Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Zug um Zug

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Ein bleigrauer Morgen dämmert herauf und der Jetlag steckt mir noch in den Knochen.
Das Trolleyköfferchen klackert brav hinter mir über das Straßenpflaster, durch die zugige Bahnhofshalle und dann hinauf zum Bahnsteig…. verdammt, die Rolltreppe ist kaputt, einen Aufzug gibt’s nicht und wenn es einen gäbe, dann stänke er nach den Ausscheidungen diverser Kreaturen.
Der Zug kommt fast pünktlich und ist fast leer.
Schöne große IC-Großraumwagen. Ich suche mir einen kuscheligen Platz an einem Vierertisch – nur da gibt’s Steckdosen, und die brauche ich dringend weil mein Handy-Akku fast leer ist.
Also Handy eingestöpselt, Trolley in die Gepäckablage gewuchtet, Jacke an den Haken, Hintern auf den Sitz, Augen zu und….
„Das ist mein Platz!“
„…?“
„Da habe ICH reserviert!“
„…..“
Also, der gesamte Wagon ist leer, links und rechts von mir sind reichlich Plätze frei, aber bitteschön, wenn man schon den Gegenwert einer Packung Zigaretten in eine Reservierung investiert hat, dann will man ja auch etwas davon haben.
Der Klügere gibt nach und das bin in diesem Fall eindeutig ich und der rutscht jetzt einen Platz weiter.
„Könnensenichtaufdieandereseite?“
Ob ich bitte vielleicht höflichwerweise so nett sein könnte, auf die andere Seite des Tischchens zu wechseln?
Bin ich!
Also gut. Augen zu, Beine ausstrecken…. halt!
Klackklackklack, kommt ein Trolleykoffer angeklackt und macht unmittelbar vor meinen noch nicht ausgestreckten Beinen halt.
„Geht doch?“
Ob ich bitte vielleicht höflicherweise so nett sein könnte, meiner Reisegenossin dabei behilflich zu sein, dieses Monstrum in die Gepäckablage….?
Bin ich!
„Nee, geht doch!“
Will sagen: Monstrum bleibt hier. Also gut, dann halt Beine nicht ausstrecken, aber Augen trotzdem zu und…
„Ähem?“
Nee, so heiße ich nicht.
„Äh… Ähäääääm?“
Nee, wirklich nicht!
„Heee, Sie da, ist das Ihre Jacke?“
Warum nicht?
„Die hängt an meinem Platz!“
War ja auch bis gerade noch meiner!
„Und Ihr Handy hängt noch an der Steckdose!“
….und da soll es bitteschön hängen bleiben!
„Weil die brauch ich nämlich!“
Ich auch.
„gehört aber mir!“
Also schön, der Klügere…. wünscht sich jetzt einen starken Magen und ein zünftiges Gyros mit ganz viel Zwiebeln und Zaziki zum Frühstück….. aber… wer weiß, Feind hört mit!

Written by medizynicus

26. September 2014 at 09:51

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn