gehen die nach deinem Aussehen so ungefähr…..
    Am Ende schaden die oft mehr als die nützen denn sie schmeißen einige der besten Kandidaten aus.

    Ehrlich, ich denke dass man die Agenturen ausschalten muss und dafür die Personalabteilung der jeweiligen Firma / des Krankenhauses die Arbeit erledigen soll.
    Letzten Endes wird der gute Mann bei ihnen arbeiten und nicht bei der Vermittlungsagentur…

    In Nordamerika aber auch in Irland haben sich solche Agenturen schon echt zum Parasiten ausgewachsen und erlauben sich haarsträubende Dinge (sogar bei hochqualifizierten Arbeitskräften). Die stellen einen ein (statt der Firma wo man tatsächlich arbeiten wird) und zocken dann fröhlich stundenweise ab. Wie gesagt, teilweise auch bei Fachkräften die um die 100,000 CAD im Jahr verdienen…
    Ich hoffe, dass Deutschland nie soweit herunterrutschen wird… (mal nebenbei bemerkt).
    !!!
    Vorsicht mit dem nordamerikanischen Modell….. (ich habe meine Beispiele aus Kanada).

    Tunde

    9. Januar 2013 at 23:37


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