Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Keine andere Wahl

with 10 comments

Nee, sorry…..
….nee, geht wirklich nicht…
Ja, ich weiß, Du bist blutüberströmt weil Du gerade zusammengeschlagen wurdest von einer wütenden Menschenmenge….
….neee, aber ich habe leider keine andere Wahl, lieber Lokführer, ich kann dich wirklich nicht behandeln!

Damit wir uns nicht missverstehen: Nein, das hat nichts mit unterlassener Hilfeleistung zu tun.
Aber meine Arbeitskraft ist nun einmal begrenzt. Und die stelle ich zunächst bevorzugt den vielen gestrandeten Reisenden zur Verfügung, die dehydriert und unterkühlt auf irgendwelchen Bahnhöfen herumhängen mussten oder womöglich dort kollabiert sind. Abgesehen davon: habe ich eigentlich kein Recht, zu streiken?

Wir können an der Stelle keine Rücksicht darauf nehmen, dass Urlaub ist oder dass etwa die Schulferien zu Ende gehen“, sagte GDL-Chef (…) Die Mitglieder hätten „keine andere Wahl, als in den Streik zu treten“

Written by medizynicus

18. Oktober 2014 um 19:15

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

10 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Lieber Medizynicus. Das geht wirklich nicht. Man mag zu dem Verhalten der GDL stehen wie man mag, aber daraus eune unterlassene Hilfeleistung nach Körperverletzung gutzuheissen gefällt mir so garnicht.

    linuxuser86

    18. Oktober 2014 at 20:36

  2. @Linuxuser: Wieso sollte ich nicht das Recht haben, auch zu streiken? Und was unterlassene Hilfeleistung angeht: Meine Arbeitskraft ist begrenzt. Und die stelle ich zunächst einmal den vielen gestrandeten Reisenden zur Verfügung, die dehydriert und unterkühlt auf irgendwelchen Bahnhöfen herumhängen!

    medizynicus

    18. Oktober 2014 at 22:55

  3. Ich kann das absolut nachvollziehen. Wenn ein wild Überholender nen Unfall baut, helfe ich schließlich auch erst dem Gegenverkehr und nicht dem Arschloch…😉

    kolibrikind

    19. Oktober 2014 at 09:35

  4. Hallo Medizynicus,

    kein Thema insofern. Und ich sehe auch das satirische Moment in diesem wirklch tollen Blog! Und ich hoffe, dass hier auch eine gewisse ironische Übertreibung eine Rolle spielt. Aber ist es nicht so, dass der Grund, warum jemand verletzt ist, keine Rolle spielen sollte, wenn er behandelt wird? Aber fangen wir mal vorne an:

    Das Recht zu streiken wird Dir niemand aberkennen wollen. Genausowenig wie den Lokführern, auch wenn mir das in dem Umfang und zu solchen „günstigen Zeitpunkten“ auf den Keks geht.

    Dass Deine Arbeitskraft begrenzt ist, sehe ich auch ein. Ich sehe nicht ein, wie man bei Streiks, die ja doch nicht völlig unangekündigt waren, stranden kann. An einem Bahnhof zu dehydrieren wird auch schwierig, weil man entweder dort Getränke kaufen kann, oder den Bahnhof verlassen um das zu tun. Unterkühlung halte ich auch nicht für plausibel, wenn man geeignet gekleidet seine Reise antritt. Zudem im doch recht warm geratenen Oktober. Aber wie dem auch sei.

    Ich finde schon die Vorstellung eines Lynchmobs, der einen Lokführer zusammenkoffert zutiefst abscheulich. Wo sind wir, dass gesellschaftliche Probleme mit körperlicher Gewalt gelöst werden?

    Und: Ich bin ein großer Anhänger eines Grundrechts auf Mobilität, am besten kostenlos. Sprich: Ich sehe es als Pflicht des Staates an, mich innerhalb von Deutschland, zumindest mit Nahverkehrsmitteln, zu transportieren. Die weißen Züge empfinde ich durchaus als Luxus, der gerne etwas(!) kosten darf. MIt einer Behördenbahn, bei der lauter Beamte gearbeitetet haben, wäre Streik schonmal kein Thema gewesen, Aber es gab die IMO falsche Entscheidung, die Bahn zu privatisieren. Jetzt muss die Bevölkerung mit den Konsequenzen leben. Und das Grundrecht auf Bahnfahren ist leider auch nicht vorhanden.

