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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘ethischer Grenzfall

Angeklagte Palliativärztin ist tot

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Vor ein paar Tagen habe ich über eine Ärztin berichtet, welche vor Gericht stand, weil sie mehrere Patienten durch Überdosen von Medikamenten getötet haben soll.

War es einfach nur hochdosierte Schmerzbehandlung bei schwerstkranken Tumorpatienten? War es aktive oder passive Sterbehilfe? Oder war es gar heimtückischer Mord?

Wir wissen es nicht und wir werden es auch nicht mehr erfahren.  Sie ist tot. Heute wurde bekannt, dass sie sich vermutlich das Leben genommen hat.

Schuldeingeständnis? Oder einfach nur Ausweglosigkeit?

Auch das werden wir nicht mehr erfahren

 

(Dank an Monsterdoc für den Link via Twitter)

Written by medizynicus

24. Januar 2011 at 20:50

Patientenverfügungen werden jetzt verbindlich – aber im Klinikalltag bleibt die Unsicherheit

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Im Bundestag ist es diskutiert und Beschlossen worden, das Deutsche Ärzteblatt hat drüber berichtet und der Spiegel auch.
Eine Patientenverfügung ist verbindlich. Punkt. Wenn der Patient einen schriftlichen Willen dokumentiert hat, müssen wir uns als Ärzte daran halten.
Ist jetzt alles klar?
Nicht unbedingt.
Ist jetzt alles klar?
Nicht unbedingt.
Man stelle sich Folgendes vor:
Ein junger Mann kommt in die Notaufnahme. Bewußtlos nach Medikamentenintoxikation. Irgendein Tablettencocktail, von dem wir noch nicht wissen, was es genau ist.
Und dann haben die Sanis da bei ihm so einen Zettel gefunden:
„Hiermit verfüge ich, dass keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr durchgeführt werden!“
Mit Datum und Unterschrift.
Ist das jetzt eine gültige Patientenverfügung?
Und was wäre, wenn es sich um ein ordentliches, notariell bestätigtes Schreiben gehandelt hätte? Oder um einen dahingeschmierten Zettel in ungelenker Handschrift mit den Worten:
„Ich will sterben, lasst mich in Ruhe?“
Was sollen wir tun?
Den guten Mann in irgendeine Ecke schieben, Kaffee trinken und ab und zu mal nachschaun ob wir schon den Bestatter holen können?

Written by medizynicus

20. Juni 2009 at 08:00

sexuelle Belästigung… oder auch nicht? Die Geschichte von Wilfried

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Eigentlich ist Wilfried ein netter Kerl. Er ist halt so’n Chirurg. Ende Dreißig, graumeliertes Haar, lang und dürr, Schnauzbart und Goldkettchen. Den Porsche kann er sich von seinem Assistenzarztgehalt noch nicht leisten, würde er aber gern.
Vielleicht wenn er demnächst mal Oberarzt wird. Aber dazu müsste er zunächst noch die Facharztprüfung schaffen, und dazu kann er sich nicht aufraffen, obwohl er die Zeit längst zusammen hätte.
Wilfried steht auf markige Chirurgensprüche. Und ab und zu hat er auch der einen oder anderen Schwester wie zufällig die Hand über die Schulter gelegt. Der ist halt so. Und normalerweise ist er sehr direkt, in jeder Beziehung. Auch zu Patienten.
Legendär ist die Geschichte, die er sich einmal in der Aufnahme geleistet hat: da sollte er eine junge Patientin untersuchen, die für eine Leistenbruch-Operation angemeldet war. Er war aber im OP und die junge Frau musste ziemlich lange warten.
Schließlich kam er hereingestürmt, streckt der Patientin seine Hand hin und begrüßt sie mit den Worten:
„So! Ich bin der Chirurg. Und jetzt zieh mal die Hose runter…“
Ohne „guten Tag“ und ohne weitere Vorrede. Aber bei ihm kommen selbst solche Sprüche richtig nett rüber. Die Patientin war jedenfalls keinesfalls sauer auf ihn.
Trotzdem hat Wilfried jetzt Ärger.
So richtigen Ärger.
Eine Patientin behauptet, er habe sie beim sonographieren sexuell belästigt. Er habe sie gebeten, den BH auszuziehen, sie dann begrapscht. Wilfried behauptet, er habe sie dazu gar nicht aufgefordert, im Gegentei. Sie habe ihn gefragt, ob sie das tun solle und er habe ihr versichert, dass das bei einer Oberbauchsonographie nicht notwendig sei. Sie habe es trotzdem getan, worauf er ihr ein Handtuch gereicht hätte damit sie ihre Brüste damit bedecken könne, anschließend habe er die Untersuchung fortgesetzt.
Die Patientin hat sich nicht nur schriftlich beschwert, sondern ist gleichzeitig auch an die Presse gegangen.
Es hat eine Untersuchung gegeben und sogar ein Gerichtsverfahren: Wilfried ist freigesprochen worden.
Trotzdem man ihn entlassen. Nicht deswegen, man hat einen anderen Grund gefunden.
Aber hinter vorgehaltener Hand war es ein offenes Geheimnis, daß der Verwaltungschef es für rufschädigend gehalten hätte, Wilfried weiter zu beschäftigen, auch wenn man ihn freigesprochen hatte „aus Mangel an Beweisen“.

Nachtrag: Die Geschichte von Wilfried ist erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit echten Personen sind rein zufällig. Aber solche Geschichten passieren!

Written by medizynicus

15. Juni 2009 at 14:24

Sex mit Patienten – die Geschichte von Robert

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Ja, ich wollte Euch ja noch die Geschichte von Robert erzählen, dem armen Kerl. Also, der Robert ist Psychiater und Psychotherapeuth. Ausserdem ist er Mitte Vierzig und frisch geschieden. Jetzt hat er eine Menge grauer Haare, zwei pubertierende Kinder die nichts von ihm wissen wollen und eine Ex-Frau, die ständig mehr Unterhalt haben möchte. Ja, und dann hat er die Marion kennengelernt.
Genauer gesagt: er hat sie behandelt. Nun muss man eines klarstellen: Nicht alle Leute, die einen Psychiater aufsuchen, sind verrückt oder haben einen an der Waffel. Die Marion jedenfalls nicht. Die steckte einfach auch gerade in einer Krise wegen ihrer noch nicht allzu lange zurückliegenden Scheidung. Kurz und gut, die beiden haben sich ineinander verliebt – oder wie auch immer man das nennen mag. Jedenfalls hatten sie etwas miteinander. Eine Zeitlang. Dann haben sie sich getrennt. Und zwar so richtig böse, in einem Rosenkrieg mit allen Schikanen. Die Marion hat den Robert verklagt.
Wegen Missbrauch seines Therapeuten-Auftrages und wegen sexueller Nötigung. Die Marion leidet nämlich an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung mit gelegentlich manisch-depressiven Zügen. Und Robert wusste das, auch wenn die Diagnose von wem anders stammt und Robert sie als „geheilt“ betrachtet hatte. Jetzt geht es Gutachten gegen Gutachten, und im Schlimmsten Fall kann Robert seine Approbation verlieren. Sein guter Ruf ist jedenfalls schon lange angeknackst.

Written by medizynicus

14. Juni 2009 at 08:51

verliebt in eine (Ex-) Patientin… danke für die vielen Rückmedlungen!

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Jetzt ist sie also weg.
Und ich habe sie nicht angerufen.
Und das werde ich auch nicht mehr tun.
Warum?
Hmmm. Erstmal weiss ich nicht, ob ich das darf, rein rechtlich gesehen. Da müsste man mal nachfragen, bei der Rechtsabteilung der Ärztekammer oder bei einem guten Rechtsanwalt. Und ethisch?
Euer Votum ist ja überwältigend.
Aber wie sehen das die diversen Ethikkomissionen der Ärztekammern und Kliniken? Tatsache ist: Es gibt so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz, welches besagt: keine sexuellen Beziehungen mit Patienten. Und das Tabu gilt auch für die Zukunft. In einigen Ländern ist das sogar gesetzlich geregelt, oder zumindest „standesrechtlich“. Und das hat seine Gründe. Aber ich wollte Euch ja noch die Geschichte von Robert erzählen…

Written by medizynicus

13. Juni 2009 at 23:09

Liebe und Sex im Krankenhaus… Die Sache mit der Stewardess

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Inzwischen ist es halb vier und ich kann immer noch nicht schlafen. Stattdessen träume ich. Träume davon, dass sie jetzt an meine Tür klopft, leise die Klinke hinunter drückt und hereinkommt, mit offenem Haar undwehendem Nachthemd. Trotz Hinkebein ist sie eine Sekunde später bei mir, klettert zu mir ins Bett und kuschelt sich zu mir. Und dann… Die Sache ist: Ich weiss ja ganz genau, wie sie unter ihrem Nachthemd aussieht! Ich kenne das kleine Muttermal am linken Oberschenkel und die Narbe auf ihrer rechten Schulter. Und ihre Brüste kenne ich auch. Wunderschöne Brüste. Ich habe sie untersucht – während ich Herz und Lunge abgehört und ihren Bauch abgetastet habe hatte sie natürlich noch ihre Unterwäsche an, aber später im OP lag sie splitterfasernackt vor mir. Ich habe ihr in die Augen geschaut, dann ihre Hand gedrückt und ihr alles Gute gewünscht. Und dann habe ich mich nur noch für den gebrochenen Fuß interessiert und habe brav Maul und Haken gehalten. Sie hat von mir erwartet, dass ich mich professionell, sachlich und kühl verhalte. Ich war für sie ein Dienstleister, ein Profi, der weiss, was er zu tun hat, der seine Aufgabe erfüllen soll, nicht mehr und nicht weniger. Und sie war für mich ein gebrochener Fuß..
Wirklich?
Nur ein gebrochener Fuß? Heißt es nicht immer, wir Ärzte sollen unsere Patienten als Menschen sehen? Sie ist ein Mensch.
Und ausserdem eine verdammt attraktive Frau.
Nein, ich darf sie nicht anrufen.
Ich muss an Robert denken, und auf das, was ihm passiert ist, habe ich keine Lust.

Written by medizynicus

13. Juni 2009 at 16:42