Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Lieber Kevin, liebe Schantall,

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Schickt Euch der Papa immer noch zum Zigarettenholen?
Bestimmt sagt er dann: „Geht mal raus an die frische Luft, das tut Euch gut!“ Vor allem natürlich im Winter, wenn es stürmt und schneit. Der Papa ist halt abends immer so müde von der Arbeit. Wenn es dunkel ist sind die Geschäfte zwar meistens schon geschlossen, aber der Automat hat immer auf. Mit den Automaten, das ist ja jetzt etwas schwieriger geworden, da muss man halt ein bisschen klettern, und wenn Euch der Papa nicht seine Karte mitgeben würde, dann würde es gar nicht klappen. So aber gehts.
Weil die blöde Tante da beim Edeka an der Kasse, die hat mal Ärger gemacht und sich aufgeregt. Die hat gesagt das ist verboten, Tabakprodunkte an Kinder und so und da sind Euch gleich die Tränen über die Wangen gekullert, weil Ihr könnt ja nichts dafür, wenn der Papa Euch schickt.
Was heisst denn schon verboten? Wenn der Papa Euch mal wieder eine schallert weil Ihr zu laut wart, dann ist das doch auch verboten. Vielleicht ist es ja auch verboten, dass der Papa die Mama an den Haaren ins Schlafzimmer zieht, ihr eine Backpfeiffe gibt und dann brüllt: „Komm her, Du Schlampe, jetzt kriegst Du was Du brauchst!“, bevor er die Tür hinter sich zuknallt.
Aber der Horst vom Tabakladen an der Ecke, der kennt Euch ja und der kennt auch den Papa und er weiss ja dass die Fluppen für den Papa sind und gibt sie Euch raus ohne blöde Sprüche und so und meistens gibt’s dann auch noch einen Lutscher oder ein paar Bonbons dazu. Ja, der Horst, der ist schon ein ganz Netter!
Tja, lieber Kevin und liebe Schantall, so ist das.
Aber die Sache letztens beim Dokta, die fand ich richtig gut!
Wisst Ihr noch noch?
Da wart Ihr, weil Ihr beide immer so husten müsst und der Husten nicht weggeht. Da hat der Doktor gefragt ob irgendwer in der Familie raucht. Und der Papa hat irgendwas genuschelt was sich so ähnlich anhörte wie: „…meistens nur draußen auf dem Balkon!“
Dabei habt Ihr gar keinen Balkon.
Und dann hast Du, Kevin gesagt: „Aber manchmal auch drinnen!“
Und Du, Schantall hast hinzugefügt: „Und das ist immer voll eklig!“

Written by medizynicus

9. Oktober 2010 at 06:00

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Schlechte Nachrichten für rauchende Eltern

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Frage an den Papa von Kevin und Schantall:
„Rauchen Sie?“
„Nee…“
„Wirklich nicht?“
„Also… nicht vor den Kindern….“
„Aha?“
„…höchstens aufm Balkon…“
„Ja?“
„…und manchmal in der Küche! Aber nur, wenn die Kinder draußen sind…“
Okeh… und warum haben Kevin und Schantall dann ständig chronischen Husten, der wo nicht weggeht?
Selbst wenn Papas Aussagen stimmen würden (ob sie das tun, ist ein anderes Thema): Auch die Nikotinreste in der Kleidung sind schädlich, hat die Wissenschaft letztens festgestellt. Interessant. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Zukunft noch von zahlreichen weiteren Forschungsergebnissen hören werden, welche die Gefahren des „Rauches aus Dritter Hand“ bestätigen. Schließlich hat es noch vor zwanzig Jahren geheißen, dass auch das Passivrauchen völlig ungefährlich sei. Was bekanntlich gründlich widerlegt ist!
Und wo wir gerade beim Thema sind: Tabakprodukte sollen wieder mal teurer werden.. Die Regierung erwägt, die Steuern zu erhöhen. Aber mit Steuererklärungen ist das ja immer so eine Sache. So richtig freuen kann man sich darüber nicht. Denn wahrscheinlich kriegen Kevin und Schantall dann einfach keinen neuen Wintermantel mehr und der Zoobesuch wird auch gestrichen, damit sich Papa weiterhin seine Fluppen leisten kann…

Written by medizynicus

2. Oktober 2010 at 06:14

auf dem Raucherbalkon nachts um halb eins…

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Es ist still.
Alles ruhig soweit.
Ich schleiche über die nächtlichen Flure, schaue hier noch einmal vorbei und dort, kurzer Smalltalk mit den Nachtdienst-Schwestern, bevor ich mich hoffentlich für ein paar Stündchen zurückziehen kann.
Im zweiten Stock steht die Tür zum Balkon offen.
Auf dem Balkon steht Herr Schröder und raucht.
Als er mich sieht, versucht er schnell, seine Zigarette hinter dem Rücken zu verstecken.
„Ich weiß, was Sie jetzt sagen, Herr Doktor!“
Ich sage erstmal gar nichts.
Herr Schröder auch nicht.
Dann holt er die Zigarettenhand wieder hervor, nimmt einen Zug, inhaliert, und bläst den Rauch in die feuchtkühle aber nicht mehr frostige Nachtluft.
„Was kann mir denn noch passieren, Herr Doktor?“ fragt er.
Ich sage immer noch nichts.
Herr Schröder lacht, oder versucht zu lagen aber es wird nur ein ziemlich schiefes Grinsen draus.
„Nee, Sie brauchen keine Angst zu haben. Ich springe nicht runter!“
Dazu hätte er allerdings Grund. Denn etwa zwölf Stunden zuvor habe ich ihm mitteilen müssen, dass er ein Bronchialkarzinom hat, und zwar ziemlich fortgeschritten, Operation wahrscheinlich nicht mehr möglich und Metastasen gibt es auch schon. In den nächsten Tagen werden wir ihn durch die Mangel drehen, Blut abzapfen, röntgen, sonografieren, endoskopieren, einmal- zweimal und dreimal durch verschiedene Röhren schieben und ihn bei allen möglichen Experten vorstellen um herauszufinden, was man noch machen kann. Trotzdem ist das Ergebnis vorhersehbar.
„Denken Sie daran, die Tür wieder zuzumachen, wenn Sie zurück aufs Zimmer gehen!“ sage ich.
Er nickt.
Ich gehe weiter und hoffe, dass er wirklich nicht springt. Aber er hat mir ja sein Wort gegeben.