    Mein Punkt also: Ich kann micht nicht recht dafür erwärmen, wie Du die Freude an einer (fiktiven) Situation implizierst, in der ein Streikender von einem Mob Kunden zusammengeschlagen wird. Ich würde erwarten, dass ein rechtschaffener Bürger dem Opfer dieser Lynchbande im Rahmen der Nothilfe beisteht, und dass der Staat, der ein Gewaltmonopol hält, mit Hilfe seiner Exekutivorgane, im Fall am Bahnhof wohl die BPol, diese Situation abstellt und die Täter der Behandlung durch die Justiz zuführt. So bescheuert sich einer, oder eine Gruppe auffdührt. Solange er friedlich ist, sollte nicht mit Gewalt gegen ihn vorgegangen werden.
    Sollte das Verhalten der Lokführer unrecht sein oder daraus eine wesentliche Gefahr ausgehen, ist natürlich auch hier die Anwendung von Zwang sinnvoll. Aber dass man bei einem angekümdigten Lokführerstreik schonmal irgendwo festhängt soll vorkommen. Das ist sogar schon bei unangekündigtem Sauwetter passiert. Daher: wer da jetzt unterkühlt und dehydriert hat sich auf die garnicht so unwahrrscheinlichen möglichen Widrigkeiten einer Bahnreise schlecht vorbereitet.

    Im Zusammenhang mit dieser Anwort bin ich gerade auf den offenen Brief der GDL gestoßen, in dem diese sich mit einem Gewaltaufruf befasst. http://uploads.gdl.de/Aktuell-2014/Telegramm-1413579276.pdf

    Ich bin nun kein GDL-Mitglied, ja nichtmal Bahnmitarbeiter und bin als Gelegenheitsbahnkunde angepisst, wenn da wer streikt. Aber Der Aufruf zur Gewalt geht schlicht nicht.

    Und Dein Recht zu Streiken, Medizynicus: War da nicht auch schon was mit dem Marburger Bund? Ich erinnnere mich doch an Ärztestreiks? Absolut kein Thema. Aber: Auch hier muss die zumindest gewährleistet sein, dass Menschen, die erheblich gesundheitlich beeinträchtigt sind, bis hin zu lebensgefährlichen Erkrankungen und Verletzungen behandelt werden. Körperliche Unversehrtheit geht vor Arbeitskampf. Der Unterschied: Wer nen Beutel NaCl-Lösung braucht, weil er im Lokfüherstreik am Bahnhof Durst gekriegt hat, hätte auch einfach mal 2 Flaschen Wasser einpacken können. Und ne Jacke anziehen gegen die Unterkühlung. Wer aber von einem Lynchmob zusammengekoffert wurde, hatte nicht so recht die Wahl. Ob jetzt der stark blutende Patient oder die frierende Oma Trude aus ihrer körperlichen Verfassung die übleren Folgen zu erwarten hat, und wer daher dringender behandelt werden muss, kann ich als Laie nicht entscheiden. Ich vertraue da grundsätzlich mal deinem Urteil als Arzt und gehe auch davon aus, dass Du diese Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen aus der Situation triffst, ein verbluteter Lokführer hilft uns nämlich auch nicht. Alles was mir nicht gefällt, ist die Art, wie man Deinen Artikel lesen kann. Keine Sympathie mit Gewalttätern. Keine Sympathie mit Lynchmobs. Keine Toleranz der Gewalt.

    viele Grüße vom

    Linuxuser

    linuxuser86

    19. Oktober 2014 at 10:01

  5. Kann es sein, dass der Post einfach aus dem Frust und dem Wissen heraus entstanden ist, dass die Ärzte in Deutschland für so etwas nicht mal ansatzweise den Arsch in der Hose haben?

