Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for the ‘Reise’ Category

Medizynicus Reise-Challenge Teil 2

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Liebe Leute, ich bin unterwegs!
Und diesmal blogge ich in Echtzeit, wo und wann auch immer ich ein freundliches WLAN finde, Life aus dem Land, wo die Zitronen blühen. Das tun sie derzeit zwar gerade nicht, weil ihnen offenbar gerade zu heiß ist. Deswegen hat mein Hotelzimmer auch Fensterläden aus dunklen Holzlamellen, die tagsüber fest geschlossen sind wie alle Fensterläden in diesem Ort.
Also wegen der Hitze meine ich natürlich, nicht wegen der Zitronen.
Wo ich bin?
Irgendwo in der Toscana.
Ortsnamen werde ich auch weiterhin nur in Ausnahmefällen nennen, aber Ihr seid ja schlau.
Was ich hier will?
Urlaub machen natürlich, was sonst.
Die große Herausforderung dabei: Italien im August, absolute Hochsaison überall, und ich weigere mich standhaft, irgendwas langfristig voraus zu planen.
Kurz und gut: ich will den Massen, Touristenhorden und Touristenfallen aus dem Weg gehen und trotz Hochsaison ein wenig „richtiges Italien“ erleben…. Und meine vier-Sterne-nicht-mehr-als-fünfzig-Euro-Regel (Via Onlinebuchung maximal zwei Tage voraus) gilt weiterhin.
Dafür bin ich ja geographisch flexibel…
Ja, und jetzt brauche ich wieder mal Eure Hilfe: ich suche nämlich einen Strand…. Und ein schönes, gemütliches Örtchen am Meer….
….sowas gibt’s hier, hab ich gar keinen Zweifel. Aber der Trick ist ja… Siehe oben.
Vielleicht sollte ich doch noch ein paar hundert Kilometer auf der Autostrada nach Süden düsen?
Schaun wir mal, ich werde berichten!

Written by medizynicus

19. August 2013 at 21:38

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Flash-Snob: endlich im Espressoland

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Aufstehn, duschen, Frühstücken, Auschecken und los. Draußen strahlt, wie immer die Sonne.
„Wo geht’s heute hin?“ hat mich der junge Mann an der Rezeption gefragt, „In den sonnigen Süden?“
Mal sehn, habe ich ausweichend geantwortet. Ehrlich gesagt, weiß ich es selbst noch nicht genau….
„Vielleicht mal ’n paar Passstraßen ausprobieren…“ sage ich.
Der Typ schaut mich mit großen Augen an.
„Sind Sie etwa mit dem Motorrad unterwegs?“
Nun ja nicht direkt… aber ich hab doch ’n schickes Auto, oder?
Trotzdem, merke: Motorrad ist anscheinend noch cooler. Muss ich mir merken fürs nächste Mal.
Draußen, vor dem Parkplatz, schluft ein älterer Mann vorbei. Als er sieht, wie ich gerade mit der Schlüsselfernbedienung das Dach im Kofferraum verschwinden lasse, schaut er auf. Schluft zu mir hinüber, lacht und strahlt.
„So einen habe ich auch gehabt!“ sagt er und fügt hinzu: „Fünfunddreißig Jahre lang!“
Wie bitte?
„Natürlich den Vorgänger von Ihrem Modell!“
Also ein Oldtimer?
„War damals das beste Auto der Welt! Hat ein Vermögen gekostet!“
Und ist heute doch bestimmt auch wieder eine Menge wert…
„Natürlich. Ich hab ihn gut gepflegt. Letztes Jahr habe ich ihn abgeben müssen!“
Der alte Mann streichelt den Kotflügel meiner Lady.
„Ist ein schönes Auto. Viel Spaß wünsche ich Ihnen damit!“
Er nickt mir noch einmal zu und wackelt davon.
Ich verstaue mein Gepäck, steige ein und brause los…
…auf die Autobahn…
In welche Richtung?
Zur Grenze? Da hätte ich sogar gleich zwei Länder zur Auswahl… aber ich brauche gar nicht lange nachzudenken, welches davon mir mehr zusagt…
Da stehen Uniformierte.
Kelle raus, Anhalten.
Was wollen die? Drogen? Waffen? Schmuggelware? Nee… wollen nur sehen, dass ich brav meine Maut bezahlt habe, habe ich, also gute Fahrt und weiter… was mich auf den Gedanken bringt… da drüben muss man doch auch wieder Maut bezahlen… abgesehen davon… sind Landstraßen doch eh schöner.
Also fahre ich ab und schaue mir den Ort an.
Bröckelige Steinmauern, Fensterläden, Wäsche, die über die Straße gespannt ist… und ein Markt für Billigramschprodukte aller Art.
Aber viel wichtiger als der Markt ist die Piazza.
Natürlich gibt’s hier eine Piazza, wie es sich gehört, mit Kirche dran und Denkmal drauf und Cafés drumrum.
Und in den Cafés gibt’s…. einen genialen authentischen Espresso.
Wie in fast jedem Café in diesem Land.

