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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Was man mit Krankenkassendaten alles anstellen kann

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Szene aus einem drittklassigen Krimi:
In einer regnerischen Novembernacht treffen sich zwei Gestalten – selbstverständlich mit Schlapphut und Trenchcoat – in einem abgelegenen Waldstück.
Ein kleines Aktenköfferchen wechselt den Besitzer. Im Gegenzug gibt es ein etwas dickeres Briefkuvert.
Was drin ist?
Eine CD. Darauf ist keine Steuersünderkartei sondern die Abrechnungsdaten einer mittelgroßen Krankenkasse. Alle Mitglieder. Mit allen ihren Diagnosen.
Was man mit diesen Daten anfangen kann?
Nun – so erfährt der Chef demnächst aus sicherer Quelle alles über den Gesundheitszustand seiner Angestellten. Und der Lebensversicherer besorgt sich schon einmal prophylaktisch die Daten aller chronisch Kranken. Nur für den Fall, dass der eine oder andere von denen demnächst mal eine Versicherung abschließen möchte. Und der fremdgehende Ehemann kann seiner Frau die Syphillis-Behandlung nicht mehr verheimlichen.
Klingt absurd?
Nee.
Anfang dieses Jahres
soll ein geheimnisvoller Unbekannter eine Krankenkasse erpresst haben. Im Falle einer Weigerung wurde angedroht, Patientendaten zu veröffentlichen.
Was war passiert? Die Kasse will Geld sparen. Sie lagert Teile ihrer Verwaltungsarbeit an Subunternehmer aus. Diese jedoch nahmen es mit dem Datenschutz nicht so genau, Mitarbeiter können offenbar sensible Patientendaten auf ihre privaten Computer downloaden und nach Lust und Laune damit verfahren.
Das perverse daran: Im Gegensatz zur Privatwirtschaft sind die Datenschutzregeln relativ lax. Kostendruck tut ein Übriges, so dass die Krankenkassen gar keine Veranlassung haben, pfleglich mit den Daten ihrer Mitglieder umzugehen.
Wie können Sie sich dagegen schützen?
Tatsache ist: Daten, welche einmal losgelassen worden sind, lassen sich nie wieder einfangen.
Und die Moral aus der Geschichte: Nach Möglichkeit erst gar keine Daten entstehen lassen.
Also besser nicht zum Arzt gehen, wenn es peinlich werden könnte.

Written by medizynicus

3. August 2010 at 07:34

Ist das Deutsche Gesundheitssystem noch zu retten?

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Das ist oft genug versucht worden.
Seit Jahrzehnten folgt eine Gesundheitsreform nach der Anderen. Politiker aller Parteien beißen sich regelmäßig die Zähne daran aus und noch kein Gesundheitminister hat es geschaft, sich dauerhaft die Sympathien von Ärzten, (potentiellen) Patienten und Krankenkassenbeitragszahlern zu sichern.
Dabei sind die Probleme seit langem bekannt:
Das deutsche System ist kompliziert, bürokratisch und getrieben von zahllosen Partikularinteressen.
Und die Lösung wäre: Bürokratie abbauen, die ganze Sache irgendwie einfacher machen und versuchen, die Partikularinteressenten an einen Tisch zu bringen.
Aber das ist eben nicht so einfach.
So wundert es auch nicht, wenn die Antwort auf die obige Frage ein klares „Nein“ ist, zumindest wenn man einer Ärzte-Umfrage der CompuGroup Medical (das ist die Firma, welche die Computersysteme für Arztpraxen herstellt) glauben mag.
Und die Antwort:
Am besten alles so lassen wie bisher.
Besser wird’s dann zwar nicht, aber man kann halt weiter jammern.

Written by medizynicus

1. August 2010 at 07:53

Haben die Krankenkassen zuviel Geld?

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…jedenfalls geben sie es für PR aus, wie Spiegel Online vorhin berichtete. Das wirft nun einige Fragen auf:

  • Warum brauchen die Krankenkassen Geld für PR? – Na logisch, weil über zweihundert Krankenkassen um Mitglieder konkurrieren
  • Wozu brauchen wir in Deutschland über zweihundert Krankenkassen? – Na logisch, weil nur durch den Konkurrenzdruck das Angebot besser wird.
  • Inwiefern unterscheidet sich das Angebot der guten Krankenkasse denn von dem Angebot der schlechten Krankenkasse? – Na klar, indem die gute Krankenkasse die Kristallauroahokuspokustherapie bezahlt während die schlechte Kasse das nicht tut

…und jetzt die wichtigste Frage: Wer braucht denn Kristallaurahokuspokustherapie? Oder: Was könnte man mit dem Geld (und dem für die PR ausgegebenen Geld) sonst noch alles machen?

Written by medizynicus

2. Juli 2009 at 16:11