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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Ziemlich viele Leichen – oder: wie anno dazumal belästigt wurde

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Es war einmal eine schöne junge Frau.
Oh wie appetitlich und lecker, dachte sich der Fürst, die würde ich gerne mal vernaschen! Nicht gleich heiraten: nur mal so einfach so zwischendurch vernaschen!
Natürlich wollte sie nicht. Also, nicht, dass er sie gefragt hätte, er wusste ja, was sie gesagt hätte, und unnötige Worte mit Frauen sind sowieso überflüssig.
Aber der Fürst war schließlich Fürst und hatte also seine Mittel und Wege. Das Mittel war Herr Fiesewicht, der Mann fürs Grobe und der Weg war… naja, und der hat das dann mal so geregelt, also, es wurde halt ein wenig herumgeballert (Moment, damals gab es ja noch gar keine Schusswaffen!) und nachher waren ziemlich viele Menschen tot.
Die schöne Frau wollte immer noch nicht, aber der Fürst war jetzt kurz vorm Ziel. Doch er hatte die Rechnung ohne den Herrn Papa gemacht: Niemals wirst Du es schaffen, die Ehre meiner Tochter…. und so weiter, sagte der und erdolchte sein Kind. Dankeschön fürs Erdolchen, sagte die Kleine noch vorm Erdolchtwerden, ist besser so, denn auf dem Heiratsmarkt hätte ich eh keine Chance mehr gehabt!
….das ist, kurz zusammengefasst, der Inhalt der Verginia-Legende, die man sich schon vor über zweitausend Jahren bei den alten Römern erzählte. Im 18. Jahrhundert hat Lessing die Story zu seinem Drama „Emilia Galotti“ verarbeitet.
Dass da irgendwas schief gelaufen ist, hat man schon vor zweitausend Jahren kapiert:
Die unschuldige Frau tot, der Vater zwar lebendig, aber mit einer furchtbaren Schuld (ziemlich bald wird er vor einem Gericht stehen und die waren damals ja nicht gerade zimperlich!) und der fiesewichtigste Fiesewicht ist lebendig.
Wie würde die Geschichte wohl heutzutage hierzulande ausgehen?
Vermutlich wäre nacher niemand tot und der Fiesewicht hätte sich zu Recht eine dicke Backpfeife eingefangen.
Aber wenn er er lieb gefragt, ein bisschen charmant geflirtet und ein dickes Auto gefahren hätte, dann wäre die schöne Frau ja vielleicht sogar mitgegangen. Aber möglicherweise hätte sie ihm dann am nächsten Morgen den Laufpass gegeben, wer weiß…

Written by medizynicus

8. Oktober 2014 at 07:43

Skiurlaub mit Sarah (Teil 2)

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O Mann, was bin ich doch für ein Hornochse!
Noch in der Tür drehe ich mich um.
„Ähem… Du meinst das wirklich ernst?“
Sarah strahlt mich an, so wie sie eigentlich meistens strahlt.
„Glaubst Du, ich würde Dich verarschen?“
„Ähem… also so richtig gut Skifahren kann ich aber nicht…“
„Darauf kommt’s doch nicht an. Notfalls kannst Du ja auch nen Kurs machen. Also, hast Du Lust, oder nicht?“
Ob ich Lust habe? Auf einen gemeinsamen Urlaub mit Sarah? Ist der Papst katholisch?
„Also Lust schon, aber…“
„Aber?“
„Was kostet der Spaß denn?“
„Halb so wild. Das Chalet gehört Bekannten von Andreas. Genauer gesagt Bekannten von einem Onkel von Andreas, und deswegen ist es unschlagbar günstig. Außerdem liegt es direkt an der Skipiste, fünf Minuten vom Lift…“
Moment mal… mir ist, als hätte ich gerade an eine Starkstromleitung gepackt.
„Wer ist denn Andreas?“
„Mein Ex-Freund.“
Autsch! Das waren mindestens zehntausend Volt.
„Und wer fährt sonst noch mit?“
„Tobias ist der beste Kumpel von Andreas. Und er bringt noch jemanden mit, eine Bekannte von ihm. Aber die kenne ich nicht.“
Kurze Rechnung: Zwei Mädels und zwei Jungs. Zwei potentielle Pärchen, von denen eines sogar mal eins war.
Dünnes Eis, denke ich mir, verdammt dünnes Eis!
Ich glaube, ich sollte besser doch die Finger von der Sache lassen…. Noch ist es nicht zu spät, noch kann ich mir eine Ausrede ausdenken!

Written by medizynicus

5. Februar 2010 at 08:00