Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for the ‘Quacksalberei’ Category

Noch ne Geschäftsidee

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Sehr geehrter Bewerber, sehr geehrte Bewerberin,

hiermit danken wir Ihnen ganz herzlich für Ihr Interesse an einem Volontariat zur Ausbildung zum geprüften Kristallaurahokuspokustherapeuten.
Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Sie nach eingehender Prüfung Ihrer Bewerbungsunterlagen in die engere Auswahl genommen haben.
Um die endgültige Bewerberauswahl treffen zu können, erwarten wir jedoch spezifische Kenntnisse auf dem Gebiet der Kristallaurahokuspokustherapie. Diese Kenntnisse erhalten Sie durch eine Weiterbildung durch ein qualifiziertes Institut.
Wir haben mit der Medizynicus GmbH in Bad Dingenskirchen einen zuverlässigen Anbieter gefunden, der genau die passen den Seminare für Sie in Form von E-Learning Online-Modulen anbietet. Durch dieses Bildungsangebot werden Sie ihre Karriereaussichten deutlich steigern.
Unser Unternehmen ist bereit, die Kosten der Seminare anteilig zu übernehmen, da wir überzeugt sind, dass sich diese Investition in Ihre berufliche Zukunft für Sie und für unser Unternehmen lohnen wird.
Wir übernehmen den kompletten Arbeitgeberanteil von 50 Prozent der Seminarkosten. Auf die verbleibenden EUR 2087,34 zuzüglich MWST erhalten Sie, wenn Sie sich innerhalb von 8 Tagen entscheiden außerdem noch einen Frühbucherrabatt von 10 Prozent.
Wir weisen Sie darauf hin, dass sich eine frühe Entscheidung positiv auf das weitere Bewerbungsverfahren auswirkt.
Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie nach Abschluss der Weiterbildung neuen Mitarbeiter in unserem Team begrüßen können.
mit freundlichen Grüßen,

Beutelschneider GmbH & Co KG

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Written by medizynicus

17. Dezember 2013 at 12:43

Wir basteln uns eine Krankheit

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Wer will nochmal, wer hat noch nicht?
Wer immer noch ohne Diagnose ist, dem kann geholfen werden. Eine neue Krankheit zu herzustellen, ist nämlich gar nicht so schwer. Oh… nein, keine Angst, hier wird nicht mit neuen Bazillen oder gentechnisch veränderten Killertomaten gearbeitet, nee, sowas ist natürlich viel zu gefährlich, also Finger weg. Ich habe mich auch vielleicht ein wenig falsch ausgedrückt: es geht ja eher darum, eine neue Krankheit zu erfinden… also ich meine natürlich, zu finden, also eine Krankheit, die es eh schon gibt, die sogar sehr verbreitet ist, die aber noch kein Mensch kennt, weil sie eben bislang unentdeckt ist… also unerforscht und so…
Wie bitte? Dazu braucht man ein Forschungslabor mit sündhaft teuren Geräten und vielen fleißigen und motivierten Mitarbeitern und dazu noch einen Haufen klinischer Erfahrung? Pustekuchen! Es geht auch ohne. Eigentlich braucht man noch nicht einmal ein abgeschlossenes Medizinstudium, nee, man braucht überhaupt nicht studiert zu haben um eine neue Krankheit zu bauen (auch Balthasar könnte das, aber der ist bekanntlich eher daran interessiert, neue Therapien zu entwickeln, was ja irgendwie zusammengehört, aber dazu kommen wir noch später).
Also gut. Gehen wir in Medias Res. Legen wir los.
Als erstes brauchen wir einen Namen. Der sollte vielleicht ein bißchen lateinisch klingen, oder, noch besser englisch. Und eine schicke Abkürzung muss es geben. MoDe zum Beispiel. Klingt doch gut, nicht? Oder lieber MoDS?
Dahinter verbirgt sich nämlich das Motivationsdefizitsyndrom, das gibts auch auf Englisch und war leider nur’n Aprilscherz, aber wir könnten es ja trotzdem mal neu erfinden.
Das ist nämlich die nächste Regel: auch das, was schonmal dagewesen ist, kann man ruhig neu erfinden, man muss ihm nur einen neuen Namen geben.
Und dann muss man dafür sorgen, dass möglichst viele Leute dran leiden, aber das ist dann schon der übernächste Schritt.

