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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Das Märchen vom geplatzten Kondom

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Ein ganz normaler Dienst. Piepser geht.
„Kundschaft in der Ambulanz!“
„Was haben wir denn?“
Schwester Anna lacht am Telefon.
„Was wir haben? Sommer haben wir!“
Man glaubt fast, ihr breites Grinsen durch das Telefon hindurch fühlen zu können.
Unten in der Ambulanz finde ich dann ein achtzehnjähriges Mädel. Sieht ganz nett aus, die Kleine, aber erstens bin ich im Dienst und zweitens hatten wir das Thema schon öfters hier.
„Wie kann ich helfen?“ frage ich.
„Wir hatten einen Unfall!“
Hä?
Kurzer Scan: Kopfplatzwunde? Aufgescheuerte Knie? Mit dem Fuß ungeknickt? Zumindest auf den ersten Blick sind keinerlei äußerliche Verletzungszeichen sichtbar.
„Was ist denn genau passiert?“
Sie wird rot.
„Ja halt… so ein kleiner Unfall halt.. ich meine… zu zweit…“
Bin ich denn heute völlig bräsig oder was?
„Und wo ist der Unfallgegner?“ frage ich.
Schwester Anna prustet los vor Lachen, was sie geschickt als Niessen tarnt. Sie dreht sich um und macht schnell die Tür hinter sich zu.
„Mein…. ähem… mein Freund wartet draußen im Auto.“
„Warum ist er nicht mit reingekommen?“
„Er traut sich nicht.“
„Die junge Dame will sagen, sie sie braucht die Pille danach!“ berichtet Schwester Anna, die unbemerkt wieder hereingekommen ist.
„Ja, genau, weil das Kondom geplatzt ist!“ beeilt sich die Kleine, hinzuzufügen.
„Kondome platzen nicht!“ sagt Schwester Anna.
„Wie bitte?“ frage ich.
„Moderne High-Tech-Kondome kannst Du bekanntlich bis zu Luftballongröße aufblasen ohne daß sie platzen. Oder Du kannst mehrere Liter Wasser hineinfüllen. Ich will ja hier keine Mutmaßungen über bestimmte Größen anstellen, aber…“
Die Kleine wird noch einmal roter.
„Also… er hat versprochen, aufzupassen…“
„Ihr habt also gar kein Kondom benutzt?“
Sie schüttelt langsam den Kopf.
Schwester Anna schaut mich mit einem triumphierenden Blick an, bevor sie dann aus dem Nebenraum das Medikament holt.
„Du solltest mal Deinen Kollegen fragen!“ meint Schwester Anna dann nachher, als die Kleine wieder weg ist.
„Wieso?“
„Kalle Kodderschnauze hatte letztens das Vergnügen, zu diesem Thema eine echte Expertin befragen zu dürfen!“
„Wen denn?“
„Kennst Du Madame Jaqueline?“
Jeder in Bad Dingenskirchen kennt Madame Jaqueline. Vielleicht nicht unbedingt persönlich, aber ihr Etablissement im Gewerbegebiet an der Autobahn – das mit dem pinkfarbenen Leuchtreklamen-Herz – ist einfach unübersehbar. Madame Jaqueline war also letztens Gast in unserem Hause? Warum hat Kalle Kodderschnauze davon noch nichts erzählt?
Spätestens beim Mittagessen werde ich ihn mal eingehend befragen müssen!

Written by medizynicus

17. Juli 2009 at 09:15