Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Spendenmafia

with 4 comments

November.
Regen. Sturm. Wind pfeift ums Haus, der Sturm stürmt heulend durch die Gegend, Donner donnert, Blitze blitzen und…
„Dingdong!“
Wie bitte?
„Dingdong! Dingdong!“ dingelt es an meiner Wohnungstür.
Wer stört?
Ich erwarte niemanden. Also vorsichtig mal durch den Türspion gelinst und…
„Dingdong! Dingdong! Dingdong!“
….Mist, jetzt ist klar, dass jemand zu Hause ist, Licht unter dem Türspalt, verräterische Knackgeräusche und so, aber ist ja egal, zwingt mich doch niemand dazu, aufzumachen, wenn ich keinen erwarte, meine Wohnung ist meine Wohnung und die gehört mir und nur mir allein…. also zumindest so lange, wie ich die Miete bezahle. Also, warum sollte ich aufmachen?
„Dingdong! Dingdong! Dingdingdong! Dingdongdingeldong!“ klingelt es weiter.
Sollte ich vielleicht doch aufmachen?
Wer weiß, vielleicht ist es ja die Lottofee?
Sie ist es nicht.
Ein Typ mit Vollbart, Lederjacke, zwei Meter groß, fast ebenso breit stellt seinen Kampfspringerstiefel in meinen Türspalt.
„Sind Sie Herr Armschlag?“
Wer sonst?
„Herr Benno Armschlag?“
Mr. Kampfspringerstiefel wedelt mit einem laminierten Ausweisdingsda
Nicken. Zu Boden starren. Sich nochmal zwanzig Zentimeter kleiner fühlen.
„Herr Armschlag, ich erwarte von Ihnen, dass auch Sie den Verein der Wohltätigen Wohltäter mit einer großzügigen Spende unterstützen!“
Er rammt mir eine Spendendose vor die Nase.
„Sie werden doch spenden, oder?“
Zurückweichen. Vorsichtiges Kopfschütteln.
„Äh… nee!“
„Sie behaupten, das Schicksal der von den Wohltätigen Wohltätern wohltätigst versorgten Menschen ist Ihnen egal?“
„Äh… nee… also…. äh, ich spende direkt!“
„Oho! Sie haben also Interesse an einer Fördermitgliedschaft? Dann unterschreiben Sie einfach hier, geben mir kurz Ihre Bankkarte und den Rest trage ich dann schon selbst ein. Damit werden Sie dann jeden Monat….“
„Nö!“
„Herr Armschlag, Sie wollen doch nicht sagen, dass Sie herzlos sind, gegenüber der Not…“
Seine Stimme ist plötzlich ganz weich. So weich wie meine Knie. Und mein Hirn rattert. Rattert immer schneller.
„Ich bin doch bei der Konkurrenz!“
Mr. Kampfspringerstiefel hält mit offenem Mund inne.
„Ich bin doch bei den lebensrettenden Lebensrettern! Wenn Sie also so gütig wären, mir gütigerweise Ihre Kreditkarte zur Verfügung zu stellen, dann könnte ich gleich einen Beitrag in frei gewählter Höhe als steuerabzugsfähige Spende abbuchen….“
Mr. Kampfspringerstiefel zieht vor Schreck seinen Kampfspringerstiefel aus meiner Tür. Klackrums, ist die auch schon zugeschlagen. Und jetzt schnell die Kette vorgehängt und die Klingel ausgeschaltet. Ist ja noch gerade mal gut gegangen!

special thanks an Molly!

Written by medizynicus

22. November 2014 um 14:20

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

4 Antworten

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  1. Oh ja, hier springen die Stiefel auch gerade ziemlich penetrant herum.
    Ich bin dann immer die polnische Putzfrau und meine Chefin ist nicht daheim

    sweetkoffie

    22. November 2014 at 22:07

  2. Vor Jahren so erlebt:
    Dingdong. Zwei Typen in Rettungsdienstoveralls: „Guten Tag, wir kommen vom Hubschrauber. Sie wollen doch nicht dass unschuldige Unfallopfer auf der Autobahn verbluten müssen, weil wir kein Kerosin haben?Also unterschreiben Sie hier!“O_o “ Vom Hubschrauber? Sie meinen vom Christoph XX? Dann sagen Sie doch dem Herrn Mir_persönlich_bekannten_Leiter_der_örtlichen_Luftrettungswache einen schönen Gruß. Weiß der denn, dass Sie hier unterwegs sind?“
    Weg waren sie und wurden kurz darauf von der Polizei geschnappt.

    Stefan

    23. November 2014 at 00:41

  3. In Nordamerika sind die wohltätigen Vereine auch sehr aktiv. Tierschutz, Umweltschutz, Arme Kinder in Afrika etc. pp.
    Ganz viele dieser Vereine sind weder wohltätig noch gemeinnützig in Wahrheit.
    Die sammeln Geld für sich selber.
    Nordamerika, halt… (inkl. Kanada!!).
    Man guckt am besten sehr genau hin, bevor man an einen Verein spendet.

    Emma

    23. November 2014 at 02:31

  4. Letztes Jahr hat meine HiOrg hier in München Leute zum Sammeln losgeschickt. Höchst offiziell, nehme ich an, denn es stand sogar auf der Homepage unter „News“. Und dann sind die armen Hiwis bei Erledigung ihrer Klingeltätigkeit an einen der hauptamtlichen Rettungsdienstmitarbeiter geraten. Der hat ihnen dann was über die Finanzierung des Rettungsdienstes erzählt. Im Nachgang gab es auch noch etwas Ärger. Und schlechte Publicity natürlich.

    Hesting

    26. November 2014 at 18:57


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