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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Darf man anonym bloggen? Verklagt mich doch, wenn Ihr wollt!

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Seit gestern oder vorgestern tobt beim Kinderdok eine heiße Debatte darüber, ob man denn nun in Deutschland anonym bloggen darf oder nicht. Irgendein Troll hat behauptet, er wolle ihn verklagen.
Hintergrund der Geschichte:
Es wird behauptet, jeder Blogger sei „gesetzlich verpflichtet“, auf seinem Blog ein „gültiges“ Impressum mit vollem Namen und voller Adresse anzugeben.
Wer anonym bloggen möchte, kann und wird das natürlich nicht tun.
Macht man sich nun damit strafbar?
Das behaupten einige, aber niemand weiss es wirklich.
Einen der derzeit 19 Kommentare möchte ich im Volltext zitieren:

Lieber Kinderdoc mit c oder k,
Wir kennen uns – auch ich betreibe ein Blog und bin – aus den selben Gründen wie Du – anonym. Um diesem Kerl keine Steilvorlage zu geben poste ich hier mal nicht unter meinem gewöhnlichen Nick (anhand meiner IP-Nummer beim Freischalten dieses Kommentars kannst Du aber rauskriegen, wer ich bin).

Also, halten wir fest:

1.) Wenn man wirklich alles hundertprozentig richtig machen will, müsste man wahrscheinlich ein Impressum schalten. Denn Blogs gelten möglicherweise als “journalistische Machwerke” oder so ähnlich und auch eine einzige Bannerwerbung reicht möglicherweise aus um ein “geschäftliches Interesse zu unterstellen”. Kann sein, kann auch nicht sein.
2.) Aus meiner Formulierung von Punkt 1 folgt, dass ich mich da auch nicht so richtig auskenne. Ich bin halt kein Jurist und kann nur mutmaßen.
3.) Damit bin ich nicht allein. Die meisten Menschen, die hier lesen, sind keine Juristen und haben von Gesetzesdingen nur begrenzt Ahnung.
4.) Rein moralisch gesehen finde ich es richtig, dass Du und ich anonym bloggen. Sowohl Dein als auch mein Blog werden viel und gerne gelesen sind eine Bereicherung der deutschsprachigen Medienlandschaft. Und sowohl Du als auch ich haben unsere Gründe dafür, anonym zu bleiben.
5.) Aus Punkt 4 folgt: Moralisch sind anonyme Blogger im Recht – sofern sie auf ihren Blogs nicht zu strafbaren Handlungen aufrufen.
6.) Die nicht nur in Deutschland verbreitete Haltung, im Vorauseilenden Gehorsam lieber klein beizugeben weil “man könnte ja irgendwelche Gesetze verletzen,” die man aber gar nicht kennt finde ich zum Erbrechen. Das hat schon Franz Kafka seinerzeit so gesehen – der konnte es schöner ausdrücken. Diktatorische Staaten haben es immer wieder geschafft, gezielt so eine Stimmung zu schüren und damit die Bürger respektive Untertanen dazu zu bringen, das Maul zu halten.
7.) Wir alle verletzen irgendwann mal irgendwo irgendwelche Gesetze. Welcher Autofahrer hat noch nie irgendwann irgendwo ein Knöllchen wegen Falschparkten bekommen? Wer hält sich immer überall an die Geschwindigkeitsbegrenzung? Gut, wenn ich weiß, daß irgendwo ein Blitzer steht halte ich mich in der Regel schon daran. Aber wenn Du zum Beispiel notfallmäßig zu einem Hausbesuch musst und es wirklich um Leben und Tod geht – absolute Ausnahme, ich weiß, auch etwas konstruiert der Fall – dann sollte es einem egal sein, ob man mal kurzzeitig schneller fährt als erlaubt. Dafür hätte möglicherweise sogar ein Polizei-Blitzer Verständnis (zumindest damals in der guten alten Zeit, als es noch einen Dorfpolizisten gab, mit dem man reden konnte).
8.) Aus Punkt 7 folgt: Es gibt verschiedene “Rechtsgüter”, die man gegeneinander abwägen muss. Und hieraus folgt – ohne daß ich Jurist wäre – meine gewagte Schlußfolgerung:
9.) DAS IM GRUNDGESETZ GARANTIERTE RECHT AUF FREIE MEINUGSÄUSSERUNG WIEGT MEHR ALS IRGENDEINE VERDAMMTE KORINTHENKACKEREI !
Howgh. Ich habe gesprochen.

Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Was meinen die anderen die anderen Anonymblogger dazu?
Oder ist es Zeit für eine große Kampagne, analog der Internet-Zenzur-Aktion?