Written by medizynicus

4. August 2013 at 00:23

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

Flash-Snob unterwegs: aus der Steppe zum Glamoursee

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Vor dem Containerhotelfenster ist es hell geworden.
Systemcheck: ich bin wach.
Status: ausgeschlafen und nicht mehr morgenmuffelmüde.
Fenster aufgerissen. Frische Luft. Dahinter eine langweilige Nicht-Landschaft. Felder. Gestrüpp. Wiesen. Immerhin sommerlich grün.
Ich klettere in meine Lady und gebe Gas.
Die Gegend ist flach wie ein leicht verzogenes Baumarktbrett, Rapsfelder, Wiesen, dreiflügelige Stromwindräder, ab und zu der eine oder andere Kirchturm.
Ab geht’s, eine Kurve und dann immer geradeaus. Links von mir ist Gestrüpp und irgendwo dahinter verbirgt sich eine Art Fluss.
Dahinter ist die Welt zu Ende.
Im nächsten Dorf gibt’s eine Fähre. Die führt hinüber nach Spelunkistan. Was will ich da?
Dann kommt ein Ort mit breitem, langgezogenen Hauptplatz, in der Mitte Grün, darauf Kastanienbäume. Links und rechts gelb getünchte und Stuckverzierte Häuser, links ein zünftiges Gasthaus, rechts ein Café. Der Besitzer ist soeben dabei, aufzusperren und stellt Tische und Sonnenschirme nach draußen.
Ich habe die Lady geparkt und ordere einen Kaffee. Der ist sogar ganz ordentlich.
„Waren Sie schon bei den Störchen?“ fragt der Wirt, als er mir die Tasse bringt.
Was hat es mit den Störchen auf sich?
„Ach, alle Fremden wollen doch die Störche sehen! Sonst gibt’s hier ja nichts…“
Danke für den Tipp… und wo…?
Der Wirt macht eine unbestimmte Handbewegung.
„Da drüben hinterm Schloss!“
Ich trinke aus.
Das Schloss ist ein ausladendes, niedriges gelbgetünchtes Gebäude mit einem parkartigen Hof davor, auch hier schattige Kastanienbäume, und dahinter ist ein Bach, der von einem Deich geschützt ist.
Jenseits des Baches ist Gebüsch und Gestrüpp. Darin klappert es. Einmal fliegt auch irgendwas auf… war das ein Storch?
Ich gehe am Bach entlang bis zu dessen Mündung in den größeren Fluss, und dessen anderes Ufer gehört schon zu Spelunkistan.
Damit habe ich ein Etappenziel erreicht: Ich habe dieses Land einmal der Länge nach durchmessen… bin so ziemlich die längste Strecke gefahren, die man in diesem Land fahren kann ohne zwischendurch eine Grenze zu überqueren.
Aber dieses Ende ist eher unspektakulär… reizlos… jetzt mache ich mich auf den Weg zum nächsten Ende!
Ich gehe zurück zum Auto, fahre weiter, parallel zur spelunkistanischen Grenze – hier und dort sieht man jenseits des Flusses in der Ferne die Häuser einer spelunkistanischen Hauptstadt hindurchblitzen, aber da will ich ja gar nicht hin, also biege ich ab, einmal rechts, einmal links, Landstraßen durch Raps- und Weinfelder… und dann gelange ich zum Steppensee.