Written by medizynicus

22. März 2010 at 07:27

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Die Raucherpolizei

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Wie sich die Zeiten ändern! Vor fünfzig Jahren noch empfahl der Knigge, dass jeder Nichtraucher in seiner Wohnung Zigaretten vorrätig haben sollte, falls mal ein rauchender Gast vorbeikommt.
Und jetzt?
EU-Bürokraten wollen hart durchgreifen und Ernst machen im Kampf gegen den blauen Dunst, schreibt der Spiegel.
Von gnadenlosen Razzien einer noch zu gründenden Raucherpolizei und Schauprozessen ist da die Rede.
Was bedeutet das konkret?
Springen wir also ein paar Jahre in die Zukunft.
Demnächst also, irgendwo in diesem Lande vor irgendeiner Haustür.
Es klingelt bei Oma Wondraschek. An der Sprechanlage meldet sich eine männliche Stimme.
„Schulze ist mein Name, Gesundheitskontrolldienst. Machen Sie auf!“
„Äh… ich kaufe nichts an der Tür!“
„Sie verstehen mich falsch, Frau Wondraschek. Es geht um Ihre Gesundheit. Und meine Befugnisse…“
„Is ja gut…“
Frau Wodraschek drückt den Türdrücker und kurz darauf steht ein muskulöser Herr im Türrahmen, zeigt seinen Dienstausweis und stiefelt in die Wohnung.
„Frau Wondraschek, meine erste Aufgabe ist es, mich zu vergewissern, dass in diesen Räumlichkeiten kein Nikotinabusus betrieben wird!“
„Ähh… wie bitte?“
„Missbrauch von nikotinhaltigen Genussmitteln. Sie wissen schon…“
„Ach so, Sie wollen wissen, ob ich rauche? Nee, natürlich nicht.“
„…das behauptet heutzutage jeder. Können Sie Ihre Aussage belegen?“
„Hää?“
„Zeigen Sie mal Ihren Gesundheitspass! Sie gehen doch regelmäßig zum Arzt?“
„Beim Arzt? Da war ich schon seit Jahren nicht mehr. Ich hab doch nichts. Bin doch gesund…“
Herr Schulze seufzt.
„Schwierig, schwierig. Dann werden wir wohl einen Atemtest machen müssen. Pusten Sie mal in dieses Gerät!“
Der Atemtest fällt wie erwartet negativ aus und da schlechter Mundgeruch nicht strafbar ist muss Herr Schulze diesen Punkt grummelnd auf seiner Liste abhaken.
„Kommen wir zur nächsten Frage: Haben Sie in den letzten Monaten Tabakerzeugnisse erworben, halten Sie solche vorrätig oder haben Sie deren Mißbrauch duldend in Kauf genommen?“
„Äh, mein Schwager war letztens hier… der ist mal zum Rauchen auf den Balkon…“
„Ihr Balkon ist Teil Ihrer Wohnung und damit unterliegt alles, was dort geschieht Ihrer uneingeschränkten Verantwortung. Eine gesundheitliche Beinträchtigung Ihrer Nachbarn kann nicht ausgeschlossen werden. Da ist wohl ein Bußgeld fällig. Das kann teuer werden, Frau Wondraschek. Halten Sie in Ihrer Wohnung etwa genehmigungspflichtige Aschenbecher zum Gebrauch bereit?“
„Nein…“
„Frau Wondraschek, auch hier muss ich Sie erneut verwarnen! Draußen vor der Haustür ist ein Aschenbecher angebracht!“
„Der steht doch nur deswegen dort, damit niemand mit einer brennenden Zigarette ins Treppenhaus geht. Wissen Sie, ich bin nämlich allergisch gegen Zigarettenrauch, deswegen auch das Rauchverbotsschild…“
„Sie liefern das Stichwort, Frau Wondraschek. Das Schild ist nämlich viel zu klein und erfüllt damit nicht die geltenden Vorschriften. Außerdem fehlt unter dem Schild die Telefonnummer der Raucherpolizei, ich meine natürlich vom Gesundheitskontrolldienst. Das wird teuer, Frau Wondraschek. Kraft meiner Befugnisse verhänge ich hiermit ein Bußgeld in Höhe von…“
„Haben Sie denn kein Mitleid? Meine Rente reicht ja kaum zum überleben…“
„Frau Wondraschek, das sollte Ihnen ihre Gesundheit doch wert sein! Oder etwa nicht?“

Written by medizynicus

15. Februar 2010 at 11:01

Zigarettendetektive

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„Na, wie viel rauchen Sie denn?“
Herr Schmökiweg liegt hustend auf der Untersuchungsliege und starrt mich mit großen Augen an.
„Sie haben mich doch noch gar nicht gefragt, ob ich überhaupt rauche!“
„Nein, habe ich nicht!“
„Und woher wollen Sie dann wissen…?“
Woher ich das weiß? Weil ich Hellseher bin und eine Kristallkugel besitze.
Nee, mal im Ernst: Ich bin Arzt. Mein Job ist es, Diagnosen zu stellen.
Und weil Herr Schmökiweg drei Meter gegen den Wind nach kaltem, abgestandenem Zigarettenqualm stinkt, dann reicht das für die Diagnose. Abgesehen davon, dass 95 Prozent aller Patienten, welche, wie Herr Schmökiweg an Chronisch Obstruktiver Lungenerkrankung leiden, Raucher sind. Zumindest dann, wenn sie in Bad Dingenskirchen leben und nicht in Kabul oder einer chinesischen Industriestadt, deren Himmel stets vom Dauer-Smog verdüstert wird.
Und abgesehen davon – habe ich in Herrn Schmökiweg’s Jackentasche eine ein Päckchen Zigaretten gesehen. Die ohne Filter von der Marke, welche große Freiheit verspricht.

