Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Sofi ohne e (Teil 5)

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Bad Dingenskirchen, 11:45 Uhr. Stationsflur.
Kalle steht versonnen am Fenster und schaut immer noch durch sein Röntgenbild in Richtung Sonne.
“Sieht man noch was?”, fragt Schwester Paula.
“Letzte Chance!”, sagt Kalle, “ein paar Minuten noch, dann ist es vorbei!”
Er reicht ihr den schwarzen Film, aber sie macht eine abwehrende Handbewegung und schüttelt den Kopf.
“Schau ich mir heute Abend im Fernsehen an!”
Kalle wirft noch einen letzten zärtlichen Blick in Richtung Sonne.
“Das war’s dann. Auf die nächste Chance müssen Sie mehr als zehn Jahre warten!”
Die Aufzugstür öffnet sich und Chef tritt heraus.
“Na, dann wollen wir mal Visite machen!”
Diensteifrig versteckt Kalle den Röntgenfilm zwischen zwei Patientenakten und Schwester Paula schiebt das Wägelchen zum ersten Patientenzimmer.

Written by medizynicus

20. März 2015 at 21:27

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Sofi ohne e (Teil 4)

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Bad Dingenskirchen, 10:15 Uhr, Raucherbalkon.
Kalle steht auf dem Balkon.
In der linken Hand hat er seinen Kaffeebecher, in der rechten Hand ein Röntgenbild, hält es ins Licht, schaut konzentriert darauf.
Kollege Matze kommt raus, Fluppe in der Hand, die schickste und coolste Sonnenbrille aller Zeiten auf der Nase, schaut in Richtung Sonne, blinzelt, kneift die Augen zusammen, wendet sich wieder ab und schüttelt den Kopf.
“Sieht man nix!”, sagt er und zieht an seiner Zigarette.
“Sieht man doch!”, sagt Kalle und drückt ihm das Röntgenbild in die Hand, “Da oben, am Rand, da wo es ganz schwarz ist, da musst Du drauf schauen!”
“Wahnsinn!” sagt Matze, schüttelt erneut den Kopf und zieht nochmal an seiner Zigarette.
“Wo Wahnsinn?” fragt Jenny.
Matze reicht ihr Sonnenbrille und Röntgenbild.
“Geht auch ohne Sonnenbrille!” sagt Kalle, “aber niemals ohne Röntgenbild!”
Schwester Paula kommt raus, schüttelt den Kopf.
“Niemals ohne Spezialbrille!”, sagt sie, blinzelt in Richtung Sonne und verschwindet wieder drinnen.
Schülerin Nathalie betritt die Bühne, aus der Kitteltasche zieht sie eine Papp-Brille mit silberglänzender Folie, da wo normalerweise die Gläser wären.
“Wo hast Du denn die her?” fragt Jenny.
Nathalie steckt sich eine Zigarette an, nimmt auf der Bank Platz, setzt sich das Brillending auf und schaut entspannt lächelnd in Richtung Sonne.
“Ich dachte, die sind ausverkauft!” sagt Jenny.
“Ebay!” sagt Nathalie, “schon vor drei Wochen. Da hat man die Dinger noch gekriegt!”
Matze hat aufgeraucht und steckt die megacoole Sonnenbrille wieder ein.
Jenny darf auch mal durch das Silberfolienbrillendingsdadings schauen.
Kalle schaut weiter auf sein Röntgenbild.

Written by medizynicus

20. März 2015 at 14:11

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Sofi ohne e (Teil 3)

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Bad Dingenskirchen, 09:00 Uhr, Röntgenabteilung

Vorsichtiges Anklopfen.
“Herein!”
“Äh… guten Tag… Entschuldigung… ich hätte eine Frage….”
“Sie wollen Röntgenbilder?”
“Ja, ich meine, haben Sie vielleicht noch… irgendwo wo ein altes Röntgenbild… also so auf Film und mit viel Schwarz…”
“Meinte ich doch! Einen schwarzen Film für die Sonnenfinsternis. Tut mir leid, da sind Sie zu spät dran. Vor fünf Minuten habe ich den letzten rausgegeben. An einen Kollegen von Ihnen. Sie wissen ja, wir machen heute alles nur noch digital….”

Written by medizynicus

20. März 2015 at 12:11

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Sofi ohne e (Teil 2)

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Bad Dingenskirchen, 08:30 Uhr, Schwestenzimmer.
Jenny beißt in ihr Nutellabrötchen, raschelt mit der Tageszeitung und nuschelt: “Also, diese Sonnenfinsternis heute, kann man die angucken?”
Schwester Paula: “Nein, das ist viel zu gefährlich… dazu braucht man eine Spezialbrille! Aber die sind ausverkauft. Am besten, wir ziehen die Vorhänge zu und die Rollos runter, am besten auch in allen Patientenzimmern, damit niemand auf dumme Gedanken kommt und wir nachher noch von den Angehörigen verklagt werden…”
Die Tür geht auf und Kalle kommt rein. Unter dem Arm hat er ein Röntgenbild. So ein richtiges Röntgenbild aus dickem, schwarzen Zelluloid.
Kollege Matze: “Was hast’n Du da? Wer braucht denn sowas? Ham’ wir nicht alle unsere Röntgenbilder digital?”
Kalle: “Nee, das ist meine Spezialbrille!”
Schnappt sich einen Kaffee, dreht sich um und geht wieder zur Türe raus.

Written by medizynicus

20. März 2015 at 11:09

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Sofi ohne e

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Bad Dingenskirchen, 07:30 Uhr. Frühbesprechung.
Chef: “….dann wäre ja alles klar. Oder gibt’s sonst noch was Wichtiges zu besprechen?”
Kollege Heimbach – bekennender Technik-Freak und Marathonläufer – räuspert sich, meldet sich zu Wort: “Ja, ich wollte noch mal erwähnen, also wegen der SoFi…”
Chef: “Äh? Wer ist das? Ihre Tochter?”
Heimbach: “…Nein, ich meine, also, wegen der Sonnenfinsternis heute Vormittag….”
Chef: “Ja?”
Heimbach: “…also, da könnte es zu Schwankungen im Stromnetz kommen, möglicherweise auch zu Stromausfällen, vielleicht sollten wir nach Möglichkeit keine Aufzüge…”
Chef: “Wer hat Ihnen das gesagt?”
Heimbach: “Äh… also, das kam in den Nachrichten und in der Zeitung…”
Chef: “Solange unsere Haustechnik keine Warnung ausspricht, besteht keine Gefahr! Wir haben schließlich ein Notstromsystem. Die Aufzüge können benutzt werden wie gehabt!”
Chef steht auf und strebt dem nächsten Aufzug zu.
Heimbach nimmt die Treppe.

Written by medizynicus

20. März 2015 at 11:00

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Warum diese Schweinkram-Pille-danach ganz furchtbar ist

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Ja. Nee. Nicht.
Oder?
Muss ich doch nicht begründen, weiß doch jeder!
Wie jetzt? Verstehen Sie nicht? Wollen Sie wohl nicht verstehen, ist klar. Na gut, dann sage ich jetzt mal, was gesagt werden muss:
Also, es gibt so so Sachen, äh, also da hat sich die Natur was bei gedacht. Also zum Beispiel bei so Sachen wie wo die kleinen Kinder herkommen. Also, hat ja niemand was dagegen, dass man auch ein bisschen Spaß haben darf dabei, aber bitte dann mit Moral! Also gerade jetzt, wo das Abendland so in einer Krise ist, da ist es doch wichtig zu zeigen, dass wir das auch können mit der Moral.
Und Moral, das heißt, das Sachen, die wo man zu zweit macht, da macht man dann gefälligst die Vorhänge zu, und natürlich alles unter der Bettdecke und Licht aus und geredet wird da auch nicht drüber, weil das gehört sich nunmal nicht, geht ja keinen sonst was an.
Und überhaupt, wenn man sowas macht und nicht verheiratet ist, dann muss man auch für die Folgen einstehen. Ja, und überhaupt ist das ja gar nicht gut, was diese jungen Leute heute alles so machen, ohne verheiratet zu sein, igittigitt, jeder mit jedem und Sodom und Gomorrha und wie bei den Karnickeln, nein, ist doch klar, dass das nicht immer gut geht.
Ja, und der Doktor, der soll’s dann richten!
Haben sie also ihren Spaß gehabt, diese jungen Dinger, und dann kommen sie zum Arzt, und meistens dann ja noch mitten in der Nacht oder am Wochenende, und ist ja nicht so, dass die Doktors sonst nichts zu tun hätten…. also wissen Sie was? Das war nämlich wirklich so, hat man mir erzählt und im Fernsehen ist’s auch gekommen, dann wird’s ja schon stimmen!
Also: kommt da so’n Flit… also, kommt da so’n blutjunges Früchtchen in die Ambulanz, nachts natürlich, am Wochenende, und sagt sie dem Arzt doch ins Gesicht: wissen Sie was?, sagt sie ihm, Wissen Sie was, Herr Doktor? Während Sie sich Hier die Hacken ablaufen und sich die Hände blutig machen, während Sie sich also die Nacht in diesem Laden um die Ohren schlagen, da habe ich….. Nee, das wollen Sie jetzt gar nicht hören, was die dem noch alles erzählt hat, hätte man der gar nicht zugetraut, blutjung war die und faustdick hatte die es hinter den Ohren, und der Doktor ist knallrot geworden, so rot wie die Laterne vorm “Club Jaqueline”.
Naja, auf jedenfalls ist da so’n Gummidingsda geplatzt und jetzt wollte sie was verschrieben kriegen damit sie kein Kind kriegt.
Ist klar, was der gemacht hat, der Doktor: Dir zeig ich’s, hat er sich gedacht, gesagt hat er natürlich nichts, aber untersucht hat er die, von innen und von außen, das war schon nicht mehr feierlich und nachher hat er ihr das Rezept doch nicht gegeben, weil hätte ja sein können, dass sie schon schwanger war – also musste sie dann noch zum anderen Doktor und danach dann in die Apotheke, und natürlich alles selbst bezahlen, aus eigener Tasche, ist ja auch klar, geht ja nicht, dass die Krankenkasse, also die Allgemeinheit, also Sie und ich noch für deren Privatvergnügen bezahlen müssen. Wo kämen wir da hin? Was kommt als nächstes? Zahlt mir die Kasse dann auch den Besuch bei Mademoiselle Jaqueline? Aber ich schweife ab….
Hat sie natürlich nicht gemacht, das Flit… also die Kleine, die hat das Rezept nicht eingelöst.
Und ist trotzdem nicht schwanger geworden. So’n Mist aber auch, das hätte man ihr doch echt gegönnt. Und überhaupt gehören diese Pillen verboten, weil, wer rummacht, der soll gefälligst aufpassen, und wo kommen wir da hin, wenn demnächst alle Babys chemisch entsorgt werden, wer pflegt uns dann mal, wenn wir alt geworden sind?

Written by medizynicus

16. März 2015 at 14:49

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Pille danach ab heute rezeptfrei erhältlich

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Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben – zumindest unter allen Menschen, die in irgendeiner Form Nachrichten hören, sehen oder lesen: Seit heute, Sonntag, dem 15. März 2015 ist die “Pille danach” in Deutschland rezeptfrei zu bekommen.
Was in anderen Ländern schon seit Jahren möglich ist, hat bei uns ein wenig länger gedauert. Über die Gründe soll an anderer Stelle diskutiert werden, hier und heute nur ein kurzes: Geht doch!
Wer einmal in einer Notaufnahme, einer Notfallpraxis oder Ambulanz gearbeitet hat – also in irgendeiner Einrichtung, die nachts und an Wochenenden die medizinische Versorgung sicherstellen, der kennt diese Situation: diese junge Frau, die sich in diesem nächtlichen Notfallchaos ein wenig deplatziert vorkommt, natürlich ist ihr diese Angelegenheit furchtbar peinlich und nach Wartezeit, rüder Abfertigung und schlimmstenfalls noch einem zynisch-bitterem Kommentar eilt sie dann mit ihrem Privatrezept zur Apotheke…
ab heute kann sie sich den Umweg in die Notaufnahme sparen.
Hier also die wichtigsten Infos noch einmal zusammengefasst:

  • Die “Pille danach” ist eine Notfallverhütung – die möglichst rasch nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden sollte
  • Die “Pille danach” ist keine Abtreibung
  • Jede Frau ab 14 Jahren kann die “Pille Danach” in der Apotheke ohne Rezept bekommen – sollte wer persönlich dort vorbeikommen und muss sich dort aber durch den Apotheker/die Apothekerin beraten lassen.
  • Die “Pille Danach” kostet Geld. Junge Frauen bis 20 Jahren können sich das Geld aber durch ein nachgereichtes Rezept zurückerstatten lassen
  • Die “Pille Danach” hat, wie jedes andere Arzneimittel auch, Nebenwirkungen und ist nicht für jede Patientin geeignet. Sie wirkt auch nicht immer. Sie ist nicht als regelmäßiges Verhütungsmittel geeignet und auch nicht dazu gedacht.

Written by medizynicus

16. März 2015 at 00:41

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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