Written by medizynicus

19. Juli 2011 at 22:49

Lichtnahrung und Hungerkünstler

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Es gibt Wunder.
Nikolaus von Flüe, der Nationalheilige der Schweiz soll über mehrere Jahre hinweg ohne Nahrung ausgekommen sein. Nun ist allgemein bekannt, dass ein Mensch unter solchen Umständen nach spätestens zwei bis drei Monaten verhungert und das war im Mittelalter nicht anders. So heißt es, dass der Heilige neben Wasser regelmäßig die heilige Kommunion zu sich genommen hat. Skeptiker mögen vermuten, dass zum heiligen Abendmahl ab und zu auch mal ein nahrhaftes Butterbrot gereicht wurde. Mönche hatten bekanntlich immer schon ein Händchen dafür, strenge Fastenregeln kreativ auszulegen, aber ich will nichts sagen, schließlich war ich damals nicht dabei.
Im frühen zwanzigsten Jahrhundert waren Hungerkünstler en vogue. Die traten in Kaffeehäusern oder im Zirkus auf und ließen sich auch schon einmal ein einen Käfig einsperren, wo sie möglichst lange ohne feste Nahrung durchhielten. Wasser trinken war in der Regel erlaubt, und ab und zu wurde einer beim heimlichen Naschen von Hühnerbrühe oder Schokolade erwischt und disqualifiziert. Den meisten Hungerkünstlern ging es hauptsächlich um die Show, auch wenn der eine oder andere seine Performance mit esoterischem Hokuspokus anreicherte.
Ja, und dann sind da die indischen Jogis. Die einen behaupten, fliegen zu können, die anderen wollen sich seit Jahrzehnten nur von kosmischer Lebensenergie, Luft und Licht ernährt haben.
Vor allem von Licht.
Ist das nicht eine tolle Sache? Man müsste nur herausfinden, wie das funktioniert, und hätte gleich die ideale Lösung für alle Hungersnöte der Welt. Topmanager können sich künftig alle Luxusrestaurant-Besuche sparen und hätten viel mehr Zeit zum Geld verdienen. Clevere Köpfe aus der Esoterik-Szene haben das sogenannte Lichtfasten längst in Europa populär gemacht, neben zahlreichen Büchern und kostenpflichtigen Seminaren gibt’s jetzt auch einen österreichischen Dokumentarfilm zum Thema.
Nun ist das Mittelalter schon eine Weile her und Menschen sind in Bezug auf Wunder skeptischer geworden. Die lichtessenden Jogis müssen sich also nicht nur unbequeme Fragen gefallen lassen sondern auch der Überprüfung mit modernen medizinischen, wissenschaftlichen und auch kriminalistischen Methoden. Und siehe da: immer dann, wenn die Untersuchungsbedingungen halbwegs reproduzierbar waren, gab es eine natürliche Erklärung für das Phänomen – mit geheimen Durchreichen und anderen Taschenspielertricks.
Gelackmeiert sind nur ein paar arme Gestalten, die wirklich an den faulen Zauber geglaubt und sich zu Tode gelichtfastet haben.
Mehrere Fälle sind dokumentiert.

Quellen:

Written by medizynicus

15. November 2010 at 05:02

Grundlagen der Kristallaurahokuspokustherapie – Teil 4

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Also gut, Leute, ein paar Sachen habe ich Euch ja jetzt schon erzählt. Ihr habt euch also schlau gemacht. Habt euch umgeschaut und mal so ein bißchen herausgefunden, was da rechts und links von Euch so im Angebot ist. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Jetzt müsst Ihr Euch nämlich selbst eine Marktlücke suchen. Wie das geht?
Alles kein Problem! Nur Geduld, Onkel Medizynicus erklärt es Euch schon.
Fassen wir noch einmal zusammen: Ihr wollt Kohle verdienen. Viel Kohle, ganz viel Kohle. Und Ihr wollt möglichst keine Scherereien mit Polizei und Justiz. Das Letztere würde ich Euch zumindest empfehlen, nur so’n kleiner Tipp von mir, wenn ihr darauf keinen Wert legt dann ist das Eure Sache, dann könnt Ihr aber auch gleich in den Drogenhandel einsteigen, wendet Euch da am besten an die örtliche Zweigstelle der Mafia oder so. Das empfehle ich Euch natürlich nicht, ganz im Gegenteil, ich rate dringend davon ab, schließlich will ich ja nicht, dass mein Blog verboten wird. Ihr wollt also eine legale Sache aufziehen. Das ist wichtig, denn da gibt es ein paar Sachen, die ihr im Hinterkopf behalten müsst. Erste Regel: Euren Patienten keinen Schaden zuzufügen!
Das schränkt die Auswahl der möglichen Praktiken schon einmal ein wenig ein. Das Abschneiden irgendwelcher Gliedmaßen mit rostigen Messern fällt also schonmal flach. Infusionen mit Hühnerblut oder püriertem Kamelmist auch. Ich persönlich würde von allem, was irgendwie mit scharfen Messern, Nadeln oder Blut zu tun hat die Finger weglassen, wieder mal nur so’n kleiner Tipp von mir.
Wenn Ihr wollt, könnt Ihr euch zum Heilpraktiker machen. Das ist nämlich gar nicht so schwer und macht viele Sachen einfacher. Auf langwierige und teure Kurse könnt Ihr übrigens verzichten. Ihr müsst nur eine Prüfung machen und dann dürft Ihr Euch staatlich geprüfter Heilpraktiker nennen und das klingt doch schonmal nicht schlecht, oder?
Wie man das mit der Prüfung hinkriegt, das erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal!

