Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Knocking on Heaven’s Door

with 19 comments

…der letzte Beitrag war fiktiv. Zur Ehrenrettung unserer Geistlichen muss ich sagen: sie sind bislang immer gekommen, wenn man sie gerufen hat. Nicht unbedingt immer mit großer Begeisterung, aber das geht mir schließlich nicht anders.
Unter den Geistlichen ist Pater Anselm ist ein Mensch, den ich ganz besonders schätze. Wobei ich mir gar nicht sicher bin ob nun Pater, Diakon, Pastoralreferent, oder was auch immer ist.
Jedenfalls hat er mir mal erklärt, dass es im katholischen Brauchtum tatsächlich schwarze Kerzen gibt: die zündet man bei Gewitter an, um das Böse abzuwehren. Ansonsten sind Kerzen natürlich grundsätzlich weiß, als Symbol für die Auferstehung.
Und dann hat Pater Anselm mir mal erklärt, dass Luzifer in der Antike die Bezeichnung für den Morgenstern war. Und dass irgendwo in der Bibel an einer einzigen Stelle irgendwas steht von einem hellen Stern, der vom Himmel gefallen ist. An einer ganz anderen Stelle ist von einem gefallenen Engel die Rede und irgendwann mal hat ein kluger Klosterbruder und Kirchenlehrer hier eins und eins zusammen gezählt. Das war aber nicht immer so, im frühen Mittelalter gab es sogar mal einen Heiligen Luzifer, den kennt zwar heutzutage fast keiner mehr, aber er ist immmer noch heilig, so dass ein braver Katholik, streng genommen, tatsächlich zum Heiligen Luzifer beten könnte.
Wie gesagt, Pater Anselm ist immer ein spannender Gesprächspartner.
Und letztens hat er mir mal eine Frage gestellt, die ich hier mal weitergeben würde:

Würdet Ihr (Ärzte, Pflegekraft…) mit einem Patienten beten, wenn Ihr vom Patienten oder den Angehörigen darum gebeten werdet?

Also, ich täte es nicht.
Was nicht heißt, dass ich mir nicht die Zeit nehme, eine Patienten empathisch zuzuhören oder auch einfach still am Bettrand sitzen und die Hand zu halten…
Aber Beten?
Ich nicht! Und Ihr?

Written by medizynicus

13. September 2013 um 09:08

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

19 Antworten

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  1. Ich bin zwar kein Angehöriger der medizinischen Berufe, noch eines Pflegeberufes, würde es aber wohl tun. Es würde mich im ersten Moment wohl etwas Überwindung kosten, weil ch kein Freund des lauten Betens bin. Ich schätze aber, dass man das vergisst, wenn man sich darauf und auf den Menschen gegenüber einlässt.

    Karl

    13. September 2013 at 09:35

  2. Also ich bin beruflich auch ganz woanders daheim und überhaupt nicht gläubig. Aber ich würde es tun.
    Denn die Bitte danach zeigt doch, dass es dem Anderen wichtig ist und er Beistand möchte. Da ist es doch nicht so wichtig, ob ich daran glaube – viel wichtiger ist, dass der Andere daran glaubt und es ihm gut tut. Und dabei unterstütze ich doch gern.

    eisfreak

    13. September 2013 at 09:42

  3. Religion ist für mich selber irrational. Jedoch sehe ich in Religiösität ein Mittel, um Menschen Hoffnung zu geben. Daher bitteschön jeder nach seiner Façon.
    Sollte man sich zu einem aktivem Beten bereit erklären, bleibt noch zu klären, wie weit die Bereitschaft gehen sollte.
    Evangelische und katholische Gebete? Islamisch? Wenn, dann sowohl sunnitisch als auch schiitisch? Gebete nach jüdischen, buddhistischen oder hinduistischen Regeln? Die ganzen Spielarten der religiöser Sekten?
    Sollte ein Angehöriger einer Glaubensrichtung das Gebet einer anderen durchführen (müssen)?
    Als Agnostiker habe auch ich eine (Nicht-)Glaubensrichtung, welche ich gewahrt und respektiert wissen möchte.
    Ich kann mir vorstellen, bei einem Gebet behilflich zu sein – wie auch immer das funktionieren sollte, ggf. wie du es mit „zuzuhören oder auch einfach still am Bettrand sitzen und die Hand zu halten“ ansprichst. Dies kommt dem gleich, was ich – areligiös aber im christlichen Europa aufgewachsen – unter „christlichen Nächstenliebe“ verstehe. Das trifft so wohl aber auch auf alle anderen (großen) Religionen zu – Empathie für Mitmenschen zeigen und ausdrücken. Das dann bitte noch unabhängig von deren Nicht-/Glauben an höhere Wesen und die Welt wäre eine bessere.
    Aktiv mitbeten kommt für mich selber aber nicht in Frage.