Der Steppensee liegt inmitten einer weiten, leichtwelligen Ebene und die Straße führt ein wenig oberhalb an ihm vorbei. Der Steppensee verbirgt sich hinter einem kilometerweiten Schilfgürtel und einmal führt eine Stichstraße zu ihm hin – aber die endet prompt an einem kostenpflichtigen Schwimmbadparkplatz, das brauche ich jetzt nicht, drehe um und fahre durch den Schilfgürtel zurück.
Es ist heiß geworden.
Die Sonne brennt, die Alleebäume bieten ein wenig Schatten, in den Feldern knattert ein Traktor und irgendwo im Schilf liegt ein Boot.
Ich fahre weiter.
Ich will wieder zurück in die Berge.
Die Straße kurvt sich durch Dörfer und kleine Städtchen – eines davon trägt den stolzen Beinamen „am Gebirge“ und liegt doch mitten in einer der flachsten Ebenen, die dieses Land zu bieten hat.
Die Straße wird breiter, wird zur Schnellstraße, wird autobahnartig, und ich brause dahin, die Landschaft wird hügeliger, waldiger… und dann komme ich an einen Ort, dessen Name klingt nach Sommerfrische und Kaiserwetter, hier kann man Skifahren, hier fangen die Berge an!
Es gibt eine Panoramastraße, oben am Hang mit Blick über ein bewaldetes Tal und die Ebene aus der ich gerade gekommen bin, es gibt elegante Hotels an jener Panoramastraße und auf dem Parkplatz ist meine Lady in guter Gesellschaft… abgestellt… Knöpfchen gedrückt… Halt! Was ist das? Das Verdeck klemmt?
Am Armaturenbrett blinkt eine Warnleuchte und ein unangenehmes „Plins!“ fordert mich auf, unverzüglich eine Werkstatt aufzusuchen.
Ich erstarre. Mir läuft es siedend heiß den Rücken hinunter. Wenn das mal nicht…
Ich drücke den Knopf erneut, einmal auf, einmal zu… es plingt immer noch… nochmal auf, nochmal zu…
das plingen hört auf, mit gewohntem Surren schließt sich das Dach.
Mit wackeligen Knien steige ich aus, aber nach Sightseeing ist mir jetzt nicht mehr der Sinn, ich habe eh schon fast alles gesehen, also wieder eingestiegen und weiter.
Hinter der Paßhöhe bin ich tatsächlich wieder in den richtigen Bergen. Je weiter ich fahre, desto höher werden sie, dann hört die Autobahn auf, die Straße wird kurvig, idyllisch, romantisch und zieht sich Stunde um Stunde dahin.
Am frühen Abend erreiche ich den Glamoursee. Mein Hotel (Vier Sterne, fünfundvierzig Euro), liegt vielleicht fünfzehn Kilometer entfernt in einem Dorf, wo… eigentlich sonst nix los ist.
Ich checke ein und steige gleich wieder ins Auto und dann nix wie hin zum Glamoursee.
Und da tobt das Leben! Blauer Himmel, milde Sommerabendluft und endlich kann ich mit offenem Verdeck und cooler Sonnenbrille, die linke Hand locker aufs Fenster gelehnt ganz langsam die Uferpromenade entlangfahren und da schmeckt das Eis gleich doppelt so gut.