    dienstarzt

    19. Oktober 2014 at 11:00

  6. Für die GDL habe ich mittlerweile keinerlei Verständnis mehr und – was mich selbst überrascht – habe Sympathien mit der Bahn. Die hat den Lokführern ja, wie gefordert, 5 % mehr Lohn angeboten. Dennoch wird munter weiterbestreikt – ohne Rücksicht auf die Reisenden, auf die Pendler, auf die vielen Kinder – und das nur wegen den Allmachtsfantasien eines einzelnen.
    Die Lokführer verdienen wirklich mehr Lohn, wenn man bedenkt, dass jeder zweite von ihnen irgendwann einen lebensmüden Menschen überfahren wird. Das hinterlässt einfach psychische Probleme und der Beruf des Lokführers soll ja auch weiterhin attraktiv sein. Aber wieso man plötzlich auch noch andere Berufsgruppen vertreten will – die ja schon eine Gewerkschaft haben – und deswegen munter weiter streikt. Und das die GDL ihr eigenes Grab schaufelt – und das einfach nicht sehen will oder kann, ist unbegreiflich. Wollen sie wirklich so lange weiterstreiken und uns Allgemeinheit in Geiselhaft nehmen, bis die Gesetzgebung geändert wurde und kleine Spartengewerkschaften abgeschafft werden…

    jezabelbotanica

    19. Oktober 2014 at 12:39

  7. @kolibrikind: Ja ich habe den Smiley gesehen. Dennoch: Geholfen wird so, dass eine möglichst hohe Gesamtüberlebenswahrscheinlichkeit dabei herauskommt. Theoretisch jedenfalls. Und ich bin froh, dass ich wohl eher nich in die Situation kommen werde als ersteintreffende Rettungskraft bei einem Massenanfall von Verletzten eine Triage durchzuführen. Das stelle ich mir relativ hart vor.

    @jezabelbotanica: Hmmm. Nach meiner Lesart geht es der GDL nicht primär um die 5% mehr (und das erst recht nicht über einen so langen Zeitraum, wie die Bahn vorschlägt) sondern eher darum, dass die Arbeitsbedingungen für die Triebfahrzeugführer besser werden. Sprich: Es muss vor allem deutlich mehr Personal eingestellt werden um 3 Mh Mehrarbeit loszuwerden. Dazu kommt noch, dass die GDL eben nicht nur die Triebfahrzeugführer unter ihren Mitgliedern vertreten möchte, sondern alle Mitglieder. Schlechterweise gibt es aber bei Bahnens mehr als eine Gewerkschaft, so dass a) die Gewerkschaften sich untereinander nicht immer grün sind und dass b) ein Streik einer der beiden Haufen zu erheblichen Beeinträchtigungen führt. Daher bin ich nach wie vor der Meinung, dass es ein Fehler war die Bahn aus dem Status einer Behörde zu entfernen. Dieser Schritt hat Streiks quasi vorprogrammiert. Damit muss man leben, wenn man kein verbeamtetes Personal mehr haben möchte. Lokfahren ist ja sicher ein Traum vieler kleiner (und großer) Jungen, aber unter den aktuellen Bedingungen möchte ich diesen extrem verantwortungsvollen Posten auch nicht ausfüllen. Weder sind die Arbeitszeiten besonders geil, noch die Bezahlung. Immerhin werden die Lokführer wohl nicht mehr einfach im Regen stehen gelassen, wenn es mal wieder heißt „Auf Grund eines Personenunfalls am Zug fällt die S1 in Fahrtichtung Düsseldorf bis auf Weiteres aus.“ Das bedeutet nämlich in der Regel nicht nur, dass mal wieder ein Leben unter dem führenden Drehgestell geendet ist, sondern auch, dass ein Lokführer in der ersten Reihe saß, den Bremshebel auf „Schnellbremsung“ zog, den Sandtaster betätigt, den Stromabnehmer gesenkt, das Sonnenrollo zugezogen hat, evtl. sogar seinen Sitzplatz verlassen hat um auf einen dumpfen Aufschlag zu warten, der eben das Ende eines Lebens markiert. Ich kenne Lokführer die dieses Erlebnis teilweise schon mehrfach hatten. Ich bräuchte das nicht. Aber da gibt es ja inzwischen psychologische Betreuung und eine fette Krankschreibung. Für manche dann aber auch eine Umschulung, weil sie in dem Job nicht mehr dienstfähig sind. Nebenbei bemerkt: Auch die Rettungskräfte und evtl. das Zugbegleitpersonal und in manchen Fällen das Wartungspersonal freuen sich ganz mächtig, wenn nach so einem Unfall aufgeräumt werden muss. Lecker sieht das jedenfalls selten aus.

    Wie gesagt: Ich bin kein Fan von ausufernden Bahnstreiks. Schon deswegen, weil die Straßen dann noch voller sind und ich denke, dass da sinnvolle Gespräche geführt werden müssen. Per se halte ich es dennoch für fatal den Lokführern einen Vorwurf daraus zu machen, wenn sie in den Arbeitskampf ziehen.

    Sollte sich aber tatsächlich ein Fehler bei der GDL-Urabstimmung bestätigen, dann steht das Ganze eh auf einem wackligen Podest. Ohne Legitimation kein Streik. Wir werden sehen. Aber denke in einem solchen Fall, wird es auch innerhalb der Gewerkschaft personelle Wechsel geben. Oder Mitgliederströmungen zur EVG einsetzen. Ich bin jedenfalls froh weder Eisenbahner zu sein, noch in den nächsten Tagen und Wochen eine Bahnfahrt geplant zu haben.

    linuxuser86

    19. Oktober 2014 at 18:57

  8. Ich weiß wie geholfen wird und wie man eine Triage durchführt, keine Sorge. Das gehört nämlich durchaus zu meinem Job. Ersteintreffendes Rettungsmittel zu sein ist übrigens gelinde gesagt scheiße. Ich gehe mal davon aus, dass du mir nicht absprichst, meinen Pflichten nachzukommen.

    kolibrikind

    20. Oktober 2014 at 20:45

  9. @Kolibrikind: Ich spreche Dir um himmels Willen garnichts ab und bin heilfroh, dass es Menschen gibt, die sich darum kümmern, ich bin dazu nämlich nicht in der Lage (weder habe ich die notwendige Qualifikation und Ausbildung, noch glaube ich, dass ich allen damit einhergehenden Situationen gewachsen wäre). Insofern: Klar.

    Und es mag sein, dass ich den möglichen Sarkasmus hier nicht gefunden habe, aber es irgendwie missfällt es mir stark, wenn bei Hilfebedürftigen nach der Ursache des Hilfebedarfs unterschieden wird. Ich denke ich bin auch nicht der Einzige, der so denkt😉. Nichts für ungut: Ich wollte keinen Streit vom Zaun brechen, sondern lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich es mir a) nicht gefällt, wenn die Lokführer hier als dieeinzig blöden hingestellt werden, es mit b) noch viel weniger gefällt, wenn Gewalt aus welchem Grund auch immer gutgeheißen wird und c) ich ein erhebliches Problem damit habe, wenn – so satirisch das gemeint sein mag und auch wenn man die allgemein gehaltene Aussage dieses Blogposts auch noch ein wenig verbiegen kann – die Hilfeleistung an jemandem davon abhängig gemacht wird, wie und warum er in seine schlechte Situation gekommen ist. Ich glaube auch, dass medizynicus dem Lokführer mit den richtigen Mitteln helfen würde, wenn die Umstände das gebieten (ja es kann sein, dass noch jemand da ist, der schneller und umfangreicher Hilfe benötigt, dann hat der u.U. Vorrang, klar keiner kann sich teilen).

    Ansich wollte ich nur zu Ausdruck bringen, dass mich das ganze etwas geschockt hat – ich kann so nicht denken. Eben weil ich davon ausgehe, dass Ihr Rettungskräfte, Ärzte, medizinisches Personal, Feuerwehrleute u.s.w. Euren Job in der Regel so macht, wie es sein soll, und eben auch, weil ich in meinem Umfeld mehrere Leute habe, die entsprechende Jobs und Ehrenämter haben.

    linuxuser86

    20. Oktober 2014 at 21:42

  10. Ja, ist schon kurios, dass eine Gewerkschaft, die seit Vorlage ihrer Forderungen ab dem 10. Juli ignoriert wird irgendwann streiken will. Viiiiel zu früh, dass die streiken. Ist doch erst Oktober.

    Vielleicht, lieber Medizyniker, kommst du auch mal in die Lage dich mit deinen rechtlichen Mitteln wehren zu wollen, dass der andere auf der anderen Seite mittels der Politik den Konflikt einfach nur aussitzen und umgehen will. Dann denken wir nochmal beide darüber nach, wann denn der richtige Moment zum Streik ist.

    Nach Meinung von den unschuldig Betroffenen nämlich: nie.

    Krischan

    17. November 2014 at 01:29


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: