Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ein Flash-Snob auf der Straße des Todes

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Es gibt Straßen, die haben eine Geschichte.
Es gibt Straßen, die haben eine Legende… es gibt berühmte Straßen und es gibt Straßen, die sind berüchtigt.
Ich fahre auf einer Solchen.
Es ist ein später Nachmittag oder früher Abend, im Sommer geht sowas ja fließend ineinander über, und ich fliege dahin, auf einer gut ausgebauten, breiten Landstraße durch ein breites, flaches Tal.
Soeben bin ich von einem Tal in en anderes gewuppt. Ja, richtig gewuppt, einfach so, dazwischen muss wohl eine Paßhöhe gewesen sein, aber die war eigentlich gar nicht wahrzunehmen und sie ist auch nirgendwo mit Namen verzeichnet. Das vorherige Tal war eng und die Straße war kurvig und schlängelte sich zwischen Fluß und Bahnlinie dahin, dann bin ich ganz kurz auf die Autobahn… und jetzt bin ich in einem anderen Tal, an einem anderen Fluß, der noch ziemlich jung ist, irgendwo hier in der Nähe an dem hohen Berg muss er entsprungen sein… die Straße ist jedenfalls eine friedlich-harmlose Landstraße, schon eine Hauptverkehrsstraße, aber nichts mehr deutet auf das hin, was hier früher einmal los war.
Damals war dies Teil einer Transkontinentalen Hauptschlagader.
Damals führten die meisten transkontinentalen Hauptschlagadern entweder von oben nach unten oder von rechts nach links, diese hier aber war ein Sonderfall, denn sie führte von links oben nach rechts unten und weil so etwas nicht vorgesehen war, planten die Damen und Herren Planerinnen und Planer diese Straße auch nicht in ihre Pläne ein.
Dann aber zogen Millionen und abermillionen von Menschen aus Rechts Unten nach Links Oben um dort zu arbeiten. Und dann fuhren sie wieder zurück nach rechts unten um ihre Familien und Freunde zu besuchen und Familien und Freunde aus rechts unten folgten ihren Angehörigen nach links oben und im nächsten Sommerurlaub reisten sie wieder nach rechts unten und dann…
…dann wurde es auf dieser Straße ziemlich voll. Das Praktische an dieser Straße war, dass sie das Gebirge auf dem denkbar einfachstem Weg durchquert, ganz ohne hohe Passstraßen.
und so wälzte sich eine endlose Blechkarawane aus bis unters Dach und darüber hinaus vollgepackten Fahrzeugen auf dieser Straße entlang, von links oben auf dem Weg nach rechts unten und wieder zurück, Stoßstange an Stoßstange. Die Anwohner aus den Dörfern, durch die diese Straße hindurchführet konnten nur mit Polizeibegleitung auf die andere Straßenseite. Waghalsige Überholversuche und schwere Unfälle waren an der Tagesordnung.
Aber das ist längst Vergangenheit.
Längst sind neue Autobahnen gebaut worden und längst gibt es Alternativrouten, welche die Berge komplett umgehen.
Und ich fliege mit meiner Lady diese Straße entlang im milden Abendlicht und ein bißchen verwegenes Highway-Feeling ist geblieben.

Written by medizynicus

1. August 2013 um 23:20

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

6 Antworten

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  1. Schön, dass ich in Führung bin. Also endet es wohl erst, wenn irgendjemand das Ziel errät. Du sprichst weitere Details an, z. B. die Gleisbreiten etc. Nennen kann ich so etwas auch – die Frage ist für mich, möchtest du so etwas haben und vergibst du dafür Punkte? Ich mein, ich hätte dir die Ganze Geschichte des Bahnhofs niederschreiben können😉 Würde mich jetzt wirklich interessieren.

    Des weiteren bist du jetzt also auf dieser alten Transkontinentalen unterwegs. Also bist du links oben und fährst nach rechts unten. Oder umgekehrt. Im letzteren Fall kommst du zurück nach Deutschland. Bist du denn schon auf dem Rückweg oder machst du noch/erst richtig Urlaub (in dieser Geschichte)? Ich mein, es könnte ja auch ein Kurztrip gewesen sein.

    ednong

    2. August 2013 at 00:30

  2. Na, da wird ja einiges klarer🙂 Bei der Autobahn lagen dann sowohl Ednong als auch ich falsch. Du müsstest in Bischofshofen auf die A10 gefahren sein, um nun im Ennstal (über die gleichnamige Abfahrt) wieder rauszukommen. Dort gehts die B320 lang, die früher als Gastarbeiterroute bekannt war. Nach dem Bau der A9 war damit Schluss.