Written by medizynicus

18. Dezember 2009 at 10:49

…und nochmal Raucher-Bashing

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Letzens in der Notaufnahme.
Nachmittags um fünf, so’n Typ mit Blauem Auge und Platzwunde Hinterkopf. Eigentlich zu früh am Tag für sowas, aber er war auch nicht besoffen. Immerhin.
„Also, wie isn‘ das passiert?“ frage ich.
„Vorhin beim Boulettenbräter,“ sagt er.
„Wusste gar nicht, daß man sich da Blaue Augen einfangen kann,“ sage ich.
„Also, das war so…“ fängt er an, „da gibts ja inzwischen einen Nichtraucherbereich…“
„Richtig so,“ sage ich.
„…aber wenn Aschenbecher auf dem Tisch stehen, dann darf man rauchen. Und das habe ich getan. Und dann kommt da so ein Typ und will mir das verbieten!“
„Warum?“
„Er meint, hier sei Nichtraucherbereich. Deutet auf so ein Schild. Aber bei mir aufm Tisch warn Aschenbecher. Also durfte ich rauchen.“
„Was haben Sie getan?“
„Gar nichts. Hab weitergeraucht.“
„Und er?“
„Hat rumgemeckert.“
„Und?“
„Ich hab gar nichts gemacht. Ich bin ein friedlicher Mensch.“
„Aber?“
„Er hat behauptet, ich würde seine Kinder belästigen. Zwei so rotznasige Kröten…“
„Waren Sie nun im Raucher- oder im Nichtraucherbereich?“
„Ich hab doch gesagt, da stand n Aschenbecher aufm Tisch. Ob da irgendwo ein Schild hing weiß ich nicht. Ist auch egal. Ich hab ihm gesagt, was er mich mal kann und mir noch eine angesteckt…“
„Und er?“
„Er hat behauptet, seine Kinder fühlten sich belästigt…“
„Das sagten Sie schon.“
„Und dann hat er mir in die Cola gespuckt. Können Sie sich das vorstellen? Rotzt der Typ mir da einfach so in die Cola. Sowas lass ich mir natürlich nicht bieten! ich steh also auf und ihm eine gelangt. Daraufhin schüttet er mir die Cola ins Gesicht. Naja… irgendwann der kam der Geschäftsführer und schmeisst uns beide raus. Und ich rutsche auf der ausgeschütteten Cola aus und hau mich an der Tischkante an…“
Nein, ich hatte kein Mitleid mit ihm.
Und wenn sich der unbekannte Colaspucker mal bei mir meldet, verleihe ich ihm einen Orden!

Written by medizynicus

11. Juni 2009 at 10:50

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Okay, Rauchen ist ungesund. Wusstet Ihr das noch nicht?

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Monsterdoc und Kranke Schwester haben die Diskussion ins Rollen gebracht, und jetzt geb ich auch mal meinen Senf dazu:

Wenn ich morgens zur Arbeit komme, dann sehe ich sie, die armen Gestalten, die bedauernswerten Junkies, wie sie da vor der Kellertür stehen, am Hintereingang zum Krankenhaus und sich schnell noch ne Fluppe reinziehen, dabei auf die Uhr schielen, hastig inhalieren, dann die halbgerauchte Kippe auf den Boden schmeißen und in Richtung Aufzug trippeln. Der Boden ist längst über und über mit Kippen bedeckt, welche vom Hausmeister jeden Nachmittag zusammengefegt werden. Natürlich hat es schon Verwaltungsrundschreiben gegeben auf denen geschrieben stand daß man seine Kippen nicht auf den Boden werfen soll, aber wen kümmerts? Wer nimmt denn auch die Verwaltungsrundschreiben schon ernst?
Der Hausmeister nimmts mit Gleichmut. Er raucht selbst.
Medizynicus schreitet erhobenen Hauptes an den Junkies vorbei, schmettert ein fröhliches „Guten Morgen“ und nimmt die Treppe.
Er ist nicht kurzatmig und hat auch kein Raucherbein, außerdem riecht er nach Duschgel und Deo und nicht nach abgestandenem Zigarettenqualm.
Oben am Balkon im zweiten Stock trifft er die Junkies wieder, da ziehen sie sich dann schon die nächste Fluppe rein.
Medizynicus greift sich nen Kaffee und muss dann los, Kurvenvisite machen.

Written by medizynicus

10. Juni 2009 at 08:42