Written by medizynicus

3. August 2013 at 01:14

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

Flash-Snob unterwegs: vom Tümpelsee in die Steppe

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Aufstehenduschenfrühstückenlosfahren.
Es ist kühler geworden.
Die Morgenluft schmeckt frisch.
Vom Tümpelsee heben sich die Nebelschwaden… über die Wiesen… die Gipfel der Berge sieht man nicht
Ich brauche ein paar Minuten bis zur Hauptstraße, dann passiere ich einen Ort, der so abgrundtief hässlich ist, dass er eigentlich verboten gehört.
Und dann…
…führt mich eine kurvige Nebenstraße zum Eingang der Schlucht.
Dramatische Nebelschwaden wabern an den Berghängen vorbei…
Es ist still… noch früh am Morgen…
…einzigartig….
…atemberaubend…
Einfach schön!
Die Straße schlängelt sich durch die Schlucht, manchmal ist noch Platz für einen handtuchbreiten Streifen Wald… parallel verläuft übrigens eine Bahnstrecke, was eine geniale Idee ist, denn so kann man diese wunderbare Gegend auch ökologisch und abgasfrei erkunden… äh… konnte man früher. Die Bahnlinie ist nämlich stillgelegt.
Aber das kann mir ja eh egal sein, ich habe ja meine Lady, die mich brav und zuverlässig weiter bringt, auch später, als der Fluß hinter einer scharfen Kurve wieder breiter wird… da mache ich dann einen Schlenker, weg vom Fluß, auf und ab durch ein Hügelland…
Hügelland….?
Bin ich hier noch in den Bergen oder schon draußen?
Es kommt noch ein richtig tiefes Tal und die Berge sehen wieder zackig-felsig aus und die Landschaft zieht sich dahin… viel Landschaft… ziemlich viel Landschaft und kaum Orte… (doch, einen Ort gibt’s, und der heißt… Nomen est Omen!) das ist eine echte Geheimtippgegend!
Ich erreiche einen berühmten Wallfahrtsort. Da gibt’s eine große Kirche – wie das so üblich ist in Wallfahrtsorten – und die Endstation einer Bimmelbahn. Und die erste von dreizehn Serpentinenkehren.
Ab und zu erhascht man einen Blick auf einen freistehenden Felsenberg – der Letzte seiner Art, der die Zweitausendmetergrenze so gerade nicht geschafft hat, aber trotzdem markant ist.
Dann habe ich auch die letzte Kehre hinter mir und jetzt kommen nur noch waldige Mittelgebirgstäler und bald sind auch die zu Ende.
Pause in einer größeren Stadt, kurz bevor ich dann die Schnellstraße nehme und den großen Fluß überquere und am anderen Ufer auf der Autobahn dahin heize… würde ich jetzt einfach weiterfahren, dann käme ich in einer spannenden Kulturmetropole aus, aber die kenne ich schon und lasse sie daher rechts liegen, biege ab, und hier ist die Landschaft dann richtig flach… so die Art von Steppe, über welche seinerzeit Dschingis Khans Horden galoppiert sind…
In einem riesengroßen Einkaufszentrumkomplex gibt’s den üblichen Plastikfritten-und Fleischklopsbräter mit Wlan und da suche ich nach einer Bleibe.
Vier Sterne?
Nix zu machen!
Zumindest drei?
Sogar das wird schwierig!
Okay, dann halt das Nächstbeste… es handelt sich um eine Fernfahrerspelunke aus auseinandergesetzten Fertigcontainern, direkt am Straßenrand, so Tag und Nacht die schweren Lastzüge in Richtung Spelunkistan brettern.
Ich gehe in den Ort.
Flache, langgezogene Häuser, die sich in einer geschlossenen Front von der Straße weggucken… stillgelegte Gleise… breite Straßen… In der Dorfkneipe steht ein halbes Dutzend Männer an der Theke und raucht.
Doch, es gibt noch was zu Essen!
Ja, ich darf auch ausnahmsweise draußen im Innenhof sitzen, wenn mir nicht zu kalt ist.
Die Luft schmeckt angenehm nach Sommerabend.