    Das Skar

    13. September 2013 at 10:13

  4. also ich wuerde mich selbst eher richtung christentum packen und auch mit den leuten beten, wenn sie mich denn darum bitten wuerden. aber nicht nur christlich, sondern auch nach allen anderen religionen, wobei ich dann nur dabei sein koennte, einfach mangels erfahrung mit anderen gebetsformen. ich finde das gehoert dazu, und auch wenn ich die bibel nicht besonders ausfuehrlich gelesen habe, ist mein verstaendnis von naechstenliebe, dass man fuer seine mitmenschen da ist, auch wenn sie anders glauben.

    Ich

    13. September 2013 at 10:58

  5. Ich würde es auch machen. Ich bin selber Teil(-klitzeklein-)zeit-Evangele mit wenig Kirchenbesuchen aber mit voller Kirchenbesteuerung, die ich tatsächlich leidlich gern „spende“, denn die Kirche macht nun mal nicht nur schwachsinnige Dinge. Ob ich nun „christlich“ beten würde, sei dahingestellt – ich würde das wohl eher „allgemein“ halten und nicht auf eine spezielle Glaubensrichtung zuschneiden wollen. Beten ist für mich eine Form des gemeinsamen „Bittstellens“ an eine „Höhere Macht“, aber auch eine „innere Einkehr“. Da ich bei so etwas nicht um die Weltherrschaft, das Kriegsglück oder das Unglück eines Dritten bete und bitte, habe ich kein Problem damit, so etwas zu akzeptieren und demjenigen damit einen kleinen Gefallen zu tun. Ich sehe das ungefähr so, ich @ich das sieht. Und ich habe kein Problem damit, aktiv (mit) zu beten, solange der Inhalt des Gebets nicht gegen meine Meinungen und Überzeugungen verstößt.

    Ansonsten grübel ich aber immer wieder, mich von Reverend Andreas Rebers zu den „schlesischen Bitocken“ bekehren zu lassen. Kennt niemand? Einfach mal das Bühnenprogramm „Ich gegel das“ von 2011 anschauen… [ youtube.com/watch?v=bmnjAMj1IMc ]

    gedankenknick

    13. September 2013 at 12:10

  6. also der Landkrauter ist zwar hardcoreatheist, aber mitbeten würde er auch, wenns denn hilft.
    das mit dem empathiegedanken von Skar hat nämlich in der Tat was.
    @ medizynicus: echt interessantes Thema
    Gruss Landkrauter

    landkrauter

    13. September 2013 at 14:01

  7. ich bin auch ungläubig und würde trotzdem mitbeten, schon aus Nächstenliebe. Wahrscheinlich würde ich vorher aber auf Gottes eingeschränkte Sprechstundenzeiten für ungläubige hinweisen. Wenn das dem Patienten egal wär, ist gegen eine Fürbitte nix einzuwenden.

    PeterV

    13. September 2013 at 16:02

  8. Ich bin Katholik und würde selbstverständlich und gerne mit Patienten beten. Oft genug bete ich auch für sie.

    oldsurehand

    13. September 2013 at 21:20

  9. Als Atheist käme ich mir dann schizophren vor. Aber ich würde den Wunsch nach Beistand insofern honorieren, dass ich bei der Person bleibe, wenn sie betet.

    Der Maskierte

    14. September 2013 at 09:39

  10. Ich bin weitgehend areligiös aufgewachsen und Atheist, habe aber schon mit sterbenden Patienten oder mit Angehörigen nach dem Tod gebetet. In diesem Moment geht es ja nicht um die Frage was ich glaube, sondern darum, was dem Patienten oder den Angehörigen gut tut. Ich finde das auch nicht schizophren oder heuchlerisch, solange meine Anteilnahme authentisch ist.

    Jan

    14. September 2013 at 11:54

  11. Was heißt denn beten? Ist das nicht eine Form der Meditation, des Kräfte- und Zuversicht sammelns oder auch des vertrauensvollen (in was auch immer) Annehmens eines Schicksals? Und was soll daran schlecht sein? Dazu muss man auch keiner Kirche oder Religion angehören. Und wenn es dem Kranken nützt… Keine Frage, ja.

    rotezora.

    14. September 2013 at 14:30

  12. Wenn, dann nur stumm. Lieber wäre es mir aber, ich käme (zukünftig) nicht in dir Situation.

    Hesting

    15. September 2013 at 11:57

  13. Interessante Frage. Mir kommt nur immer wieder in den Sinn, warum sich so viele gegen aktiv gelebtes Christsein sträuben. Es wird allerortens Toleranz gepredigt (sic!) aber wehe man kommt mit so etwas natürlichem wie einem lebendigen Glauben. Leute, das ist eine der Grundlagen unserer Kulturen! Etwas völlig normales. Und offensichtlich für manche doch etwas ganz und gar bedrohliches, weil es könnte ja am Ende doch mehr dran sein. Ich bete für meine Patienten. Ich bete auch als Notarzt wenn ich zu einer wirklich schwierigen Situation gerufen werde und selbstverständlich würde ich auch mit einem Patienten gemeinsam beten, wenn dieser mich darum bittet. Ganz normal, eigentlich.

    Der Narkosearzt

    15. September 2013 at 20:53

  14. Warum nicht mit ihnen beten? Wenn man selbst nicht glaubt, ist das verständlich, aber daas hast Du als Grund nicht angegeben. Ich würd schon mit ihnen beten, aber ich steh beruflich wo ganz anders: Theologiestudent. Da kann man das auch erwarten😉

    Ist einer der wenigen Gründe, die ich gelten lasse, wenn es darum geht, daß man in kirchlichen Krankenhäusern verlangen kann, daß die Angestellten die fragliche Religion haben. Dann kann man auch eher verlangen, daß mit den Patienten gebetet wird…

    De Benny

    15. September 2013 at 22:18

  15. @narkosearzt: auch mit einem moslemischen Patienten?
    Oder gar mit einem überzeugten Satanisten?

    medizynicus

    16. September 2013 at 00:35

  16. Ich will da keine Antwort von Narkosearzt vorwegnehmen, sondern speziell meine eigenen 2 Cent dazugeben, weil mich diese Frage schon berührt.

    Aber ja, das ginge (aus meiner Sicht) auch bei einem Muslim, warum auch nicht, wenn es denn aus seiner Sicht ginge. Und auch bei einem überzeugten Satanisten halte ich das für möglich, obwohl ich diesen Teil der Frage für eher rethorisch halte, denn ich halte bei dem einen Wunsch nach einem gemeinsamen Gebet für eher unwahrscheinlich. Doch wenn jemand wünscht zu Satan zu beten, weil er davon überzeugt ist, gehört zu werden, dann kann ich das auch mit ihm tun. Ich bete ja nicht für mich zu Satan (der für mich keine wirkliche Bedeutung hat) sondern bete mit dem, der mich darum gebeten hat, und für ihn. Auch wenn ich als, sagen wir mehr oder weniger Christ, als der ich mich fühle, mit jemand anderem zu Gott bete, kann ich mir ja nicht unbedingt sicher sein, dass wir den selben oder noch nicht einmal den gleichen meinen. Meiner ist jedenfalls sehr persönlich😉

    Und mit ein klein wenig Untersützung des um ein gemeinsames Gebet Bittenden geht das sicher auch mit jedem Angehörigen einer jeden anderen Religion, der sich seinerseits vorstellen kann, mit mir zu beten.

    Karl

    16. September 2013 at 00:57

  17. Mir käme es gar nicht auf die Religion desjenigen an, der mich bittet mit ihm zu beten, sondern auf seine Motivation dafür. Wenn es es darum geht ein Gebet für und mit einem anderen zu sprechen,um dessen Not zu lindern, gerne. Gott ist groß und unsere innerreligiösen Querelen sind ihm IMHO gänzlich egal. Aber wenn jemand mit mir beten will um mich zu missionieren, dann nicht.
    Gruß aponette

    Aponette

    17. September 2013 at 07:31

  18. Menschenhandwerkerin

    17. September 2013 at 13:15

  19. Mich interessiert hier eher was ganz anderes: Ich frage mich, was der letzte Eintrag mit dem schlafgestörten Pfarrer eigentlich sollte, wenn das Ganze nur „fiktiv“ war und die Leute eigentlich doch jedesmal pflichtbewusst kommen, wenn sie gerufen werden. Der Punkt am letzten Eintrag war doch, dass da jemand seiner Beistands“pflicht“ nicht nachgekommen ist und das ziemlich verwerflich ist, so lustig die Situation auch erzählt war. Und jetzt doch nur, April April und Themawechsel? Also wenn die sich wirklich jedesmal aus dem Bett schleppen, haben die wohl ein bisschen mehr Respekt verdient als so eine „fiktive“ Pointe die sie in einem extrem miesen Licht erscheinen lässt. Und dabei ist unerheblich ob Sie deren Weltbild teilen oder nicht.

    Sonja

    4. Oktober 2013 at 21:56


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