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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Wir müssen reden (Teil 2)

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Mit einem gehörigen Kater bin ich am Morgen nach dem nächtlichen Treffen mit Balthasar aufgewacht. Ich greife zum Telefon und rufe Anna an. Eine halbe Stunde später sitzen wir einander gegenüber.
„Du könntest Dich mal rasieren!“ sagt Anna und nippt an ihrem biologisch-dynamischen Dharma-Chakra-Chai-Sojalatte.
„Mach keine Witze!“ gebe ich zurück und ordere einen vierfachen Espresso, „die Lage ist zu ernst!“
„Wie hat der das denn eigentlich überhaupt gemeint?“ fragt Anna.
„Keine Ahnung. Aber ich habe nicht die geringste Lust, mit einem Betonklotz am Bein im Hafen von Palermo zu landen!“
„Ist es wirklich so ernst?“ fragt Anna.
Ich versuche, die Geschehnisse der letzten Nacht vor meinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Was war das für eine verdächtige Beule in Balthasars Manteltasche? Und zu welchen möglichen oder unmöglichen Leuten der Kontakte hat, möchte ich lieber nicht so genau wissen…
„Balthasar will Ergebnisse sehen. Verkaufszahlen. Positionen in Bestsellerlisten!“
„Ich könnte mal mit Shanti reden…“ meint Anna nachdenklich.
„Und was sollte der áusrichten?“
Sie zuckt mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Andere Blogger schreiben auch Bestseller… wenn ich da an Frau Freitag denke…“
„Vergiss Frau Freitag. Die hilft uns jetzt auch nicht weiter!“
„Wir drehen uns im Kreis…“
„Und wer hilft uns dann?“
Ich nehme einen großen Schluck Espresso.
„Wer uns hilft? Unsere Leser vielleicht?“
„Wie meinst Du das?!“
„Na, wir machen einen Wettbewerb! Wer uns den besten und erfolgreichsten Marketing-Tipp liefert, kriegt ein Buch von uns. Mit Widmung und allem, was dazu gehört!“
„Und Du meinst wirklich…“
„Schaun wir mal…“

Written by medizynicus

14. September 2011 at 15:59

Marketingstrategien (Teil 3): Tante Edeltrud ihr Laden

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Ich mag den Laden von Tante Edeltrud. Er befindet sich gleich in der Nähe des Marktplatzes, an der Ecke der kleinen Gasse die hinunter zum Fluss führt. Tante Edeltrud verkauft allerlei Krimskrams, darunter Wein, eigenwilliges Kunsthandwerk und Bücher. Aber nur ganz bestimmte Bücher: nämlich nur solche, die sie selbst gelesen und für gut befunden hat. Tante Edeltrud liest eine Menge Bücher und so befindet sich in der kleinen Schaufensterauslage neben jedem ausgestellten Buch eine kleine Karte mit so etwas wie einer handgeschriebenen Kurzrezension.
Wie gesagt, ich mag diesen Laden… und trotzdem habe ich mich noch nie hineingetraut…. also zumindest bis heute noch nicht.
Und jetzt stehe ich also mit gewaltigem Herzklopfen und drei Exemplaren eines ganz bestimmten wunderbaren Buches in der Tasche vor dem uralten Fachwerkhaus mit der winzigen Schaufenstervitrine und bin gerade dabei, meinen Inneren Schweinehund zu überwinden.
Tante Edeltrud begrüßt mich mit mütterlich-fürsorglichem Lächeln.
„Was kann ich für Dich tun?“
„Äh… ich suche… äh… ich hätte gern… so ein wirklich gutes Buch!“
Tante Edeltrud lächelt noch viel breiter.
„Da kann ich Dir helfen!“ sagt sie mit Verschwörerstimme, „Ich schreibe nämlich selbst, weißt Du?“
Sie deutet mit der linken Hand auf ein eindrucksvolles Regal welches vollgestopft ist mit ihren eigenen Werken.
Zehn Minuten später verlasse ich Tante Edeltrauds Laden wieder. In der Tasche habe ich jetzt fünf weitere Bücher.
Und die drei Exemplare des ganz besonderen wunderbaren Buches… die habe ich immer noch.

Written by medizynicus

26. Juni 2011 at 22:04

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Marketingstrategien (2)

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Sauberer Kittel, souverän-gewinnendes Lächeln und zur Feier des Tages sogar eine Krawatte, so trete ich heute die Visite an.
„Also, Frau Gerber, das Warten hat ein Ende!“
Die Patientin strahlt.
„Werde ich jetzt gesund?“
Langsam schüttele ich den Kopf.
„Nein, das leider nicht.“
Die Patientin sinkt in Ihre Kissen zurück.
„Schade, Herr Doktor…“
„Ich sagte: das Warten hat ein Ende!“
Sie runzelt die Stirn.
„Wie meinen Sie das?“
Ich deute auf den zerlesenen Arztromantikliebescnnulzkitschroman auf ihrem Nachttisch.
„Den brauchen Sie jetzt nicht mehr!“
„Äh… wieso?“
„Weil es jetzt etwas Besseres gibt!“
Sie schaut mich argwöhnisch an.
Ich lange in meine Kitteltasche und hole etwas hervor. Dieses Etwas ist blau, hat 208 Seiten und die ISBN 9783842364103. Frau Gerber nimmt es mit zitternden Händen entgegen.
„Ein Buch?“ fragt sie.
Ich räuspere mich.
Balthasar und die Kunst des Heilens,“ hebe ich an, „ist ein wunderbares Werk. Es handelt von…“
Frau Gerber starrt mich an. Ihre Gesichtsfarbe geht jetzt ins Rötliche.
„Das macht dann elf Euro fünfundneunzig!“ sage ich.
„Das ist doch die größte Unverschämtheit, die mir je untergekommen ist!“ brüllt Frau Gerber, „Was fällt Ihnen ein, Sie… Sie…“
Das Buch fliegt einen halben Zentimeter an meinem linken Ohr vorbei und landet zielsicher im Papierkorb. Ich traue mich nicht, es dort herauszuholen.
„Ich glaube, wir müssen die Sache anders angehen!“ sage ich zu Anna am Telefon.

Written by medizynicus

19. Juni 2011 at 19:11

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