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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ebola in Deutschland (Teil 3)

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Fassen wir zusammen:

Thorben – das erste Opfer – liegt auf einer Sonder-Isolierstation und wird intensivmedizinisch behandelt.
Zuvor war er mehrere Tage auf einem Open Air Festival mit und hat dort im Schlamm gezeltet, Freunde umarmt und Toiletten kontaminiert. Zu Hause hat er mit seinen WG-Mitbewohnern Küche und Bad geteilt und mit seiner Freundin… nun ja, halt das getan, was man halt so tut, wenn man sich ganz doll lieb hat.

Was passiert jetzt?

Zunächst einmal die Fakten:
Das Ebola-Virus ist hoch ansteckend, wird allerdings nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeit übertragen. Eine Tröpfcheninfektion – zum Beispiel durch Anhusten – scheint wohl eher unwahrscheinlich (unmöglich ist nichts). Außerdem ist ein Erkrankter erst dann ansteckend, wenn er auch wirklich erkrankt ist und Symptome hat – also nicht in der Inkubationszeit.
Die Symptome beginnen unspezifisch – ähnlich einer Grippe mit Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen… Husten oder Schnupfensymptome sind allerdings weniger typisch. Später kommen Durchfälle, Erbrechen, Hautausschläge, Nasenbluten und alle Arten von Haut- und Schleimhautblutungen dazu, Schließlich Bewusstseinsentrübung, Kollaps, Kreislaufversagen.
Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen der Ansteckung und den ersten Symptomen – beträgt zwischen 2 und 21 Tagen. Ist der Patient erst einmal erkrankt, dann verläuft die Krankheit sehr rasch.
Am Gefährlichsten für seine Mitmenschen war Thorben also in dem Zeitraum zwischen dem ersten Husten und dem Moment, in dem er auf der Autobahnraststätte zusammengebrochen ist. Immerhin hatte er zwei Tage, in denen er noch fit genug war, um auf dem Festival andere Leute aktiv anstecken zu können.
Ist er einmal erkrankt, so sind vor allem die Behandelnden und die Pflegenden gefährdet.

Wie geht man also vor?
In der Theorie klingt das ganz einfach: Alle Kontaktpersonen müssen aufgefunden und informiert und beim Auftreten von Symptomen sofort isoliert werden.
Es wäre wohl sinnvoll, wenn man den Kontaktpersonen empfiehlt, möglichst zu Hause zu bleiben, eine separate Toilette zu benutzen, das Bett mit niemandem zu teilen und peinlich auf Hygiene zu achten.
Sobald Symptome auftreten, muss ein Bluttest auf Ebola-Virus durchgeführt werden.

Das Virus kann zwar schon relativ früh nachgewiesen werden, aber – gibt es genügend Test-Kits?
An dem Festival haben 80.000 Menschen teilgenommen. Viele klagen über Husten. Viele haben Durchfall. Einige klagen über Fieber. Wie viele Menschen mag Thorben wohl angesteckt haben?
Wie geht man praktisch mit der zu erwartenden Panik um?

Written by medizynicus

1. Oktober 2014 um 05:49

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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4 Antworten

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  1. „Das Ebola-Virus ist hoch ansteckend, wird allerdings nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeit übertragen.“
    Jetzt bin ich verwirrt, ich dachte nämlich immer, das GINGE über Tröpfcheninfektion. Also: Wenn das nur über direkten Körperflüssigkeitsaustausch funktioniert, dann… düfte die Eindämund der Krankheit doch eigentlich gar kein Problem sein, oder?

    Molly L.

    1. Oktober 2014 at 06:55

  2. Ziemlich aktuelles Szenario wenn man in die USA schaut…

    hypochonizi

    1. Oktober 2014 at 12:46

  3. ja. sollte in europa definitiv kein problem sein.

    Dienstarzt (@dienstarzt)

    1. Oktober 2014 at 13:01

  4. Ebola ist nicht hochansteckend. Die Masern sind das, die Windpocken auch. Da hat man eine 95-99% Chance sich anzustecken, wenn man sich mit Infizierten in einem Raum aufhält und nicht immunisiert ist (entweder durch die Erkrankung selber oder durch eine Impfung).

    @Molly: Nein, du musst in physischen Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Infizierten kommen. Wenn das passiert, dann kann das Virus durch kleinste Verletzungen der Haut in deinen Körper eindringen. Die Eindämmung ist theoretisch kein Problem, wenn man genügend Schutzmittel (Handschuhe, Schutzmasken, etc.) und ausreichend Personal zur Verfügung hat. Und man die Leute als Ebolafälle identifiziert. Bei früheren Epidemien hat genau das funktioniert.
    Das alles ist in Afrika ein Problem – Liberia hatte vor der Epidemie 50 Ärzte für 4 Mio Menschen. Die Gesundheitssystem dort kollabieren jetzt. Zusätzlich sind deutlich dichter besiedelte urbane Räume betroffen, was das auffinden von Kranken erheblich erschwert. Mittlerweile haben wir die exponentielle Ausbreitung der Krankheit erreicht, da wird es schwer, sie schnell zu stoppen.

    Michael

    1. Oktober 2014 at 23:58


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