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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Amoklauf

Morden kann Jedermensch

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Nein, das geht nicht!

Sie dürfen da nicht durch!

Ja, Sie, genau Sie meine ich, stellen Sie sich doch bitte hinten an, wie alle anderen auch, warten Sie, bis Sie an der Reihe sind und… nein, bitte nicht so laut! Schreien Sie doch nicht so.

He, seien Sie doch vernünftig, sehen Sie denn nicht, dass hier überall Menschen stehen? Und die Pistole stecken Sie jetzt bitte weg, weg mit der Pistole habe ich gesagt, ich bitte Sie, seien Sie doch….
Siehst Du?
Ist doch gar nicht so schwer! Einfach draufhalten, Dich nicht um das Gesabbel scheren, abdrücken und… Bumm, bumm, bumm! Geht ganz einfach. Die passende Knarre hast Du Dir im Darknet besorgt und wenn Dir das zu teuer ist, dann tut’s auch die Axt aus dem Baumarkt, kostet nur Neunzehn Achtzig, brauchst Du noch nichtmal zu bezahlen, oder glaubst Du, irgendwer wagt es Dich aufzuhalten wenn Du mit so einem Ding über der Schulter an der Kasse vorbeischluftst, im cool-schwarzen Hemd, schwarze Basecap und schwarze Sonnenbrille.
Kannst auch gleich an Ort und Stelle anfangen, wenn Du magst.
Und dann, hey, das volle Programm: Alle Räder stehen still und die Stadt gehört Dir!
Auf allen Kanälen im Fernsehen bist Du präsent und am nächsten Morgen bist Du in allen Zeitungen, auf den Titelseiten, mit Bild und riesengroßen Schlagzeilen.
Dumm nur, dass Du davon nichts mehr mitbekommst. Denn dieses Spiel spielst Du nur einmal und Du weißt genau, dass sie Dich erwischen werden und weil Du dann nichts mehr zu sagen hast, machst Du Dich lieber vorher vom Acker.
Und jetzt sag mir: War’s das wirklich wert?

Written by medizynicus

26. Juli 2016 at 17:40

Amoklauf im Krankenhaus

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Zunächst mal: Mein tiefstes Mitleid mit den Verletzten und den Angehörigen der Toten von Lörrach.
…und dann fragt man sich natürlich unwillkürlich, wie man selbst wohl in so einer Situation reagieren würde. Und ich sage gleich: Ich bin kein Held. Ich würde wegrennen. Ducken und rennen so schnell mich meine Beine tragen. Vielleicht auch noch laut brüllen, andere Leute packen und um die Ecke schieben und Türen hinter mir verrammeln. Aber eines würde ich ganz gewiss nicht tun: mich unbewaffnet und ohne Schutz so einer wahnsinnigen Person entgegenstellen.
Zum Glück ist so eine Situation extrem selten. Was hingegen immer wieder mal vorkommt ist, dass ein Patient oder ein Angehöriger oder sonst irgendwer ausrastet und mit Fäusten oder Gegenständen um sich schlägt. Auch Messer sind in der Ambulanz schon gesichtet worden und ich kenne mindestens einen Kollegen, der nach einem solchen Angriff selbst ein paar Tage stationär gelegen hat. Und das vertrackte an der Sache war: Dem Angriff hätte er aus dem Wege gehen können. Er hätte den Patienten gefahrlos rausschmeissen können. Hat er aber nicht getan. Er war ja Arzt. Er wollte ja helfen.

Written by medizynicus

20. September 2010 at 05:45