Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ebola in Deutschland (Teil 4)

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Das Open-Air-Festival ist abgebrochen worden.
Unter massivem Einsatz von Polizei und Hilfsorganisationen ist es gelungen, die Veranstaltung halbwegs geordnet aufzulösen. Die Bundeswehr hat an Ort und Stelle ein Behelfs-Krankenhaus eingerichtet.
Hier werden alle Patienten, die über Erkältungssymptome, Fieber, Durchfall, oder Erbrechen klagen gescreent und auf Ebola getestet. Ist der Test negativ, dann bleiben sie vorerst vor Ort, werden symptomatisch weiterbehandelt und so gut wie möglich weiter isoliert.
Bei einigen Patienten (wie vielen wohl? Tut mir leid, ich kann es wirklich nicht einschätzen…) ist der Test positiv. Diese Patienten werden – nachdem alle Betten auf Sonder-Isolierstationen belegt sind – auf die Krankenhäuser der Maximalversorgung (nicht auf die umliegenden örtlichen Krankenhäuser!) verteilt.
Alle weiteren Großveranstaltungen werden abgesagt, Bürger werden über Fernsehen und alle anderen Medien aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und alle nicht unbedingt notwendigen Reisen zu vermeiden.
Die Kassenärztlichen Vereinigungen richten Telefon-Hotlines ein. Wer über entsprechende Symptome klagt, soll zu Hause bleiben und wird dort von einem Arzt oder einer qualifizierten Pflegekraft in komplettem Isolier-Outfit besucht.
Bürger werden angewiesen, KEINE Arztpraxen oder Krankenhaus-Notaufnahmen aufzusuchen, wo möglich, werden Praxen oder Notaufnahmen geschlossen – zumindest für potentiell infektiöse Patienten. Wenn dies nicht möglich ist, müssen die Patienten draußen in ihren Fahrzeugen warten.
Nach drei Wochen werden keine Neuerkrankungen mehr berichtet.
Die Isoliermaßnahmen werden nach und nach wieder zurückgefahren.
Insgesamt waren…. ja, durchaus einige… Todesopfer zu verzeichnen. Wie viele? Ich bin leider kein Epidemiologe. Aber ich würde mal sagen, dass die Zahl zweistellig bleibt. Das sind immer noch zu viele. Aber eben kein Vergleich zu Westafrika.
Der wirtschaftliche Schaden ist…. naja, ziemlich hoch, würde ich sagen. Da würde schon das eine oder andere Milliönchen zusammenkommen.
Ist das Szenario wahrscheinlich?
Eher weniger.
Was daran liegt, dass in Westafrika nur wenige Thorbens unterwegs sind, und die sind, nehme ich an, extrem gut geschult und entsprechend vorsichtig. Ob das auch auf die fünfhundert Bundeswehr-Freiwilligen zutrifft, die sich demnächst auf den Weg in das Epidemiegebiet machen werden, weiß ich nicht, aber ich gehe mal aus, dass die Truppe medizinisch sehr gut überwacht wird.
Ist es möglich?
Ausschließen kann man es nicht. Und wenn es passiert, dann ist es eine Katastrophe…
Aber hier haben wir die Ressourcen, die Katastrophe in den Griff zu bekommen….. anders als in Westafrika.

Zum Weiterlesen:

Written by medizynicus

2. Oktober 2014 um 07:00

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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2 Antworten

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  1. Vermutlich ist es noch aufwendiger, da die Inkubationszeit zwischen Festivalbesuch und ersten Erkältungsanzeichen liegt. Alle Besucher müssten also 8-10, nach anderen Angaben bis 20 Tage isoliert werden.

    Da die Infektion über Körperkontakt übertragen wird glaube ich auch, dass es bei wenigen Fällen noch kontrollierbar bleibt.

    bikibike

    2. Oktober 2014 at 08:36

  2. Nein, es wird nach meiner Einschätzung weniger aufwändig sein, da die Patienten erst dann infektiös sind, wenn sie auch Krankheitszeichen bekommen (Siehe derzeitige Situation in Texas).

    Old_Surehand

    2. Oktober 2014 at 09:25


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