Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

und der Arzt spritzte ihr ein kreislaufstärkendes Mittel

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Spannung.
Hochspannung.
Gerade hat der Mörder seinen ersten Mord gemordet und jetzt zieht er meuchelnd weiter, die Knarre im Anschlag….
….und da stellt sich ihm doch glatt die Oma Kasuppke entgegen!
„He, was machen Sie da!“, ruft sie furchtlos.
Doch der finstere Finsterling hält ihr wortlos die Knarre vors Gesicht, und da fällt sie doch glatt in Ohnmacht, die gute alte Dame.
Das hat schon der Räuber Hotzenplotz so gemacht mit der Großmutter vom Kasperle, aber der finstere Meuchelmörder weiß das nicht und Oma Kasuppke auch nicht, weil die ist ja ohnmächtig.
Schnitt.
Mörder Finsterling ist längst weitergezogen und der Kommissar tritt auf den Plan.
„Hier wurde ein Verbrechen begangen!“, konstatiert er und sein…. äh, wie heißt das jetzt? Also sein Unterling, nennen wir ihn mal Wachtmeister Dimpflmoser, nickt dienstbeflissen.
„He, da liegt ja wer!“, stellt er fest und deutet auf die immer noch ohnmächtige Oma Kasuppke.
„Nee, die ist nicht tot!“, stellt der Kommissar fest.
„Ja, dann holen wir doch mal einen Arzt!“, sagt Wachtmeister Dimpfelmoser und zückt sein Handy.
Wieder Schnitt.
Auftritt Doktor… wie nennen wir ihn? Also Doktor Schlaumeier. Der tritt jetzt auf.
Beugt sich hinunter und fühlt den Puls von der Oma Kasuppke.
Kniet sich auf den Boden, öffnet seine schicke Arzttasche, kramt ein wenig herum…
Ja.
Und dann spritzt er der Oma ein kreislaufstärkendes Mittel.
Oma schlägt die Augen auf, steht auf und dann erzählt sie dem Kommissar genau, was Sache ist.
Schnitt.
Ja, hier machen wir nochmal einen Schnitt.
Tolle Sache, dieses kreislaufstärkende Mittel, nicht wahr?
Und ich verrate Euch ein Geheimnis: Ich arbeite ja schon zugegebenermaßen schon das eine oder andere Jahr in diesem Job, aber diese Wunderspritze ist mir noch nicht über den Weg gelaufen. Es gibt sie offenbar nur in Krimis und Thrillern, da aber ist sie ziemlich weit verbreitet.
Was der Doktor Schlaumeier wohl in Wirklichkeit täte?
Nun ja, er würde wohl eine Infusionsnadel legen, einen halben Liter Kochsalz- oder Elektrolytlösung anhängen, Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung messen und dann EKG-Elektroden anlegen… aber das würde den Plot nur unnötig aufhalten, weil Oma Kasuppke dann ja noch immer nicht die Augen aufschlagen und dem Kommissar was Sache ist sagen kann…

Written by medizynicus

30. Mai 2016 um 05:26

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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3 Antworten

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  1. Das ist doch gar nichts gegen die heldenhaften Reanimationen, wo der ehemals Sterbende nach einem halben Dutzend halbherziger Streicheleinheiten für den Thorax die Augen aufschlägt und weiter…. (-läuft, -redet, – kämpft…)

    Old_Surehand

    30. Mai 2016 at 18:57

  2. Wie, die Drehbücher entsprechen nicht der Realität? *empörtbin*😉

    stuttgarterapothekerin

    30. Mai 2016 at 20:02

  3. Also mir fallen mindestens zwei Filme ein, wo das „kreislaufstärkende Mittel“ nicht nur einfach so, sondern bitteschön direkt ins Herz verbracht werden musste… einmal durch zwei Laienhelfer [Pulp Fiction], und einmal durch den Deliquenten selber [The Rock]… Insofern ist doch Dr. Schlaumeier noch gut bei der Sache, so als Fachperson mit Approbation… oder?😀

    gedankenknick

    9. September 2016 at 14:28


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