Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Kollegenschwein

Guten Morgen, hier ist der Martin!

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Die honigsüße Stimme passt nicht zu seinem Eigentümer.
„Wie geht’s Dir, Benno?“ säuselt es aus dem Telefon.
„Danke, gut!“
Die eigentlich obligatorische Rückfrage verkneife ich mir denn ich kann mir schon denken, was jetzt kommt.
„Ja, hier ist der Martin.“
Für Nicht-Insider: Martin Bückling, größtes Arschloch und Kollegenschwein unter der Sonne.
Ich grummele etwas, was mit viel gutem Willen als „Guten Morgen“ durchgehen könnte. Aber mein guter Wille ist begrenzt.
„Du, Benno, ich muss Dir was sagen!“
Na, dann schieß mal los. Angesichts der Tatsache, dass es vier Minuten nach acht ist und keine Spur des leibhaftigen Martin am Stationsflurhorizont braucht man nicht viel Phantasie um zu wissen, was folgt.
„Du, ich lieg mit neununddreißig Fieber im Bett!“
Er hustet einmal demonstrativ ins Telefon und ich halte das Ding instinktiv einen halben Meter weg vom Ohr, man weiß ja nie, wozu Martins Bazillen fähig sind.
„Und?“
Es folgt ein kolossaler Niesser.
„Kannst Du’s dem Chef weitersagen?“
Ich muss mich zwingen, nicht der Versuchung zu erliegen, das nicht zu tun. Unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst… ist das nicht ein Abmahnungsgrund?

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Written by medizynicus

4. Dezember 2012 at 12:07

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Dienstplan und Kollegenschweine

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Kalle schüttelt den Kopf.
In der Hand hält er ein Blatt Papier.
„Kannst Du mir mal sagen, was das sein soll?“
Er fuchtelt mit dem Zeigefinger wild in der Luft herum.
„Wo hast Du das her?“
„Lag vorhin in meinem Postfach!“
„Ach, Du meinst den Diensplan für den nächsten Monat.“
„Dienstplan? Hast Du Dienstplan gesagt?“
Der darauf folgende Satz ist nicht zitierfähig.
„Ich folge daraus, dass Du auch nicht einverstanden bist.“ stelle ich fest.
„Wer hat dieses Ding denn produziert?“
„Na wer schon? unser Dienstplanbeauftragter natürlich.“
„Und Du und Sarah und die anderen… Ihr habt das abgesegnet?“
„Da gibts nichts abzusegnen. Wenn der Dienstplanbeauftragte das so festlegt…“
Kalle zischt ein paar weitere unzitierbare Worte.
Dann greift er zum Telefon.
Als er kurz darauf den Hörer wieder auflegt, funkeln seine Augen ziemlich böse.
„Was ist los?“
„Der werte Herr Dienstplanbeauftragte ist gerade unpäßlich!“
„Aha?“
„Er sagt, er hätte zu tun.“
„Und?“
„Den kauf ich mir jetzt!“
Wutschnaubend stürzt Kalle aus dem Zimmer.
Langsam gehe ich hinterher.

