Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Liebes Autohaus!

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Schön, dass ihr euch mal wieder an mich erinnert, danke der Nachfrage!
Ich freu mich doch immer, wenn das Telefon mal klingelt, auch wenn euer Anruf diesmal leider zugegebenermaßen ein wenig unpassend kam, aber ihr könnt ja schließlich nichts dafür, dass ich mein Handy mit aufs Klo genommen habe und abgesehen davon, selbst schuld, wenn ich euch bei der letzten Inspektion die Nummer gegeben habe und wohl irgendwo auf dem Formular ein falsches Kreuzchen gemacht habe, aber egal, jetzt habt ihr mich an der Strippe und da bin ich. Ja, meiner verbeulten Rostlaube geht es gut, ein bisschen Öl braucht sie hin und wieder, aber läuft noch wie eine Eins!
Ob ich mal daran gedacht habe, mir ein neues Auto zu kaufen?
Tja, warum sollte ich?
Kostet doch alles Geld und die alte Kiste, wie schon gesagt…
Ach, ihr hättet da ein super-tolles Angebot und außerdem braucht man als Arzt ja eine standesgemäße Karre, weil, was sollen da die Nachbarn denken oder die neue Schwesternschülerin, deren Freund sich letztens so einen Wahnsinnsschlitten gekauft hat… und überhaupt, man soll sich ja auch ab und zu mal was gönnen, bevor das Geld schlecht wird auf der Bank, gibt ja keine Zinsen mehr heutzutage und überhaupt….
Ja, jetzt wo ihr das sagt…
…momentmal…
…habt ja recht eigentlich….
…also, ich könnte mir da was vorstellen….
….nein, nicht dieser Hobel mit den dreihundertfünfzig PS, den Ihr da im Angebot habt, auch nicht dieser fliegende Kühlschrank… ich meine, diesen Suff oder wie das heißt, nein, ich dachte an etwas was Zukunft hat, so richtig…
…nein, auch kein Diesel, pfui, ihr schreckt ja vor nix zurück, also, ich dachte eher an das Gegenteil…
…jawoll, einen schnuckelig-schicken Elektrowagen hätte ich gerne. Also einen, mit dem man auch langsam fahren kann und in der Dreißiger-Zone nicht ständig nervös auf der Bremse hängen muss, einer der auch im Stau funktioniert, schön ohne Dreck… ja, der darf auch ein bisschen was kosten… reden ja alle davon, dass sowas Zukunft hat, nicht wahr? Also…
Wie? Gibts nicht?
Ja… ich kann auch warten, wie gesagt, mein Alter tut’s ja noch…
…was? Auch nächstes Jahr noch nicht?
Also, dann wird’s wohl nichts mit uns beiden, also, schönen Tag noch und Tschüss, ich muss jetzt leider abziehen…

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Written by medizynicus

15. März 2018 at 21:03

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Zustand nach Verdacht auf

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Bei Zustand nach Tiefschlaf erfolgte morgens gegen 06:30 Uhr das Wachwerden.
Bei Verdacht auf Verschlafen wurde ein besorgter Blick auf die Uhr geworfen, nach Entwarnung und Erleichterung erfolgte das zügige Aufstehen, Duschen und anziehen in vorgenannter Reihenfolge. Bei weiterhin erheblicher Müdigkeit erfolgte ein zweimaliges Gähnen (mit Hand vorm Mund) und das Anwerfen der Kaffeemaschine, selbstverständlich erst, nachdem selbige mit aromatischem Kaffeepulver und Wasser gefüllt worden war. Das Einschenken einer Tasse und rasche Leeren derselbigen wurde anschließend bewerkstelligt.
Nachdem ebenjene Tasse abgespült und in die Spülmaschine eingestellt worden war…. nein: Das Einstellen der Tasse in die Spülmaschine gestaltete sich komplikationslos, wie auch das Schließen der Haustüre und der Weg zur Arbeit wo nach Durchsicht diverser Dokumente die Einsicht gewonnen wurde, dass es ich hier gerne mal eine Tüte saftiger Verben spendieren würde.
Dann täte ich die Substantivierungen mal rauspulen aus dem Sprachsalat und zupfe auch die eine oder andere Passivkonstruktion ab und…. voila, ist alles wieder lecker, frisch und knackig!

Written by medizynicus

8. März 2018 at 16:53

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars…. oder: wie manche Ärzte die Welt bescheißen

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Nein, Frau Schrumpelköter, so geht das nicht… nein, wirklich nicht, was denken Sie sich denn, wo Sie hier sind?
Einen Termin wollen Sie? Bei unserem Herrn Doktor? Und da glauben Sie, könnten Sie einfach so anrufen? Hören Sie mal, was glauben Sie, wenn das jeder so machen täte, wo kommen wir da hin, neinneinnein, Frau Schrumpelköter, so geht das wirklich nicht!
Also, ich erkläre Ihnen das jetzt mal. Wenn Sie zum Herrn Doktor wollen, dann brauchen Sie einen Termin!
Ja, richtig!
Deshalb rufen Sie an, sagen Sie?
Jetzt hören Sie doch gefälligst mal zu, ich wollte Ihnen das doch erklären, also, wann hätten Sie denn Zeit, mal bei uns vorbei zu kommen?
Himmel nochmal, natürlich können Sie nicht einfach so in die Praxis schneien und gleich zum Doktor gehen, das erkläre ich Ihnen doch schon die ganze Zeit, Sie müssen einen Termin vereinbaren, und deshalb müssen Sie vorbeikommen, damit wir Ihre Krankenkassenkarte einlesen können.
Richtig, jetzt haben wir Mitte Februar und das Quartal ist fast schon vorbei, also wenn Sie sich beeilen und die Karte dieses Quartal noch vorbeibringen, dann können wir vielleicht noch etwas machen im nächsten Quartal, da müssen Sie aber schon fix sein!
Wie bitte? Warum wir die Krankenkassenkarte schon in diesem Quartal brauchen, wenn der Termin erst im nächsten Quartal ist?
Ja, natürlich, damit wir den Termin… also den Termin zur Terminvereinbarung, damit wir den halt auch abrechnen können, wissen Sie, man kriegt nix geschenkt, so ist das im Leben!
Wie bitte? Im nächsten Quartal…. natürlich rechnen das ab im nächsten Quartal, wenn Sie den Doktor sehen!
Was, ob wir zweimal…? Ja, Sie sind doch zweimal bei uns in der Praxis, einmal jetzt und einmal im nächsten Quartal?
Was? Sie sehen den Doktor doch bloß einmal?
Ja hören Sie mal, glauben Sie, der Herr Doktor hat Zeit, sich um jeden Kleckerkram zu kümmern?
Jetzt mal nicht frech werden, Frau Schrumpelköter, und wenn Sie in diesem Leben noch irgendwann mal einen Doktor sehen wollen, dann verscherzen Sie es sich bloß nicht mit uns, wir werden noch sehen, wer hier am längeren Hebel sitzt!
Jqwoll!
So ist das!
So ist es leider wirklich…. immer wieder mal: niedergelassene Arztkollegen verlangen von neuen Patienten, dass man „zur Terminvereinbarung“ persönlich vorspricht und „schon mal die Karte mitbringt“.
Die Karte wird natürlich eingelesen – und damit wird ein fiktiver Arztkontakt abgerechnet, notfalls wird hier und dort ein bisschen nachgeschummelt (vielleicht drückt einem der Doktor ja tatsächlich im Vorbeigehen die Hand). Das ist ganz klarer Betrug.
Aber… halb so schlimm, weil’s ja jeder macht, oder?

  • Die Assistenzärztin hat diese Schummelei schon im letzten Jahr beschrieben – aber ich hab’s ja nicht glauben wollen….

Written by medizynicus

14. Februar 2018 at 21:16

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Mit der Pferdekutsche zum Arzt

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Kleines Gedankenexperiment:
Es ist ein ganz normaler Montagmorgen, wir befinden uns in irgendeiner belebten Innenstadt. Vor unseren Augen klappt ein Passant plötzlich zusammen, röchelt kurz und dann liegt er da…
Was macht man? Gut aufgepasst beim letzten Erste-Hilfe Training? A-B-C und so weiter, rasch mit der Reanimation beginnen, und… natürlich Notruf absetzen. Wie gut, dass heutzutage fast jeder ein Handy dabei hat. Also, wir haben angerufen, alles korrekt durchgegeben, reanimieren fleissig weiter und… weiter… und weiter… und weiter.
Inzwischen werden wir ungeduldig. Wo bleibt denn der Rettungsdienst? Reanimieren ist bekanntlich verdammt anstrengend, bald wird uns die Puste ausgehen und dann…. nach einer geschlagenen halben Stunde zockelt endlich eine rotweiße Pferdekutsche mit Blaulicht auf dem Kutschbock heran.
Was für ein Blödsinn!
Richtig. Ist ja auch zum Glück nur ein Gedankenexperiment.
Pferdekutschen sind verdammt langsam und – zumindest für den notfallmäßigen Krankentransport – definitiv nicht mehr zeitgemäß, weil es schnellere Alternativen gibt. Eine Email ist ja auch deutlich rascher beim Empfänger als ein Brief, der vom Landpostillon zugestellt wurde.
Interessant ist allerdings, dass bei Arztbriefen und anderen medizinischen Dokumenten wie z.B. CD’s mit Röntgenbildern (die alten Filme haben ja zum Glück inzwischen fast überall ausgedient) auch heutzutage noch auf den Landpostillon vertraut. Zwar wird heutzutage Vieles per Fax erledigt, aber oft genug erinnert die Kommunikation doch sehr an die sprichwörtliche „Stille Post“, die Flüsterkommunikation von Ohr zu Ohr, bei der am Ende etwas ganz Anderes herauskommt als das, was anfangs beabsichtigt war: Wird ein Patient stationär aufgenommen, dann verbringt man viel Zeit damit, herauszufinden, welche Medikamente er nimmt. Im besten Fall hat er eine vom Hausarzt ausgedruckte Liste dabei, manchmal aber auch nur eine Plastiktüte voller Pillenschachteln, oder noch nicht einmal das.
Der Aufnahmearzt schreibt dann alles per Hand in den Aufnahmebogen, welcher dann – ebenfalls per Hand – auf den Anordnungsbogen kopiert und von den Pflegekräften in das Krankenblatt (die „Kurve“) übertragen wird… und vor Entlassung das selbe Spiel: die Liste aus dem Krankenblatt wird abgelesen und in den Arztbrief diktiert, welcher von einer Sekretärin ausgedruckt und dann von drei Ärzten gegen gelesen wird…
viel langsamer ist die Postkutsche wirklich nicht!

Written by medizynicus

4. Februar 2018 at 18:57

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Gesünder Quarzen?

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Rauchen ist ungesund.
Der Marlboro-Mann hat’s angeblich nicht gewusst, bevor ihn das schreckliche Bronchialkarzinom dahingerafft hat. Aber wer heute noch nicht kapiert, dass Fluppen, Zichten, Sargnägel und Krebsnudeln es in sich haben, lebt entweder jenseits von Spelunkistan oder planscht eher am flachen Ende des Genpools.
Das weiß man. Auch ohne die bunten Sammelbildchen auf den Packungen (habe ich eigentlich das Sammelalbum schon erwähnt? Ich kriege keine Prozente, aber verlinke es trotzdem gerne, denn die Idee hätte auch von mir stammen können!).
Also gut. Selbst die Marlboro-Macher wollen ihr Geld auf andere Weise verdienen.
Was tut man, um die Aktionäre nicht zu enttäuschen?
Man investiert in neuartige Dampfnudeln und E-Zigaretten und statt beißendem Tabakqualm wabern jetzt überall Gummibärchendüfte durch die Lande.
Aber sind diese Dinger wirklich so gesund?
Zumindest, was die Tabakerhitzer (im Gegensatz zu den E-Zigaretten) angeht, sind sich die Experten da nun doch nicht so sicher

Written by medizynicus

2. Februar 2018 at 17:54

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Autogrammstunde beim Chirurgen: geht mal gar nicht!

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Sowas gibt’s eigentlich nur bei ganz schicken Autos: Wenn der Motor fertig ist, darf der Mechaniker, der ihn fertig gemacht hat, sich darauf verewigen. Mit einer kleinen Plakette, auf der sein Name, Datum und Unterschrift steht: „Diesen tollen Motor hat Olli Krawuttke fertig gemacht!“, oder so ähnlich. Die Plakette wird dann auf den Motor geschweißt dann sind sie unzertrennlich, die beiden, der Motor und die Plakette. Wohin auch immer der neue Besitzer seine Superkarre jetzt ausführen wird, ob mit Tempo zweihundertsiebzig über die Autobahn oder die steilsten Passstraßen hinauf oder im Stau vor Bad Dingenskirchen… die Plakette mit der Unterschrift von Olli Krawuttke ist immer dabei.
Neulich gab’s mal einen Chirurgen, der wollte auch immer dabei sein.
Also hat er auch Autogramme gegeben.
Auf den Lebern seiner Patienten. Also, wenn er jemandem eine neue Leber eingebaut hat, dann hat er drauf unterschrieben, doch, das gibt’s! Mit einem Laser-Dingsda hat er das gemacht, und dann fein wieder alles zugenäht. Hat keiner gemerkt, dass da die Unterschrift vom Dr. Krawuttke drin ist.
Hat doch jemand gemerkt.
Weil die eine oder andere Leber mal wieder ausgebaut werden musste.
War nicht so schön.
Jetzt muss er Sozialstunden machen, der arme Doktor….

Written by medizynicus

1. Februar 2018 at 21:32

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Schon wieder: Verliebt in eine Patientin… (nein, nicht ich!)

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…diesmal hat’s auf Bento.de Jan, 28 erwischt, Krankenpfleger auf einer Intensivstation. Soll vorkommen. Gesprochen hat er mit seinem Schwarm noch nicht, aber sie hat ihm schon zugezwinkert!
Und was sagt die Kummerkastentante?
Nein, die Telefonnummer aus der Krankenakte abzufotografieren, ist ein absolutes NoGo, da nutzt Dir auch die beste Rechtschutzversicherung nicht, wenn die Sache auffliegt. Abgesehen davon, dass Du Deinen Job dann knicken kannst für den Rest des Lebens.
Allerdings darfst Du ihr Deine Telefonnummer geben, sagt die Kummerkastentante.
Da bin ich anderer Meinung. Job ist Job und never f… the Company gilt in unserem Job mehr als anderswo!
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Written by medizynicus

31. Januar 2018 at 20:29

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn