Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Freier Qualm für freie Bürger

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Man nehme einen geschlossenen Behälter – sagen wir, so eine Art Container, der ungefähr mit fünf bis sieben Kubikmeter fasst. Da hinein stecke man einen Hund – so einen richtig fiesen kläffenden und sabbernden Ködernd. Dann mache man die Klappe zu. Und jetzt wird der Container mit einem Aerosol aus Kohlenmonoxid, Ammoniak, Benzpyren, Cadmium, Benzol, Stickoxid, Formaldehyd, Nitrosaminen, Teerpartikeln und zahlreichen weiteren teilweise hochgiftigen Substanzen begast.
Und jetzt ganz schnell weglaufen, bevor der Tierschutzverein Wind davon bekommt! Denn wer sich erwischen lässt, dürfte wohl ziemlich sicher mit einer Anzeige wegen Tierquälerei rechnen müssen.
So. Jetzt machen wir die Klappe wieder auf, lassen den Köter raus und setzen ein Kind hinein.
Eine süße, schnuffelige Rotzgöre. Klappe zu und wenn die Göre heult, dann kriegt sie noch eine Ladung ab, so lange, bis sie still ist. Ja, das ist fies.
So richtig megafies ist das. Aber es ist erlaubt. Zumindest dann, wenn es sich bei dem Container um einen handelsüblichen Kleinwagen handelt, das Kind ordnungsgemäß im Kindersitz festgezurrt und Papa vorne hinterm Lenkrad eine Kippe nach der anderen wegquarzt.
Sollte Papa zufällig beim Polizeirevier vorbeikommen, dann kann er gerne laut hupen und den Herren Beamten eine Nase drehen – passiert nix, sofern er sich an die örtliche Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Würde man Papa die Tierquälerei verbieten wollen, dann wäre das entsprechende Gesetz sogar verfassungswidrig, behauptete unser ehemaliger Gesundheitsminister.
Wie schön, dass seine Kollegen in anderen Ländern das wohl anders sehen…

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Written by medizynicus

6. April 2018 at 17:48

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Krankenhäuser wieder mal in der Krise

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Nach Ärzte- und Pflegekräftemangel droht hunderten von Krankenhäusern die nächste Krise, darauf hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) in einem Positionspapier hingewiesen. Für die Umsetzung wichtiger Vorgaben aus den Bereichen Qualitätsmanagement, Datenschutz, Arbeitssicherheit sowie Gendergerechtigkeit sind bundesweit mehrere tausend Stellen im Bereich von Krankenhausmanagement und Verwaltung notwendig. Die kostenneutrale Schaffung dieser Stellen ist nur möglich durch die Umwidmung von Stellen aus dem Ärztlichen Dienst und aus der Pflege. Hierzu gibt es mehrere Denkmodelle, u.a. die Schaffung einer neuen Facharztlaufbahn für Verwaltungsmedizin bzw. Pflegekräften zur Aktenpflege. Gemäß dem jüngsten Positionspapier sollen die Kräfte vor allem aus den Notaufnahmen abgezogen werden, so dass deren Kapazität im Sinne eines Flaschenhalses vermindert wird, womit weniger Patienten stationär aufgenommen werden können und somit auch die anderen Abteilungen der Häuser entlastet werden können. Wie die DKG weiterhin mitteilte, stießen die Vorschläge bei Entscheidungsträgern aus Poltik und Krankenkassenverbänden bereits auf großes Interesse.

Written by medizynicus

1. April 2018 at 12:22

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Ab in die Häuslichkeit

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Sehr geehrter Herr Kollege,
Wir berichten über den Patienten Dingsda Sowienoch, der sich von Anno Tobak bis zum Drölften Drölften Drölften in unserer stationären Behandlung befand.
Bei Zustand nach Verdacht auf AZ-Verschlechterung in der Häuslichkeit erfolgte die stationäre Einweisung durch den ärztlichen Zuweiser.
Die Anamneseerhebung gestaltete sich aufgrund der Aetas und hierdurch bedingten kognitiven Defizite deutlich erschwert. Auch die körperliche Untersuchung konnte aufgrund der erschwerten Bedingungen nur orientierend in deutlich eingeschränktem Ausmaß durchgeführt werden. Hier waren keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt worden.
Nach stationärer Aufnahme und entsprechender Diagnosestellung wurde umgehend eine konservativ-symptomatische Behandlung eingeleitet und partiell erfolgreich abgeschlossen. Imzuge dessen konnten auch allgemein roborierende Maßnahmen durchgeführt werden , so dass eine Entlassung des Patienten zurück in die Häuslichkeit durchgeführt werden konnte.
Wir verbleiben mit kollegialem Gruß,

