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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Schöner Hinrichten mit Jacksonmilch?

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Das milchig-weiße, ein wenig dickflüssige Narkosemittel Propofol ist inzwischen auch bei Nichtmedizinern allgemein bekannt: spätestens seitdem sich Michael Jackson damit über den Jordan gespritzt hat (oder gespritzt worden ist, so genau weiß das ja wohl keiner – das Copyright für den Begriff Jacksonmilch gebührt übrigens selbstverständlich der OP-Tisch-Pilotin).
Das mit dem Über-den-Jordan-spritzen ist eigentlich meistens ein eher unerwünschter Nebeneffekt, es sei denn, man ist Profikiller bei der Mafia oder staatlich angestellter Henker, zum Beispiel in den USA.
Die amerikanischen Henker legen ihre Opfer… äh, Klienten? Kunden? Patienten? Was auch immer, jedenfalls die totzumachenden Menschen nämlich vorher in Narkose, bevor sie ihnen mit einem Schuss Kaliumchlorid das Licht ausblasen. (amerikanischen Ärzten ist es übrigens verboten, zu diesem Zweck venöse Zugänge zu legen).
Dazu nahm man bislang das Mittel Thiopental, Ersatzweise Pentobarbital (und nicht Phenobarbital – dank an Jan fùr den Hinweis, welches von Firmen mit schön klingenden Namen wie „Dream Pharma“ aus der EU importiert wurde.
Das Zeug ist mittlerweile immer schwieriger zu beschaffen, weil die EU den Export von Folterwerkzeugen und Hinrichtungsgeräten verbietet.
Jetzt will man also auf Propofol umsteigen. Das Zeug kommt aus Deutschland. Und soll auch schöne Träume machen.
Und weil es eh in rauhen Mengen. An US-Krankenhäuser und Großhändler exportiert wird, kann man kaum kontrollieren, ob sich nicht hier und dort die eine oder andere Henkersmannschaft etwas abzweigt…

Written by medizynicus

16. Juni 2012 at 19:15

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