Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Roboter für die Altenpflege?

with 8 comments

Es gibt gute und es gibt schlechte Nachrichten.
Zu den guten Nachrichten gehört die Tatsache, dass wir – unsere Generation – eine gute Chance haben, älter zu werden als alle Generationen vor uns (wenn auch nicht so alt wie unsere Kinder). Zu den schlechten Nachrichten gehört die Tatsache, dass ein großer Teil von uns dann vermutlich pflegebedürftig sein wird. Und wer pflegt uns dann?
Auf unsere Kinder können wir nicht mehr zählen. Erstens gibt es davon immer weniger und zweitens haben die genügend andere Dinge zu tun. Mit immer größer werdender Wahrscheinlichkeit werden die nämlich nicht dort leben, wo Mama und Papa ihr Einfamilienhäuschen (mit Einliegerwohnung) gebaut haben, sondern dort, wo sie auf dem globalisierten Arbeitsmarkt ihren Traumjob gefunden haben. Außerdem müssen sie sich zunächst um ihre eigenen Kinder kümmern. Für die Pflege von Eltern, Großeltern und Urgroßeltern wird ihnen schlicht und einfach die Zeit fehlen.
Was tun also?
Man kann Pflegekräfte aus Polen importieren. Nun haben auch junge Polinen Familie und wollen sich lieber um ihre eigenen Kinder, Eltern und Großeltern kümmern, wenn sie genügend Geld verdient haben. Sobald die Wirtschaft in ihrem Heimatland in Schwung gekommen ist, haben sie keinen Anreiz mehr, in den Westen zu reisen. Nun gut, wenn es keine Polinnen mehr auf dem Markt gibt, dann können wir ja weiter im Osten oder Süden rekrutieren…. aber was machen wir, wenn sich auch in Kambodscha oder Vietnam keine Pflegerinnen mehr anwerben lassen wollen?
Science-Fiction-Autoren haben schon seit Langem eine Lösung gefunden:
Roboter sollen es richten.
Und jetzt gibt es einen Prototyp:
Frau Chihara sieht aus wie eine zarte, hübsche junge Japanerin. Ihre Bewegungen wirken noch ein wenig blechern (siehe Video), aber bis 2020 soll sie soweit sein, bei den Olympischen Spielen in Tokio Besucher zu betreuen und später soll sie dann auch in der Pflege arbeiten…
Was die Patienten wohl davon halten werden?

Written by medizynicus

15. Dezember 2014 um 05:28

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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8 Antworten

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  1. Och, son netter Pflege-ET wär doch nett und wenn er mir kurz vor Ablauf seiner TÜV-Plakette noch freundlich die Todespille verabreicht, kann ich gelassen in die Alterszukunft schauen

    sweetkoffie

    15. Dezember 2014 at 07:42

  2. Das kann man duchaus positiv sehen.
    Die große Angst vieler Menschen ist, im Pflegefallanderen zu Last zu fallen.
    Einem Pflegeroboter würde man genausowenig zu Last fallen wie einem Rolator oder Rollstuhl, er kann nur mehr.
    Datenschutztechnisch sehe ich da aber noch ein paar Aufgaben auf uns zukommen.

    Ralf

    15. Dezember 2014 at 09:50

  3. hm, als art „personal-unterstützung“ in alten- und pflegeheimen vielleicht gar nicht mal soo schlecht. nur roboter stelle ich mir etwas gruselig vor (und irgendwie fehlt da dann doch sehr das zwischenmenschliche, das doch eigentlich so wichtig ist). aber wenn roboter als entlastung für das menschliche personal eingesetzt würden – warum nicht?

