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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Wie kommt Frau Schröder ins Krankenhaus?

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„Da sind Angehörige für Dich!“ flötet Jenny.
Klar! Immer dasselbe. Angehörige kommen grundsätzlich um fünf Uhr nachmittags, wenn die Gedanken sich allmählich um den möglicherweise in Reichweite befindlichen Feierabend zu kreisen beginnen. Aber der Feierabend hat sich jetzt um mindestens eine weitere Viertelstunde nach hinten verschoben.
„Angehörige? Von wem?“ blaffe ich ins Telefon.
„Von Frau Schröder. Zimmer fünfzehn. Das ist eine von den dementen…“
„Alles klar. Ich komme.“
Mindestens zwanzig Minuten.
Ich schlurfe zum Schwesterndienstzimmer und nehme hole die Akte. Auf dem Flur steht ein älteres Ehepaar, beide mindestens in den Sechzigern.
„Können wir irgendwo ungestört reden?“
„Kanst doch ins Patientenzimmer gehen. Die Omas kriegen doch sowieso nix mit!“
Ich überhöre die Bermerkung, klemme mir die Akte unter den Arm um mit gestrafften Schultern auf den Flur hinauszutreten.
Ich drücke den beiden die Hand und geleite sie in die kleine Sitzecke im Aufenthaltsraum.
„Also, was ist mit Mutter?“ fragt die weibliche Angehörige, die sich hiermit als Tochter geoutet hat.
„Genau dieselbe Frage möchte ich Ihnen stellen!“ sage ich mit betont sanfter Stimme und füge angesichts des etwas fragenden Blickes der beiden hinzu: „erzählen Sie mir doch bitte, wie Ihre Mutter ins Krankenhaus gekommen ist!“
„Na, mitm Krankenwagen natürlich!“ sagt der offenbare Schwiegersohn.
Ich nicke betont verständnisvoll.

Written by medizynicus

30. November 2011 at 11:59

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Unvermeidbares Schicksal oder… hätte sie gerettet werden können?

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Vor ein paar Tagen erreichte mich folgende Mail einer Leserin, die ich zunächst einmal unkommentiert hier weitergeben möchte:

Zugetragen hat sich das alles im Jahre 2009. Zum Ende des Sommers sollte meine Mutter ein neues Hüftgelenk erhalten. Sie war leider übergewichtig und nicht zuletzt deshalb hatte sich die OP schon mehrere Jahre nach hinten verschoben. Ein weiterer Grund für die Verzögerung war, dass sie erst 50 Jahre alt war und dementsprechend „kleine“ Kinder hatte. Ganz zu schweigen von drohenden Ersatz-OPs der Gelenkprothese (gemeint sind: Wechsel der Prothese nach 15-20 Jahren – d.Red.). Die OP sollte wegen der jahrelangen Arthrose durch die angeborene Fehlstellung schwierig werden, weshalb sich auch eine Privatklinik mit fadenscheinigen Argumenten davor drückte (Hautveränderung als Petechien bezeichnet, hat später ein anderer Arzt als nicht wahr bezeichnet). Also nahm sich schlussendlich 2009 die Uniklinik ihres Hüftgelenks an.
Die OP verlief gut, neben einem größeren Hämatom, lief die Heilung super. Nach knapp 2 Wochen sollte es zur Reha gehen, aber im ganzen Bundesland gab es keinen Platz. Also erstmal eine Woche nach Hause und warten auf bis der Platz in einer der vielen Reha-Einrichtungen nahe der Ostseeküste frei war. Dabei zeigte sie mir noch ganz stolz, wie gut sie schon die Thrombose-Spritzen sich selbst setzen konnte. Dann ging es in die Reha-Einrichtung, 3 Wochen. Auch dort bekam sie die Thrombose-Prophylaxe. Lediglich an den letzten 2 Abenden vor der Entlassung war sie zum Zeitpunkt der „Spritzengabe“ nicht im Zimmer. Das hat sie uns Kindern noch berichtet. Nach Haus ging es einen Abend früher als geplant, das Bett wurde gebraucht. Nach der Verabschiedung am Morgen vor der Arbeit, fand man sie mittags, schon einige Zeit verstorben. Der Notarzt diagnostizierte eine Lungenarterienembolie.
Die Frage ist, ob das Pflegepersonal nicht vielleicht hätte nachkommen sollen mit dem Spritzen?
Oder ob so zwei Tage nichts ausmachen. Jedoch hab ich gelesen, dass gerade adipöse Patienten besonders lange so eine Prophylaxe benötigen. Fast 6 Wochen waren ja schon rum seit der OP.

Written by medizynicus

21. Februar 2011 at 20:19

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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