Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Flash-Snob: der Regenbogen am oberen Ende des Wasserfalls

with 7 comments

Ich habe jetzt ein Ziel.
Ich fahre los.
Vom See aus fahre ich zunächst durch eine Art Schlucht ins weite Haupttal in die kleine Stadt.
Kuriosum am Rande: der örtliche Bahnhof ist der einzige Bahnhof im Lande, an dem sich drei Bahnlinien mit drei verschiedenen Spurweiten treffen.
Ich halte mich aber gar nicht auf, überquere den Fluß und dahinter geht’s durch einen Tunnel ins nächste Seitental.
In meiner Phantasie hätte ich dieses Tal für eines von der wildromantischen Sorte gehalten, aber ich bin enttäuscht: Es ist eher breit und langweilig mit einer breiten und gut ausgebauten Straße darin (und einer parallell verlaufenden Bimmelbahn), und ich komme schnell voran.
Dann biege ich ab.
Hier beginnt die Passtraße.
Gleich nach den ersten Kehren komme ich an einer Kirche vorbei. Weiter geht’s, die Straße schraubt sich durch den Wald an einem Seitental entlang, unten in der Tiefe rauscht der Bach und oben… oben sind Berge, die immer höher werden, manche sind sogar noch schneebedeckt.
Dann kommt ein Ort, dann eine Staumauer samt zugehörigem Stausee und dann… mache ich einen Fehler: ich will Pause machen. Ich einem Hinweisschild zu einem vermeintlichen Dorf.
Das Dorf aber ist eine mausetote Geisterstadt – ich fühle mich wie in einem Goldgräbernest im Wilden Westen, nachdem die Karawane weiter gezogen ist.
Hier wird nur im Winter nach Gold schürft – solange der Schnee liegt, werden Skitouristen gemolken, im Sommer hingegen ist der Hund begraben.
Zurück auf die Hauptstraße.
Plötzlich finde ich mich vor einer Schranke wieder.
Eine Zollstation?
Nein, eine Mautstelle.
Also: Rückwärtsgang eingelegt und eine gekonnte Hundertachtziggradwende vollzogen. Ich bin doch nicht blöd!
Interessante Landschaft übrigens: Eine Art Hochmoor, auf tausendfünfhundert Höhenmetern.
Die alte Paßstraße ist mautfrei und enger als mancher Forstweg – eher für Geländewagen geeignet als für tiefergelegte Sportwagenladys, manchmal taste ich mich mit Schrittgeschwindigkeit voran und einmal ist die halbe Straße weggerutscht, zwei Zentimeter jenseits der Beifahrertür geht es ein paar hundert Meter in die Tiefe…
Ich komme dennoch heile auf die andere Seite.
Dort wartet ein landschaftlicher Höhepunkt auf mich: ein Wasserfall – und zwar einer von der größeren Sorte. Genau genommen sind es sogar mehrere Wasserfälle und jeder einzelne von denen ist sehenswert. Über einen uralten Pfad, über den schon mittelalterliche Kaufleute und römische Legionäre gewandert sind führt durch den Wald, gigantisch steil, immer im Zickzack, und ich schnaufe bald wie eine Dampflokomotive und dann… endlich stehe ich am… äh… wie nennt man das jetzt?
Das obere Ende des Wasserfalls?
Der Anfang?
Also halt… Ihr wisst schon… der Punkt jedenfalls, von wo aus das Wasser anfängt, runterzufallen.
Schaut schon gigantisch aus, so’n Wasserfall von oben!
Das Wasser stiebt unter mir davon und regenbögt… oder wie sagt man jetzt? Also es glitzert und funkelt so und wenn ich jetzt ein römischer Dichter wäre… oder ein mittelalterlicher… und meine Harfe dabei hätte… oder meine Minnesängerausrüstung… dann würde ich jetzt was furchtbar schnulziges von mir geben, aber lassen wir das lieber!
Hier oben fängt übrigens ein ganz sanftes Hochtal an mit einem gemütlichen Weg, über welchen seinerzeit die mittelalterlichen Kaufleute…. und vorher die Römer… aber ich wiederhole mich.
Jedenfalls wandere ich wieder hinunter, gönne mir in der Touristenabfütterungsstation am Fuße des Wasserfalls eine Kräuterlimonade…
Gibt’s hier Wlan?
Nee, gibt’s nicht!
Und wo…?
Zehn Kilometer von hier, im übernächsten Dorf gibt’s ein Internetcafe…
Zurück zur Lady, zurück ans Lenkrad und Gas gegeben.
Das Internetcafe ist eine Bäckerei mit einem großen Schild „Internet!!!“ mit drei Ausrufezeichen im Schaufenster und das Internet besteht aus einem exzellenten Espresso und einem rostig-rumpeligen PC mit hüpfender Maus, der aber immerhin in der Lage ist, mir eine Unterkunft zu organisieren… ich habe noch ein gutes Stück Weg vor mir!
Durch ein wunderschönes, grünes, weites Tal, durch welches sich auch wieder ein Schmalspurbähnchen schlängelt… dann ein enges, wildromantisches Tal mit richtiger Schnellzugeisenbahn… dann ein kurzer Hupfer auf die Autobahn um eine kaum merkbare Passhöhe zu überqueren… und ein weiteres, breites Tal in der Abenddämmerung.
Die Luft schmeckt nach Freiheit und Abenteuer.
Das Leben ist ein Road-Movie.
Ich folge einfach weiter diesem Tal, das meistens breit und flach – manchmal aber auch dann wieder enger und welliger ist und im letzten Tageslicht erreiche ich mein Nachtquartier.
Es handelt sich um einen rustikalen Landgasthof am Tümpelsee.
Gibt’s hier noch was zu essen für hungrige Cowboys?
Die Pizzeria am Tümpelsee ist noch geöffnet… aber da wird geraucht… also gut, dann halt nur noch ein kleiner Spaziergang zum Tümpelsee… dessen Ufer ist auf der einen Seite von einer Badeanstalt in Beschlag genommen und an der Rückseite ist ein Campingplatz und ein bewaldeter Hügel – oder kleiner Berg – der dieses Tümpelseetälchen vom eigentlichen Haupt-Tal abtrennt… aber inzwischen ist es schon ziemlich dunkel…
Egal. Morgen ist auch noch ein Tag!

Written by medizynicus

1. August 2013 um 00:54

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

7 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Bevor dann noch jemand anderes postet, hier erstmal die Teillösung:
    Start: Pertisau
    Richtung Jenbach
    Schlucht: Achenseestraße – die L 7, vielleicht Jenbacher Schlucht
    Tunnel: Brettfalltunnel
    Seitental: Zillertal
    ausgebaute Str.: B 169
    Pass(s)straße: B 165 (Gerlospass)
    Kirche: Maria Rast
    Stausee: Speicher Durlaßboden
    Geisterstadt: Silberleiten (oder Königsleiten)
    alte Paßstraße: die alte B 165/ L 113 bzw. Krimmler Landesstraße (da wollte er 8 Euro sparen auf der Gerlosstraße😉 )
    Wasserfälle: Krimmler Wasserfälle – sogar mit Touristen- und Malerhäuschen ganz früher einmal, wow!
    uralter Pfad: alter (Krimmler) Tauernweg
    Hochtal: Täler gibt es viele im Nationalpark Hohe Tauern – wahrscheinlich meinst du das Wildgerlostal
    Internet: Bäckerei Schroll in Neukirchen am Großvenediger in der Marktstr. 117
    Espresso: kostet – ach, das kommt drauf an, wann du dort warst

    weiter gehts gleich im nächsten Teil

    ednong

    1. August 2013 at 02:32

  2. Die Autobahn ist das Problem. Ist die Europastraße auch Autobahn oder ist es die A 10? Schwierig, schwierig, da du so zeitlos reist …

    ednong

    1. August 2013 at 02:50

  3. Weiter nun mit Teil 2:

    Witziges Detail: von Tirol nach Salzburg und nun wieder in Tirol – und dennoch Richtung Westen immer weiter

    Weiter geht es, irgendwie sehr zeitlos. Täler gibt es viele, ich habe leider keine Ahnung, wo ich deren Namen herbekomme. Vielleicht verrät mir das ja jemand.

    grünes, weites Tal: zwischen Mittersill und Zell am See, immer die Bundesstraße entlang (B 168)

    enges, wildromantisches Tal: zwischen Zell am See und St. Johann i. P. (B 311), weiter auf der B 163 auf die A 10 (Anschlußstelle 66) – der Hupfer auf die Autobahn Richtung Süden (hoffe ich mal).