Written by medizynicus

13. November 2010 at 05:29

Brief von dem Güntär (2)

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Liebe Freunde!
Ich wollte Euch ja noch ein wenig von meiner Arbeit berichten.
Mandy, meine bezaubernde Assistentin im durchsichtigen Seidensari sitzt also an der Kasse und bittet meine Klienten um einen kleinen Energieausgleich.
Meine Energie ist unbezahlbar und deswegen verschenke ich sie auch freigiebig. Genauso freigiebig nehme ich milde Spenden in Form von wertlosen grünen Papierstückchen an und wer meiner Assistentin eins davon zukommen lässt, den empfange ich in meinem Audienzzimmer.
Dort erzähle ich ihnen dann das, was sie hören wollen. Und genau das ist das große Geheimnis meines Berufes, denn da gehört viel Fingerspitzengefühl dazu. Natürlich muss man den richtigen Ton treffen, und das habe ich auch erstmal lernen müssen.
Normalerweise versucht Mandy unter Einsatz ihres Charmes immer, schon ein paar wichtige Informationen aus meinen Klienten herauszukitzeln, und das steckt sie mir dann unauffällig zu. Ich mache dann nur den üblichen Zauber und dirigiere meine Klienten dann in den Gesundheits-Shop, wo Mandy ihnen dann noch ein paar Goodies schenkt, natürlich gegen weiteren Energieausgleich.
Die Kristallkugel übrigens, die habe ich übrigens im geizgeilennichtblöden Baumarkt gekauft, war’n Restposten für elfneunundneunzig, keine Ahnung, wozu die Dinger sonst gut sein sollen, aber auf meinem Schreibtisch macht sie echt was her.
Tja, so ist das also.
Hätte ich nicht gedacht, dass die Oma Kasuppke mich so glücklich machen kann!
Ich gehe auch regelmäßig zu ihrem Grab und stelle ihr ein paar Blumen darauf. Ja, gute alte Oma Kasuppke! Möge sie in Frieden ruhen! Das waren noch Zeiten, damals als ich noch in Bad Dingenskirchen im Krankenhaus war und mich mit langweiliger Schulmedizin beschäftigt habe.
Aber von Oma Kasuppke erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal!
Love and Peace,
Euer Güntär

Written by medizynicus

7. November 2010 at 07:13

Medizinskandal! Millionen gefälschte Globuli beschlagnahmt!

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Einen wahrhaft sensationellen Fund machten Zollfahnder in Spelunkistan. Am größten Flughafen des Landes wurden mehrere Tonnen gefälschter Medikamente sichergestellt, so berichtet das spelunkistanische Fernsehen gestern Abend unter Berufung auf ranghohe Beamte.
Dabei wurden nach umfangreichen Ermittlungen mehrere Verdächtige im Alter von 24 bis 58 Jahren festgenommen.
Die Drogen wurden den Angaben zufolge in der Ladezone des Flughafens entdeckt. Sie waren in Containern mit unverfänglichen Gütern versteckt.
Auch handelsübliche Verpackungen waren täuschend echt gefälscht worden mitsamt der Beipackzettel.
Die Medikamente sollen dem Kartell eines mächtigen Drogenbosses gehört haben und waren im Auftrag eines international agierenden Verbrechersyndikates in geheimen Labors angefertigt worden. Die Behörden bezeichnen den Fund als historisch, da noch nie eine so große abgepackte Menge sichergestellt worden sei.
Bei den gefälschten Medikamenten handelte es sich um homöopathische Globuli, die mit verschiedenen Bezeichnungen ettiketiert waren. Die nahezu perfekten Fälschungen waren vom Original kaum zu unterscheiden, enthielten jedoch ausschließlich reinen Milchzucker.

