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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Bad Dingenskirchen

Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine…

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…und Bad Dingenskirchen liegt am Pieselbach.
Das ist so, das war schon immer so und es wird auch bis in alle Ewigkeit so bleiben. Deutschland definiert sich ja bekanntlich durch seine Flüsse: die großen Flüsse, als da wären der Rhein oder die Donau und natürlich – schönen Gruß an die mitlesenden Nordlichter – die Elbe und die Weser (ganz lieben Gruß!), und dann gibt’s natürlich auch die Nebenflüsse, den Main zum Beispiel oder die Lahn (noch’n ganz lieben Gruß!), ja, Neckar und Mosel lasse ich auch noch gelten und da unten im Süden den Inn und die Isar selbstverständlich auch… aber den Pieselbach?
Damals, so ungefähr vor hundert Jahren, da haben die Stadtväter von Bad Dingenskirchen mal eine Eingabe an Kaiser Wilhelm den Zwoten (also den echten, nicht den Hausarzt Dr. Wilhelm Kaiser) gesandt, man bitte untertänigst um Erlaubnis, den anstößigen Namen ändern zu dürfen, worauf seine Majestät einverstanden waren, aber nur unter der Bedingung, dass der neue Name „Urinocco“ lauten sollte.
Die Bad Dingenskirchener Stadtväter fanden das gar nicht lustig und haben die Stadt daher im kurz darauf folgenden Weltkrieg beschclossen, ihre Stadt kampflos dem Feind zu überlassen, was im Übrigen eine ziemlich kluge Entscheidung war, also natürlich nicht für den Bürgermeister, der wurde nämlich umgehend standrechtlich erschossen, aber für die Stadt, welcher aus diesem Grunde die Bombardierung erspart blieb. Wenn ich mich recht erinnere, spielt diese letzte Geschichte allerdings im zweiten Weltkrieg, macht aber nichts, denn die Bad Dingenskirchener Stadtväter sind ziemlich nachtragend.
Aber… äh…. wo war ich denn nun eigentlich stehen geblieben? Was wollte ich nochmal sagen?
Richtig!
Der Pieselbach!
Also, es gibt da irgendwo im Rheinland eine ziemlich große Stadt, die heißt Kölle und liegt, wie schon erwähnt am Rhein. Über selbigen gibt’s eine Brücke. Und an der Brücke gibt’s ne Menge Vorhängeschlösser. Wenn sich nämlich zwei Menschen ganz lieb haben, dann hängen sie so ein Vorhängeschloss an die Brücke, werfen den Schlüssel in den Rhein und gehen dann heim, Körperflüssigkeiten austauschen oder so.
Ja, und was sehe ich da plötzlich, als ich, letzens, also ich nach Feierabend, also kurz vor Ladenschluss auf der Jagd nach ein paar frischen Schrippen, Semmeln oder Rundstücken im Laufschritt vom Krankenhaus her kommend kurz unterhalb der Stelle wo der Köttelbach mündet die Brücke überquere?
Ich glaub, mein Schwein pfeift!
Natürlich son Vorhängeschlossdingsda. Und vorgestern gleich noch eins. Und heute schon ganz viele. Ich glaub, mich knutscht ein Elch… naja, und wo wir beim Thema knutschen sind…. also, ich könnte mir ja was besseres vorstellen als…. aber lassen wir das.
Nee, was muss Liebe schön sein!

Written by medizynicus

17. April 2012 at 19:50

Nachtrag zum Volksfest

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tja, jetzt ist das Bad Dingenskirchener Volksfest vorbei. Wie wars?
Ja, ich bin dann am frühen Abend da mal so hingetigert, einfach mal schaun, was da so alles los ist… Ja, da war schwer was los… es gab Blasmusik und Bratwurst und Bratwurst und Blasmusik und Bier aus Plastikbechern für zwofuffzich der halbe Liter, aber ich glaube, das erwähnte ich schon.
Von den attraktiven jüngeren Schwestern war keine da.
Von weniger attraktiven älteren auch nicht.
Anstatt fünf Euro in die Schowiekasse zu zahlen holte ich mir ein Bier und schritt das Gelände einmal ab, von vorn nach hinten, von hinten nach vorn und positionierte mich dann an allen vier Ecken. Natürlich nacheinander.
Ja, noch nicht einmal Patienten sah ich, weder aktuelle noch ehemalige, die müssen sich wohl alle gut vor mir versteckt haben.
Wenigstens die Musik wurde mit einsetzender Dämmerung besser. Statt Blasmusik gab es jetzt ne Band. Die Sängerin sah ganz lecker aus, aber das tun Sängerinnen ja heutzutage meistens, dafür brauchen sie nicht singen zu könnnen. Singen konnte die hier nämlich auch nicht.
Okeh, dachte ich mir, für den Gedanken wäre jetzt nochmal fünf Euro in die Schowieh-Kasse fällig, respektive ein weiteres Bier und wie ich da so an der Bar stehe…
…da vernehme ich aus der Ferne eine schrille Stimme…
„Herr Doktor!“
Beim Umdrehen verschütte ich vor Schreck das halbe Bier.
„Huhu, Herr Doktor!“
Und wen sehe ich da, an der in ganz rosa gehaltenden Sektbar gegenüber?
Meine fünfundsechzigjährige Nachbarin, ja genau Diese, diejenige welche mir letzens ein Benzo-Rezept aus der Tasche leiern wollte.
Ich grinse ihr freundlich zu, verschwinde unauffällig im Getümmel, trinke den Rest meines Plastikbieres aus und mache mich fluchtartig vom Acker.
Zweiundzwanzig Uhr dreißig. Fertig mit Sau rauslassen für dieses Wochenende.

Written by medizynicus

13. Juli 2009 at 11:41