    Dort gibt es dann den Tauerntunnel, der den Berg „überwindet“ – und da glaube ich falsch zu liegen. Schließlich magst du keine Tunnel. Allerdings hast du in Gegenrichtung (also Norden) auch jede Menge Tunnel, die die „Höhen“ durchqueren. Vielleicht bist du ja irgendwie zwischen den Tunneln unterwegs, also da weiß ich definitiv nicht mehr weiter. Deshalb tippe ich Richtung Süden.

    die Passhöhe: das Tauernmassiv, das mittels Tunnel unterquert wird

    Tja, fährst du dann weiter auf der Autobahn oder wieder ab? Und wieder zeitlos, ohne dass man das groß eingrenzen kann. Irgendwie zwischen Mittag und Sonnenuntergang, ok. Ist aber ein großer Zeitraum.

    Tümpelsee: Millstätter See

    Seen gibt es wie Berge. Und fast alle haben natürlich eine Badeanstalt und einen Campingplatz. Von daher – keine Ahnung, ob du da steckst/stecktest.

    ednong

    1. August 2013 at 04:10

  4. Jetzt muss ich mich doch mal dran versuchen😉 Der Bahnhof ist auf jeden Fall Jenbach mit Gleisen in 1435 mm (Regelspur), 1000 mm und 760 mm. Von dort aus gings durch den Brettfalltunnel ins Zillertal (mit der gleichnamigen Bahn).

    In Zill am Zeller, äh andersrum, dann links ab auf die B 165, vorbei an der Kirche Maria Rast und dem Goldschaubergwerk. Weiter gehts durch Gerlos und vorbei am Speicher Durlaßboden, dann links abgebogen ins jahreszeitlich bedingt verschlafene Königsleiten. Umgedreht, wieder links abgebogen und vor der Mautstation der Gerloser Alpenstraße kehrtgemacht. Nächste Station sind die Krimmler Wasserfälle, gelegen am Alten Tauernweg. Das dort beginnende Hochtal ist das Krimmler Achental.

    Nach dem Espresso wird das Salzachtal durchfahren, dort fährt auch die schmalspurige Pinzgauer Lokalbahn. Später begleitet dich die Tauernbahn. Auf der A10 hast du mal kurz den Pass Lueg überquert, mit 552 m hat der für alpine Verhältnisse nicht sooo viel auf der Pfanne. Weiter komm ich erstmal nicht:-/

    Michi

    1. August 2013 at 05:04

  5. Bis etwa ungefähr Zell am See ist mir alles klar. Da war ich schon mal, ich bin die Strecke mit dem Fahrrad gefahren, allerdings auf der neuen Gerlospaßstr., die für Radfahrer keine Maut nimmt. Für mich gings über Salzburg weiter. Wie Medizynicus weiter fuhr… keine Ahnung.

    schiffmo

    1. August 2013 at 15:21

  6. Kann leider nicht mitraten😦
    – brauche meinen Schönheitsschlaf (Mitternacht geht also gar nicht) und den lieben langen Tag habe ich einen Job, der mir keine Zeit zum Surfen lässt. Jetzt mag ich auch nicht mehr, da ednong und michi schon eine feine Strecke ausgetüftelt haben.

    Antje

    1. August 2013 at 20:09

  7. Puhh, mir gefallen die Antworten von Michi und endong sehr. Aber welcher Tümpelsee folgt auf den Pass Lueg? Oder doch von Zell am See weitergefahren? Ich kenne nur einen See, der langsam austrocknet in Österreich und der ist zu weit weg (Neusiedler See). Ich glaube, zuletzt folgst Du der Salzach. Ich finde nur keinen passenden Tümpelsee.
    Um Mitternacht brauche ich übrigens auch meinen Schönheitsschlaf.😉

    Nads

    1. August 2013 at 22:50


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: