Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Arztkarrieren: die Beta-Player

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Also, liebe Kollegen,
nehmt Euch einen Kaffee, setzt Euch und macht es euch gemütlich. Ein paar Kekse sind auch noch da, aber den Streuselkuchen, von dem würde ich die Finger lassen, den hat nämlich die Schwiegertochter von Herrn Chromsky gebacken, da wäre ich vorsichtig!
Ja, herzlich Willkommen hier in Bad Dingenskirchen!
Wie das so funktioniert und was man so macht als Stationsarzt, das wisst Ihr ja und wenn Ihr es nicht wisst, dann könnt Ihr es auf meinem Blog nachlesen, da habe ich ja inzwischen eine Menge drüber geschrieben, oder?
Was ich Euch heute erzählen möchte ist: Wie es denn weitergeht.
Ja, Leute, Ihr wollt doch nicht Euer Leben lang Stationsarzt bleiben, oder?
Früher war es ganz einfach: Da hat man sechs Jahre als Assistenzarzt gearbeitet, dann war man sieben, acht Jahre lang Oberarzt und dann wurde man Chef. Wenn’s denn stimmt, was die alten Knacker sagen, die inzwischen im besten kardiologischen Patientenalter sind. Aber damals wurde schließlich nicht jeder Chef. Und auch nicht jeder Assistent wurde automatisch Oberarzt. Nee, das war weder damals noch heute so!
Wenn man sich die ganze Sache genauer anschaut, dann braucht man nicht lange, um festzustellen, dass es deutlich weniger Chefs als Oberärzte gibt. Und deutlich weniger Oberärzte als Assistenzärzte…. und wenn man einmal nachrechnet, dann fragt man sich irgendwann mal unwillkürlich: was wird eigentlich aus den Anderen?
Nehmen wir mal an – ja, ich weiß schon, was jetzt kommt, und ja, ich werde auch darauf noch eingehen, aber nehmen wir mal an….. die zehn Prozent Besten eines jeden Studien-Absolventen-Jahrgangs werden irgendwann einmal Chefärzte oder Professoren (oder Beides). Dann gibt es Neunzig Prozent, die nicht zu den Besten gehören. Im Manager-Sprech nennt man solche Leute „Beta-Player“.
Auch die haben ihre Lebensberechtigung. Aber wo?
Ja, es gibt Oberärzte, die niemals Chefs werden. Und es gibt auch Stationsärzte, die niemals Oberärzte werden.
Ist das wirklich die Schlechteste aller Berufsperspektiven?
So, liebe Kollegen, jetzt trinkt Euren Kaffee mal schnell aus, wir müssen wieder an die Arbeit.
Denkt mal nach über das, was ich Euch gerade erzählt habe. Und wenn ihr mit dem Nachdenken fertig seid, dann rede ich weiter….

Written by medizynicus

20. November 2014 um 20:24

Veröffentlicht in Nachdenkereien

4 Antworten

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  1. Was is`n eigentlich der liebe Benno für einer?

    Molly L.

    20. November 2014 at 21:39

  2. Das wichtigste ist doch, dass ich mit Spaß bei der Arbeit bin, ganz gleich wo.

    Old_Surehand

    20. November 2014 at 22:58

  3. Ich saches mal so:
    Ein Chef ohne sein Fussvolk ist ein NIX und einer, der voran geht, dem aber niemand folgt, ist wie ein Tomatensalat ohne Tomaten …

    sweetkoffie

    21. November 2014 at 08:12

  4. „Ja, es gibt Oberärzte, die niemals Chefs werden. Und es gibt auch Stationsärzte, die niemals Oberärzte werden. Ist das wirklich die Schlechteste aller Berufsperspektiven?“

    Gewiß gibt es nicht „den“ Mediziner – aber aus Deinem Buch habe ich den Satz in Erinnerung:
    „Vor allem ist er fleißig. Wahnsinnig fleißig und dazu ehrgeizig. Wie die meisten Mediziner.“

    Da würde ich als Nicht-Mediziner fragen: Sind Mediziner, so über einen Kamm geschoren, ehrgeiziger als andere Berufsgruppen?
    Und möchten demzufolge weniger gern für den Rest der Zeit auf einem Posten „festhängen“?

    Es ist auch nicht jeder für eine Führungsposition geeignet.
    Mir würde es z. B. nicht liegen, ich bin aber auch damit zufrieden, nicht die große Karriere zu machen.

    Beanie

    21. November 2014 at 22:47


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