undsoweiterblablabla

Im Anschluss erfolgte die Nominierung des Wortes „Häuslichkeit“ zum Unwort des Jahres.
Bei weiteren Anmerkungen und Kommentaren wird gebeten, auf Verben (mit Ausnahme von „erfolgen“, „geschehen“, „tätigen“ usw.) zu verzichten, stattdessen ist nach Möglichkeit die Verwendung von Substantivierungen zu bevorzugen. Im Satzbau ist auf die Verwendung von Passivkonstruktionen zu achten.

Written by medizynicus

23. März 2018 at 07:57

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nicht zu Deutschland gehören

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Vier Millionen Menschen.
Sie leben hier, die meisten von ihnen seit Jahren, seit Jahrzehnten, sind hier aufgewachsen, so wie ihre Eltern und Großeltern.
Aber sie gehören nicht hierher.
Ihre Religion gehört nicht hierher. Weil es eine ganz normale Religion ist, so gut und so böse wie jede andere Religion auch. Aber sie gehört nicht nach Deutschland, und damit müssen auch die vier Millionen Leute weg…. wohin eigentlich?
Ach, damit kommen wir schon klar. Hatten wir ja schonmal. Haben wir doch hingekriegt damals, oder? Waren sogar viel mehr als läppische vier Millionen!

p.s.: man muss ja heutzutage vorsichtig sein, deswegen nochmal in aller Deutlichkeit die oben stehenden Sätze sind satirisch gemeint.

p.p.s.: Wie war das nochmal mit dem Grundgesetz? Gehört das eigentlich zu Deutschland?

Written by medizynicus

20. März 2018 at 07:45

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Grippewelle

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Ja, Herr Strunzbichler, ich bin der behandelnde Arzt Ihrer Mutter!
Nein, eigentlich habe ich keine Zeit, Sie sehen doch, dass hier gerade Landunter ist, aber wenn es Ihnen wichtig ist, nehme ich mir natürlich Zeit für Sie.
Sie haben völlig Recht, Ihre Mutter liegt immer noch auf dem Flur. Wobei wir allerdings klarstellen müssen: Ihre Mutter liegt keineswegs auf dem Boden, sondern sie liegt in einem Bett, und dieses Bett steht derzeit noch auf dem Flur und wird demnächst in ein Patientenzimmer geschoben.
Wann das geschieht? Genau dann, wenn eine Pflegekraft Zeit dazu findet. Nein, vermutlich nicht innerhalb der nächsten zwei Minuten. Auch nicht innerhalb der nächsten fünf Minuten. Ja, es ist gut möglich, dass es noch eine Stunde dauert, weil das Zimmer erst noch gereinigt werden muss. Sie wollen doch, dass Ihre Mutter in einem sauberen Zimmer liegen soll, nicht wahr?
Nein, sie bekommt kein Einzelzimmer. Ja, das Zimmer ist mit vier Leuten belegt, obwohl eigentlich nur drei hineinpassen und auch das schon viel zu eng ist.
Richtig, das ist nicht schön. Weder für Ihre Mutter, noch für die anderen Zimmernachbarn.
Nein, wir können die anderen drei Zimmernachbarn nicht anderswohin schieben, und schon gar nicht auf den Flur.
Nein, ich wusste nicht, dass Ihre Mutter Privatpatientin ist, aber jetzt weiß ich es und bin genau so nett zu ihr wie zu allen anderen Patienten auch.
Nein, ich wusste auch nicht, dass ihr Schwager ein guter Freund von Herrn Großkopfert ist, der regelmäßig mit unserem Landrat golfen geht, aber ich finde, dass diese Information nichts zur Sache tut.
Ja, ich finde auch, dass die Zustände in diesem Haus absolut furchtbar sind, was vielleicht daran liegen könnte dass wir doppelt so viele Patienten haben wie üblich und nur halb so viele Mitarbeiter, und Sie können sich gerne darüber beschweren, gerne auch beim Landrat persönlich, da brauchen Sie gar nicht erst Ihren Schwager oder den Herrn Großkopfert vorzuschieben, und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie gesund bleiben, und falls nicht, sind auch Sie bei uns jederzeit herzlich willkommen, auch nachts um drei, allerdings könnte es sein, dass auch Sie eine Stunde auf dem Flur verbringen müssen, bevor die letzte gesunde Pflegekraft Sie in ein überbelegtes Vierbettzimmer bringt.

Written by medizynicus

17. März 2018 at 14:38

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Liebes Autohaus!

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Schön, dass ihr euch mal wieder an mich erinnert, danke der Nachfrage!
Ich freu mich doch immer, wenn das Telefon mal klingelt, auch wenn euer Anruf diesmal leider zugegebenermaßen ein wenig unpassend kam, aber ihr könnt ja schließlich nichts dafür, dass ich mein Handy mit aufs Klo genommen habe und abgesehen davon, selbst schuld, wenn ich euch bei der letzten Inspektion die Nummer gegeben habe und wohl irgendwo auf dem Formular ein falsches Kreuzchen gemacht habe, aber egal, jetzt habt ihr mich an der Strippe und da bin ich. Ja, meiner verbeulten Rostlaube geht es gut, ein bisschen Öl braucht sie hin und wieder, aber läuft noch wie eine Eins!
Ob ich mal daran gedacht habe, mir ein neues Auto zu kaufen?
Tja, warum sollte ich?
Kostet doch alles Geld und die alte Kiste, wie schon gesagt…
Ach, ihr hättet da ein super-tolles Angebot und außerdem braucht man als Arzt ja eine standesgemäße Karre, weil, was sollen da die Nachbarn denken oder die neue Schwesternschülerin, deren Freund sich letztens so einen Wahnsinnsschlitten gekauft hat… und überhaupt, man soll sich ja auch ab und zu mal was gönnen, bevor das Geld schlecht wird auf der Bank, gibt ja keine Zinsen mehr heutzutage und überhaupt….
Ja, jetzt wo ihr das sagt…
…momentmal…
…habt ja recht eigentlich….
…also, ich könnte mir da was vorstellen….
….nein, nicht dieser Hobel mit den dreihundertfünfzig PS, den Ihr da im Angebot habt, auch nicht dieser fliegende Kühlschrank… ich meine, diesen Suff oder wie das heißt, nein, ich dachte an etwas was Zukunft hat, so richtig…
…nein, auch kein Diesel, pfui, ihr schreckt ja vor nix zurück, also, ich dachte eher an das Gegenteil…
…jawoll, einen schnuckelig-schicken Elektrowagen hätte ich gerne. Also einen, mit dem man auch langsam fahren kann und in der Dreißiger-Zone nicht ständig nervös auf der Bremse hängen muss, einer der auch im Stau funktioniert, schön ohne Dreck… ja, der darf auch ein bisschen was kosten… reden ja alle davon, dass sowas Zukunft hat, nicht wahr? Also…
Wie? Gibts nicht?
Ja… ich kann auch warten, wie gesagt, mein Alter tut’s ja noch…
…was? Auch nächstes Jahr noch nicht?
Also, dann wird’s wohl nichts mit uns beiden, also, schönen Tag noch und Tschüss, ich muss jetzt leider abziehen…

Written by medizynicus

15. März 2018 at 21:03

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Zustand nach Verdacht auf

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Bei Zustand nach Tiefschlaf erfolgte morgens gegen 06:30 Uhr das Wachwerden.
Bei Verdacht auf Verschlafen wurde ein besorgter Blick auf die Uhr geworfen, nach Entwarnung und Erleichterung erfolgte das zügige Aufstehen, Duschen und anziehen in vorgenannter Reihenfolge. Bei weiterhin erheblicher Müdigkeit erfolgte ein zweimaliges Gähnen (mit Hand vorm Mund) und das Anwerfen der Kaffeemaschine, selbstverständlich erst, nachdem selbige mit aromatischem Kaffeepulver und Wasser gefüllt worden war. Das Einschenken einer Tasse und rasche Leeren derselbigen wurde anschließend bewerkstelligt.
Nachdem ebenjene Tasse abgespült und in die Spülmaschine eingestellt worden war…. nein: Das Einstellen der Tasse in die Spülmaschine gestaltete sich komplikationslos, wie auch das Schließen der Haustüre und der Weg zur Arbeit wo nach Durchsicht diverser Dokumente die Einsicht gewonnen wurde, dass es ich hier gerne mal eine Tüte saftiger Verben spendieren würde.
Dann täte ich die Substantivierungen mal rauspulen aus dem Sprachsalat und zupfe auch die eine oder andere Passivkonstruktion ab und…. voila, ist alles wieder lecker, frisch und knackig!

Written by medizynicus

8. März 2018 at 16:53

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