Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Mit Murphy unterwegs

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Also, ich will mich ja fortbilden. Will nämlich mal groß und stark werden und vor allem ganz, ganz besonders schlau.
Einen schönen Kurs habe ich schon gefunden und die Anmeldung per Fax hat auch geklappt.
Dann hab’ ich mir das Kursprogramm aufs Laptop gezogen, flugs die Anreisebeschreibung dazu, und schon kann’s losgehen. Mit viel Glück habe ich sogar ein Online-Bahnticket zum Sonderpreis ergattern können.
Und jetzt stehe ich mit frisch gewaschenen Ohren und gepacktem Köfferchen am Bad Dingenskirchener Bahnhof. Um vier Uhr fünfundfünfzig in der Frühe! Gähnend klettere ich in den Regionalzug, der schraddelt dann durch ziemlich viel dunkle Landschaft bis ich in den ICE umsteigen und weiterdösen kann bis…
„Die Fahrausweise bitte!“
Okay, okay.
Okay…. okay?
Okay????
Wo ist das verdammte Ding? Sollte ich etwa….? Mir schwant Böses…
„Habs leider vergessen auszudrucken. Äh… kann ich Ihnen vielleicht mein Laptop zeigen…?“
Schaffner-Kontrollettis, die heutzutage Zugbegleiter heißen sind grundsätzlich nicht für ihre Milde bekannt. Dieser hier jedenfalls läßt sich nicht beeindrucken.
Steht ja auch überall ganz groß drauf. Eigene Schuld. Kann man nichts machen. Grün und blau ärgern bringt nichts.
Take it easy, dann gönne ich mir lieber auf den Schreck einen überteuerter Kaffee aus dem Speisewagen!
„Meine Damen und Herren, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass aus betrieblichen Gründen…“
Schon verstanden, dann halt nicht.
So lange dauert die Fahrt auch wieder nicht und am Zielort gibts zum Glück eine Bäckerei wo man zum kochendheißen Pappbecherkaffee für passables Geld auch noch ein Schinkenbrötchen kriegt.
Ja, und dann mal das Handy rausholen.
Ich hab ja jetzt so’n schickes Teil mit viel Schnickschnack, das habe ich mit meinem Laptop synchronisiert und dabei Seminarprogramm und die Wegbeschreibung…. ähem… aus Versehen gelöscht.

Written by medizynicus

18. September 2010 at 05:31

Fortbildung – so geht’s auch

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Das Wochenende neigt sich dem Ende zu und ich bin wieder einmal schlauer geworden.
Jawoll, ich habe mich fortgebildet. Ganz allein. Ohne halsbrecherische Autobahnfahrten, ohne missgünstige Kollegen, ohne zuspätkommende, mikrofonklopfende, unmotivierte und hüstelstimmige Referenten.
Ich habe mich daheim in meiner kuscheligen Studierstube in meinen gemütlichen Ledersessel an den Schreibtisch gesetzt, mit sanfter klassischer Hintergrundmusik, prasselndem Kaminfeuer (…okay, das war gelogen) und einer leckeren Kanne Tee und knusprigen Keksen, wahlweise auch ab und zu ein Tässchen Espresso, ein kleiner Cognak oder ein Gläschen Wein.
Mein Compi war natürlich auch dabei.
So habe ich dann gelernt.
Ich trage nämlich im Dienst immer (okay, nicht immer. Aber fast immer. Wenn ich dran denke. Jedenfalls manchmal, zumindest ab und zu) ein kleines Notizbuch mit mir herum und da schreibe ich rein, was mir auffällt.
Wissenslücken zum Beispiel. Oder einfach Dinge, über die ich gerne mehr erfahren würde. Oder Situationen, in denen ich mich blamiert habe oder mich nur durch geschicktes Klugschwindeln (sowas lernt man mit der Zeit!) aus der Affäre gezogen habe.
Und ab und zu mal – wenn es draußen regnet und stürmt, im Fernsehen nur Mist läuft und sich keine schöne Frau mit mir verabreden will, dann veranstalte ich ein Lernwochenende.
Ich blättere in meinen gesammelten Lehrbüchern und auf guten medizinischen Webseiten und am Ende des Wochenendes fühle ich mich ein wenig kompetenter.
Viel kompetenter als nach so einem teuren Pflicht-Seminar.

