Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Liebes Support-Team!

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Sehr geehrte Damen und Herren vom Support-Team der Janz-dolle-Gimmicks-GmbH!

Letztens habe ich mir von Ihrer Firma so’n Ding gekauft. So’n ganz cooles Teil. Hat ne Menge Geld gekostet. Um es zu steuern, braucht man ein Handy und die zugehörige App. Hat bislang alles super geklappt!

Bis gestern. Dann hat sich nämlich die App automatisch Ge-Updatet. Diesen Verschlimmbessernden kann man leider nicht aus dem Weg gehen, das macht die App automatisch ohne dass man die Chance hat, zu widersprechen. Meistens geht alles glimpflich ab, vielleicht geht’s danach ein bisschen hakeliger oder langsamer, aber bislang hat’s trotz Update immer noch funktioniert. Halt bis gestern.

Jetzt geht gar nichts mehr. Die neue Version der App benötigt eine neuere Android-Version auf dem Handy.

Nun habe ich ein Handy, auf dem nur eine ältere Android-Version läuft. Das ist so. Ich kann auch nicht auf eine höhere Version updaten. Das ist so, weil das nun einmal so ist, warum, weiß ich zwar nicht, aber es geht nun einmal nicht.

Jetzt habe ich also folgende Optionen:

1.) Ein neues Handy kaufen. Aber warum sollte ich das tun? Mein altes funktioniert doch ansonsten einwandfrei!
2.) Auf mein super-tollesmega-cooles Ding, also das von Ihrer Firma. künftig verzichten. Das hat aber ne Menge Geld gekostet. Warum sollte ich ein paar hundert Euro einfach so in die Tonne hauen?
3.) Mich erstmal einfach nur ärgern.

Und jetzt frage ich Sie mal ganz höflich und vorsichtig:

Ist geplant, dass es in absehbarer Zeit wieder eine App für ältere Android-Versionen zur Verfügung gestellt wird? Falls dies nicht der Fall sein sollte, wäre ich Ihnen für eine Begründung dankbar.
Was empfehlen Sie in diesem Fall den Besitzern älterer Handys?

Vielen Dank für jede Rückmeldung!

Ich möchte Ihnen mitteilen, dass Ich meine Anfrage sowie Ihre Antwort – in anonymisierter Form – auf meinem Blog veröffentlichen werde.

mit freundlichen Grüßen,

undsoweiter

Written by medizynicus

26. November 2016 at 23:21

Veröffentlicht in Das Leben an sich

Tag 7

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Die Sonne ist trotzdem wieder aufgegangen.
Düster, wolkenverhangen, Frost und Nieselregen, wie das so ist um diese Jahreszeit.
Wird schon werden. Ist ja bislang immer gut gegangen.
Wie war das noch mit diesem abgehalfterten Westernhelden, damals in den Achtzigern? Der hatte alle Russen für vogelfrei erklärt, war nur ein Witz, in einer Mikrofonprobe. Dummerweise saß er tatsächlich am Roten Knopf und es war grad Kalter Krieg. Ist trotzdem noch gut gegangen.
Und jetzt? Wenn man sich über jeden miesen, fiesen Politiker aufregen täte, hätte man viel zu tun! Die werden ihn schon zur Räson bringen.
Ist damals nicht ein Präsident fast über ein Techtelmechtel mit einer Praktikantin gestolpert? Wenn sie denn überhaupt… was auch immer… konnte ja nie letztendlich geklärt werden, aber eng war’s trotzdem für ihn! Und was man über den jetzt hört… da müsste man nur eine Frau finden, die mal auspackt. Oder irgendwas anderes, was man ihm anhängen könnte. Sollte ja nicht das Problem sein, so wie der sich aufgeführt hat. Und gibt’s da nicht noch den Mossad oder irgendeine andere fitte Truppe, die da etwas drehen könnte?
Nein, darum geht es nicht! Erstens wäre das nicht fair – da würde man Gleiches mit Gleichem vergelten. Und zweitens geht es nicht um eine einzige Person.
Es geht darum, dass es eine Menge von dieser Sorte gibt und dass die immer stärker werden und das, was viele Menschen über Jahre hinweg mit Vernunft und gutem Willen und viel Kraft und Energie aufgebaut haben mit einem Handstreich mal eben so kaputt gemacht werden kann.
Oder auch nicht.
Wer Demokratie will, muss dafür kämpfen.
Jetzt. Gerade jetzt.

Written by medizynicus

14. November 2016 at 10:23

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Heute

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Heute ist der 30. Januar 1933.
Nicht?
Also der 9. November 1938?
Auch nicht?
Aber froh bin ich, dass es den Atlantik gibt. Und dass er so schön groß und breit ist.
Nein,es ist wie es ist, ich kann nichts daran ändern.
Jetzt nicht.
Aber nächstes Jahr schon!

