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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for the ‘Alltagswahnsinn’ Category

Tod an der Schneeschaufel

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Schrapp, Ratsch, klack.
Rrrrratach, Klack, Schrapp. Schrapp. Rrraaaatsch. Ratsch. Rrrrrrrraaaaaatsch. Klack. Schrappt. Klack. Ratsch.
Was ist los, verdammte Scheiße?
Blick auf die Uhr: Noch nichtmal sechs. Wecker hat noch lange nicht losgedüdelt. Aber jetzt kann ich nicht mehr schlafen, also raus aus den Federn, rein in die Klamotten, Kaffeemaschine an und Blick aus dem Fenster: was gibt’s da zu sehen? Nichts als dunkle, dunkle Winternacht! Nee, gar nicht dunkel: im Laternenlicht glänzt es verdächtig weiß: Straße, Autos, Dächer, Gärten, alles winterwunderlandmäßig überzuckert. Auch der Bürgersteig. Und auf dem steht Herr Rumburak. Oskar Rumburak wohnt im Haus gegenüber, ist im Hauptberuf Rentner und nebenbei ehrenamtlicher Müllpolizist. Vor zwei Monaten hat er mich dabei überführt, wie ich heimlich eine Ladung dreckiger Joghurtbecher voller Teebeutel in den Gelben Sack geschmuggelt habe, die gehören nämlich in den Biomüll, also nicht die Joghurtbecher, sondern die Teebeutel, aber erst, nachdem man das Etikett entfernt hat und die Joghurtbecher muss man bekanntlich erst saubermachen, bevor man sie wegwirft. Hat Herr Rumburak mir erklärt. Und jetzt schrappt und schrappt er mit seiner knallroten Schaufel die weiße Pracht vom Bürgersteig. Morgens um sechs. Verdammt, geht das nicht auch leise?
Schrapp, Ratsch, Klack.
Letztens hat Herr Rumburak mir einen Vortrag über die Räumpflicht gehalten: spätestens ab sieben muss der Bürgersteig frei sein, auch am Wochenende, so steht es in der entsprechenden Vorschrift von der Stadt. Und wenn es weiterschneit, muss man tagsüber alle paar Stunden neu schrappeln, bis einundzwanzig Uhr abends, dann ist man bis zum nächsten Morgen von der Pflicht befreit, es sei denn, man ist Gastwirt und hat noch länger geöffnet. Auf meiner eigenen Straßenseite liegt der Schnee inzwischen bestimmt fast zwanzig Zentimeter hoch. Wie gut, dass wir einen Hausmeister haben! Der hat sich zwar noch nicht blicken lassen, aber es ist ja auch noch lange nicht sieben Uhr.
Mein Kaffee ist fertig. Ich setze mich und verbrenne mir beim ersten Schluck die Zunge. Autsch!
Herr Rumburak stützt sich mit beiden Armen auf die Schneeschaufel und macht eine kurze Pause. Es schneit wieder. Auf dem frischgefegten Bürgersteig bildet sich eine neue dünne weiße Schicht. Herr Rumburak verschwindet im Hauseingang und kommt kurz darauf mit einem Eimer Streusalz wieder.
Fast könnte er mir leid tun. Der ist doch bestimmt schon an die achtzig, der Gute!
Ich trinke der Kaffee aus und stelle die Tasse in die Spülmaschine.
Als ich abends wieder nach Hause komme, ist der Bürgersteig auf meiner Straßenseite blitzblank sauber gefegt, der Hausmeister kommt mir mit seiner motorisierten Schneefräse entgegen. Gegenüber hingegen liegt der zertrampelte Schneematsch knöchelhoch.
Herr Rumburak wurde noch am Vormittag mit Notarzt in die Klinik gebracht: Verdacht auf akutem Myokardinfarkt aufgrund von körperlicher Schwerstarbeit bei Minusgraden.
Aber was will man tun? Räumpflicht ist schließlich Räumpflicht!

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Written by medizynicus

28. Januar 2019 at 05:21

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Schon wieder MoFi!

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Schnarch.
Schnarchschnarchschnarchsägschnarch.
Dunkel ist die Nacht. Und still. Angenehm still.
Ring.
Ringdüdelschrill.
Was?
Ring. Ringdüdelschrill.
Wie bitte? Wo bin ich? Ach ja, hab ja Dienst!
„Ja?“
„Herr Doktor? Hier Schwester Paula, Station zwo.“
„Und?“
„Herr Schulze ist aus dem Bett gefallen.“
„Ach?“
„Dicke Beule an der Stirn. Blutet außerdem.“
Hab ich wohl keine Wahl: raus aus dem Bett, schlappschlappschlapp auf Station…. wie zu erwarten, alles halb so wild.
„Herr Doktor?“
„Ja, Schwester Paula?“
Der einzig akzeptable Satz, die ich jetzt zu hören bereit bin, wären: „Möchten Sie eine Tasse Kaffee, Herr Doktor?“
Kommt aber nicht, der Satz.
„Schauen Sie mal aus dem Fenster!“
Aus dem Fenster? Ja, was ist da? Das nächtlich dunkle Bad Dingenskirchen und oben drüber ein voller Vollmond… Moment…. Wo is’n der Mond hin? Nur noch eine ganz schmale Sichel ist übrig, und die wird immer schmaler, ist dann ganz weg und jetzt ist der Mond ganz bleich und blutrot, bis sich dann eine Wolke davorschiebt.
„Eindrucksvoll, nicht wahr?“
„Was’n das?“
„Mondfinsternis.“
Mondfinsternis? Hatten wir doch letztens erst!
„Kommt erst in neun Jahren wieder!“
In neun Jahren? Was wird bis dann alles passiert sein? Ist mir aber auch egal. Ich brauch jetzt einen Kaffee. Und dann nochmal für ein Stündchen ins Bett.

