Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Jawoll, wir Ärzte sind bös und geldgeil…

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…hab ich doch vorhin in meinem Privatjet auf dem Weg vom Golfclub zur Oper schon wieder so einen respektlosen Artikel im Spiegel gelesen.
Wir Ärzte sind mächtig, die Regierung ist schwach und deswegen schiebt sie uns immer mehr Geld in irgendwelche Körperöffnungen. Zehn Milliarden Euro mehr sollen es in den letzen drei Jahren gewesen sein, nun weiß ich nicht zwar genau, wie viele Ärzte es in diesem Land gibt, aber wenn von diesem großen Kuchen vieleicht das eine oder andere Milliönchen bei mir hängenbleiben würde, dann… ja, dann könnte ich mich doch endlich wieder den schönen Dingen des Lebens widmen und würde auch ernsthaft erwägen, bis auf Weiteres das Maul zu halten.
Echt jetzt.
Aber jetzt muss ich los, nach der Oper ist noch ein kleiner Umtrunk in der Bar angesagt und dann gehts weiter zum nächtlichen Wellnessing… so ist das halt in unserem Job, immer im Dienst, auch am Wochenende.

Written by medizynicus

27. Februar 2011 at 22:07

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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Wieviel dürfen wir Ärzte verdienen?

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Die heißen Diskussionen um diesen und diesen Artikel habe gezeigt: Wenn’s ums Geld geht, hört der Spaß auf. Und was man in den Medien über das Thema ist, ist widersprüchlich.
Also, jetzt mal Hand aufs Herz: Wieviel Geld sollen, wollen und dürfen wir Ärzte eigentlich verdienen?
Wir haben eine lange Ausbildung. Aber ehrlich gesagt: das Studium war schon eine tolle Zeit, wir haben zwar nix verdient, aber die meisten von uns sind halbwegs ohne Schulden durchgekommen, dank Eltern-Finanzierung oder Nebenjobs oder Beidem. Ich habe zwar kein Bafög gekriegt, kenne aber genug, die es gekriegt haben und keiner hat sich je über die Last der Bafögschulden beklagt. In anderen Ländern ist das bekanntlich anders.
Okay, dann also der erste Job. Was man da verdient?
Hab ich hier vor ein paar Monaten schonmal drüber berichtet. Nicht königlich, aber es reicht zum überleben. Lehrer, Juristen und andere Akademiker verdienen im öffentlichen Dienst auch nicht mehr.
Interessant ist, wie es dann weitergeht. Mit Glück hat man nach fünf, sechs oder sieben Jahren seine Facharztprüfung bestanden.
In der Wirtschaft wäre man dann vielleicht reif für den Posten eines Abteilungsleiters oder so. Im Krankenhaus heißt sowas Oberarzt. Und da verdient man so um die sechs Mille brutto. Manchmal mehr, manchmal weniger.
Prinzipiell eigentlich ein ordentliches Gehalt.
Damit kann man prinzipiell zufrieden sein.
Wenn die Arbeitsbedingungen stimmen.
Was von einem Oberarzt verlangt wird? Theoretisch Vierzigstundenwoche… plus Dienste, die werden dann nämlich nicht mehr extra vergütet, wobei es sich hier meist um Hintergrunddienste handelt. Also: man schläft im eigenen Bett, muss aber raus, wenn’s Handy klingelt.
Und das ist der entscheidende Punkt: was einen auffrisst, sind nämlich diese Dienste. Ob man nun bei Anruf nachts in die Klinik muss oder zum Hausbesuch ist sich da gleich.

Written by medizynicus

29. Juni 2010 at 22:47

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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Rationierung im Gesundheitswesen: Wie hättet Ihr es denn gerne?

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Nur mal so gefragt für den Fall, dass ich vielleicht doch einmal Gesundheitsminister werden sollte. Monsterdoc hatte mir diesen Job ja mal angeboten im Rahmen seines Europa-Wahlkampfes für die Gesundheits-Partei.
Und der wusste auch genau, warum er den Job nicht selber machen wollte, der Schlawiner! Als Gesundheitsminister ist man nämlich immer der Arsch vom Dienst, auf gut Deutsch gesagt.
Woran das liegt?
Ganz einfach:
1.) Je besser die Medizin wird, desto teurer wird sie. Je länger wir leben, und je länger wir gesund leben, desto mehr Gesundheits-Dienstleistungen verbrauchen wir im Laufe dieses Lebens.
2.) Gesundheitsdienstleistungen kosten Geld. Ärzte, Pflegepersonal, der Krankenhauspförtner und die Putzfrau im Pharma-Labor, sie alle wollen am Ende des Monats ihr Gehalt. Gut, Gehälter und Löhne kann man drücken – so lange, bis sie unattraktiv werden und sich die Leute was anderes überlegen. Und wer liefert dann die Gesundheitsdienstleistungen?
3.) Die Gesundheitsdienstleistungen müssen bezahlt werden, von irgendwem, in der Regel von denen, die sie in Anspruch nehmen. Dabei müssen die Belastungen für den Einzelnen „irgendwie“ sozial abgefedert werden, man kann sagen die Reichen sollen mehr zahlen, aber auch das geht nur bis zu einem gewissen Limit.

Es geht kein Weg daran vorbei:

Im Gesundheitswesen ist eine bestimmte Menge Geld drinnen und mehr wirds nicht.
Und dieses Geld soll irgendwie gerecht verteilt werden.
Wir sind uns einig, dass jemand, der mit einem Herzinfarkt in der Notaufnahme eingeliefert wird, bestmöglich behandelt werden soll.

Aber wo können wir dann Geld einsparen?
Bei der Kristallaurahokuspokustherapie vielleicht?
Aber wenn der Bruder vom Schwager vom Nachbarn vom Willi, dem sein Onkel dadurch von seinem langjährigen Tinnitus geheilt worden ist?

Written by medizynicus

24. Juli 2009 at 17:12