Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Bar Campen und Sex

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…falls jemandem hier die letzten beiden Beiträge kryptisch vorkommen sollten: Es geht um das Heidelberger Literaturcamp, welches in diesem Moment gerade in… surprise, surpirse… Heidelberg stattfindet.
Vorhin gab’s vegane Linsensuppe und jetzt gibt’s Bier und Wein und man redet über Sex. Also um die Warengruppe 483 im Buchhandel: „Entspannungsliteratur“ heißt das im Behördendeutsch, man könnte es auch als…. äh…. Schweinkram…. ja, also eben so’n Zeug halt… ja, darum geht’s jetzt gerade…
Aber jetzt muss ich aufpassen, ist schließlich ein…. äh.. sehr anspruchsvolles Thema.

Written by medizynicus

11. Juni 2016 at 19:08

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Bar Campen im Barcamp

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So, jetzt weiß ich, wie Clubmate schmeckt. Und eine leibhaftige Ghostwriterin habe ich kennengelernt, die sah gar nicht so geisterhaft aus, eigentlich sogar ziemlich normal. Die Schlangen vor den veganen Bratkartoffeln sind immer noch lang. Aber lecker. Also die Bratkartoffeln, nicht die Schlangen. Veganen Quark gibt’s auch, und Reis und Curry und zum Nachtisch Bio-Slush-Eis. Fotos vom Essen werden life auf Instagram geteilt.
Jeder darf sich vorstellen, mit Vorname, Twitter-Account und drei Hash Tags. Wer was vom Fußball erzählt, muss Strafe zahlen.

Written by medizynicus

11. Juni 2016 at 12:36

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Was ist ein Bar-Camp?

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Ich weiß es nicht.
Ich weiß es immer noch nicht.
Aber ich werde es herausfinden.
Auf jeden Fall ist es furchtbar hip und szenig und es gibt Club-Mate und Frühstück mit veganem Brotaufstrich. Zum Kaffee gibt es nur Sojamilch und jetzt….. jetzt geht es eigentlich los….

Written by medizynicus

11. Juni 2016 at 09:18

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Zwanzig Valium und eine halbe Flasche Wein

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Vorsichtig klopfe ich an der Zimmertür, dann trete ich ein.
„Guten Morgen, Frau….“, verdammt, ich kann den Namen noch immer nicht richtig aussprechen!
„…Leszekowski!“, sagt die Angesprochene ohne mich anzuschauen.
„Wie geht es Ihnen?“
Frau Leszekowski sitzt an dem kleinen Tisch und schaut aus dem Fenster.
„Ich würde mir jetzt gerne eine Zigarette anzünden!“
„Wenn Sie auf den Balkon möchten….“
„Schon gut!“
„Alles in Ordnung?“
Frau Leszekowski seufzt.
„Würden Sie es nochmal tun?“
Sie schüttelt den Kopf.
„Das war dumm!“
An einem regnerischen Nachmittag ist Frau Leszekowski in ihren betagten Opel gestiegen, ist in den Einödshofener Wald gefahren und auf dem Wanderparkplatz hat sie dann zuerst eine halbe Flasche Wein getrunken und dann zwanzig Tabletten Valium eingeworfen.
Sie ist dann zwar eingeschlafen, aber irgendwann aufgewacht, dann ausgestiegen und in strömendem Regen die Straße entlang gelaufen bis sie zur Waldschenke kam, wo die Wirtsleute sie zunächst in warme Decken gepackt, ihr dann einen heißen Tee mit ordentlich Rum eingeflößt und schließlich den Notarzt gerufen haben.
„Warum haben Sie das getan?“
Frau Leszekowski schweigt.
Ich weiß, was los war. Also, natürlich weiß ich es nicht. Also, eigentlich geht es mich ja nichts an, und andersherum natürlich doch. Denn Frau Leszekowski arbeitet bei uns im Haus. Sie ist Sekretärin drüben in der Verwaltung und gerüchteweise weiß ich, dass sie übel gemobbt wurde. Natürlich weiß ich es nicht, und es wird auch nichts davon in den Akten stehen, aber es ist schon merkwürdig, dass keine ihrer Kolleginnen sie hier besucht hat.

Written by medizynicus

9. Juni 2016 at 05:20

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Der böse Nachbar (Teil 2)

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Schwester Paula strahlt.
„Alles in Ordnung?“, frage ich.
Schwester Paula nickt.
„Klar ist alles in Ordnung! Die waren ganz nett bei der Polizei und haben sich tausendmal entschuldigt. Aber sie mussten der Sache halt nun einmal nachgehen.“
„Na klar mussten sie das,“ sagt Jenny, „Die können doch nicht wissen, ob da nicht wirklich etwas dran ist!“
„Der Neffe ist bekanntermaßen Alkoholiker,“ berichtet Paula, „und nachdem sein Onkel verstorben war, hat er sich erst einmal ein paar Gläser genehmigt. Und mit genügend Alkohol im Blut hat er sich dann überlegt, dass es doch einen Schuldigen geben muss…“
„Und meinen die anderen Nachbarn?“, fragt Jenny, „Sind da nicht böse Gerüchte aufgekommen?“
Paula schüttelt den Kopf.
„Zum Glück nicht. Trotzdem wurde mir einmal mehr bewusst, dass wir in unseren Jobs mit einem Bein im Gefängnis stehen!“

Written by medizynicus

3. Juni 2016 at 06:39

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Der böse Nachbar

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Schwester Paula ist völlig aufgelöst.
Chef hat sie mit ernstem Gesicht zur Seite genommen, im Nebenzimmer ein paar Minuten mit ihr gesprochen und jetzt ist sie wieder zurück und den Tränen nahe.
„Was ist los?“, fragt Jenny, „War das die Kündigung?“
Schwester Paula schüttelt den Kopf.
„Schlimmer!“
„Schlimmer als Kündigung?“
„Ich muss zur Polizei!“
„Was ist los?“
„Jemand hat mich angezeigt!“
„Angezeigt? Warum denn? Weil mal wieder alle Parkplätze belegt waren und die Anwohner….“
Schwester Paula macht eine wegwerfende Handbewegung.
„Schlimmer! Es geht um Mord!“
„Hey, ein richtiger Krimi!“, feixt Jenny und ich werfe ihr einen strafenden Blick zu.
Schwester Paula setzt sich. Jenny schenkt ihr Kaffee ein.
„Erzählen Sie, wenn Sie möchten!“, ermuntere ich sie.
Schwester Paula schaut auf.
„Herr Immenburger ist gestern verstorben!“
Ich erinnere mich.
„Der lag doch letztens bei uns! Schweres Tumorleiden, metastasiertes Bronchialkarzinom im Endstadium, wir hatten ihn nach Hause entlassen…“
„…zum Sterben entlassen!“, ergänzt Jenny.
„Der wohnt ja bei mir in der Nachbarschaft!“
„Und?“
„Naja, ich kenne halt seine Familie. Also habe ich ihn ab und zu besucht. Vor allem Frau ist ja völlig aufgelöst, die ist doch von der ganzen Situation völlig überfordert…“
„Toll, dass Sie sich so um Ihre Nachbarn kümmern!“
„…aber Herr Immenburger hat einen Neffen. Nun ja, der Junge war immer schon irgendwie komisch. Und jetzt hat er bei der Polizei angerufen und behauptet, ich hätte seinen Onkel vergiftet!“
„Der Kerl spinnt doch!“
Jenny tippt sich an die Stirn.
„Ich schwöre, ich habe nichts Böses getan!“, schluchzt Schwester Paula, „Ich habe Frau Immenburger höchstens mal geholfen, die Tabletten zu richten für ihren Mann!“
„Damit kommt der doch nie durch!“, sagt Jenny.
Wollen wir es hoffen, denke ich. Trotzdem muss Schwester Paula heute Nachmittag zur Polizei.

Written by medizynicus

2. Juni 2016 at 05:20

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und der Arzt spritzte ihr ein kreislaufstärkendes Mittel

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Spannung.
Hochspannung.
Gerade hat der Mörder seinen ersten Mord gemordet und jetzt zieht er meuchelnd weiter, die Knarre im Anschlag….
….und da stellt sich ihm doch glatt die Oma Kasuppke entgegen!
„He, was machen Sie da!“, ruft sie furchtlos.
Doch der finstere Finsterling hält ihr wortlos die Knarre vors Gesicht, und da fällt sie doch glatt in Ohnmacht, die gute alte Dame.
Das hat schon der Räuber Hotzenplotz so gemacht mit der Großmutter vom Kasperle, aber der finstere Meuchelmörder weiß das nicht und Oma Kasuppke auch nicht, weil die ist ja ohnmächtig.
Schnitt.
Mörder Finsterling ist längst weitergezogen und der Kommissar tritt auf den Plan.
„Hier wurde ein Verbrechen begangen!“, konstatiert er und sein…. äh, wie heißt das jetzt? Also sein Unterling, nennen wir ihn mal Wachtmeister Dimpflmoser, nickt dienstbeflissen.
„He, da liegt ja wer!“, stellt er fest und deutet auf die immer noch ohnmächtige Oma Kasuppke.
„Nee, die ist nicht tot!“, stellt der Kommissar fest.
„Ja, dann holen wir doch mal einen Arzt!“, sagt Wachtmeister Dimpfelmoser und zückt sein Handy.
Wieder Schnitt.
Auftritt Doktor… wie nennen wir ihn? Also Doktor Schlaumeier. Der tritt jetzt auf.
Beugt sich hinunter und fühlt den Puls von der Oma Kasuppke.
Kniet sich auf den Boden, öffnet seine schicke Arzttasche, kramt ein wenig herum…
Ja.
Und dann spritzt er der Oma ein kreislaufstärkendes Mittel.
Oma schlägt die Augen auf, steht auf und dann erzählt sie dem Kommissar genau, was Sache ist.
Schnitt.
Ja, hier machen wir nochmal einen Schnitt.
Tolle Sache, dieses kreislaufstärkende Mittel, nicht wahr?
Und ich verrate Euch ein Geheimnis: Ich arbeite ja schon zugegebenermaßen schon das eine oder andere Jahr in diesem Job, aber diese Wunderspritze ist mir noch nicht über den Weg gelaufen. Es gibt sie offenbar nur in Krimis und Thrillern, da aber ist sie ziemlich weit verbreitet.
Was der Doktor Schlaumeier wohl in Wirklichkeit täte?
Nun ja, er würde wohl eine Infusionsnadel legen, einen halben Liter Kochsalz- oder Elektrolytlösung anhängen, Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung messen und dann EKG-Elektroden anlegen… aber das würde den Plot nur unnötig aufhalten, weil Oma Kasuppke dann ja noch immer nicht die Augen aufschlagen und dem Kommissar was Sache ist sagen kann…

Written by medizynicus

30. Mai 2016 at 05:26

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