Written by medizynicus

2. August 2013 at 07:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

Ein Flash-Snob auf der Straße des Todes

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Es gibt Straßen, die haben eine Geschichte.
Es gibt Straßen, die haben eine Legende… es gibt berühmte Straßen und es gibt Straßen, die sind berüchtigt.
Ich fahre auf einer Solchen.
Es ist ein später Nachmittag oder früher Abend, im Sommer geht sowas ja fließend ineinander über, und ich fliege dahin, auf einer gut ausgebauten, breiten Landstraße durch ein breites, flaches Tal.
Soeben bin ich von einem Tal in en anderes gewuppt. Ja, richtig gewuppt, einfach so, dazwischen muss wohl eine Paßhöhe gewesen sein, aber die war eigentlich gar nicht wahrzunehmen und sie ist auch nirgendwo mit Namen verzeichnet. Das vorherige Tal war eng und die Straße war kurvig und schlängelte sich zwischen Fluß und Bahnlinie dahin, dann bin ich ganz kurz auf die Autobahn… und jetzt bin ich in einem anderen Tal, an einem anderen Fluß, der noch ziemlich jung ist, irgendwo hier in der Nähe an dem hohen Berg muss er entsprungen sein… die Straße ist jedenfalls eine friedlich-harmlose Landstraße, schon eine Hauptverkehrsstraße, aber nichts mehr deutet auf das hin, was hier früher einmal los war.
Damals war dies Teil einer Transkontinentalen Hauptschlagader.
Damals führten die meisten transkontinentalen Hauptschlagadern entweder von oben nach unten oder von rechts nach links, diese hier aber war ein Sonderfall, denn sie führte von links oben nach rechts unten und weil so etwas nicht vorgesehen war, planten die Damen und Herren Planerinnen und Planer diese Straße auch nicht in ihre Pläne ein.
Dann aber zogen Millionen und abermillionen von Menschen aus Rechts Unten nach Links Oben um dort zu arbeiten. Und dann fuhren sie wieder zurück nach rechts unten um ihre Familien und Freunde zu besuchen und Familien und Freunde aus rechts unten folgten ihren Angehörigen nach links oben und im nächsten Sommerurlaub reisten sie wieder nach rechts unten und dann…
…dann wurde es auf dieser Straße ziemlich voll. Das Praktische an dieser Straße war, dass sie das Gebirge auf dem denkbar einfachstem Weg durchquert, ganz ohne hohe Passstraßen.
und so wälzte sich eine endlose Blechkarawane aus bis unters Dach und darüber hinaus vollgepackten Fahrzeugen auf dieser Straße entlang, von links oben auf dem Weg nach rechts unten und wieder zurück, Stoßstange an Stoßstange. Die Anwohner aus den Dörfern, durch die diese Straße hindurchführet konnten nur mit Polizeibegleitung auf die andere Straßenseite. Waghalsige Überholversuche und schwere Unfälle waren an der Tagesordnung.
Aber das ist längst Vergangenheit.
Längst sind neue Autobahnen gebaut worden und längst gibt es Alternativrouten, welche die Berge komplett umgehen.
Und ich fliege mit meiner Lady diese Straße entlang im milden Abendlicht und ein bißchen verwegenes Highway-Feeling ist geblieben.

Written by medizynicus

1. August 2013 at 23:20

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

Flash-Snob: der Regenbogen am oberen Ende des Wasserfalls

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Ich habe jetzt ein Ziel.
Ich fahre los.
Vom See aus fahre ich zunächst durch eine Art Schlucht ins weite Haupttal in die kleine Stadt.
Kuriosum am Rande: der örtliche Bahnhof ist der einzige Bahnhof im Lande, an dem sich drei Bahnlinien mit drei verschiedenen Spurweiten treffen.
Ich halte mich aber gar nicht auf, überquere den Fluß und dahinter geht’s durch einen Tunnel ins nächste Seitental.
In meiner Phantasie hätte ich dieses Tal für eines von der wildromantischen Sorte gehalten, aber ich bin enttäuscht: Es ist eher breit und langweilig mit einer breiten und gut ausgebauten Straße darin (und einer parallell verlaufenden Bimmelbahn), und ich komme schnell voran.
Dann biege ich ab.
Hier beginnt die Passtraße.
Gleich nach den ersten Kehren komme ich an einer Kirche vorbei. Weiter geht’s, die Straße schraubt sich durch den Wald an einem Seitental entlang, unten in der Tiefe rauscht der Bach und oben… oben sind Berge, die immer höher werden, manche sind sogar noch schneebedeckt.
Dann kommt ein Ort, dann eine Staumauer samt zugehörigem Stausee und dann… mache ich einen Fehler: ich will Pause machen. Ich einem Hinweisschild zu einem vermeintlichen Dorf.
Das Dorf aber ist eine mausetote Geisterstadt – ich fühle mich wie in einem Goldgräbernest im Wilden Westen, nachdem die Karawane weiter gezogen ist.
Hier wird nur im Winter nach Gold schürft – solange der Schnee liegt, werden Skitouristen gemolken, im Sommer hingegen ist der Hund begraben.
Zurück auf die Hauptstraße.
Plötzlich finde ich mich vor einer Schranke wieder.
Eine Zollstation?
Nein, eine Mautstelle.
Also: Rückwärtsgang eingelegt und eine gekonnte Hundertachtziggradwende vollzogen. Ich bin doch nicht blöd!
Interessante Landschaft übrigens: Eine Art Hochmoor, auf tausendfünfhundert Höhenmetern.
Die alte Paßstraße ist mautfrei und enger als mancher Forstweg – eher für Geländewagen geeignet als für tiefergelegte Sportwagenladys, manchmal taste ich mich mit Schrittgeschwindigkeit voran und einmal ist die halbe Straße weggerutscht, zwei Zentimeter jenseits der Beifahrertür geht es ein paar hundert Meter in die Tiefe…
Ich komme dennoch heile auf die andere Seite.
Dort wartet ein landschaftlicher Höhepunkt auf mich: ein Wasserfall – und zwar einer von der größeren Sorte. Genau genommen sind es sogar mehrere Wasserfälle und jeder einzelne von denen ist sehenswert. Über einen uralten Pfad, über den schon mittelalterliche Kaufleute und römische Legionäre gewandert sind führt durch den Wald, gigantisch steil, immer im Zickzack, und ich schnaufe bald wie eine Dampflokomotive und dann… endlich stehe ich am… äh… wie nennt man das jetzt?
Das obere Ende des Wasserfalls?
Der Anfang?
Also halt… Ihr wisst schon… der Punkt jedenfalls, von wo aus das Wasser anfängt, runterzufallen.
Schaut schon gigantisch aus, so’n Wasserfall von oben!
Das Wasser stiebt unter mir davon und regenbögt… oder wie sagt man jetzt? Also es glitzert und funkelt so und wenn ich jetzt ein römischer Dichter wäre… oder ein mittelalterlicher… und meine Harfe dabei hätte… oder meine Minnesängerausrüstung… dann würde ich jetzt was furchtbar schnulziges von mir geben, aber lassen wir das lieber!
Hier oben fängt übrigens ein ganz sanftes Hochtal an mit einem gemütlichen Weg, über welchen seinerzeit die mittelalterlichen Kaufleute…. und vorher die Römer… aber ich wiederhole mich.
Jedenfalls wandere ich wieder hinunter, gönne mir in der Touristenabfütterungsstation am Fuße des Wasserfalls eine Kräuterlimonade…
Gibt’s hier Wlan?
Nee, gibt’s nicht!
Und wo…?
Zehn Kilometer von hier, im übernächsten Dorf gibt’s ein Internetcafe…
Zurück zur Lady, zurück ans Lenkrad und Gas gegeben.
Das Internetcafe ist eine Bäckerei mit einem großen Schild „Internet!!!“ mit drei Ausrufezeichen im Schaufenster und das Internet besteht aus einem exzellenten Espresso und einem rostig-rumpeligen PC mit hüpfender Maus, der aber immerhin in der Lage ist, mir eine Unterkunft zu organisieren… ich habe noch ein gutes Stück Weg vor mir!
Durch ein wunderschönes, grünes, weites Tal, durch welches sich auch wieder ein Schmalspurbähnchen schlängelt… dann ein enges, wildromantisches Tal mit richtiger Schnellzugeisenbahn… dann ein kurzer Hupfer auf die Autobahn um eine kaum merkbare Passhöhe zu überqueren… und ein weiteres, breites Tal in der Abenddämmerung.
Die Luft schmeckt nach Freiheit und Abenteuer.
Das Leben ist ein Road-Movie.
Ich folge einfach weiter diesem Tal, das meistens breit und flach – manchmal aber auch dann wieder enger und welliger ist und im letzten Tageslicht erreiche ich mein Nachtquartier.
Es handelt sich um einen rustikalen Landgasthof am Tümpelsee.
Gibt’s hier noch was zu essen für hungrige Cowboys?
Die Pizzeria am Tümpelsee ist noch geöffnet… aber da wird geraucht… also gut, dann halt nur noch ein kleiner Spaziergang zum Tümpelsee… dessen Ufer ist auf der einen Seite von einer Badeanstalt in Beschlag genommen und an der Rückseite ist ein Campingplatz und ein bewaldeter Hügel – oder kleiner Berg – der dieses Tümpelseetälchen vom eigentlichen Haupt-Tal abtrennt… aber inzwischen ist es schon ziemlich dunkel…
Egal. Morgen ist auch noch ein Tag!

Written by medizynicus

1. August 2013 at 00:54

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

Flash-Snob unterwegs: an der Blauen Lagune

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In der Almhütte geht’s zu wie am Ballermann.
Okay, das war übertrieben. Es gibt keine lärmige Alpenkitschmusik.
Aber die Biergartentische draußen sind gut besetzt, man mampft Schnitzel, Gulasch, Knödel und Käsespätzle und spült es mit Bier oder Schiwasser herunter. Die Preise sind gesalzen, die Schlange vor der Selbstbedienungstheke ist ungefähr so lang wie die vor dem Bad Dingenskirchener Arbeitsamt… nee, nix für mich!
Einen Steinwurf weiter weg steht eine große Tanne, die Zweige reichen bis auf den Boden hinunter und umgrenzen ein wunderbar schattiges Inselchen… ich setze mich auf den Boden, lehne mich gemütlich an den Stamm, packe meine Wasserflasche und ein matschiges Käsebrötchen von gestern aus…
…und…
…und plötzlich bin ich nicht mehr allein.
„Wohnst du hier?“
Ich schaue in ein Paar großer Kinderaugen.
Also, wenn man mich so direkt fragt…
„Wenn Du hier nicht wohnst – darf ich dann hier wohnen?“ fragt der vielleicht siebenjährige Junge hartnäckig.
Nun ja…
Ich packe meine Sachen zusammen und trolle mich. Schließlich will ich nicht als potentieller Kinderschänder verdächtigt werden.
„Leon, wo steckst Du, unser Schiff kommt!“ höre ich eine aufgeregte Frauenstimme irgendwo hinter mir, aber da bin ich schon wieder auf dem Wanderweg zurück in die Richtung, aus der ich gekommen bin.
Es geht durch Wald, über Geröllhalden, dann ein schmales Pfädchen, mitten in die Felswand gesprengt, ein schöner Anblick, dieser Pfad, wie er sich oberhalb des strahlendblauen Sees dahinschlängelt und dann hinter der nächsten Biegung…
Noch ein schöner Anblick!
Eine bildhübsche Frau mit langem braunen Haar, in knappem Bikini biegt um die Ecke und strahlt mich an.
„Ist es noch weit bis zur Almhütte?“
Hinter ihr noch so ein Wesen, genauso hübsch, etwas mehr bekleidet, muss wohl eine Schwester sein. Und ganz hinten der Papa von den beiden, Schnauzbart, Schweiß auf der Stirn, keucht wie ein Walross.
„Wir haben uns wohl in der Entfernung verschätzt!“ sagt er kleinlaut.
Nun denn, ich habe eine gute Nachricht für Euch, knapp zehn Minuten noch, und wenn ich einen Tipp geben darf für den Rückweg… da sind sie auch schon vorbei.
Ich brauche mir heute keinen Stress zu machen. Später hüpfe ich noch einmal in das kühle Nass.
Morgen früh geht’s weiter… und jetzt habe ich ein Ziel….

Written by medizynicus

31. Juli 2013 at 21:43

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Reise

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