    anyway. ich denke, dass sich das „problem“ der alternden gesellschaft nicht allein durch ein paar pflegeroboter lösen lässt. aber die diskussion würde hier jetzt zu weit führen😉

    sternenpfad

    15. Dezember 2014 at 11:20

  4. Danke für den Beitrag zu diesem Thema – so unbequem es ist und so wenig ich mich bisher damit auseinandergesetzt habe. Es gibt immer so vieles andere zu tun, man arbeitet so vor sich hin, hat ganz andere Sachen im Kopf. Aber wenn ich mich als Mitglied der immer älter werdenden Gesellschaft nicht damit auseinandersetze, wer dann, was kann ich vielleicht selbst tun…Ich habe gerade mal nach Roboter Altenpflege gegoogelt, und so einige interessante Links durchforstet (und Kommentare, die ich dort wie auch hier im Blog oft hilfreich finde, ein Thema von verschiedenen Seiten zu betrachen – schade, dass manche Online-Medien nun anfangen, die Kommentarfunktion unter ihren Artikeln einzuschränken). Stellte sich mir zuallerest natürlich die Frage, wofür genau Roboter eigentlich eingesetzt werden sollen. So einen Roboter mit Gesicht finde ich persönlich reichlich zombiemäßig, las aber wiederum in einem Link das Zitat eines Herstellers, dass der Kopf wichtig sei und die Akzeptanz erhöhe.

    Beanie

    15. Dezember 2014 at 23:29

  5. Ich denke sowas wird kommen.

    Du als Arzt bist da vermutlich nicht ganz so Up to date, aber in Sachen KI tut sich was.

    An der Stanford University haben sie ein Neuronales Netz konstruiert, dass in der Lage ist einfache Aussagen über Bilder in Sätzen zu machen.
    http://cs.stanford.edu/people/karpathy/deepimagesent/
    Diese Netzwerke könnten ein wichtiger Baustein zu Maschinen sein, die dynamisch mit Menschen interagieren k

    @Beanie:
    Fang einfach mal damit an, dass du in deiner Wohnung überall Kameras hast die automatisch hilfe rufen, wenn sie erkennen, dass es dir schlecht geht.
    Koppel das noch mit vernetzten Haushaltsgeräten und du bist in der Lage bei geringem Hardwareaufwand Patienten mit Alzheimer ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, weil die KI erkennt, dass vergessen wurde den Herd auszumachen oder der Mensch noch nicht genug getrunken hat.
    Und das alle, ohne dass ein Mensch permanent die Kameras überwachen muss sondern vollautomatisch.

    PauleheistaBademeista

    22. Januar 2015 at 21:52

  6. @PauleheistaBademeista: Vielen Dank für die Beispiele! Das ist sehr interessant!
    Wobei es ja einfacher wäre, dass auf meinen Wunsch hin Kameras in meiner Wohnung installiert werden. Wenn aber z.B. ein Alzheimer-Patient noch in der Lage ist, allein zu Hause zu leben und man versucht, die vertraute Umgebung solange wie möglich beizubehalten, stelle ich mir das schon schwieriger vor. Ein KI-System könnte auch für die Angehörigen des Patienten eine enorme Beruhigung darstellen, aber ob man auch den Patienten (sofern dieser keinen Betreuer hat) davon überzeugen kann, wäre die Frage.

    Beanie

    23. Januar 2015 at 21:41

  7. Grundsätzlich nützt die beste Terapie nichts, wenn der Patient nicht mitspielen will.

    Ich persönlich würde mir so ein System für mich wünschen, da ich miterlebt habe, wie Pflegebedürftige Menschen ihren Tag nach einer Pflegekraft ausrichten müssen die, berufsbedingt, in einem sehr großen Zeitfenster erscheinen kann.
    Allerdings bietet so ein System auch einen großen Spielraum für alle Arten von Paranoia. Ich kann mir vorstellen, dass manche Menschen nicht damit zurechtkämen.
    Wir werden sehen ob sowas kommen kann in unserer Gesellschaft.

    PauleheistaBademeista

    1. Februar 2015 at 09:28

  8. Ansonsten weiß ich, dass bei uns an der Uni auch an Künstlichen Muskeln geforscht wird.

    http://www.dresden-concept.de/no_cache/de/home/news-detailseite/article/durchbruch-auf-dem-weg-zum-kuenstlichen-muskel-neue-plattformtechnologie-erzielt-herausragende-e.html

    Die Zukunft wird spannend.🙂

    PauleheistaBademeista

    1. Februar 2015 at 09:48


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