Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Sarah

…und danke fürs Diktat. Ende.

with 5 comments

Das gibts doch nicht!
Draußen ist lacht die immer noch verhältnismäßig goldene Herbstsonne und ich sitze da am Fenster und schaue der Sonne beim Lachen zu. Ich habe die Visite beendet, bin auch mit dem Papierkram fertig, habe alle Untersuchungen gemacht, war Mittagessen, habe alle notwendigen Braunülen gelegt und dann sogar aus Langeweile noch den kompletten Stapel aller Artzbriefe wegdiktiert und es ist immer noch etwas übrig vom Tag.
Ich gehe raus, hole mir einen Kaffee und setze mich wieder an meinen Arbeitsplatz.
Am anderen Schreibtisch sitzt Sarah und diktiert.
„Magst Du auch einen Kaffee?“
Sie schüttelt den Kopf.
Ich tu so, als würde ich arbeiten, aber das wirkt nicht sehr überzeugend.
Also schaue ich wieder der Sonne zu. Sarah diktiert weiter.
„Kann ich Dir irgendwie helfen?“
Sie schüttelt den Kopf.
Also schaue ich wieder der Sonne zu.
„Wirklich nicht?“
Ich stehe auf und gehe zu ihr hinüber. Neben ihr liegt ein beeindruckend hoher Stapel an Patientenakten.
„Komm, ich nehme Dir welche ab!“
„Nee, brauchste wirklich nicht!“
„Doch, is ja kein Akt…“
Beherzt greife ich in den Stapel und ziehe ein paar Akten heraus.
Und jetzt ist die Sonne längst tief blutrot über Bad Dingenskirchen untergegangen und ich sitze immer noch da in dem inzwischen leeren Arztzimmer vor meiner kaltgewordenen Kaffeeplörre und versuche die Handschriften meiner Kollegen zu entziffern.
„…und verbleibe mit kollegialen Grüßen, Unterschrift und danke fürs Diktat.“

geht die Sonne gerade blutrot über Bad Dingenskirchen unter und

Written by medizynicus

15. November 2011 at 14:30

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with , , ,

Skiurlaub mit… ?

with 12 comments

Ich bin genervt.
Sarah hingegen strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„…einmal werden wir noch wach!“ singt sie und setzt ihr allersüßestes Lächeln auf.
Ich blicke von der Krankenakte Müller, Hans-Georg auf und lege das Diktiergerät zur Seite.
„Okay, und was ist dann?“
Sarah deutet an den großen Wandkalender, wo wir alle unsere Urlaubswünsche eingetragen haben.
„Schau mal da! Morgen nachmittag, spätestens um siebzehn Uhr werde ich meinen Kittel in den Schrank hängen. Und dann habe ich Urlaub. Eine ganze Woche lang!“
„Gratuliere. Ich auch.“
Sarah starrt mich mit großen Augen an.
„Ach!“
„Vergiss es!“ sage ich.
Sarahs gute Laune ist nur schwer zu ertragen. Jedenfalls habe ich keine Lust, ihr die Geschichte von dem gestrigen Telefongespräch mit der Verwaltung auf die Nase zu binden. Abgesehen davon habe ich immer noch keine Ahnung, wie und wo ich die nächste Woche verbringen werde. Bei Minusgraden und leise rieselndem Schnee mag Bad Dingenskirchen für Touristen vielleicht nett und romantisch aussehen, aber wenn man dort wohnt, ist es vor allem Eines: nämlich kalt. Verdammt kalt. Und ungemütlich. Und um lastminutemäßig irgendwohin wegzufliegen fehlt mir momentan die Kohle. Vor allem aber die Zeit und die Lust zum stundenlangen Reiseseitensurfen um irgendwelche megatollen Schnäppchen ausfindig zu machen.
Auch Lastminutebuchen will schließlich organisiert sein.
„Also, ich weiß, was ich mache!“ sagt Sarah.
„Erzähl!“
Nicht, dass es mich auch nur die Bohne interessieren würde.
„Ich werde Skifahren. Eine ganze Woche lang. Wir haben ein Chalet gemietet, mit ein paar Freunden…“
„Klingt romantisch!“
Was man von dem Tonfall meiner Antwort nicht gerade behaupten kann.
Ich nehme das Diktiergerät wieder in die Hand und tu so, als könne ich mich wieder auf Müller Hans-Georg konzentrieren. Kann ich natürlich nicht, also stehe ich auf und hole mir nebenan im Schwesternzimmer einen Kaffee ohne Sarah zu fragen, ob sie auch einen möchte.
Als ich zurückkomme, steht Sarah wie versteinert vor dem Wandkalender.
„Du hast Dir ja wirklich für nächste Woche Urlaub eingetragen!“
„Sag ich doch!“
„Weiß ich ja gar nichts von.“
„Hat mir die Verwaltung auch gestern erst geschenkt.“
„Und was machst Du?“
Kleine Kolleginnen auffressen, will ich sagen, tu ich aber natürlich nicht. Stattdessen sage ich gar nichts, setze mich an den Schreibtisch und tu so, als wolle ich mit dem Diktat wieder anfangen.
„Hast Du Lust, mitzukommen?“
Fast wäre mir meine Kaffeetasse aus der Hand gefallen.
„Ich?“
Sarah lacht.
„Kannst Du Skifahren?“
Können ist übertrieben. Okay, ich habe mal auf so Dingern gestanden, aber das ist schon ziemlich lange her. Ob ich jetzt noch auf Brettern einen Hang runter rutschen könnte ohne mir sämtliche Knochen zu brechen, wage ich zu bezweifeln. Und abgesehen davon besitze ich keinerlei Skiausrüstung und erst recht nicht die Kohle um mir das Zeug jetzt alles zuzulegen.
„Vergiss es!“ sage ich und gehe hinunter in die Notaufnahme.

Written by medizynicus

4. Februar 2010 at 12:00