    Jetzt geh ich den Tümpelsee suchen…

    Michi

    2. August 2013 at 00:48

  3. Ha, gefunden!

    Du residierst am Putterersee im Puttererseehof. In der Trattoria Castello hätte man dich vollgequalmt.

    @Ednong: Die Spurweiten und das ganze Gedöns hab ich in erster Linie dazugeschrieben, um den Bezug zur Beschreibung herzustellen bzw. als kurze Begründung, wie ich drauf gekommen bin. Das Motto „Herr Lehrer, ich weiß was“ war da eher nicht ausschlaggebend😉

    Michi

    2. August 2013 at 00:56

  4. Hm, Vodafone mag mich gerade nicht. Denen werd ich nachher mal auf die Mütze geben – geht ja gar nicht, nachher verlier ich hier noch😉

    Also: wenn man annimmt, dass auf der Transkontinentalen Verbindung mit rechts unten das ehemalige Jugoslawien (oder noch weiter rechts unten, also Istanbul/Türkei, da ja trans-kontinental) gemeint ist und nach „Gastarbeiterroute“ sucht, dann erhält man – Tadaa – einen Link zur Wikipedia mit diesem Eintrag. Demnach war die ehemalige E 5 die von Gastarbeitern genutzte Route, die auch durch Österreich führt. Dort gab es am Grenzübergang zu Jugoslawien Weihnachten 1969 einen derartigen Aufruhr, dass sogar das Militär mit 120 Mann eingreifen mußte. Bemerkenswert.

    Heute ist das von Bischofshofen die E 55, die E 651 und die E 57 über Graz bis zur Grenze. Du könntest jetzt natürlich dem Tal der Salzach auch bis Bischofshofen gefolgt sein (du fährst ja nicht immer die kürzeste Strecke, du liebst ja das Fahren😉 ), so dass du dort auf die Autobahn Richtung Süden fährst. Du umfährst damit den „Berg“ zwischen Bischofshofen (genauer: Elmauthal – AS 47 der A 10) und Dreieck Altenmarkt (AS 63), um auf die B 320 auf-/abzufahren. Das dürfte die alte Gastarbeiterroute sein. Du fährst dann durch Radstadt Richtung Graz bis wahrscheinlich St. Michael bei Leoben – mal schauen. Die Enns dürfte dann der neue Fluß sein, das Tal das Ennstal.

    Hm, der als Tümpelsee geführte See ist der Putterersee bei Aigen im Ennstal. Weit biste dann ja nicht die Strecke gefahren, einen Campingplatz hat er. Und natürlich auch ein Landhotel-Gut: den Puttererseehof. Ich nehme mal an, dort gastierst du. Der Grimming dürfte der Berg sein, den du meinst.

    Aufgrund der Verbindungsprobleme hier wollte ich nicht noch nach der Pizzeria suchen – auf der Stadtseite von Aigen ließ sich nur die „gewöhnliche“ Gastronomie finden. Da war kein Italiener dabei.

    Ich bin gespannt, ob du trotz des Militärflughafens angenehm geruht hast und bin gespannt auf die Weiterreise.

    ednong

    2. August 2013 at 02:15

  5. Oha,
    da war Vodafone so langsam, dass einer schneller war. Schiebung!😉

    Der SEe scheint es dann ja zu sein. Warum der nun Tümpelsee heißt, würd mich dann aber schon noch interessieren. Das Wasser soll sehr sauber und eine gute Qualität haben – trotz der versenkten Kriegsgeräte zum Ende des 2. Weltkrieges. Und obwohl der Ort gerade mal 2560 Einwohner hat, scheint sich die Badeanlage in privater Hand zu lohnen. Muß also doch ne Menge Tourismus vorhanden sein.

    Ich muß VF wohl gleich mal Dampf machen – geht ja gar nicht. Nachher verliere ich hier noch das sicher geglaubte Buch …

    ednong

    2. August 2013 at 02:24

  6. Ich verfolge weiterhin das Rätsel und finde es beeindruckend, wie gut recherchiert wird um das alles zu beschreiben.
    Weiter so, ich fühle mich fast wie mittendrin im Geschehen.
    Außerdem eine super Be-/Umschreibung für die Reise @Medizynicus.

    LG Diana

    Sternenzauber13

    2. August 2013 at 05:38


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