Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Nichtraucher

Freie Luft für Freie Bürger!

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Bayern hat gewählt und was auch immer man gegen den eigenbrötlerischen Freistaat im Süden der Republik sagen mag, diesmal waren sie echt fortschrittlich drauf da unten…. ach was sage ich, zukunftsweisend, vorbildlich, einsame Spitze war das!
Der von Politikern gerne beschworene Mündige Bürger hat’s denen da oben mal gezeigt – und interessanterweise bemühen sich jetzt alle Parteien darum, festzustellen, dass sie ja eigentlich auch schon immer dafür waren.
Gut so.
Parteiengezänk bringt uns hier nicht weiter.
Und dass Glimmstängel, Giftnudeln, Sargnägel, Krebsstäbchen, Fluppen, Ziggis und Zichten jetzt in Bayern weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt werden, ist schlicht und einfach ’ne feine Sache.
Was höre ich da? „Verbotsstaat“? „Intoleranz“?
Nee, Leute, damit Ihr mich nicht missversteht: Ich missgönne keinem Suchtbolzen seine tägliche Dosis Qualm. Sofern dieser Suchtbolzen seiner Sucht dort nachgeht, wo niemand – und ich betone noch einmal: niemand, absolut niemand! – sonst davon betroffen ist. Also entweder in seinen eigenen vier Wänden oder unter freiem Himmel mit mindestens zehn Meter Abstand von potentiellen Mitrauchern.
Denn darum geht es, versteht Ihr?
Wenn ich in einem Restaurant sitze und mir jemand seinen Rauch ins Gesicht bläst, dann finde ich das ungefähr so unappetitlich als ob mir dieser jemand in die Suppe spucken würde.
Schön, dass ich mir das nicht mehr bieten lassen muss. Zumindest in Bayern nicht.

