Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Ein Tag, um ihn aus dem Kalender zu streichen….

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Selig schlummern.
Wach werden. Einen Tick ausgeschlafener als sonst… ausgeschlafener? Moment… hat der Wecker nicht gedüdelt? Wie spät…? Mit einem Mal hellwach geworden. Senkrecht raus aus den Federn. Duschen muss ausfallen, Zähneputzen auch.
Mit pelzigen Zähnen und fettigem Haar den Arbeitsplatz aufgesucht. Frühbesprechung hat schon angefangen, strafender Blick von Oberarzt Biestig. Ein Gesicht fehlt: das von Martin Bückling, und der hat heute Dienst. Will sagen, hätte Dienst, ist krank geworden. Oder so. Wer übernimmt? Alle starren zu Boden. Nur Chef nicht. Der schaut mich an.
Ist schon klar, Herr Kommissar.
Rauf auf Station. Kein Kaffee mehr da. Visite mit Oberarzt. Der mäkelt herum und gibt mir eine Menge Hausaufgaben auf. Und nicht vergessen, heute noch alle ausstehenden Briefe zu diktieren, die Bänder müssen spätestens um vierzehn Uhr im Schreibbüro sein, wegen Jahresabschluss, DRG, Kodierung, Inventur und so!
Blick auf den Stapel der unerledigten Krankenakten. Wie soll das zu schaffen sein?
Angehörigengespräche am Nachmittag. Last-Minute-Entlassungen. Freitagsnachmittagszugänge. Sarah ist wieder mit Andreas zusammen und Jenny mit Tom…
Ich könnte…
…den Tag aus dem Kalender streichen.
Anderswo macht man das heute wirklich…. Also auf nach Samoa!
(Da ist es um diese Jahreszeit vermutlich eh gemütlicher)

Written by medizynicus

30. Dezember 2011 at 07:05

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Liebe Firma Sowienoch (hatten wir doch schonmal, nich?)

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Liebe Firma Sowienoch,
Ich schreibe Ihnen weil Sie mich von Ihrer Webseite runtergeschmissen haben. Jawoll, das haben Sie, weil ich nämlich mein Passwort vergessen habe. Weil, da wird man doch verrückt, bei all den Passwörtern. Weil aufschreiben darf man sie ja nicht, das weiß man ja und was das merken angeht… ja, irgendwo ist einfach mal Schluß mit der Merkerei, geht Ihnen das nicht so, ich meine, so Stichwort Alzheimer?
Weil ja bei Ihnen da ist das ja so, wenn man ein einfaches Passwort eingibt, also so eins wie 12345 oder qwertz, dann kriegt man eine Nachricht dass das nicht geht weil es verboten ist weil zu unsicher. Und es muss mindestens eine Zahl drinsein, aber abcd1 geht auch wieder nicht, außerdem muss mindestens ein Buchstabe großgeschrieben und mindestens ein Sonderzeichen drin sein, also ich hab das dann so gemacht Abcde+1, das kann man sich noch halbwegs merken. Naja, merken nicht so ganz, ich hab’s halt doch aufgeschrieben, aber den Zettel, den hab ich leider verloren und jetzt wusste ich nicht mehr welchen Buchstaben ich groß geschrieben habe und nach dreimal ausprobieren war Schicht im Schacht und deswegen schreibe ich Ihnen.
Weil nämlich wenn man sein Passwort wiederhaben will, dann muss man da bei Ihnen so ne Neunhunderter-Nummer anrufen und sowas tu ich ja aus Prinzip nicht, das wissen Sie ja, brauch ich Ihnen eigentlich gar nicht zu sagen, hab ich Ihnen ja in meiner letzten Mail schon geschrieben wo Sie mir dann geantwortet haben dass Sie mir mein Passwort aus Sicherheitsgründen nur am Telefon verraten wollten, aber so ne richtige Telefonnummer, also eine ohne neunhundert die wollten Sie mir auch nicht geben.
Ja, und darum wollte ich Ihnen jetzt… nee, nicht sagen, was Sie mich mal können, ich bin ja ein höflicher Mensch, deswegen sage ich Ihnen jetzt nicht, was Sie mich mal können, aber gestohlen sein, das können Sie mir, also wirklich, also meine Geschäftsbeziehung zu Ihnen, die will ich hiermit beenden, nich, jawoll, das wollte ich Ihnen hiermit sagen.
Hochachtungsvoll,
Ihr Medizynicus

Written by medizynicus

19. Februar 2011 at 05:15

im Männerladen

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War isch doch letztens im Männerladen. Hab mir neuen Rechenknecht gekauft. So’n ganz kleinen, den wo man unauffällig mitnehmen kann ins Krankenhaus um im Dienst unauffällig nebenbei zu bloggen, wenn gerade nichts los ist. Man wird ja vorsichtig, auch wenn bei uns in Bad Dingenskirchen noch keine Dienstcomputer gesperrt worden sind.
History, Cookies und „Auto-Ausfüllen“ lösche ich trotzdem jedes mal, nachdem ich dran war. Und habe beim Bloggen auch immer ein Fenster mit einem Artikel vom „Lancet“ offen. Aber das wollte ich ja gar nicht erzählen. Ich wollte ja vom Männerladen erzählen, ihr wisst schon, der Laden der wo nicht blöd ist und wo Geiz geil ist und so. Da war ich halt letztens und hab mir auch so’n kleines Rechnerchen gekauft.
Ja, und dann mach ich den an und krieg ’nen Scheck: Wollte ich doch ein Photo von Jenny als Hintergrundbild einrichten, und ging nicht, weil nur Billigversion von Windoof sieben drauf ist aber ich darf, wenn ich Lust habe nochmal ’nen hunni löhnen, dann kann ich auch ein Bild von Jenny als Hintergrundbild einrichten. Ja, und wenn ich das Word aufmache zum Blogartikel schreiben, dann erzählt man mir jedesmal, dass ich noch genau neunundünfzig Tage Zeit habe, bis meine Testversion abläuft und… ja, blöd bin ich natürlich nicht und hab gleich OpenOffice installiert (obwohl ich irgendwann mal eine legale Version von Office gekauft habe mit Registrierungskey und so, aber die Packung liegt irgendwo unauffindbar tief verborgen in einer Kiste im Keller).
Habe ich schon gesagt, dass ich den Billy G.. jetzt gerne mal rektal unersuchen würde, am liebsten mit Finalgon am Handschuh?
p.s.: Wer mir einen gültigen Registrierunskey von Windoof sieben oder Office schickt kriegt ein druckfrisches Exemplar von meinem Buch. Ehrenwort!!!!

Written by medizynicus

6. November 2010 at 05:18

Veröffentlicht in nicht so richtig ernst

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Mr. Troublemaker in der Ambulanz

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Bad Dingenskirchen, Samstag Nacht um halb zwei.
Im Wartezimmer der Ambulanz sitzt Mr. Troublemaker, zwei Meter zehn, Bodybuilder, Messerträger und einschlägig vorbestraft. Mr. Troublemaker ist stadtbekannt wegen… Nomen est omen.
Und da sitzt er also, nachts um halb zwei und blutet aus einer Schnittwunde, die er sich zugegezogen hat als er dem Gegenüber die Bierflasche über den Kopf gezogen hat.
Gegenüber hat es übrigens vorgezogen, sich aus dem Staub zu machen ohne die Polizei zu rufen.
„Die Bullen brauchen wir nicht!“ sagt Mr. Troublemakers Kumpel, „Sowas regeln wir selbst. Unter Männern!“
Von den Kumpeln gibts übrigens noch zwei, alle von ähnlicher Statur. Sie riechen penetrant nach Bier und machen den mitwartenden Ambulanzpatientinnen und weiblichem Personal zweifelhafte Komplimente.
„Sollen wir die rausschmeißen?“ fragt Marvin und grinst.
Ich glaube, der Gedanke an eine handfeste Schlägerei im Wartezimmer macht ihm richtig Spaß. Mir eher weniger.
„Da ziehen wir den Kürzeren!“, sage ich, „Rufen wir lieber die Polizei!“
„Lass doch die Bullen aus dem Spiel!“
Seit der Silvesternacht hat Marvin kein großes Vertrauen mehr in unsere Ordnungshüter.
Bevor ich etwas sagen kann, hat er sich auch schon eine Unterarm-Gehstütze geschnappt und öffnet geräuschvoll die Tür zum Wartezimmer.
„Der Nächste, bitte!“ sagt er mit Blick auf Mr. Troublemaker und dann, als sich die ganze Truppe erhebt, „…und ihr geht jetzt so lange mal nach draußen eine rauchen, Okay?“
Und schon hat Marvin den Patienten ins Behandlungszimmer geschoben und in die Horizontale verfrachtet.
Draußen auf dem Gang schluft ein Trupp lässig-cooler Gestalten langsam in Richtung Ausgang. Ich schaue ihnen kopfschüttelnd hinterher.
„Die gehorchen Dir ja!“
„Sag ich doch! Solche Sachen können wir doch locker alleine regeln. Unter Männern.“ sagt Marvin und sein Grinsen hat jetzt etwas richtig Diabloisches.

Written by medizynicus

28. September 2010 at 05:14

Dienstplan und Kollegenschweine

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Kalle schüttelt den Kopf.
In der Hand hält er ein Blatt Papier.
„Kannst Du mir mal sagen, was das sein soll?“
Er fuchtelt mit dem Zeigefinger wild in der Luft herum.
„Wo hast Du das her?“
„Lag vorhin in meinem Postfach!“
„Ach, Du meinst den Diensplan für den nächsten Monat.“
„Dienstplan? Hast Du Dienstplan gesagt?“
Der darauf folgende Satz ist nicht zitierfähig.
„Ich folge daraus, dass Du auch nicht einverstanden bist.“ stelle ich fest.
„Wer hat dieses Ding denn produziert?“
„Na wer schon? unser Dienstplanbeauftragter natürlich.“
„Und Du und Sarah und die anderen… Ihr habt das abgesegnet?“
„Da gibts nichts abzusegnen. Wenn der Dienstplanbeauftragte das so festlegt…“
Kalle zischt ein paar weitere unzitierbare Worte.
Dann greift er zum Telefon.
Als er kurz darauf den Hörer wieder auflegt, funkeln seine Augen ziemlich böse.
„Was ist los?“
„Der werte Herr Dienstplanbeauftragte ist gerade unpäßlich!“
„Aha?“
„Er sagt, er hätte zu tun.“
„Und?“
„Den kauf ich mir jetzt!“
Wutschnaubend stürzt Kalle aus dem Zimmer.
Langsam gehe ich hinterher.

Written by medizynicus

26. Februar 2010 at 06:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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