Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Verliebt im Krankenhaus – oder: Wie ist das denn so, wenn man eine Kollegin ganz doll lieb hat?

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Letztens hat mal wieder jemand diesen Uralt-Artikel ausgegraben und will wissen, wie das denn nun wirklich ist, mit den Bienchen und den Blümchen… also, ob man denn… im Krankenhaus…. und so. Ja, und da habe ich mir gedacht, da ich hier schon lange nichts mehr geschrieben habe, antworte ich mal so gut es geht. Eigentlich ist die Antwort ziemlich kurz:
Liebe zwischen Arzt und Patientin – absolutes No-Go. Also: Nein, Nein und nochmals Nein!
Damit war die Fragerin natürlich nicht zufrieden, und so bohrte sie nach: Wie ist das denn, wenn ein Arzt mit der feschen Kollegin… oder der hübschen Schwester…? Und wenn man auf der selben Station arbeitet? Kommt doch sicher vor, oder?

Liebe Fragerin,
Natürlich kommt das vor.
Und ich versuche mal, die Frage so gut es geht zu beantworten.
Nur Eines vorweg: Erstens gibt es keine allgemeingültigen Regeln und zweitens bin ich ganz bestimmt alles andere als ein großer Profi-Aufreißer.
Ehrlich gesagt, bin ich eher ein ziemlich braves Gegenteil… aber… aber, was wäre jetzt, wenn….?
Nehmen wir also an… Weihnachtsfeier… oder, der momentanen Jahreszeit angepasst: Sommerfest. Gutes Wetter, gute Stimmung, gutes Essen, ein paar Gläser Wein… es wird geflirtet und ich stelle fest, dass die Schwester Jenny doch eine ganz Süße ist (das wusste ich, ehrlich gesagt, auch vorher schon – Jenny kommt ja hier im Blog ziemlich häufig vor)…. und sie denkt so etwas Ähnliches über mich. Es wird später, die Party neigt sich dem Ende zu und ich biete der Jenny an, sie nach Hause zu bringen… wir fahren also mit meinem schicken Cabrio los, und dann stehen wir vor ihrer Haustür und da fällt dann der berühmte, bedeutungschwere Satz: „Kommste noch mit rauf?“
Ja.
Also.
Nochmal zurückspulen: Was gar nicht, in gar keinem Fall, nie, niemals geht: auf der Party herumzuknutschen. Das würde ich auch von anderen nicht tolerieren. Geht einfach nicht. Gehört sich nicht. Wir sind ja schließlich keine Siebzehn mehr (und ehrlich gesagt, hab ich sowas auch mit Siebzehn nicht gemacht…. das war aber wohl eher Mangel an Gelegenheit).
Aber jetzt: Vor Jennys Haustür. Wenn Jenny minderjährig ist oder noch in der Ausbildung, dann liefere ich sie mit einem verbindlichen Händedruck vor der Türe ab und fertig ist. Nie, nie, niemals würde ich irgendwas anfangen – auch nicht mit einer dreißigjährigen Schwesternschülerin. Das ist ganz klar rechtlich (oder wenn nicht juristisch dann zumindest disziplinarisch) ein absolutes No-Go.
Okay, und wenn Jenny anderweitig verliebt, verlobt oder verheiratet ist? Ganz heiße Kiste… würde ich persönlich auch die Finger von lassen. Wenn schon Affäre mit einer Verheirateten, dann bitte nicht mit einer Kollegin von der selben Station. Wäre mir persönlich einfach zu kompliziert – im schlimmsten Fall macht man sich erpressbar (selbst dann wenn der Ehemann/Partner/Freund der anderen kein Profiboxer oder Mafiapate ist). Wäre aber eh nicht mein Ding.
Also gut. Nehmen wir an, Jenny ist volljährig, fertig mit der Ausbildung und entweder ärztliche Kollegin oder Pflegekraft oder Physio- oder Ergotherapeutin oder Psychologin, Sozialarbeiterin, MTA oder was weiß ich… welchen von diesen (oder anderen denkbaren) Beruf sie ausübt ist eigentlich zunächst mal egal. Wobei: entscheidend ist, ob es ein Machtgefälle gibt: Arzt und ungelernte Reinigungskraft stelle ich mir schwierig vor – ähnlich der Situation mit einer Auszubildenden, auch wenn es juristisch keine Schwierigkeiten geben dürfte. Bei Assistenzarzt und halbwegs gleichaltriger Pflegekraft sehe ich prinzipiell keine Probleme, Chefarzt und unmittelbar disziplinarisch „untergebener“ Assistenzärztin stelle ich mir problematisch vor. Der Chefarzt macht sich im schlimmsten Fall erpressbar – immerhin erwartet sie von ihm ja ein Zeugnis. Gilt übrigens auch für Pflege-Chef(in) und einfacher Pflegekraft (m/w). Oberarzt (m/w) und Assistenzärztin (m/w) ist nicht ganz so problematisch, aber auch heikel.
