Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Wenn ich einmal groß bin…

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„Kommst Du heute Abend?“ fragt Sarah.
Äh… kommen? Heute Abend? Party? Mit Sarah? Nichts lieber als das!
„Heute Abend? Wohin denn?“
„Patho-Fortbildung! Hast Du das nicht gelesen?“
Richtig, da war was! Vor ein paar Tagen lag da ein Zettel im Postfach. Den hab ich gleich der fachgerechten Entsorgung zugeführt. Fortbildung in meiner Freizeit? Wo kommen wir da hin?
„Ich weiß noch nicht…“
„Soll sehr interessant sein. Und es gibt Häppchen! Also wenn Du noch nichts vorhast…“
Aha? Häppchen? Und Sarah? Habe ich schon etwas vor? Äh….
„Ich habe leider Dienst!“
„Macht doch nichts! Die Fortbildung findet doch hier im Haus statt!“
Das ist natürlich ein Argument.
Kurz vor acht drehe ich eine Runde durch das Haus und schärfe allen Schwestern bei Höchststrafe ein, mich innerhalb der nächsten Stunde bloß nicht anzuiepsen.
Kurz nach acht stehe ich dann im Foyer vor dem großen Seminarraum und mache Smalltalk mit Sarah, Kalle und Ute.
Wir haben unsere Namen in die Teilnehmerliste eingetragen und die Barcode-Aufkleber der Ärztekammer dazugeklebt. Zwei Fortbildungspunkte soll es für die Veranstaltung geben. Allerdings hat der Referent sich vespätet, deswegen dürfen wir uns schonmal an den Häppchen bedienen, die gibt’s normalerweise ja erst nachher.
Ute ist eine Studienfreundin von Sarah und arbeitet beim Ägidius-Stift in Sankt Anderswo. Sie ist noch jünger als Sarah aber sieht müde und abgearbeitet aus.
„Was willst Du denn mal werden, wenn Du groß bist?“ fragt Kalle und kaut auf einem Lachsbrötchen.
„Kardiologin!“ kommt die Antwort, wie aus der Pistole geschossen.
„Ich glaube, Du hast die Frage nicht verstanden!“ sagt Kalle.
„Wieso?“
„Es geht nicht darum, was Du lernst, sondern wie Du arbeiten willst!“
Ute runzelt die Stirn.
„Willst Du Oberärztin werden? Willst Du dich niederlassen? Willst Du Familie?“
Ute schüttelt den Kopf.
„Hast ja noch ein paar Jahre Zeit!“ sagt Kalle und greift sich ein weiteres Brötchen.
Er will noch etwas sagen, aber inzwischen ist der Referent aufgetaucht und bittet uns in den Vortragsraum. Im selben Moment geht mein Piepser.
Ich nehme mir auch noch ein Brötchen und dann hechte ich zum nächsten Telefon.

Written by medizynicus

5. November 2010 at 05:16