Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Mai 2016

und der Arzt spritzte ihr ein kreislaufstärkendes Mittel

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Spannung.
Hochspannung.
Gerade hat der Mörder seinen ersten Mord gemordet und jetzt zieht er meuchelnd weiter, die Knarre im Anschlag….
….und da stellt sich ihm doch glatt die Oma Kasuppke entgegen!
„He, was machen Sie da!“, ruft sie furchtlos.
Doch der finstere Finsterling hält ihr wortlos die Knarre vors Gesicht, und da fällt sie doch glatt in Ohnmacht, die gute alte Dame.
Das hat schon der Räuber Hotzenplotz so gemacht mit der Großmutter vom Kasperle, aber der finstere Meuchelmörder weiß das nicht und Oma Kasuppke auch nicht, weil die ist ja ohnmächtig.
Schnitt.
Mörder Finsterling ist längst weitergezogen und der Kommissar tritt auf den Plan.
„Hier wurde ein Verbrechen begangen!“, konstatiert er und sein…. äh, wie heißt das jetzt? Also sein Unterling, nennen wir ihn mal Wachtmeister Dimpflmoser, nickt dienstbeflissen.
„He, da liegt ja wer!“, stellt er fest und deutet auf die immer noch ohnmächtige Oma Kasuppke.
„Nee, die ist nicht tot!“, stellt der Kommissar fest.
„Ja, dann holen wir doch mal einen Arzt!“, sagt Wachtmeister Dimpfelmoser und zückt sein Handy.
Wieder Schnitt.
Auftritt Doktor… wie nennen wir ihn? Also Doktor Schlaumeier. Der tritt jetzt auf.
Beugt sich hinunter und fühlt den Puls von der Oma Kasuppke.
Kniet sich auf den Boden, öffnet seine schicke Arzttasche, kramt ein wenig herum…
Ja.
Und dann spritzt er der Oma ein kreislaufstärkendes Mittel.
Oma schlägt die Augen auf, steht auf und dann erzählt sie dem Kommissar genau, was Sache ist.
Schnitt.
Ja, hier machen wir nochmal einen Schnitt.
Tolle Sache, dieses kreislaufstärkende Mittel, nicht wahr?
Und ich verrate Euch ein Geheimnis: Ich arbeite ja schon zugegebenermaßen schon das eine oder andere Jahr in diesem Job, aber diese Wunderspritze ist mir noch nicht über den Weg gelaufen. Es gibt sie offenbar nur in Krimis und Thrillern, da aber ist sie ziemlich weit verbreitet.
Was der Doktor Schlaumeier wohl in Wirklichkeit täte?
Nun ja, er würde wohl eine Infusionsnadel legen, einen halben Liter Kochsalz- oder Elektrolytlösung anhängen, Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung messen und dann EKG-Elektroden anlegen… aber das würde den Plot nur unnötig aufhalten, weil Oma Kasuppke dann ja noch immer nicht die Augen aufschlagen und dem Kommissar was Sache ist sagen kann…

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Written by medizynicus

30. Mai 2016 at 05:26

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Der Dichterfürst

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Jenny reißt die Türe auf und einen Sekundenbruchteil später steht sie im Zimmer.
„Guten Morgen, wir kommen zur Visite!“
Ich folge ihr.
„Guten Morgen, wie geht’s, alles in Ordnung, hatten Sie Stuhlgang?“
Herr Haferkorn hebt seinen Kopf.
„Oh, schon besser! Ich kann wieder schreiben.“
Jenny tritt näher und starrt auf das aufgeschlagene Notizbuch auf dem Tisch.
„Was schreiben Sie denn da?“
Herr Haferkorn lächelt.
„Immer, wenn ich unterwegs bin, schreibe ich Tagebuch. Früher bin ich viel gereist. In den letzten Jahren sind es ja überwiegend Krankenhausaufenthalte…“
„Na, die Reisen waren ja wohl bestimmt spannender!“
„Oh, was denken Sie, was man hier im Krankenhaus alles erlebt! Manchmal schreibe ich auch Gedichte. Meine Frau kriegt jedes Jahr eins zum Geburtstag und zu Weihnachten. Und hier und da mal ein Liebesgedicht. Ein Freund wollte mal eins haben, das hat er dann seiner Frau auf den Nachttisch gelegt.“
Jenny reißt die Augen auf.
„Haben Sie denn auch schonmal was veröffentlicht?“
Herr Haferkorn fühlt sich offenbar geschmeichelt.
„Oh ja,“ sagt er, „Hier und dort. Letztens stand ich sogar in der Zeitung. Da war ich namentlich erwähnt, als einer der siebzehn größten Poeten im Landkreis Bad Dingenskirchen. Direkt hinter Karl Dieselfisch, dem berühmten Heimatdichter!“
„Worüber schreiben Sie denn sonst noch?“, fragt Jenny.
Herr Haferkorn lächelt.
„Ich habe auch schon ein Krankenhausgedicht geschrieben!“
„Verraten Sie uns, wie es heißt?“
Herr Haferkorn räuspert sich.
„‚Der Engel mit der Spritze'“, sagt er feierlich.
Jenny täuscht einen Hustenanfall vor und dreht sich um. Aber Herr Haferkorn hat sie durchschaut.
„Da gibt’s nichts zu lachen!“, sagt er beleidigt und klappt sein Buch zu.
„Kommen wir denn da auch drin vor?“, fragt Jenny.
Herr Haferkorn schüttelt den Kopf.
„Jetzt nicht mehr!“ sagt er.

Written by medizynicus

26. Mai 2016 at 15:20

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Best of Medizynicus: Was sind Eure Lieblingsartikel?

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Gut.
Dieses Blog dümpelt so vor sich hin. Ab und zu kommt mal mal ein Beitrag, aber die guten alten Zeiten, so um 2009 bis 2010, als es hier jeden Tag etwas neues zu lesen gab, die werden wohl so bald nicht wiederkommen.
Also ist es an der Zeit, mal ein bisschen in der Vergangenheit zu schwelgen… laut Blog-Statistik sind diese Artikel die absoluten Renner der letzten Jahre:

  • Krank feiern leicht gemacht: der Weg zum gelben Urlaubssachein – eigentlich satirisch gemeint, aber es scheint genügend Leser zu geben, die es gerne für bare Münze nehmen würden. Sei’s drum. Das Thema wurde hier im Blog mehrfach behandelt (auf der genannten Seite sind ein paar Artikel verlinkt) und ist nach wie vor aktuell.
  • Darf man sich in eine Patientin verlieben? – diese Frage wurde seinerzeit hier im Blog heiß diskutiert. Okay, um es kurz zu machen: die Antwort lautet „nein!“ – oder wenn man es doch tut, dann sollte man tunlichst dafür sorgen, dass man die betreffende Dame ab sofort nicht mehr als Patientin behandelt.
  • Die Pille danach war hier auch schon des Öfteren Thema
  • Am häufigsten kommentiert wurde übrigens dieser Artikel, da geht es um den ewigen Glaubenskrieg zwischen Evidenzbasierten Medizin und Naturheilkunde
  • Auch die provokative Frage, ob man einen Selbstmordattentäter nach vollbrachter Tat reanimieren sollte, regte viele Leser zu Kommentaren an.

Was sagt Ihr dazu? Was sind Eure Lieblingsartikel?
Kleiner Tipp: schraubt Euch am Besten mal ins Jahr 2011 oder 2010 zurück!

Written by medizynicus

1. Mai 2016 at 22:53

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

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