Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Bloggen bis zum Ende

with 5 comments

Dmitrij wird sterben und bloggt darüber. Heute schreibt der 25 jährige, dass er sich Sorgen macht, das Testament könne nicht mehr rechtzeitig fertig werden (SpOn berichtet).
Dmitrij ist nicht der Erste. Die Premiumpatientin und Chioskatze sind ihm vorangegangen.
Aber der Sensenmann macht auch vor erfolgreichen Bestsellerautoren nicht halt. Wolfgang Herrndorf, bekannt durch seinen kürzlich verfilmten „Tschick“ verstarb mit gerade mal 46 Jahren an einem Hirntumor und bloggte über seine letzte Zeit, und natürlich ist das Blog inzwischen unter dem Titel „Arbeit uns Struktur“ selbst als Buch herausgekommen.
Ob es dieses Werk in die Bestsellerlisten geschafft hat, weiß ich nicht.
Bestsellerpotential hat das Thema auf jeden Fall.
Astrid Lindgren war seinerzeit wohl die Erste, die mit ihren „Brüdern Löwenherz“ ein Buch über sterbende junge Menschen geschrieben hat. Ein paar Jahrzehnte später landete John Greens mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ einen Bestseller, der ebenfalls kürzlich verfilmt wurde.
Ist „Sick-Lit“ also ein neuer Trend?
„Krebs ist Hot“, schrieb die „Welt am Sonntag“, während die FAZ etwas weniger plakative Worte findet.
Zweischneidig ist die Sache allemal.
Dem guten Dimi wünsche ich jedenfalls, dass ihm noch viel Zeit vergönnt ist, um all das zu sagen, was er der Welt zu sagen hat.

Written by medizynicus

4. September 2016 um 21:05

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

5 Antworten

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  1. Danke für den Blogtipp.
    Dass die Premiumpatientin gestorben ist, hab ich irgendwie nicht mitbekommen.😦 Fuck.
    Und jetzt weine ich wieder wegen dem Kätzchen. </3

    Hermione

    4. September 2016 at 21:09

  2. Eine zweischneidige Sache ist es wenn überhaupt nur für die anderen.
    Für die Betroffenen ist es erstmal nur eine persönliche Sache. Und genauso, wie ich zu jeden anderen Thema oder Themenbereich einen Blog schreiben kann, kann ich das auch über meine Erkrankung oder auch über mein Sterben. Niemand muss jeder kann das lesen,was ich öffentlich von mir geben.

    Das Bloggen über eine schwere und/oder tödliche Erkrankung und das Sterben ist sicher nicht ein Weg für jeden Betroffenen, für einige aber offenbar schon. Und wenn er das für einen ist, dann sollte man ihn eben auch gehen.

    Und Betroffenenblogs würde ich mit Sicherheit nicht unter Sic-Lit einordnen, die wird nämlich in der Regel nicht von Betroffenen geschrieben, und daher finde ich den Vergleich auch fragwürdig. Auch für ein Buch, dass aus einem Betroffenen-Blog entstanden ist ist eine solche Einordnung m.E. nicht statthaft, denn es handelt sich eben nicht um Fiktion und ist damit authentischer. Ob man posthum aus einem Blog ein Much machen muss, darüber kann man wohl diskutieren. Wenn es der Blogautor so wollte, ist es für mich auch in Ordnung.

    Die Premiumpatientin, Baddi, Chemofant, die Katze und etliche andere haben mit ihren Blogs vielen Menschen viel gegeben eben wegen ihrer Authentizität, und etliche weitere, die – noch – leben, tun es jetzt. Das kann man aber nicht mit mit Sic-Lit gleichsetzen und fragwürdig oder auch zweischneidig finde ich das auch nicht wirklich, die eigentliche Sic-Lit vielleicht schon eher.

    Karl

    4. September 2016 at 21:31

  3. Mein Mitgefühl für Dimitrij.
    Ich wünschte, das Leben würde anders laufen.

    Blogs, die Betroffene selbst schreiben, würde ich nicht mit Sick Lit gleichsetzen.
    Ist das im Beitrag denn wirklich so gemeint, oder ist es nur etwas missverständlich ausgedrückt und das Blog hat gewissemaßen nur das Nachdenken über das Thema Sick Lit angestoßen?

    Neulich stand ich lange in einer Bahnhofsbuchhandlung und bin mir ziemlich sicher, dass ich dort das Buch von Wolfgang Herrndorf gesehen habe. Ich habe auch in verschiedenen anderen Büchern zu dem „düsteren“ Thema Tod geblättert, da gab es schon einige. Auch früher schon gab es Bücher wie „Wir sehen uns wieder in meinem Paradies“, welches mich damals zutiefst beeindruckt hat.

    Es ist ja auch gut, wenn man sich ernsthaft mit dem Thema Tod beschäftigt. Zum Nachdenken gebracht wird, was wirklich wichtig ist im Leben. Ob durch ein Blog oder ein Buch oder einen Film. Und nicht immer nur den neuesten Ratgeber vorgesetzt bekommt „Wie optimiere ich mich selbst“.

    Der Zwiespalt, dass gleichzeitig mit dem Tod Geld verdient wird, lässt sich wohl nicht lösen?

    Al Caparro

    4. September 2016 at 22:55

  4. Auch mein Mitgefühl gilt Dimitrij. Danke für den Blogtipp, den kannte ich tatsächlich noch nicht – auch wenn ich in den meisten Blogs momentan eher stille Mitleserin bin.

    In das Genre Sick-Lit würde ich das nicht direkt einordnen, ich denke aber auch nicht, dass das so gemeint war.

    Ich schließe mich meinen Vor“schreibern“ an, v.a. Al Caparro: „Es ist ja auch gut, wenn man sich ernsthaft mit dem Thema Tod beschäftigt. Zum Nachdenken gebracht wird, was wirklich wichtig ist im Leben. Ob durch ein Blog oder ein Buch oder einen Film.“ Genau so sehe ich das auch. Viele Leute möchten sich nicht mit dem Thema beschäftigen, obwohl man so oft damit konfrontiert wird (die einen weniger, die anderen mehr). Diese Medien zu nutzen halte ich in einem gewissen Maße auch für richtig. Die Blogs sind natürlich wesentlich authentischer.

    Julia

    8. September 2016 at 09:22

  5. Dass Wolfgang Herrndorf an seinem Hirntumor starb, ist nicht ganz korrekt – er zog es vor, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, bevor der Tumor ihn tötete. Dass das Thema Sterben/Tod – außer als Sensationsmeldung oder bei Promis – immer noch stark tabuisiert ist, hat wohl auch mit der Ideologie der Gesellschaft zu tun, in der wir leben. Da muss alles immer noch größer, schneller, geiler werden – aber Tote kaufen nicht mehr ein.

    MrMetaphysik

    15. September 2016 at 23:44


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