Written by medizynicus

26. Februar 2010 at 06:00

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Das Dienstplanschwein

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Die Visite dauert ewig.
Ich kenne kaum einen Patienten. Also kämpfe ich mich zunächst durch die Krankenakten und versuche, Martin Bückling’s Aufzeichnungen zu entziffern, aber seine Handschrift ist fast so schlimm wie meine.
Derweil steht Schwester Paula betont gelangweilt herum und gibt mir immer wieder zu verstehen, dass ihre Anwesenheit eine ganz besondere, nicht selbstverständliche Gunst ist und überhaupt haben vor zwanzig Jahren die Ärzte eigentlich immer alleine ohne schwesterliche Hilfe Visite gemacht. Ich überhöre die Bemerkungen.
Endlich sind wir durch. Es geht längst auf Mittag zu. So, und jetzt noch schnell beim Postfach vorbei… da liegt der Dienstplan für den kommenden Monat drin.
Ein Blick und mein Blutdruck schießt in die Höhe.
Das Wochenende mit der geplanten Fortbildung? Dienst.
Der Abend, an dem ich mit Jenny zum Kino verabredet bin? Dienst.
Das geplante verlängerte Kurzurlaubwochendene…?
Ich greife zum nächsten Telefon und funke Martin an.
Der ist gelangweilt.
„Selber schuld, wenn Du nicht zur Dienstplanbesprechung kommst!“
„Wann war die denn?“
„Letzten Donnerstag.“
„Da war ich im Urlaub.“
„Selber schuld.“
„Wieso hat mir keiner Bescheid gesagt?“
Ich hätte ihm einen Zettel ins Fach legen können mit meinen Wünschen und den Daten, an denen ich nicht kann. Es gäbe zwar keinerlei Garantie, dass er diesen Zettel berücksichtigen würde, das tut er grundsätzlich nicht, aber ein Versuch hätte es wert sein können.
„Weil eigentlich jeder Bescheid wusste.“
Dienstplanbesprechung ist an jedem ersten Dienstag im Monat, immer morgens nach der Frühbesprechung. Schon seit Jahren. Im Prinzip wenigstens. Aber nicht immer. Eigentlich nie.
„Warum war die Besprechung nicht am ersten Dienstag?“
„Weil wir den Termin verlegt haben.“
Will sagen: Weil er den Termin verlegt hat.
„Warum?“
„Weil ich nicht konnte.“
Aha.
„Entschuldige, ich habe zu tun!“ sagt Martin und legt auf.
So ein Arschloch! Ich schlucke meinen Ärger hinunter und gehe wieder hinauf auf Station.
Auf meinem Schreibtisch liegt ein Stapel Krankenakten. Die waren vor meinem Urlaub noch nicht da. Sieht nach Arbeit aus.
Und dann klingelt das Telefon. Chef ist dran. Ich weiß schon, was er will. Sarah hätte heute Dienst. Sie ist aber immer noch krank.
„Alles in Ordnung!“ sage ich mit gespieltem Optimismus, „Ich übernehme den Dienst!“
Und jetzt brauche ich wieder mal einen starken Kaffee.

Written by medizynicus

17. Februar 2010 at 07:00

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Katerstimmung

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Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub ist wie der Mega-Hangover nach einer wilden Party: Man fühlt sich gerädert, hat Kopfschmerzen und den ganzen Tag lang schlechte Laune.
In der Frühbesprechung schon geht das los: da fehlen einige Gesichter. Der Oberarzt lässt sich entschuldigen, er ist im Schnee stecken geblieben und kommt etwas später. Chef ist gut gelaunt und souverän wie immer: Er hat Kalle für diese Woche zum Überstunden abfeiern in Urlaub geschickt, berichtet er. Okay, Kalle hat’s wirklich verdient.
Aber wo ist Sarah?
Sie ist nicht aufgetaucht.
Niemand weiß etwas, auch der Chef nicht.
„Na, vielleicht kommt sie ja später noch!“ sagt er.
Aber sie kommt nicht. Irgendwie beunruhigend die Sache.
Chef denkt laut darüber nach, Kalle aus dem Urlaub zurückzuholen, was ich aber vehement zu verhindern weiß.
„Wir kommen schon zurecht, Herr Chefarzt!“
„Wirklich?“
Nee, natürlich nicht. Aber erstens bin ich kein Kollegenschwein und zweitens wird Kalle mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ans Telefon gehen, wenn das Krankenhaus anruft. Mir wird so oder so nichts anderes übrig bleiben, als mich in den nächsten Tagen mit Martin Bückling zu arrangieren, dessen dümmlich grinsende Visage ich in meinen wildesten Phantasien gerne…. lassen wir das, die Phantasien sind nicht zitierfähig.
„Ich habe übrigens den Dienstplan gemacht,“ sagt er zu mir und grinst noch fieser als sonst, „liegt in Deinem Postfach!“
Nein Danke, hab schon genug Ärger für heute. Also rauf auf Station. Frühstück fällt aus, die Schwestern haben alle Brötchen alleine aufgegessen und Kaffee ist auch keiner mehr da.
„Kommt wer mit auf Visite?“
Keine Schwester greifbar. Keine Ahnung, wo die alle stecken.
Schlechtgelaunt schiebe ich das Wägelchen mit den Patientenakten auf den Flur und baue mich vor der Tür des ersten Krankenzimmers auf. Ich schlage die erste Akte auf.
Was ist denn das?
Lauter, neue, unbekannte Namen. Das wird noch ein langer Tag!

Written by medizynicus

16. Februar 2010 at 06:44