Written by medizynicus

2. November 2010 at 05:22

Grundlagen der Kristallaurahokuspokustherapie (Teil 3): kleine Marktbeobachtung

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Ja, Leute, KAH-Therapie ist ’ne ganz heiße Kiste! Der Rubel rollt und die Patienten mögen das. Das Konkunkturbarometer zeigt steil nach oben und der Markt bietet noch eine Menge Potential!
Bevor Ihr aber loslegt, lohnt es sich, mal einen kurzen Moment innezuhalten, den Blick schweifen zu lassen und mal ein wenig zu schauen, was da derzeit schon so alles im Angebot ist.
Hier also eine kurze Zusammenfassung einiger …sagen wir mal… unkonventioneller… Therapieformen, die ich auf Esowatch und anderswo gefunden habe:

  • Von der Darm- und Leberreinigung war in diesem Blog ja bereits die Rede. Das Rezept: Man verkaufe dem Patienten eine Mischung verschiedener Tabletten und Pülverchen. Diese bewirken dann, dass sich im Darm irgendwelche Klümpchen bilden (mal als „Steinchen“ mal als gummiartige Würste), die dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden und als Erklärung für die Beschwerden hinhalten müssen. Geniale Geschäftsidee!
  • Auch über Kaffee-Einläufe habe ich schon gesprochen. Tolle Sache weil eklig, aber aus geschäftlicher Sicht weniger interessant. Das könnten die Leute schliesslich selbst machen ohne in die Praxis zu kommen.
  • Impuls-Strömen ist ne feine Sache (danke, Neri!). Was die Theorie genau bedeutet, weiß ich nach Lektüre der umfangreichen Seite immer noch nicht, nur soviel: durch Berührungen an bestimmten Punkten kann man die gestörten Energien eines Menschen wieder ins Lot bringen. Wie das geht, kann im Prinzip jeder lernen, aber dazu sind natürlich viele teure Kurse notwendig. Fazit: Geniales Pyramidenspiel! Geld verdient derjenige, der die Kurse verkauft.
  • Psychosomatische Energetik, Quantenmedizin, Oberon-Metatron-Diagnostik (Geniales Wort!) oder Isis-Beamer: Da geht es hauptsächlich darum, mit kompliziert aussehenden Geräten herumzuwuseln. Die Maschinen sind teilweise schon ganz beeindruckend! Verdienen tut, wer das Gerät verkauft.
  • Psychische Chirurgie: Der Patient kommt bei vollem Bewusstsein auf eine Art OP-Tisch. Dann fuchtelt ein Heilkünstler irgendwie herum – ohne Messer oder andere scharfe Instrumente zu verwenden. Anschließend hat dieser blutige Hände und zeigt dem Patienten blutiges Zeug, welches er angeblich aus dessen Buch geholt hat. Hat er aber nicht. War nur eine Art Zaubertrick. Kann durchaus lukrativ sein wenn man es richtig angeht.
  • Lichtfasten – Der Patient wird auf Nulldiät gesetzt, die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Beleuchtung des gesamten Körpers (Sonnenbaden) oder einzelner Körperregionen (spezielle esoterische Taschenlampe in den Mund stecken). Ökonomisch gesehen wohl eher weniger lukrativ, von juristischen Folgekosten mal ganz abgesehen.
  • Homöopathie, Schüssler- Salze, Bachblüten & co gehören ja inzwischen längst zum Mainstream. Viel, viel Geld machen kann man mit dem Zeug nur, wenn man es wirklich sehr überzeugend verkauft. Die Masse macht’s. Dabei hilft es, sich ein wenig mit den entsprechenden zugrundeliegenden Theorien zu befassen. Daran zu glauben ist jedoch eher hinderlich. Wichtiger als teure Kurse (entsprechende Zertifikate kann man sich auch selbst drucken) ist eine charismatische Ausstrahlung und entsprechendes Auftreten.

Das alles nur mal so als kleiner Tipp.
Wer hat weitere Geschäftsideen oder kennt noch andere abstruse… äh… alternative Heilmethoden?
Die Serie wird auf jeden Fall fortgesetzt!

Written by medizynicus

27. Oktober 2010 at 06:01

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