Okay. Angenommen ich bin ein attraktiver Arzt, Mitte/Ende Dreißig und die Jenny ist eine attraktive Frau in meinem Alter. Oder vielleicht bin ich auch ein Oberarzt jenseits der Vierzig und die Jenny eine wahnsinnig attraktive Frau Mitte/Ende Zwanzig. Wir sitzen also in meinem Cabrio auf der Straße vor Jennys Haustür.
Und mal angenommen, ich komme dann wirklich mit rauf.
Was passiert dann?
Nehmen wir an, es passiert was.
Und dann?
Diskretion!
Absolute Diskretion ist Ehrensache. Sollte es sein.
Privatleben ist privat.
Das Ganze geht schließlich zunächst einmal genau zwei Personen etwas an und niemanden sonst (wir nehmen an, beide sind nicht anderweitig gebunden). Und beide Personen müssen sich zunächst einmal selbst darüber klar werden, was sie voneinander wollen. Mir wäre wichtig – das auch vorher klarzustellen – soviel Vertrauen zueinander muss sein, dass man das Ganze nicht gleich am nächsten Morgen brühwarm der besten Freundin (oder dem besten Freund) erzählt der es dann weiterträgt… Wenn das Ganze den Status einer Affäre hat, dann wäre es mir wichtig, auch dauerhaft diskret damit umzugehen. Wobei der Arzt bzw. der Sozial Höhergestellte mehr zu verlieren hat als die Pflegekraft bzw. die sozial niedriger stehende Person. Wenn der Chef das nämlich rauskriegt… wer weiß, was passiert? Wäre ich Chef und würde so etwas rauskriegen – ich würde die beiden direkt (unter 6 Augen) drauf ansprechen und dann versuchen, wenn möglich, beide in unterschiedlichen Abteilungen arbeiten zu lassen.
Anyway… irgendwann einmal wird es vermutlich Gerüchte und Gerede geben… und dann?
Ich verweigere weiterhin standhaft jeden Kommentar und weise darauf hin, dass mein Privatleben privat ist, Punkt. Siehe oben.
In diesem Zusammenhang ganz wichtig: Im Dienst geht man selbstverständlich weiterhi ganz korrekt und kollegial miteiander um. Die andere Person wird weder bevorzugt noch benachteiligt. Situationen, in denen man während der Arbeit zu zweit alleine ist, werden unbedingt vermieden, der Gerüchte wegen und um sich nicht angreifbar zu machen. Eine heimliche Nummer in der Wäschekammer oder im Heizungskeller? Nee, is nicht. Nicht mit mir. Dazu ist mir mein Job zu wichtig. Schließlich wird man fürs Arbeiten bezahlt und nicht fürs……
Also gut.
Nehmen wir an, die Jenny ist wirklich die absolute Traumfrau meines Lebens – und sie sieht das genauso.
Dann würde ich es irgendwann mal „offiziell“ machen. Und zwar am besten so, dass wir gemeinsam zum Chef gehen. Oder – falls ich der Chef bin – die Sache irgendwann mal irgendwie offiziell kundgebe (in was für einer Form? ich war noch nie in der Situation… muss man kreativ sein). Vorher würde ich allerdings mit meinem Anwalt sprechen.
Und wenn die Sache dann „offiziell“ ist?
Idealerweise sollte man, wenn möglich, den Arbeitsalltag so gestalten, dass man nicht den ganzen Tag lang unmittelbar zusammen arbeitet (man sieht sich ja abends und in der Freizeit eh oft genug und will sich da ja auch noch etwas zu erzählen haben…). Also, wenn möglich in unterschiedliche Abteilungen / Stationen versetzen lassen. Wenn das nicht möglich ist: Sich der anderen Person korrekt verhalten, sie nicht bevorzugen (auch nicht benachteiligen), Situationen vermeiden wo man zu zweit alleine ist…. siehe oben.
Und: Knutschen am Arbeitsplatz geht natürlich gar nicht! Sogar Händchenhalten wäre ein Tabu. Ein diskreter Händedruck oder ein verstohlenes flüchtiges Küsschen auf die Wange… vielleicht, aber mehr auf keinen Fall.

Hoffe, dir damit geholfen zu haben, liebe Fragerin!

p.s.: Liebe Fragerin, Haste morgen Abend schon was vor?