Written by medizynicus

16. Mai 2010 at 20:03

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Fortbildungsfreuden

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Ach ja, ich wollte doch erklären, wo mein Kater heute früh herkam. Also gut… kopfkratz… also, das war so:
Gestern Nachmittag.
Feierabend. Fast pünktlich – zumindest für Bad Dingenskirchener Krankenhausverhältnisse – kann ich mich von Station verdünnisieren, hänge meinen Kittel an den Nagel und ziehe mich um.
Gerade als ich in Unterhosen dastehe, geht die Tür auf und Kalle kommt gut gelaunt hereingestürmt. Hängt seinen Kittel in den Spind, hat ratzfatz Zivilklamotten und Jacke angezogen und will sich mit einem freundlichen Winke-winke vom Acker machen.
Im Rausgehen dreht er sich nochmal zu mir um.
„Kommst Du mit?“
„Wohin?“
„Heute Abend. Restaurant Ratsstube!“
„Was soll ich da?“
„Etwas lernen. Über Diabetes, Asthma, Herzinfarkt oder was weiß ich. Es gibt Fortbildungspunkte.“
„Muß ich mir das antun?“
„Müssen nicht. Aber die Küche ist nicht schlecht!“
Das weiß ich auch. Die Ratsstube ist die erste Adresse am Ort, was lecker Essengehen angeht, allerdings nicht unbedingt preiswert. Und ich weiß nicht, ob ich mir den Abend mit Diabetes, Asthma, Herzinfarkt oder sonstwas versauen lassen will. Davon habe ich schließlich auch tagsüber genug.
Also gehe ich erstmal heim. Wusele lustlos in meiner Bude herum, kollabiere auf dem Sofa, schalte die Glotze ein, zappe herum, schalte sie wieder aus, lege mich ein Viertelstündchen aufs Sofa, wache eine Stunde später mit Magenknurren auf und stelle beim Blick in den Kühlschrank fest, daß dieser ziemlich leer ist. Verdammter Mist!
Jetzt habe ich die Wahl zwischen Pommesbude, Pizzataxi, oder… ähem.
Blick auf die Uhr.
Viertel nach acht.
Okay, also los!
Gegen halb neun betrete ich den Vortragsaal. Ein Typ in schlechtsitzendem Anzug deutet aufgeregt mit seinem Laserpointer auf eine Powerpointfolie und ein paar Dutzend überwiegend angegrauter Kollegen versuchen, ihm zu folgen. Am Eingang ist ein Tisch aufgebaut mit Broschüren, Flyern, Kugelschreibern und gelben Plastikgimmicks mit rotem Schriftzug „Holladiol“. Hinter dem Tisch sitzt eine überraschend hübsche Dame im Business-Kostüm.
„Ich habe mich leider etwas verspätet…“ keuche ich.
„Macht doch nichts!“ lächelt sie und schiebt mir eine Anwesenheitsliste hin.
Ich trage mich ein.
„Was möchten Sie trinken?“ fragt die Businesslady.
Ähem… ein Wasser? Eine Cola?
„Ein großes Bier bitte!“ ordere ich.
„Mögen Sie Ihr Filetsteak englisch, medium oder durchgebraten? Als Alternative hätten wir noch Forelle oder…“
Momentmal… auf der Speisekarte stehen ja gar keine Preise drauf! Ist das eine gute Nachricht oder kommt irgendwann das böse Erwachen?
Egal. Ich habe Hunger.
„Medium!“ sage ich und dann setze ich mich in die letzte Reihe.
Der Abend wird noch spannend. Aber das liegt nicht an dem Vortrag. Geht es jetzt um Diabetes, Asthma oder Herzinfarkt? Ich habe es noch immer nicht herausbekommen!