Written by medizynicus

21. Januar 2019 at 06:52

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Unerwartete Hilfe für Trump: Finanziert Putin die Mauer?

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Amerika steht still. Selbst im Weißen Haus gibt es nur noch Fastfood in dekorativer Plastikverpackung. Tausend Hamburger will Donald Trump besorgt – und selbst bezahlt! – haben um sie an ein Football-Team zu verfüttern. Innerhalb einer Stunde war alles Ratzeputz-weggefegt. Sagt er.
Die Sache mit dem Haushaltsstreit hingegen ist noch lange nicht gegessen. Weil die bösen Demokraten alles blockieren. Denn die wollen die Rechnung für die böse Mauer nicht bezahlen…
Läppische fünf Milliarden!
Ist doch kein Ding… fast geschenkt… könnte man doch glatt aus der Portokasse nehmen, müsste man nur den einen oder anderen Oligarchen etwas nachdrücklich um eine kleine Spende bitten…
Also, Onkel Putin, worauf wartest du noch? Mach schon, lass die Kohle rüberwachsen, bevor noch ein Unglück passiert und der nächste Football- oder Baseballspieler sich an einem Hamburger verschluckt!

Written by medizynicus

17. Januar 2019 at 21:55

Ein Frohes Neues Jahr

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…trotz andauernder Blogopause herzliche Neujahrsgrüße an alle!
Wie und ob es weitergeht? Schaunwirmal….

Written by medizynicus

1. Januar 2019 at 02:22

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Vor 29 Jahren ist eine Mauer gefallen…

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…und jetzt baut man ein paar hundert Kilometer weiter neue Mauern auf.
Kleiner Zeitsprung gefällig? Man muss schon mindestens fünfunddreißig Jahre alt sein, um sich zu erinnern: damals gab es eine Grenze. Eine Grenze, die nicht nur unseren Kontinent, sondern die ganze Welt in zwei feindliche Lager teilte. Heute rast man ganz selbstverständlich im Schnellzug mit 300 KM/h darüber hinweg, und das ist gut so.
Aber auch heute stehen Menschen vor Zäunen, die sie nicht überwinden können.

Written by medizynicus

9. November 2018 at 23:34

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Deutschland im Mittelfeld:  zwischen Schweden und Bangladesch

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Eine weltweite Analyse hatte 2017 ergeben: Während ein Allgemeinmediziner in Bangladesch nur 48 Sekunden mit einem Patienten verbringt, hat ein Arzt in Schweden im Schnitt 22,5 Minuten übrig. Deutschland liegt laut der Studie im Mittelfeld. Hierzulande dauert ein Arztbesuch 7,6 Minuten.

…was allerdings unterschlagen wird: rechnet man die Anzahl der Arztbesuche pro Patient, dann sind wir Deutschen wieder Spitzenklasse!

Quelle: Bundesregierung will Wartezeiten auf Arzttermin per Gesetz verkürzen – SPIEGEL ONLINE

Written by medizynicus

28. September 2018 at 12:17

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Hey, isch seh MoFi!

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SoFi war gestern. Oder vorgestern. Oder vorvorvorvorvorgestern, jedenfalls lange her.
Heute ist MoFi.
MoFi ist einfacher als SoFi, weil ist ja nach Feierabend, wenn man nicht grad Dienst hat und außerdem Wochenende, kann man lecker grillen und Bierchen trinken und Mond gucken, wenn er weg ist.
Aber wo isser denn?
Blick auf die Uhr, Blick auf den Himmel, Großer Wagen, Kassiopeia, Mars, alle da, nur der Mond fehlt. Dabei sollte er eigentlich längst aufgegangen sein, aber da, wo er sein müsste, stehen Häuser und da kann man ja schlecht durchgucken. Könnte höchstens klingeln: Schönen Guten Abend, dürfte ich Ihnen mal aufs Dach steigen, weil heute ist MoFi, muss ich gucken!
Dann kann ich die nächste MoFi gleich von der Psychiatrie aus angucken, und die ist erst in hundert Jahren oder so.
Also nix MoFi. Lieber noch ’n Bier aufmachen. Noch ’ne Bratwurst. Noch’n Klacks Nudelsalat.
Zwei Bier und ein halbes Kotelett später dann: da isser doch! ganz blass ganz dunkelrötlich hinter Nachbars Schornstein.
Also, Prost, lieber MoFi-Mond!

Written by medizynicus

27. Juli 2018 at 22:11

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