Written by medizynicus

6. Juli 2010 at 06:50

Die Raucherpolizei

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Wie sich die Zeiten ändern! Vor fünfzig Jahren noch empfahl der Knigge, dass jeder Nichtraucher in seiner Wohnung Zigaretten vorrätig haben sollte, falls mal ein rauchender Gast vorbeikommt.
Und jetzt?
EU-Bürokraten wollen hart durchgreifen und Ernst machen im Kampf gegen den blauen Dunst, schreibt der Spiegel.
Von gnadenlosen Razzien einer noch zu gründenden Raucherpolizei und Schauprozessen ist da die Rede.
Was bedeutet das konkret?
Springen wir also ein paar Jahre in die Zukunft.
Demnächst also, irgendwo in diesem Lande vor irgendeiner Haustür.
Es klingelt bei Oma Wondraschek. An der Sprechanlage meldet sich eine männliche Stimme.
„Schulze ist mein Name, Gesundheitskontrolldienst. Machen Sie auf!“
„Äh… ich kaufe nichts an der Tür!“
„Sie verstehen mich falsch, Frau Wondraschek. Es geht um Ihre Gesundheit. Und meine Befugnisse…“
„Is ja gut…“
Frau Wodraschek drückt den Türdrücker und kurz darauf steht ein muskulöser Herr im Türrahmen, zeigt seinen Dienstausweis und stiefelt in die Wohnung.
„Frau Wondraschek, meine erste Aufgabe ist es, mich zu vergewissern, dass in diesen Räumlichkeiten kein Nikotinabusus betrieben wird!“
„Ähh… wie bitte?“
„Missbrauch von nikotinhaltigen Genussmitteln. Sie wissen schon…“
„Ach so, Sie wollen wissen, ob ich rauche? Nee, natürlich nicht.“
„…das behauptet heutzutage jeder. Können Sie Ihre Aussage belegen?“
„Hää?“
„Zeigen Sie mal Ihren Gesundheitspass! Sie gehen doch regelmäßig zum Arzt?“
„Beim Arzt? Da war ich schon seit Jahren nicht mehr. Ich hab doch nichts. Bin doch gesund…“
Herr Schulze seufzt.
„Schwierig, schwierig. Dann werden wir wohl einen Atemtest machen müssen. Pusten Sie mal in dieses Gerät!“
Der Atemtest fällt wie erwartet negativ aus und da schlechter Mundgeruch nicht strafbar ist muss Herr Schulze diesen Punkt grummelnd auf seiner Liste abhaken.
„Kommen wir zur nächsten Frage: Haben Sie in den letzten Monaten Tabakerzeugnisse erworben, halten Sie solche vorrätig oder haben Sie deren Mißbrauch duldend in Kauf genommen?“
„Äh, mein Schwager war letztens hier… der ist mal zum Rauchen auf den Balkon…“
„Ihr Balkon ist Teil Ihrer Wohnung und damit unterliegt alles, was dort geschieht Ihrer uneingeschränkten Verantwortung. Eine gesundheitliche Beinträchtigung Ihrer Nachbarn kann nicht ausgeschlossen werden. Da ist wohl ein Bußgeld fällig. Das kann teuer werden, Frau Wondraschek. Halten Sie in Ihrer Wohnung etwa genehmigungspflichtige Aschenbecher zum Gebrauch bereit?“
„Nein…“
„Frau Wondraschek, auch hier muss ich Sie erneut verwarnen! Draußen vor der Haustür ist ein Aschenbecher angebracht!“
„Der steht doch nur deswegen dort, damit niemand mit einer brennenden Zigarette ins Treppenhaus geht. Wissen Sie, ich bin nämlich allergisch gegen Zigarettenrauch, deswegen auch das Rauchverbotsschild…“
„Sie liefern das Stichwort, Frau Wondraschek. Das Schild ist nämlich viel zu klein und erfüllt damit nicht die geltenden Vorschriften. Außerdem fehlt unter dem Schild die Telefonnummer der Raucherpolizei, ich meine natürlich vom Gesundheitskontrolldienst. Das wird teuer, Frau Wondraschek. Kraft meiner Befugnisse verhänge ich hiermit ein Bußgeld in Höhe von…“
„Haben Sie denn kein Mitleid? Meine Rente reicht ja kaum zum überleben…“
„Frau Wondraschek, das sollte Ihnen ihre Gesundheit doch wert sein! Oder etwa nicht?“

Written by medizynicus

15. Februar 2010 at 11:01

Okay, Rauchen ist ungesund. Wusstet Ihr das noch nicht?

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Monsterdoc und Kranke Schwester haben die Diskussion ins Rollen gebracht, und jetzt geb ich auch mal meinen Senf dazu:

Wenn ich morgens zur Arbeit komme, dann sehe ich sie, die armen Gestalten, die bedauernswerten Junkies, wie sie da vor der Kellertür stehen, am Hintereingang zum Krankenhaus und sich schnell noch ne Fluppe reinziehen, dabei auf die Uhr schielen, hastig inhalieren, dann die halbgerauchte Kippe auf den Boden schmeißen und in Richtung Aufzug trippeln. Der Boden ist längst über und über mit Kippen bedeckt, welche vom Hausmeister jeden Nachmittag zusammengefegt werden. Natürlich hat es schon Verwaltungsrundschreiben gegeben auf denen geschrieben stand daß man seine Kippen nicht auf den Boden werfen soll, aber wen kümmerts? Wer nimmt denn auch die Verwaltungsrundschreiben schon ernst?
Der Hausmeister nimmts mit Gleichmut. Er raucht selbst.
Medizynicus schreitet erhobenen Hauptes an den Junkies vorbei, schmettert ein fröhliches „Guten Morgen“ und nimmt die Treppe.
Er ist nicht kurzatmig und hat auch kein Raucherbein, außerdem riecht er nach Duschgel und Deo und nicht nach abgestandenem Zigarettenqualm.
Oben am Balkon im zweiten Stock trifft er die Junkies wieder, da ziehen sie sich dann schon die nächste Fluppe rein.
Medizynicus greift sich nen Kaffee und muss dann los, Kurvenvisite machen.

Written by medizynicus

10. Juni 2009 at 08:42