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Written by medizynicus

8. Juli 2013 um 16:51

8 Antworten

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  1. Man wildert nicht im eigenen Revier. Oder wie es bei Brötchensponsor heißt: „Never fuck the company.“

    Allerdings ergab sich dann irgendwann doch mal ein Paar. Die haben das ganze diskret gehalten, auch wenn der aufmerksame Beobachter deutliche Anzeichen sehen konnte und irgendwann anlässlich ihrer Hochzeit in der Firma ein Frühstück vom Feinsten abgehalten. Da fielen die Meisten ganz schön aus den Wolken.

    Leider gab es kein solches fürstliches Frühstück bei ihrer Scheidung, was auch dazu führte, dass er sich alsbald zu einer neuen Stelle begab. Wer will schon jeden Tag die Ex-Frau sehen müssen?

    Und aus dem Grund sollte man niemals nicht, egal ob die Jenny oder die Sabine so anziehend sind…

    Der Maskierte

    8. Juli 2013 at 18:16

  2. ein paar gläser wein… und dann fahrt ihr mit dem schicken cabrio los…

    tztztz, herr doktor, gerade sie sollten doch nun wirklich wissen, wie das so ist, mit alkohol und reaktionsvermögen und unfällen… 😉

    sternenpfad

    8. Juli 2013 at 19:58

  3. Ach Muckefuk!
    Wenn einem jemand über den Weg läuft, der eben DER oder DIE EINE sein könnte: beherzt zupacken! Solange kein Machtgefälle etc (s.o.) immer ran an den Speck! Es will doch keiner einsam enden, oder?

    Jeb

    8. Juli 2013 at 20:00

  4. also eine Beziehung zwischen Arzt und Patientin (und umgekehrt) finde ich jetzt gar nicht soooo problematisch.
    Klar Psychodoc und Patient geht gar nicht. Da ist man tatsächlich ziemlich nahe an einer Strafbarkeit.
    Auch Hausarzt würde ich als kritisch empfinden.
    aber ein Knochenklemptner, der den kaputten Oberarm gerichtet hat?
    Wo ist da das Prob?
    Gruss Landkrauter

    landkrauter

    10. Juli 2013 at 14:39

  5. Sehr gut, dann sind ja sämtliche Beziehungsmöglichkeiten geklärt. Mir fehlt allerdings noch Chefärztin und Bufdi …

    chefarzt

    12. Juli 2013 at 21:04

  6. Hab es bereits oft erlebt, dass sich an den Kliniken, wo ich gearbeitet habe, Paare fanden. In einigen Fällen war es echt ein Problem, weil man das Personal zum Publikum machte. Es endete wie jede Doku-Soap: mit Krach, Trennungen, Anschuldigungen und Getratsche im ganzen Haus. Unschön. Wer sich vor das Publikum stellt, kann damit rechnen, dass es an allem Anteil nimmt. Also wenn, dann absolute Diskretion und wenns geht ,nicht im eigenen Bereich oder einer wechselt den Bereich. Das sind übrigens die einzigen Paare, die ich kenne, die so eine Krankenhausliebe heil durchgebracht haben über die Jahre.

    Assistenzarzt

    14. Juli 2013 at 22:34

  7. Erst letztens einen Fernsehbeitrag über ungleiche Paare gesehen (Smartphone und Mediathek machen’s möglich. Mit dabei: eine Lehrerin und ein Schüler ihrer (früheren) Schule, 18 Jahre auseinander (auch so ein No-Go, oder? Sie war aber offenbar nie an seinem Unterricht beteiligt.) – und eine Chefärztin, die mit einem LKW-Fahrer verheiratet ist. Die Standardfrage, wenn sie mit neuen Leuten zusammen waren und ehrlich über die Jobs sprachen: ja, aber über was könnt Ihr denn abends reden? (Gegenfrage: wie lernt man jemanden kennen und schätzen, ohne zu reden?) Inzwischen ist ihre Sprachregelung folgende: sie Ärztin, er bei der Spedition. Er spricht übrigens zwei oder drei Fremdsprachen, hat lange im Ausland gelebt und zwei erwachsene Töchter aus erster Ehe.

    Hesting

    15. Juli 2013 at 08:24

  8. Stimmt alles schon. 🙂
    Aber was machen, wenn die Hormone bekifft durch die Synapsen schießen und zielsicher alles auschalten was mit dem Intellekt zu tun hat.:-)

    Ähm Jurist versus Ärztin (hatten wir das schon?)

    Berlustoni

    25. Juli 2013 at 12:56


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