Written by medizynicus

9. November 2016 at 17:30

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Kaffee tags und nachts

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Das bestbehütetste Geheimnis im Kreiskrankenhaus Bad Dingenskirchen ist eine Espressomaschine.
Sie steht…. an einem geheimen Ort, zu dem nur Eingeweihte Zugang haben. Die Herkunft dieser Maschine ist ein ebenso großes Geheimnis wie die Bedienung derselben – jedenfalls steht diese Maschine seit geraumer Zeit an ihrem geheimen Ort und wer von ihrer Existenz weiß…
Stop!
Jetzt habe ich schon zu viel gesagt.
Eigentlich wollte ich ja bloß einen Beitrag zum Tag des Kaffees schreiben, der in genau fünf Minuten zu Ende ist. Aber dann hab ich gehört, dass die Veranstalter dieser Veranstaltung eine Riege von Herren sind, die sich diskret und verschwiegen an einem geheimen Ort versammeln, gemütlich einen Espresso schlürfen und sich absprechen, was das Pfund Kaffee kosten soll.

Also… ich habe nichts gesagt… die Aussicht, mit einem Betonklotz am Bein im Pinselbach versenkt zu werden, das ist es dann doch nicht wert!

Written by medizynicus

1. Oktober 2016 at 22:56

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Bloggen bis zum Ende

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Dmitrij wird sterben und bloggt darüber. Heute schreibt der 25 jährige, dass er sich Sorgen macht, das Testament könne nicht mehr rechtzeitig fertig werden (SpOn berichtet).
Dmitrij ist nicht der Erste. Die Premiumpatientin und Chioskatze sind ihm vorangegangen.
Aber der Sensenmann macht auch vor erfolgreichen Bestsellerautoren nicht halt. Wolfgang Herrndorf, bekannt durch seinen kürzlich verfilmten „Tschick“ verstarb mit gerade mal 46 Jahren an einem Hirntumor und bloggte über seine letzte Zeit, und natürlich ist das Blog inzwischen unter dem Titel „Arbeit uns Struktur“ selbst als Buch herausgekommen.
Ob es dieses Werk in die Bestsellerlisten geschafft hat, weiß ich nicht.
Bestsellerpotential hat das Thema auf jeden Fall.
Astrid Lindgren war seinerzeit wohl die Erste, die mit ihren „Brüdern Löwenherz“ ein Buch über sterbende junge Menschen geschrieben hat. Ein paar Jahrzehnte später landete John Greens mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ einen Bestseller, der ebenfalls kürzlich verfilmt wurde.
Ist „Sick-Lit“ also ein neuer Trend?
„Krebs ist Hot“, schrieb die „Welt am Sonntag“, während die FAZ etwas weniger plakative Worte findet.
Zweischneidig ist die Sache allemal.
Dem guten Dimi wünsche ich jedenfalls, dass ihm noch viel Zeit vergönnt ist, um all das zu sagen, was er der Welt zu sagen hat.

Written by medizynicus

4. September 2016 at 21:05

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Endlich Zeit

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Endlich Feierabend. Endlich umgezogen. Endlich Tasche gepackt und im Lauschritt los zum Bahnhof. Bin knapp dran. Wie immer am Freitag Nachmittag, das mit dem delegieren muss ich noch lernen. Die Sonne knallt vom Himmel, der Bahnhof rückt ins Blickfeld. Noch schnell ein Ticket gezogen, dann Sprint zum Bahnsteig. Da steht schon ein Zug. Ein gutes Zeichen? Laut Fahrplan hätte ich doch noch zwei Minuten…. auf dem anderen Bahnsteig steht noch ein Zug. Moment mal, da stimmt doch irgendwas nicht! Ich drücke den Türdrücker. Eine Wolke aus Schweißdunst und schlechter Laune wabert mir entgegen. Leute stehen dicht an dicht, dazwischen Fahrräder und Kinderwagen. Kinderwagenmuttis bemühen sich, ihre quängelnde Brut bei Laune zu halten.
„Wie lange stehen Sie hier schon?“, frage ich fröhlich in die Runde.
„Anderthalb Stunden!“, kommt es zurück.
„Sowas hab ich in fünfzig Jahren nicht erlebt!“, meint ein Anderer.
Mein Gehirn schaltet um auf Alarmbereitschaft.
Blick auf die Anzeigetafel: Keine Verspätung angezeigt. Dieser Zug müsste in einer Minute losfahren.
„Hat jemand was gehört, ob und wann es weitergeht?“
„Im Internet steht nur: Verzögerung auf unbestimmte Zeit!“, sagt ein vielleicht sechzehnjähriger Jüngling.
Die Intuition sagt mir, dass es zwecklos ist, hier einzusteigen. Besser, die Sachlage vom Bahnhof aus zu erkunden!
Gibt’s hier irgendwo einen Schaffner – äh, Verzeihung, Zugbegleiter? Natürlich nicht. Und der Lokführer? Vermutlich auf dem Klo. Gibt’s auf Lokomotiven Klos? Egal, jedenfalls hat er sich gut versteckt.
Aus der Ferne schraddelt ein weiterer Zug heran. Aha, das wäre der, der jetzt abfahren sollte! Zug schraddelt aus, Bremsen quietschen, Lautsprecher plärrt: „Bitte nicht einsteigen, diese Zugfahrt endet hier!“
Aha. Schon klar, hier stimmt was nicht! Also mache ich mich auf den Weg zum Fahrkartenschalter… äh, Reisezentrum. Das ist angenehm kühl klimatisiert. Zwei uniformierte Damen starren angestrengt ins Leere.
„Entschuldigung?“
„Ja?“
„Der Zug da draußen…“
„Fährt nicht!“
„Äh, ja. Also, wie komme ich dann nach…“
„Weiß ich nicht!“
„Also, ich meine, wann…“
„Keine Ahnung!“
„Schon verstanden, aber könnten Sie mir netterweise…“
„Nein!“
„Richtig. Also, jetzt mal angenommen, es gäbe irgendwo auf der Welt einen Menschen, der mehr weiß als Sie…“
„Nicht möglich!“
Inzwischen hat sich hinter mir eine lange Schlange gebildet. Zu den gestrandeten Insassen des frisch hier aufgehörten Zuges gesellen sich mehr und mehr Reisende aus dem Zug, der schon eine Stunde hier herumsteht. Ich trete zur Seite und überlasse den anderen die Show.
„Wir wollen…!“
„Geht nicht!“
„…Bus! Taxi! Mietwagen! Irgendwas….“
„Nein!“
„…Frechheit, Sauerei, verdammt nochmal!“
Ich räume das Feld. Wahre Klugheit besteht darin, das Unumgängliche zu akzeptieren. Hier in Bad Dingenskirchen ist’s ja auch schön. Erst mal Kaffee trinken, Eis essen und dann die Wochenendpläne stornieren.
Beim Herausgehen fällt mein Blick auf eine kleine rote Broschüre:
„Endlich Zeit“, steht auf dem Titel.
Es geht um „Kurzgeschichten rund um die Bahn“.
War wohl ein Schreibwettbewerb. Wäre diese Geschichte letztes Jahr passiert, hätte ich sie einsenden können. Gewonnen hätte ich wohl  mit Sicherheit nicht.

Written by medizynicus

27. August 2016 at 17:52

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Morden kann Jedermensch

with 3 comments

Nein, das geht nicht!

Sie dürfen da nicht durch!

Ja, Sie, genau Sie meine ich, stellen Sie sich doch bitte hinten an, wie alle anderen auch, warten Sie, bis Sie an der Reihe sind und… nein, bitte nicht so laut! Schreien Sie doch nicht so.

He, seien Sie doch vernünftig, sehen Sie denn nicht, dass hier überall Menschen stehen? Und die Pistole stecken Sie jetzt bitte weg, weg mit der Pistole habe ich gesagt, ich bitte Sie, seien Sie doch….
Siehst Du?
Ist doch gar nicht so schwer! Einfach draufhalten, Dich nicht um das Gesabbel scheren, abdrücken und… Bumm, bumm, bumm! Geht ganz einfach. Die passende Knarre hast Du Dir im Darknet besorgt und wenn Dir das zu teuer ist, dann tut’s auch die Axt aus dem Baumarkt, kostet nur Neunzehn Achtzig, brauchst Du noch nichtmal zu bezahlen, oder glaubst Du, irgendwer wagt es Dich aufzuhalten wenn Du mit so einem Ding über der Schulter an der Kasse vorbeischluftst, im cool-schwarzen Hemd, schwarze Basecap und schwarze Sonnenbrille.
Kannst auch gleich an Ort und Stelle anfangen, wenn Du magst.
Und dann, hey, das volle Programm: Alle Räder stehen still und die Stadt gehört Dir!
Auf allen Kanälen im Fernsehen bist Du präsent und am nächsten Morgen bist Du in allen Zeitungen, auf den Titelseiten, mit Bild und riesengroßen Schlagzeilen.
Dumm nur, dass Du davon nichts mehr mitbekommst. Denn dieses Spiel spielst Du nur einmal und Du weißt genau, dass sie Dich erwischen werden und weil Du dann nichts mehr zu sagen hast, machst Du Dich lieber vorher vom Acker.
Und jetzt sag mir: War’s das wirklich wert?

Written by medizynicus

26. Juli 2016 at 17:40

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