Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Der Bahnstreik und der Horst

with 2 comments

Der Horst freut sich.
Der Horst hat nämlich einen neuen Job.
Der ist zwar in Sankt Sowienoch, also genau fünfhundertsiebzehn Kilometer weit weg, aber was soll’s, Hauptsache Job, denn der Horst war lange genug arbeitslos.
Dieser Job ist meine Chance, denkt sich der Horst, vielleicht meine einzige, meine letzte Chance.
Also macht der Horst sich auf den Weg. Natürlich will er alles richtig machen. Die Fahrkarte nach Sankt Sowienoch hat er sich lange vorher besorgt, die Reise sorgfältig geplant und alles organisiert und dann steht er da am Bahnhof, der Horst.
„Könnense nicht bis Montag warten?“ fragt die freundliche, aber völlig überlastete Dame am Info-Schalter. Die Dame am Info-Schalter muss sich eine Menge blöder Kommentare anhören, dabei kann sie nun wirklich nichts dafür, aber das ist eine andere Sache. Dem Horst helfen kann sie leider auch nicht.
„Könnende nicht mit dem Auto fahren?“ Der Horst hat leider kein Auto. Kann er sich nicht leisten.
Fernbus? Alles ausgebucht!
Mitfahrzentrale? Nix zu machen!
Anrufen bei der neuen Firma? Geht keiner ran am Wochenende.
Also kommt der Horst erst am Montag Nachmittag in Sankt Sowienoch an.
Tja, das war’s dann wohl mit dem neuen Job! Gibt ja zum Glück genug andere Leute, die den machen wollen….

Written by medizynicus

20. Oktober 2014 um 05:54

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

2 Antworten

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  1. Traurig, nur weil einige Idioten ihre goldigen Pründe nicht loslassen können….Um was ging es den Lokomotivführern eigentlich? Auch um den erhalt des Rentenalters mit 55? Das ist ja sowas von gaa, echt!

    anneinsideoffice

    20. Oktober 2014 at 21:13

  2. Der Horst hat den Job doch bekommen. 1,50€ die Stunde, puuuh, ein Glück, Geld kommt rein. Er ist sogar in der Gewerkschaft, die haben ihm diesen Tarifvertrag ausgehandelt.

    Neulich aber hat er sich gewundert. Da haben Fred und Tamara gestreikt. Die Tamara ist eine Kollegin, auch Bleistiftanspitzerin, ziemlich verzichtbar. Da hat der Chef erst gelacht, als sie was von Streik erzählte. Aber dann hat Fred, das ist der Haustechniker, auch gestreikt, für Tamara. Hat der Chef nicht mehr gelacht. Fred und Tamara sind nämlich in der gleichen Gewerkschaft, nicht in der vom Horst, un irgendwie haben die Haustechniker beschlossen, doch einfach für die Bleistiftanspitzer in den Reihen ihrer Gewerkschaft mitzustreiken, mit 90% oder so …

    … klar, das ist in den USA auch schon mal schiefgegangen, da haben die Gewerkschaften dann komische Dinge gemacht und die Firmen und damit ihre Gewerkschaftsmitglieder ruiniert. Deshalb denkt jetzt auch Horsts Lieblingsarbeiterpartei, die VUP (VerräterUmfallerPartei) darüber nach, ob Freds Gewerkschaft nicht irgendwie ausgebremst werden kann. Allgemeinwohl, wissenschon.

    Krischan

    17. November 2014 at 01:19


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