Written by medizynicus

5. März 2010 at 00:03

Medizynische… äh… medizinische Fortbildungen (Teil2)

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Ja, wie ging’s weiter?
Ich stehe also an einem winzigen Bistrotisch im fünften Stock des Ärztepalastes, schlabbere lauwarmen ungenießbaren Kaffee, kaue auf einem Wurstbrötchen herum und genieße den Blick auf die Stadt. Ich bin früh dran, noch ist kaum wer da. Nachdem ich mit dem Stadt-Blick-Genießen also fertig bin, nehme ich mir eine zweite Stulle und dazu ein Fläschchen O-Saft und schaue in meine Kongressmappe. Die ist voll von dicken Hochglanzpappen auf denen vorne irgendwelche Pharma-Slogans stehen, in der Mitte dann Tabellen und Säulendiagramme und hinten dann ganz kleingedruckt die Nebenwirkungen der betreffenden Pillen. Ich lasse die Dinger diskret in den nächstgelegenen Papierkorb gleiten.
Nur das Seminarprogramm behalte ich.
Da habe ich doch gleich eine Frage! Vertrauensvoll wende ich mich an die Anmeldedame.
„Entschuldigung…“
„Ja?“
„Ähem… die Tagung fängt um zehn Uhr an?“
„Richtig!“
„Und hört um siebzehn Uhr auf?“
„Genau!“
„Und zwischendurch gibts eine Stunde Mittagspause und zweimal eine Viertelstunde Kaffepause?“
„Das steht doch alles im Programm.“
„Eben. Und da steht auch, dass die Tagung acht Stunden dauern soll… also, acht Stunden plus Pausen macht nach Adam Riese…“
Immerhin muss ich ja heute noch den letzten Zug zurück nach Bad Dingenskirchen erwischen.
Die Dame lächelt geheimnisvoll.
„Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Trinken Sie lieber noch in Ruhe einen Kaffee. Wir fangen nämlich etwas später an…“
Inzwischen ist es längst zehn Uhr dreißig geworden. Und die anderen Kollegen sind auch aufgetaucht, stehen an den Bistrotischen, tun so als ob sie in den Seminarunterlagen blättern oder den Blick genießen würden oder starren einfach nur Löcher in die Luft.
Um zehn Uhr fünfunddreißig werden wir gebeten, im Seminarraum Platz zu nehmen und fünf Minuten später kommt der Dozent, ein wenig Atemlos. Die Anmeldedame folgt ihm auf dem Fuß und trägt ihm ein kleines Tablett mit zwei Brötchenhälften, einer Tasse Kaffee und einem Glas Wasser hinterher.
Tipp, Tipp, ans Mikrofon.
„Guten Tag, können Sie mich hören?“
Mikro geht natürlich nicht, aber hören können wir ihn trotzdem.
Er entschuldigt sich, hat im Stau gestanden oder was weiß ich, jedenfalls können wir gleich loslegen, und zwar mit einem dreiseitigen Multiple-Choice-Quiz. Während wir fleißig Kreuzchen machen, mampft der Dozent seine Brötchen. Gut gelaunt sammelt er dann die Zettel ein.
„So, und jetzt mache ich Ihnen einen Vorschlag!“ beginnt er dann, „Wie Sie wissen, werden Ihnen heute Fortbildungspunkte für eine achtstündige Veranstaltung bescheinigt. Aber natürlich weiß ich, dass Sie und ich gerne pünktlich nach Hause möchten. Also, das einstündige Rollenspiel am Nachmittag, das schenken wir uns. Und den Statistik-Kram am Vormittag auch. Ja, und dann schlage ich vor, dass ich Ihnen von den restlichen dreihundert Power-Point Folien nur die Hälfte zeige, dann brauchen wir die Pausen nicht zu sehr zu kürzen. Sind Sie einverstanden?“
Keiner wagt zu widersprechen. An die zweihundert Euro Seminargebühren denke ich jetzt lieber nicht.

Written by medizynicus

2. November 2009 at 07:04

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Fortbildungen

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Medizynicus will mal groß und stark und vor allem ganz besondes schlau werden. Deshalb bildet er sich regelmäßig fort. Und natürlich schreibt er darüber.

Written by medizynicus

15. September 2009 at 20:55