Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Uwe und der Nobelpreis

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Manchmal hatte ich Uwe beneidet. Er hatte immer schon genau gewusst, was er wollte. Schon vom ersten Semester an. Da war ihm klar, dass er später einmal ein großer Chirurg werden wollte, einer von denen die mal eben vor dem Frühstück ein offenes Herz zusammenflicken und nachmittags dann zwei Siamesische Zwillinge auseinanderdividieren bevor sie abends noch ein kaputtes Hirn wieder zurechtbasteln. Und genau deshalb war er seinerzeit nach Bad Dingenskirchen gekommen.
„Kleines Haus, netter Chef, kannste viel machen, idealer Job für den Anfang!“ hatte er gesagt. Kurz darauf war dort unerwarteterweise eine weitere Stelle freigeworden und die hat er mir dann zugeschustert, nett wie er war, obwohl ich den Job eigentlich gar nicht haben wollte.
Aber das ist lange her. Und jetzt?
„Chirurgie ist out. Hausarzt ist in!“ sagt er und grinst mich über sein Bierglas hinweg an.
„Woher dieser plötzliche Meinungswandel?“ frage ich.
„Gar kein plötzlicher Meinungswandel. Ich habe es ja schon immer gewusst!“
„Du hast… was?“
Eine von Uwes Angewohnheiten ist, dass er nie Fehler macht. Und wenn mal er seine Meinung ändert, dann ist er felsenfest davon überzeugt, dass es vorher immer schon so war.
„Ich habe immer schon gewusst, dass ich mal mein eigener Chef sein will!“
Damit könnte er sogar Recht haben.
„Und außerdem brauche ich einen familienfreundlichen Job!“ fährt er fort.
„Äh…. warum das?“
„Na, wegen der Marion…“
Jetzt werde ich rot. Die Marion habe ich gemocht. Uwe allerdings auch.
„…dass wir geheiratet haben, weißt Du?“
„…äh… Glückwunsch, nee, wusste ich nicht?“
Woher denn auch.
„Ja, und als dann der Luka zur Welt gekommen ist und nachher dann die Leonie…“
Ich trinke mein Bier schnell aus und verschlucke mich dabei.
“ Lass uns gehen!“ sagt Uwe, „Ich muss heim, hab ja schließlich Familie!“
Himmel, dieser Kerl ist einfach so furchtbar schrecklich normal!
„Solltest Du übrigens auch mal allmählich dran denken, Benno,“ sagt Uwe und klopft mir im Rausgehen auf die Schulter, „Alt genug bist Du ja inzwischen!“

Written by medizynicus

11. Mai 2011 at 07:43

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Herzlich Willkommen, liebe Erstsemester!

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Ja, liebe Leute, heute beginnt der Ernst des Lebens. Sowas Ähnliches hat man Euch doch schonmal gesagt, oder? Das war so ungeähr dreizehn Jahre her, nicht wahr?
A propos, wenn mich nicht alles täuscht, dann seid Ihr ja die letzten Erstsemester, die noch dreizehn Jahre lang zur Schule gegangen sind und weil man Euch gegenüber nicht unfair sein will hat man da irgendwas gedreht von wegen Abi-Termin vorverlegt und Sommersemester-Anfangstermin zurückverlegt oder so ähnlich, damit Ihr nur ein Semester hinterher seid hinter den Leuten, die ein ganzes Jahr jünger sind aber im gleichen Jahr Abi machen dürfen.
Ja, diese Jungs und Mädels dürfen schneller Karriere machen als Ihr. Sie haben Euch das voraus, ein Politiker vor Jahrzehnten mal als die „Gnade der Späten Geburt“ bezeichnet hat. So ist das im Leben!
Natürlich seid auch Ihr begnadet, wenn Ihr mal an Eure Eltern denkt, die zwanzig oder dreißig Jahren mit dem Studium begonnen haben. Wehr- oder Zivildienst ist ja auch längst weggefallen, und mit ein wenig Glück könnt Ihr eure erste Oberarzt-Stelle just in dem Alter antreten, in dem Eure Väter gerade ihr Studium beendet hatten…. Tja, so war das halt… damals… ganz abgesehen davon, dass damals längst nicht jeder Jung-Arzt eine Chance hatte, irgendwann mal Oberarzt zu werden. Aber so ist das im Leben… und wer weiß, wie der Stellenmarkt in fünf bis zehn Jahren aussehen wird… aber das soll Euch jetzt noch keine grauen Haare wachsen lassen.
Also Leute, heute dürft Ihr noch mal ordentlich feiern, ab morgen früh wird dann studiert, und dann schauen wir weiter!

Written by medizynicus

2. Mai 2011 at 20:20

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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